Inna Artemova präsentiert ihre architektonischen Utopien bei PlanetART

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Inna Artemova vor einem ihrer Werke. 18. September 2019, PlanetART im Kühlhaus Berlin am Gleisdreieck. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Inna Artemova. Wir wissen nicht, ob Artemova ein Künstlername ist oder nicht. Fest steht, dass der Name besser nicht hätte gewählt werden können. Der slawische Name enthält im hinteren Teil, im Familiennamen, die beiden Wörter oder Wortstämme der wichtigsten Lingua franca unserer Zeit, des Englischen, die die Künstlerin am besten charakterisieren: Bewegung und Kunst. Art – und Arte sowieso – steht für Kunst, move für bewegen wie in dem bekannten movement – Bewegung.

Dabei bringt Inna Artemova erst sich selbst in Bewegung, damit den Zeichenstift, ihre Zeichen- und Malutensilien auf riesigen Leinwänden (oder digital) und dann damit die Gedanken der Betrachter. Da ihre Bilder oft riesig sind, zumindest vier ihrer bei PlanetART im Kühlhaus Berlin ausgestellten, ist sie gewungen, im wahrsten Sinne des Wortes den Stift zu schwingen. Das kommt ihr entgegen, da sie sich gern bewegt. Bewegung ist Leben.

Dass aus kleinen Bewegungen mal eine große Bewegung werden kann wie Fridays for Future, die bestimmt sehr erfreut über das Event im Kühlhaus ist, ist eine andere, verwandte Sache. PlanetART im Kühlhaus am Gleisdreieck in Berlin (Luckenwalder Straße neben der Station Berlin), kuratiert von Marianne Kapfer, ist jedenfalls auch ein Beitrag zum Klimaschutz.

Nicht umsonst fanden Ausstellung und Klimastreik am 20. September zeitgleich statt.

Inna Artemova – an drei Orten in der Stadt Berlin

Inna Artemova ist wird zeitgleich an drei (3) Orten in Berlin ausgestellt. Wer nie darüber nachgedacht hat, könnte meinen, dass ein Künstler immer nur an einem Ort ausstellt. Nicht, dass es ausgeschlossen wäre, anders zu verfahren. Aber zum einen muss ja die Nachfrage da sein – viele Künstler suchen händeringend nach Möglichkeiten, in Galerien auszustellen; nicht alle kommen hinein – zum anderen spräche ein schmales Oevre gegen ein solches Unternehmen und schlicht der Wunsch des Künstlers oder der Künstlerin, in der Ausstellung präsent zu sein, wenigstens ab und zu oder hin und wieder. Die Betrachter des eigenes Werkes zu sehen, vielleicht ihre Reaktionen zu sehen oder zu hören und für ein Gespräch, für Fragen da zu sein ohne elektronische Schranken. E-Mails und SMS mögen viele Vorteile haben, die akustischen Zwischentöne hört man nicht; sie gehen verloren. Missverständnisse sind häufiger als in verbaler, auch fernmündlicher Kommunikation.

Zudem kann die Präsenz einer Künstlerin (eines Künstlers) auch Anreiz sein, eine Ausstellung zu besuchen. Besonders, wenn dies außerhalb einer Vernissage geschieht, zu der viele – Hand aufs Herz – nur wegen des Rotweins kommen. Nicht wegen der Salzstangen jedenfalls …

Da auch utopische Künstlerinnen wie Inna Artemova nicht gleichzeitig an einem Ort sein können – das überlassen wir Yogis und Quantenmechanikermeistern – glänzt sie folgerichtig an mindestens zwei Orten mit Abwesenheit.

Nichtsdestotrotz bleibt der Fakt der drei Ausstellungen. Inna Artemova ist wer. Auch in Zukunft stehen große Projekte an. Zusammen mit Almagul Menlibayeva ist eine Mittelasienreise geplant, möglicherweise nach Kirgisien (Kyrgystan). Zu den beiden soll noch ein Medienkünstler stoßen, der seit langem mit Almagul Menlibayeva an Projekten zusammenarbeitet.

Inna Artemova wird dann an der Biennale in Lahore teilnehmen. Viel zu tun. Inna ARTemova muss sich bewegen; und ihre Kunst an Ausstellungsorte dieser Welt. Sie tut es gern.

Nomen est omen.

Wo? Inna Artemova in PlanetART noch bis einschließlich Samstag, 21. September 2019, dem Tag der Finissage.

Veranstaltungsort: Kühlhaus Berlin, Luckenwalder Straße 3, 10963 Berlin

Inna Artemova ist aktuell unter anderem auch in einer Ausstellung in einer Galerie an der Südseite der Torstraße Nähe Rosenthaler Platz zu sehen.

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