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Lässig und duldsam im Roman „Wachs und Gold“ – Joachim Bessing pilgert über den äthiopischen Wochenmarkt

"Wachs und Gold", ein Roman von Joachim Bessing. © MSB Matthes & Seitz Berlin Verlagsgesellschaft mbH, Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wie so viel Reiseromane beginnt „Wachs und Gold“ von Joachim Bessing an einem Flughafen. Der Held der Geschichte bietet uns verschiedene abenteuerliche Begründungen, warum er in Addis Abeba gelandet sei und was er hier wolle. Sehr charmant, ich wähle die Weissagung der Majahexe.

Das Flughafendach erinnert ihn an eine ähnliche Deckenkonstruktion im braven Stuttgart, als der Held den Flughafen verlässt. Tollschockt ihn das fremde Land wie ein wilder Köter, nichts ist mehr Schwabenland. Es fächert sich die Geschichte einer Suche vor uns auf, es wird kein Spaziergang, soviel scheint gewiss. Liebesschmerz ist ein Hinweis auf die Weltflucht, der Reisende nimmt ein Hotel in der Hauptstadt und übt sich im äthiopischen Gehen. Denn: »Die Geschwindigkeit seines Gehens aber passte zur Geschwindigkeit des städtischen Lebens hier optimal«. Er schreitet, staunt, träumt sich durch die Stadt und später durchs Land. Seine Reise wird bestimmt durch zufällige Begegnungen, aus dem Verborgenem tönt es offenbar wächsern und gülden. Er stolpert über die Gräuel kolonialer Vergangenheit, zwischen Charlie Chaplin und jugendliche Kalaschnikowbesitzer passt immer noch ein Tasse Tee.


»Das traditionelle Frühstück der Rinderzüchter bestand aus einer Kalebasse frischer Milch, in die noch Blut aus der Halsvene eines Weideviehs hinzugezapft wurde.«

Jüngst erlernte ich ein neues Wort, es lautet Einwanderungsbelletristik. Komischerweise fungiert Wachs & Gold unter diesem Stempel bei einem großen Buchhändler im Internet, obgleich Joachim Blesssing als sogenannter Biodeutscher seinen Haupthelden Joachim Blessing auf eine halbwilde Reise durch Äthiopien schickt. Feiner Sound, strange Geschichte. Wer sein Hirn fluten lassen möchte, ist hier richtig.

Bibliographische Angaben:

Joachim Bessing, Wachs und Gold. 262 Seiten, Bindung: fester Einband mit Schutzumschlag, Verlag: MSB Matthes & Seitz Berlin Verlagsgesellschaft mbH, Berlin, 1. Auflage 2026, ISBN: 978-3-7518-1061-6, Preis: 24 EUR (Deutschland)

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