Hunde sind auch Menschen. Wes Anderson eröffnet Berlinale mit ISLE OF DOGS

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Wes Anderson. ISLE OF DOGS. Eröffnungsfilm 68. Berlinale 2018. © 2018, Foto/BU: Andreas Hagemoser
Wes Anderson, Regisseur des Eröffnungsfilms der 68. Berlinale 2018, ISLE OF DOGS. Der Stop-Motion-Film spielt auf einer fiktiven japanischen Insel. © 2018, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Glanzvoll und bunt die Eröffnungsfeier der Berlinale, charmant und auf den Punkt führte Anke Engelke durch den Abend und traf wieder den Nerv den Welt. „Es geht nicht um den Stoff, auf dem Sie laufen (den roten Teppich, d. Red.) oder den Stoff, den Sie tragen (…, d. Red.), sondern um“, frei gesagt, um den Menschen, das Herz, die Moral. Anke Engelke hat es besser ausgedrückt. Auch fragte sie, ob es nicht ein Wunder sei: „Männer und Frauen in einem Raum?“ – Festivalchef Dieter Kosslick fragte sie: „Wenn Lars von Trier einen Hund hätte, wie würde er ihn nennen?“ Sie: „Ich weiß es nicht.“ Er: „Dogma“. Oder, wir haben es ja nur gesprochen gehört, Dog-Ma. Womit wir beim Thema HUNDE und Wes Anderson mit ISLE OF DOGS wären.

Wenn die Partei des Bundespräsidenten nicht so wichtig ist – Anke Engelke trifft es immer wieder auf den Punkt

Die Stars und Sternchen könnten bestimmt auch ohne Film, aber es wäre denn doch komisch und befremdlich, wenn der erste Mann im Staat Bundespräsident Steinmeier – „Sie sind doch bestimmt froh, im Moment ein Amt auszuüben, das nicht so parteigebunden ist?“, so ungefähr fragte Anke Engelke pointiert – und viele Reiche, Schöne und Wichtige zur Eröffnung dieses großen A-Festivals in der Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland kämen, OHNE sich einen Film anzuschauen.

Aber nicht irgendeinen Streifen, sondern sowas von einem Film von einem Film, dass das begeisterte Pressekorps bei der Pressekonferenz entweder nicht die Zeit und Gelegenheit hatte zu fragen, oder die vielen Bezüge zur Realität und zu anderen großen Filmen der Filmgeschichte nicht bemerkt hatten.

ISLE OF DOGS von Wes Anderson mit Parallele zu einem Cannes-Kurzfilm

Zum Beispiel erinnert sich die armenische Festivalveranstalterin Susanna Harutyunyan an einen Kurzfilm, der in Cannes vor wenigen Jahren einen Preis gewann. Harutyunyan ist Festivaldirektorin in Jerewan, besser bekannt von Radio Eriwan aus der Sozialistischen Sowjetrepublik Armenien. Das wundervolle Filmfestival in der armenischen Hauptstadt heißt „Goldene Aprikose“ beziehungsweise „Golden Apricot – Yerevan International Film Festival“.
Der Film, an den „ISLE OF DOGS“ Harutyunyan erinnert, bezog sich auf eine Hundeinsel, die bei Istanbul geschaffen wurde, das bis mindestens 1930 Konstantinopel genannt wurde.

Anfang des 20. Jahrhunderts zu Zeiten des Osmanischen Reichs überlegte man sich in Konstantinopel, dass es eine gute Idee sei, die Hunde der Stadt zu verbannen. Das geschah auch tatsächlich!

Da Hunde nicht fliegen können (auch bei Wes Anderson nicht, aber gut Seilbahn fahren), verfrachtete man sie auf eine Insel. Rund um Kleinasien gibt es ja genug.

Leider gibt es aus armenischer Sicht eine Parallele zum Völkermord an den Armeniern von 1915, gut versteckt in der ersten Hälfte des Ersten Weltkriegs. Die Armenier wurde wie Hunde behandelt, und schlimmer.

Armenien ist seit etwa 300 n. Chr. christlich, ähnlich lange wie das kaukasische Bruderland Georgien. Als Trdat III. den Thron bestieg und das Christentum zur Staatsreligion erhob, wurde Armenien der erste christliche Staat der Welt.

Menschenersatz Hund

Menschen durch Hunde zu ersetzen, zumindest teilweise, das gelang unter anderem den Finnen Mauri und Tarja Kunnas 1990 mit ihrem Buch „Etusivun Juttu“, das bei Otava Publ. Co. in Helsinki erschien. Jasna Zagore machte das Buch verständlich und Friedrich Oetinger brachte es 1992 in der Hansestadt Hamburg heraus: „Die Zeitungsmacher – wie eine Zeitung entsteht“. Bis heute wohl das beste Buch seiner Art.

Die Zeitungsmacher: Hunde können sogar eine Zeitung machen

Wer wissen will oder es Kindern erklären, wie wir eine Zeitung machen, – ob online oder offline, ohne Bedeutung – bediene sich dieses Kinderbuches.

Wes Anderson würde sich freuen, kennte er es denn. Sven Schnappschuss ist Fotoreporter der BAZ, der Bernhardiner Allgemeinen Zeitung. Die Wirtschaftsredakteurin heißt Patrizia Pudel (Pudel sind schlau und klug), der Sportredakteur Bruno Boxer. Die kleine Tina Terrier ist Lokalredakteurin. Siegfried Schnauzer Schefredakteur. Doch sind bei den Kunnas‘ nicht alle Menschen Hunde, der politische Redakteur Ali Gator, Sam Schlaufuchs, Polizeireporter und Eberhard Keller, Wissenschaftsredakteur, sind Beispiele für die breit aufgestellte Redaktion.

Wes Anderson hat mit seinem Eröffnungsfilm der 68. Internationalen Filmfestspiele Berlin in vielerlei Hinsicht den Nerv und den Nagel auf den Kopf getroffen.

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Eröffnung der 68. Berlinale mit dem Animationsfilm „Isle of Dogs“ von Wes Anderson

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