DDR-Neubauten auf Sansibar und andere späte Spuren des deutschen Kolonialismus

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"Koloniale Spuren in den Archiven der Leibniz-Gemeinschaft", herausgegeben von Heinz Peter Brogiato und Matthias Röschner. © Mitteldeutscher Verlag

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Corona sei dank haben wir nun endlich Zeit und können uns mit dringend notwendigen Büchern beschäftigen.

Heute empfehle ich „Koloniale Spuren in den Archiven der Leibniz-Gemeinschaft“ aus dem Mitteldeutschen Verlag. Auch einer dieser zahlreichen kleineren und mittleren Verlage, die unsere Bücherwelt bunt machen. In vielen dieser Verlage herrscht Kurzarbeit, neue Projekte müssen verschoben werden.

Wenn ihr also einen Taler übrighabt, kauft Bücher. Man kann sich damit den Hintern abwischen, findige Tierchen ernähren sich sogar davon.

Worum geht’s?

In elf fußballgerechten Kapiteln fächern diverse Autor*innen ein breites Spektrum aus.

Über deutschen Auslandsbergbau, die gute, wie die schlechten Seiten deutscher Forscher in Afrika, den Kolonialismus und die nationalen Befreiungsbewegungen, zog mich besonders das Kapitel über den Architekturexport der DDR als Hebel antikolonialistischer Außenpolitik in den Bann. Auch, weil ich in den 90er Jahren auf Sansibar die Reste dieser Bauvorhaben intensiv bewundern durfte. Seinerzeit gab es sogar noch vereinzelt Mülleimer im Besitz der Sansibarer zu bestaunen. Im Beitrag erfahren wir von den nachvollziehbaren Widrigkeiten der Bauaktivitäten, die beigefügten Fotos von DDR-Plattenbauten in Vietnam usw. sind mehr als skurril.

Lesenswertes Buch, wunderbare Abbildungen, bestellt es euch, am besten im lokalen Buchladen eures Vertrauens.

Bibliographische Angaben

Heinz Peter Brogiato und Mathias Röschner (Herausgeberr), Koloniale Spuren in den Archiven der Leibniz-Gemeinschaft, 180 Seiten, s/w- und Farbabbildungen, Format: 210 × 210 mm, gebunden, Mitteldeutscher Verlag, Halle 2020, ISBN: 978-3-96311-250-8, Preis: 18 EUR (Deutschland)

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