John Baldessari ist tot

John Baldessari 2009 in Venedig. Quelle: Wikimedia, CC BY-SA 3.0, Foto: Frédéric de Goldschmidt

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). John Baldessari, der am 17. Juni 1931 in National City, Kalifornien, geboren wurde, starb am 2. Januar 2020 in Venice, ebenfalls Kalifornien, VSA. Der Künstler, der als Maler begann und als Kunstlehrer das Geld für seine Brötchen verdiente, gilt als im wahrsten Sinne des Wortes großer Vertreter der zeitgenössischen Konzept- und Medienkunst. 2009 erhielt er, der über zwei Meter groß war, für sein Lebenswerk den Goldenen Löwen der 53. Biennale von Venedig. Allerdings wandeln seine Werke zwischen Wort und Bild. 2012 bekam er den Kaiserring der Stadt Goslar verliehen. 2015 wurde er mit der National Medal of Arts der VSA geehrt. Bereits 1996 gab es für den Ami den Oskar-Kokoschka-Preis.

Unter der Überschrift „Mit 88 Jahren gestorben – Preisgekrönter Konzeptkünstler John Baldessari ist tot“ heißt es in „Tagesspiegel“ (6.2.2021), das „Baldessari versucht“ habe, „sich in fast jedem künstlerischen Medium, darunter auch in Performances, Videos und an einer Smartphone-App. Geltende Regeln und das Grundverständnis darüber, wie ein Medium funktioniert, hebelte er regelmäßig aus. Humor war dabei nie Selbstzweck, sondern Trittstein zum Nachdenken über die Weise, wie Menschen die Welt betrachten.“

Peter Richter schreibt in seinem „Nachruf auf John Baldessari: Die Lakonie des Mammutbaums“ in „Süddeutsche Zeitung“ (9.2.2021) über die „überragenden Künstlerpersönlichkeit“, die „von den Gralshütern der Konzeptkunst zuerst belächelt“ worden sei, dass es „ein langer und streckenweise auch steiniger Weg“ war, „bevor John Baldessari der Typ wurde, der auf Fotografien bunte Punkte über die Gesichter klebte, wie sie in Supermärkten für die Auszeichnung von reduzierten Sonderpreisen auf die Waren geklebt werden. Denn das sah für alle, die eilig an Bildern vorbeigehen, immer wieder erheiternd aus, was bei Lichte betrachtet schon eine Leistung für sich ist. Aber für diejenigen, die ein bisschen mehr Zeit investierten, zeigte sich, dass mit dem Unsichtbarmachen der Gesichter, auf die wir in unserer visuellen Kultur so fokussiert sind, alles andere erst wirklich sichtbar wird, die Körper, die Körpersprache, das Setting, das eigentliche Bild.“

Anzeige