Seepferdchen singen Rolf Zuckowski. Konzert im Rahmen des Gehsteigfestes im Stadtschloss in Berlin

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Das Berliner Stadtschloss am 12. Mai 2017, genau eine Woche vor den Festkonzerten. Die Wendeltreppe stammt aus der Postmoderne. © 2017, Foto: Andreas Hagemoser

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Berliner Stadtschloss gibt es, es steht und man kann es besuchen. Die Anschrift: Rostocker Straße in Moabit. Am Festtag 19. Mai ist fast der ganze Bürgersteig, Gehsteig ist kürzer, mit Info- und Verkaufsständen belegt. Bei einem Rostocker-Quiz gibt es ohne Einsatz Preise zu gewinnen.

Was ist ein Stadtschloss?

Was ist ein Stadtschloss? Der Name kommt aus einer Zeit, als es Kurfürsten und Königreiche gab. Kaiser, Könige und Fürsten residierten nicht nur an einem Ort.

Zuhauseessen ist bekömmlich

Die englische Königin geht bis heute nicht essen, sondern diniert zuhause. Schön, wenn man sich weltweit über 100 Häuser und Paläste leisten kann.

Sehr wenige Fewos im Barock

Das Angebot an Ferienwohnungen war im Barock gering und die Suche im Netz gestaltete sich im 17. Jahrhundert schwierig. Es fehlten die technischen Voraussetzungen. Gemeint ist nicht das Handy und Internetz, sondern eine Zeitmaschine. Denn auch mit Mobiltelefon hätte man mangels Inhalten im Mittelalter schwerlich eine Fewo. gefunden.

Keine gute Bewertung für Ungeziefer

Zudem der Standard der Unterkünfte auch heute zu wünschen übrig lässt. Immer wieder liest man schlechte Bewertungen mit Ungeziefer und anderer Unbill. Die Bewirtung gegen Bares mag manchem Baron schon schlecht bekommen sein; im Schlafgemach lief ihm dann eine Laus über die Leber.

Ziegelgold oder: Not macht erfinderisch

Also schuf sich, wer konnte, Residenzen. Je länger man herrschte, desto mehr. Friedrich II. regierte 46 Jahre und verfügte über eine schöne Anzahl von Übernachtungsorten zwischen dem südwestlichsten, Caputh, und den Residenzen in Berlin und seinen Nachbardörfern und -städten wie Charlottenburg.
Friedrich der Große war Kurfürst von Brandenburg sowie preußischer König und orientierte sich gegen Ende seiner Regentschaft gen Potsdam, schuf dort Sanssouci.

Wie aus dem Potsdamer Schloss das Stadtschloss wurde

Nun gab es in jener Stadt zwei Schlösser, das westlich am Rand gelegene neue und das alte Schloss. Um sie auseinanderzuhalten, sprach man vom Stadtschloss. Ganz anders in Berlin: Da es in der Haupt- und Residenzstadt nur ein Schloss gab, hieß es einfach „Berliner Schloss“. Nur so ist es richtig. Ein Berliner Stadtschloss, in dem der König zuhause gewesen wäre, hat es nie gegeben.
Unerheblich, dass das Schloss in der Stadt lag. Charlottenburg, Oranienburg und Teltow waren auch Städte. Niemand wäre auf die Idee gekommen, vom „Charlottenburger Stadtschloss“ zu sprechen, da es dort nur ein einziges Schloss gibt.

Das Berliner Schloss – nur so richtig!

Der unsachliche Blödsinn, fälschlicherweise in Zusammenhang mit Berlin von einem Stadtschloss zu sprechen, ist trotzdem kaum auszurotten. Dummheit, Halbwissen und Missverständnisse stehen der ausschließlichen Benutzung der richtigen Bezeichnung BERLINER SCHLOSS im Weg.

Das Stadtschloss ist in Moabit

Wir haben eingangs richtig formuliert. Das Berliner Stadtschloss stammt allerdings nicht aus dem 18. Jahrhundert. Natürlich nicht. Teile davon, so der hofseitige Treppenanbau des an der Straße gelegenen Nordflügels, stammen aus dem 20. oder 21. Jahrhundert.

