Tote und Trinker, Frauen und Mörder – Zum Thriller „Argus“ von Jilliane Hoffman

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der dritte Band der Cupido-Reihe beziehungsweise der Reihe mit Staatsanwältin C.J. Townsend trägt den Titel „Argus“, in dem in der Regel Männer als Mörder und Frauen als Opfer vorkommen. Doch Ausnahmen bestimmen die Regel und die der Autorin Jilliane Hoffman, die selbst Staatsanwältin war, hat ein paar besondere auf Lager.

So pflastern nicht nur Leichen den Weg der Beamten in den Ermittlungsbehörden, auch Liebe aller Art und Labile aller Welt säumen den Rand der Road to Perdition der Hauptdarstellerin.

Schlimmste Vergewaltigungen in härtester Porno-Manier, fieseste Folter unter frivolen Forderungen der Zuschauer und echte Mord der blutigsten Schattierung geschehen vor laufender Kamera, in voller Länge. Live und auf Datenträger. Diese Filme nennt man Snuff. Darum dreht sich diese Reihe, die im Polizei- und Justiz-Milieu spielt, das so wenig sauber ist wie der Rest der Welt.

Bereits im zweiten Band wurde ein Polizist zum Mörder, weil ein anderer einer war, im dritten Band wird das eine Staatsanwältin, weil das Justizsystem der Vereinigten Staaten von Amerika in ihrem Fall versagt. Und eine andere Anwältin des Staates Florida wird vor den Augen von Mitgliedern eines Snuff-Clubs im Sonnenscheinstaat Florida brutal ermordet. Heile Welt? So wenig wie der Himmel, an dem ein Hurrikan auftaucht.

Die Staatsanwältin ist ein Opfer von vielen, denn eine Serie von bestialischen Frauenmorden belastet wenigstens einen Mann und eine Frau der Strafverfolgungsbehörden in Miami. Am Ende ist Staatsanwältin Daria DiBianchi tot und Detective Manny Alvarez vom City of Miami Police Department ein Trinker.

Die Grenzen der Gesellschaft und des gesellschaftlichen Über-Ich sind fließend. Jeder kann zur Staatsanwältin oder zum Polizisten werden, jeder kann zum Mörder oder Trinker werden. Was hilft? Ein humanistisches Ich, das dem Projekt der Moderne, das ist: die Aufklärung, verpflichtet ist. Es gilt, dieses „Ich zu stärken, es vom Über-Ich unabhängiger zu machen“ (freue sich, wer`s kennt).

Bibliographische Angaben

Jilliane Hoffman, Argus, Thriller, 3. Band, 494 Seiten, Verlag: rororo, 11. Auflage, Reinbek bei Hamburg, November 2018, ISBN: 978-3-499-25389-8, Preis: 10,99 EUR (D), 11,30 EUR (A)




Korrupte Cops und ein Cop-Killer oder Liebe und Leichen in „Morpheus“ von Jilliane Hoffman

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der 400 Seiten starke Thriller mit dem wie aus der Pistole geschossenen Kurztitel „Morpheus“ von Jilliane Hoffman ist der zweite Band der mittlerweile vierbändigen Townsend-Reihe, die mit „Cupido“ begann, weswegen die Fälle, in denen Staatsanwältin C. J. Townsend verstrickt und zugenäht ist und die mit ihrer brutalen Vergewaltigung in New York begann, als sie noch Jura-Studentin war, und denen die Cupido-Morden in Miami folgten, auch Cupido-Reihe genannt wird.

Der böse Bantling ist auch in „Morpheus“ immer noch da, aber er treibt sein garstiges Spiel hinter Gittern, bringt seine „Chloe“ beinahe um den Verstand und ihren Verlobten, Special Agent Dominick Falconetti vom Florida Department of Law Enforcement um den Arbeitsvertrag.

Doch der fälschlicherweise wegen mehrerer Morde an Frauen im Knast schmorende Vielfachvergewaltiger William Rupert Bantling, der einem Komplott zum Opfer fiel, will nur raus aus seiner Todeszelle im Florida State Prison. Und Rache!

Weder Bantling noch der verrückte Psychiater Dr. Gregory Chambers, der in Wahrheit Cupido war, stecken hinter den neuen Morden, brutalen Morden, Morden an Polizisten. Weil er die Uniformierten nicht nur des Miami Beach Police Departments schlecht Schlafen lässt, sondern C. J. Alpträume bringt, wird der Cop-Killer Morpheus genannt.

