Ein skurriler Krimi, der auf Island spielt – Kalmann, Klapskalli oder der Sheriff von Raufarhöfn

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Hafen und Kirche von Raufarhöfn. Quelle: Wikimedia, CC BY-SA 3.0, Foto: Bromr

Raufarhöfn, Island (Kulturexpresso). Kalmann ist ein Klapskalli. Er läuft im Fischerstädchen Raufarhöfn auf der Halbinsel Melrakkaslétta im Nordosten von Island rum wie ein Sheriff. Dass der Colt auch mal raucht, das kann ja keiner ahnen, oder doch?

Kalman ist nicht nur der Dorftrottel, sondern auch der letzte Fischer von Raufarhöfn, das früher zur Hanse gehörte. Der Ort galt bis in die 1970er Jahre als Handelsposten und Hafen für Heringe.

Nun, Kalmann scheint nur noch die Heringe im Griff zu haben, aber nicht mehr die Lage im verschneiten Ort, in dem eine Blutlache auftaucht. Menschenblut! Der große Hotelier und weit vor den Heringen Hauptgeldgeber des Hafenortes, ist verschwunden und in Raufarhöfn kehrt Leben ein, auch eine Kommissarin aus Reykjavík.

Kalmann erklärt ihr die Blutlache mit hungrigen Eisbären. Mörderische Eisbären auf Island? Wann hat es das zuletzt gegeben? Kalmann Óðinsson, die titelgebende Hauptfigur, die gibt es wirklich und die ist ausgestattet mit Cowboyhut, Sheriffstern und einer Mauser aus dem Koreakrieg.

Neben dem Doofen im Dorf tauchen auch noch Drogen im Hafen auf und eine Menschenhand in einem Magen eines Gammelhaies. Gruseliger wird`s nicht, aber noch skurriler. Das Hörspiel ist weit schräger als die relativ flache Ebene von Raufarhöfn, die mit Hügeln umgeben ist.

Dass der tragikomischer Island-Krimi um ein beschauliches Dorf am kalten Ende der Welt ausgerechnet aus der Sicht des Dorfdeppen als Ich-Erzählt präsentiert wird, das ist das Salz in der Fischsuppe, nicht die Gräte. Das Hörspiel basiert auf dem gleichnamigen Roman von Joachim B. Schmidt, der 351 Seiten umfasst und im Verlag Diogenes 2020 erschien.

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