Eine Institution

Es ist eine Institution für Kinder und Familien auf einem Gelände mit Spielplätzen an der Rostocker Straße; nahe Sickingenstraße und S-Bahnhof Beusselstraße (Ringbahn Nordring).
Als Gebäude nutzt man das, was nach dem Zweiten Weltkrieg übrigblieb und dann repariert und ergänzt wurde. Vielfältige Angebote für Kinder und Jugendliche ermöglichen eine sinnvolle Freizeitgestaltung.
Stellvertretend sei nur der Tanzunterricht der Ballettlehrerin Rose Brotherton erwähnt.

„Geh zum Gehsteigfest“

Einmal im Jahr ist Gehsteigfest. Das Englische leistet sich mit ‚pavement‘ und ’sidewalk‘ auch zwei Begriffe, der deutsche ‚Bürgersteig‘ ist länger als der internationalere ‚Gehsteig‘; auch global verträglicher mangels Umlaut.

Mit dem „Gehsteig“ kann man auch dem Vorurteil entgegenwirken, dass das Deutsche immer länger sei. Sowohl der „Gehsteig“ als auch die beiden Wörter aus dem Britischen und Amerikanischen enthalten exakt die gleiche Buchstabenzahl: acht.

Auftritt der Seepferdchen um 17.30 Uhr

Das Festprogramm ist umfangreich und schließt einen Clown ein. Dieser muss aber kein Entfesselungskünstler sein, so eingeschlossen ist er nun auch wieder nicht.
Nach dem Spaßmacher ist das Kinder- und Erwachsenen-Ensemble der Kinderkunstwerkstatt Seepferdchen dran, das extra mit Instrumenten und Equipment aus dem Wedding anreist.

Begleitet werden die nicht-a-cappella-Lieder von Silke Fischbeck auf der Gitarre und Manrico Lampe am Cello.

Rolf-Zuckowski-Lieder im Repertoire?

Welche Lieder genau gesungen werden, steht noch nicht fest.
Silke Fischbeck, Leiterin der Kinderkunstwerkstatt: „Das kann man bis zum Schluss nicht sagen. Manche Kinder kommen unregelmäßig oder haben Zuverlässigkeit noch nicht gelernt. Andere kommen nicht zu Proben, möchten dann aber auf der Bühne ans Mikrophon. Lieder, die mit bestimmten Kindern eingeübt wurden, können nicht gesungen werden, wenn diese nicht kommen. Dann muss man ganz spontan sein.“
Frau Fischbeck hat eine ganze Reihe Lieder im Repertoire, darunter das Sommerlied.

Um 17 Uhr begleitet sie am Flügel mit dem Meeresrauschen eine Tanzvorführung unter der Leitung von Rose Brotherton im Ballettsaal. Vorher spielt sie noch zur Querflöte. Anschließend holt sie der Clown Luciano dort ab.

Selbstdarstellung des Stadtschlosses und Angebote

(Auszug) In einem Nachbarschaftshaus treffen sich Nachbarn, die gemeinsam mit anderen Menschen etwas machen wollen.
„Sie spielen zum Beispiel Theater oder machen Ausflüge. Man kann kochen und tanzen. Es gibt Kurse und Lerngruppen.“
Die Leute, Moabiter und Berliner, „können Fragen stellen und sich Rat holen“. Z.B. zur Patientenverfügung.
„Sie können Hilfe bekommen oder können anderen helfen.“
„Alle Menschen sind willkommen.“

Geschichte des Stadtschlosses Moabit

Das Haus gibt es seit 2002. Es gehört zum Verein Moabiter Ratschlag, der 1990 von Bürgern gegründet wurde, um Bürgerbeteiligung besser zu organisieren.
Dazu gehört zum Beispiel das Stadtteilplenum Moabit West, das sich jeden 3. Dienstag um 19 Uhr trifft, außer im Ferienmonat August und in der Adventszeit.

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