Die Hoffnung stirbt immer zuletzt – Giacomo Puccinis ‚Turandot‘ wird in Leipzig bejubelt

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Quelle: Pixabay, CC0 Public Domain

Leipzig, Deutschland (Kulturexpresso). Wenngleich am letzten Wochenende sicherlich 10.000 Fußballfans aus Schottland Leipzigs Straßen im Schneesturm mit Gesangsdarbietungen durchwanderten, konnten Gewandhaus und Opernhaus ausverkaufte Vorstellungen melden.

Die Oper Leipzig zieht Bilanz und kann auf das erfolgreichste Jahr in den letzten 15 Jahren zurückblicken. Im Kalenderjahr 2016 kamen insgesamt 189.300 Besucher zu den 371 eigenen Aufführungen in Oper, Leipziger Ballett und Musikalischer Komödie. Die Gesamtauslastung der Oper Leipzig lag in 2016 bei 77,2%. Im Kalenderjahr 2015 kamen 173.000 Besucher zu 374 Veranstaltungen, die Auslastung lag bei 72,5%.

Dass sich Qualität auszahlt, zeigt die Entwicklung der Besucherzahlen seit Beginn der Intendanz Ulf Schirmers in der Spielzeit 2011/12. Diese stiegen von 154.500 (2011/12) auf 189.300 im Jahr 2016, die Auslastung stieg von 62% (2011/12) auf 77,2% im vergangenen Jahr.

Besonders die Sparte Oper trug zu diesem erfolgreichen Ergebnis bei. Hier konnten 79.200 Besucher und eine 70%ige-Auslastung aller Opernaufführungen in 2016 verzeichnet werden. In der Saison 2011/12 waren es 63.200 Zuhörer bei 52,3%. Die erfolgreichsten Neuproduktionen waren in 2016 Richard Wagners »Götterdämmerung« mit einer Auslastung von 99,5% und Puccinis ‚Turandot‘ mit 92,7%.

Puccinis Spätwerk zeigte sich auch letzten Samstag als Publikumsrenner, Jubel und Stand Ovation nach der fünften Vorstellung seit der Premiere belohnten ein homogenes Sängerensemble, das den Grippeviren bravorös getrotzt hatte. Doch gesagt werden sollte, dass in letzter Minute noch ein Tenor aus München sich per PKW auf den Weg nach Leipzig machen musste, um den Abend zu retten. Ricardo Tamura agierte als höhensicherer Calaf in einer für ihn unbekannten Inszenierung dennoch überzeugend und lieferte sich mit der beeindruckenden Turandot Jennifer Wilson grandiose Duette, auch sein Nessun Dorma gelang durchaus überzeugend und wurde mit Szenenapplaus belohnt. Die weiteren Solisten glänzten an diesem Abend alle mit hervorragendem Gesang, sollten somit erwähnt werden: Martin Petzold (Kaiser), Randall Jakobsh (Timur), Jürgen Kurth (Ping) Dan Karltström (Pong) und Keith Boldt (Pang). Gal James (Liu) besitzt sicherlich eine interessante Stimme, die leider aber schon zu sehr nach Drama klingt und zuweilen ein gefährliches Vibrato zeigt. Alessandro Zuppardo hatte die Chöre wieder bestens vorbereitet, italienische Gesangskultur steht bei ihm immer Vordergrund. Leider wurde Puccinis Partitur – schon sehr modern ausgerichtet und an Wagners ‚Zukunftsmusik‘ anlehnend – von dem Gewandhausorchester unter der Leitung von Matthias Foremny ziemlich lautstark und undifferenziert musiziert. Die modernen Strukturen dieser Musik blieben somit zumeist im Klangrausch des Orchesters verborgen.

Balázs Kovalik – der eine sensationelle ‚Frau ohne Schatten‘-Inszenierung in Leipzig erarbeitete – tat sich mit Puccinis letzter Oper etwas schwerer. Die Ansiedlung des Märchens auf einer Raumstation, mit einer morbiden Sience-Fiction-Ausrichtung, bewohnt von einer geschunden Masse Mensch, ganz in Schwarz gekleidet, mit Chip im Kopf, als Steigerung dann in unkleidsamer Unterwäsche leidend, erweist sich doch in dem wabenartigen Einheitsbühnenbild von Heike Scheele als langfristig ermüdend. So glaubt man auch nicht an eine Wandlung der Prinzessin am Ende des Abends, wenn auch die Alfano-Fassung Turandot etwas Hoffnung auf Liebe erlaubt. Das Schlussbild dieser Inszenierung, Turdandot sucht in der schwarzen Masse Mensch nach ihrem Prinzen, gibt wenig Raum für einen romantischen Liebestraum.

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