Begeisterung und Stolz – Die Neuruppiner Aequinox Musiktage feiern den 10. Geburtstag

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Neuruppin liegt schön am Neuruppiner See. Quelle: Pixabay

Neuruppin, Deutschland (Kulturexpresso). Als Geburtsort von Theodor Fontane ist Neuruppin derzeit in aller Munde. Die Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag des Schriftstellers bereichern auch die Aequinox Musiktage, die stets zum Frühlingsanfang stattfinden, rund um die astronomische Konstellation der Tag- und Nachtgleiche. Vom 21. bis 24. März geht das Festival nun zum zehnten Mal über die Bühne.

„Der Name Aequinox ist auch Programm“, meint der Lautenist Wolfgang Katschner, Festivalleiter und Chef des Alte-Musik-Ensembles lautten compagney, das bei Aequinox als Ensemble in Residence mitwirkt. „Im Mittelalter gab es zum Phänomen der Tag- und Nachtgleiche allerhand philosophische Ausdeutungen, die sich um Ideen des Ausgleichs drehten“, so Katschner. „Auch mit unserem Festival wollen wir eine Balance zwischen den unterschiedlichen Stilen und Spielorten finden.“

Dementsprechend wendet man sich nicht in erster Linie an die Nerds der historischen Aufführungspraxis. Vielmehr wird mit kurzweiligen und genre-übergreifenden Programmen auch die ortsansässige Bevölkerung einbezogen. „Wir bieten eine Mischung aus Bewährtem sowie neuen Formaten und Experimenten“, sagt Wolfgang Katschner, der angesichts des Festival-Jubiläums „Begeisterung, Stolz und Dankbarkeit“ empfindet.

Am Donnerstag lädt die lautten compagney bei freiem Eintritt zur „Jubiläumseinstimmungsfeier“ ein. Die findet in der spätgotischen Siechenhauskapelle statt, Herzstück kleinen Altstadtviertels, das der große Brand von 1787 übrig ließ.

Ein Schwerpunkt im Programm sind Bezüge zu Theodor Fontane, der in Neuruppin zur Welt kam und hier als Sohn des Apothekers seine Kindheit verbrachte. Am Samstag liest die Schauspielerin Eva Mattes aus dem Fontane-Roman „Effi Briest“. Das Calmus Vokalquintett illustriert die berühmte Seitensprung-Geschichte mit Madrigalen, Arien und Popsongs.

Erstmals bringt die lautten compagney eines ihrer erfolgreichsten Projekte nach Neuruppin: Shakespeares „Sommernachtstraum“ im Revue-Format; zusammen mit dem Schauspieler Dominik Horwitz.

Alljährlich zieht das Festival auch nach Altruppin, in den einstigen Kornspeicher Neumühle, der heute ein Antiquitäten-Lager beherbergt. Das Publikum sitzt hier auf gedrechselten Stühlen und samtenen Sofas, umringt von altertümlichen Schränken und Spiegeln.

Zum Jubiläum hat Wolfgang Katschner zwei Highlights früherer Festivaldurchgänge erneut in den Kornspeicher eingeladen. So verwandelt sich die Schauspielerin Mechthild Großmann in die Stute Rosinante, um die Abenteuer des fahrenden Ritters Don Quichote aus ganz eigener Perspektive zu kommentieren. Die lautten compagney spielt dazu alte spanische Tänze.

In einer weiteren Konzertlesung reist Eva Mattes mit Marco Polo ins ferne China. Dazu präsentiert die lautten compagney eine Mischung aus europäischem Barock und traditioneller chinesischer Musik.

Wie jedes Jahr finden die Konzerte an verschiedenen Orten in und um Neuruppin statt. Erstmals bespielt das Festival die imposante Stadtkirche in Fehrbellin, die von Friedrich August Stüler stammt und mit ihren gelben Ziegeln einen Hauch Toskana verbreitet. „Tolle Atmosphäre! Tolle Akustik!“, lobt Wolfgang Katschner den Bau, in den er die Renaissance-Bläser der „Capella de la Torre“ eingeladen hat.

www.lauttencompagney.de

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