Raubkunst und Restitution und die Frage, wem die berühmten Beniner Bronzen gehören

Eine Beniner Bronze. Quelle: Pixabay, Foto: WikimediaImages

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das „Deutschlandradio“ gehört neben „ARD“ und dem „ZDF“ zum Staatsrundfunk der BRD, der unter dem Deckmantel „öffentlich-rechtlich“ gerne verklärt wird, um Staatsferne und Demokratie und als Volksherrschaft vorzugauckeln. Dabei ist und bleibt der BRD-Staat der des Kapitals und der Bourgeoisie.

Dieser scheint das „Deutschlandradio“ nun in die Suppe zu spucken, denn es bringe „Dekolonisierung, Raubkunst und Restitution“ ins Ohr, um im Kopf zu bleiben. In einer Pressemitteilung des Deutschlandradios vom 3.9.2020 heißt es, dass es „ab dem 19. September beim Radiowalk von Deutschlandfunk Kultur … jede Menge“ zu hören gebe, auch wenn das Humboldt-Forum noch nicht „offiziell eröffnet“ sei. Weiter im Pressetext: „Der Hörfunkautor Lorenz Rollhäuser hat mitten in Berlin, rund um das nachgebaute Berliner Stadtschloss, eine Reihe akustischer Miniaturen platziert, die mit Hilfe der ‚Radioortung‘-App auf dem Smartphone gehört werden können.

Angekommen im aktuellen Diskurs um Dekolonisierung, Raubkunst und Restitution scheint es vielen höchst widersprüchlich, in einem nachgebauten Hohenzollernschloss Teile einer 500.000 Objekte zählenden ethnologischen Sammlung zu zeigen, die teilweise auf vielkritisierten Wegen nach Deutschland kamen. Die berühmten Beniner Bronzen beispielsweise sind in deutschen ethnologischen Museen eine Attraktion. Dass sie 1897 von britischen Truppen aus dem heutigen Nigeria geraubt wurden, war lange kein Thema. Wem gehören die Bronzen wirklich? Steckt womöglich gar postkoloniale Ignoranz in der aktuellen Ausstellungsplanung?

Solange wir das Gebäude noch nicht betreten können, gehen wir einmal langsam um das Schloss und das Humboldt Forum herum. Wir betrachten es von allen Seiten. Und lauschen dabei Okwui Enwezor, der sich bei seinem letzten Aufritt erstmals öffentlich über Restitution äußerte. Wir hören, was die Provenienzforscherin Christine Howald zu den asiatischen Sammlungen zu sagen hat und wie sich Künstlerinnen aus Lateinamerika zu den peruanischen Artefakten in der Ausstellung positionieren. Gad Shiynynuy, ein Berliner aus Kamerun und Angehöriger des Volks der Nso, erzählt uns, wie er in den Dahlemer Depots die wichtigste und Identität stiftende Statue seines Volkes entdeckte, die 1901 von deutschen Kolonialtruppen geraubt wurde. Nachfahren der Hereros und Nama sind ebenso zu hören wie der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Hermann Parzinger, die Künstlerin und Theoretikerin Grada Kilomba oder der international arbeitende Kurator Bonaventure Soh Bejeng Ndikung. Natürlich kommen auch die Befürworter des Schlossneubaus zu Wort. Schließlich lauschen wir der Argumentation der Stadtforscherin und Aktivistin Noa K. Ha, die zu dem radikalen Schluss kommt, dass es im Grunde nur eine Möglichkeit gebe: Das Schloss muss wieder abgerissen werden.

Die ‚Radioortung‘-Projekte sind verfügbar in der App miniatures for mobiles für Android 4.x und höher und Apple Geräte mit iOS 9 und höher.“

Das In-die-Suppe-spucken-Projekt klingt hörens-, begehens- und bedenkenswert. Wem gehören die berühmten Beniner Bronzen und wem der Staatsrundfunk? Wohl wahr, Eigentumsfragen sind die entscheidenden Fragen. Müssen die berühmten Benin-Bronzen zurückgegeben werden und wenn ja, an wen? Und wem gehört der Staatsrundfunk? Wie wird daraus ein Rundfunk des deutschen Volkes, wenn die BRD vor allem von Christen und Sozen insbesondere mit Afrikanern und Arabern umvolkt wird?

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