Townsend fürchtet um ihre Liebe und das Ende ihres Lebens. Doch am Ende deutet alles auf das dritte Buch hin. Dem „Arschloch“ Bantling wird Berufung gewährt, er soll einen neuen Prozess bekommen.

Bibliographische Angaben

Jilliane Hoffman, Morpheus, Thriller, 400 Seiten, Übersetzerin: Sophie Zeitz, Verlag: rororo, 24. Auflage, Hamburg, Februar 2018, Erstveröffentlichung:
1.11.2006, ISBN:  978-3-499-23691-4, Preis Taschenbuch: 9,99 EUR (D), Preis E-Buch: 9,99 EUR (D)




Frauenmörder in Florida in einem bis zum bittersüßen Ende spannenden Kriminalroman – Zum Thriller „Cupido“ von Jilliane Hoffman

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wer möglicherweise mit „Nemisis“ von Jilliane Hoffman erstmals ein Buch der Krimi-Autorin in Händen hielt und reinschaute in die Schauergeschichten um einen Snuff-Club made in Miami, im Grunde einer Metropolenregion, die sich über Dutzende Meilen zwischen von Nord nach Süd zwischen Everglades und Atlantik in die Länge zieht wie ein Kaugummi.

Doch wer tiefer eintauchen möchte, mit Verlaub: wie in das Bermuda-Dreieck, um die Brandzeichen oder das Spiel ohne Grenzen in „Nemesis“ und somit aller Laster Anfang zu verstehen, der lese den ersten der mittlerweile vierteiligen Reihe um Staatsanwältin C.J. Townsend. Ausgehend vom ersten Band der Cupido- oder besser C.J.-Townsend-Reihe, in dem der verrückte Psycho-Doktor und seine rechte Hand, der nicht minder böse Bantling, mit ihrem miesen Spiel in Hannibal-Lecter-Manier beginnen, entwickelt sich die super Serie.

„Cupido“ ist ein cooler Kriminalroman, überwiegend aus der Sicht einer starken Frau, die es von einer Jurastudentin in New York zu einer Staatsanwältin in Miami bringt, wo sie dienstlich und scheinbar zufällig auf ihren brutalen Vergewaltiger trifft, aber auch einen Bären und Dominick Falconett, Special Agent des Florida Department of Law Enforcement.

Richtig, es kommen gute Bullen und schrullige Juristen, aber vor allem böse, bisweilen sehr hinterlistige und hinterhältige Männer in Hoffmans Cupido-Reihe vor, Männer, die auf den Moment gewartet haben, in denen Frauen hilflos sind, aber auch schöne Frauen und in Person der Staatsanwältin Townsend sogar schöne, schlaue und starke Frauen, wobei die Verteidigerin des Angeklagten nicht weniger attraktiv und mit allen Wasser gewaschen scheint, um sich in der Männerwelt von Polizei und Justiz behaupten zu können.

Dass das Thriller-Debüt „Cupido“ fraglos fesselnd ist, das liegt daran, dass Jilliane Hoffman lange Zeit ihres Lebens als Staatsanwältin arbeitete. Hinzu kommt nicht nur eine libidonöse Prise, sondern Liebe, wie Adorno sie verstand, als er formulierte: „Geliebt wirst du einzig da, wo schwach du dich zeigen kannst, ohne Stärke zu provozieren.“ Was das im Sowohl-als-auch im reziproken Verhältnis von Begriff und Gegenstand bedeutet, das führt Hoffmann auf 480 Seiten aus ohne ausschweifend zu werden. Nicht viele Autoren bekommen das hin und schon überhaupt nicht bei ihrem Debütroman.

Bilbiographische Angaben

Jilliane Hoffman, Cupido, Thriller, 480 Seiten, Deutsch von Sophie Zeitz, Taschenbuch, Verlag: rororo, 48. Auflage, Hamburg, März 2018, Erstveröffentlichung: 2.5.2005, ISBN: 978-3-499-23966-3, Preise: 10,99 EUR (D), 11,30 EUR (A), als E-Buch bei Rowohlt E-Book, Veröffentlichung: 28.11.2014, ISBN: 978-3-644-22041-6, Preis: 9,99 EUR