Thomas Kay Marsen, der „Kunst(Zer)Teiler“ und das Pocket-Museum im Hosentaschenformat

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Pocket Museum © Mario Dirks

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Keine Ahnung, was das ist oder soll. Und das scheint auch egal. Doch die Pressemitteilung vom Pocket-Museum vom 26.3.2019 mit der Überschrift „Der Kunst(Zer)Teiler: Thomas Kay Marsen – Kunstsammler zerteilt moderne Kunstwerke und präsentiert neue Exponate in seinem Pocket Museum“ fand Aufmerksamkeit in der Redaktion des Magazin KULTUREXPRESSO.

Thomas Marsen soll ein „Kunstliebhaber und Kunstsammler aus Oldenburg“ sein, der „zwölf Kunstwerke seiner modernen Gemäldesammlung in 16×16 mm kleine Stücke zerschnitten und sie neu zusammengesetzt“ habe. Das mache ich manchmal mit alten Unter- und Oberhemden. Die ausgetragenen Klamotten sammle ich erst, dann zerschneide ich sie, allerdings in größere Stücke, um damit anschließend mindestens mein Fahrrad zu putzen. Die anderen Putzlappen reiche ich weiter.

Marsen und ich scheinen etwas gemeinsam zu haben. Wir kaufen auch, was uns gefällt. Er Kunst, ich Klamotten. Dann zerschneiden wir sie. “ Ihm gefällt viel und er kauft viel“, heißt es zu meinem scheinbaren Bruder im Geiste. Mir gefällt zwar auch viel, aber ich kaufe wohl weniger.

Zu Kunstliebhaber und -käufer Marsen heißt es weiter, dass deswegen „im Laufe der Jahre seine Kollektion so umfangreich geworden“ sei, „dass er sie nicht mehr aufhängen“ konnte. Mein Kleiderschrank war auch immer proppevoll, aber vermutlich kleiner als sein Kunstschrank oder -keller. Weiter im Text: „Wie viele Sammler stand er vor dem Problem, wohin mit der schönen Kunst? Aber anders als andere Kunstsammler, die gewinninteressiert verkaufen oder versteigern lassen, wählte er eine radikale Methode ohne Rücksicht auf den finanziellen Kapitalwert der Kunst. Er zerteilt die Originale und teilt die Kunst fortan mit anderen.“

Wir sind wohl Seelenverwandte. Ich teilte meine Lappen auch immer. Vielleicht tausche ich eines Tages mal in sein Pocket-Museum und tausche mit Marsens Fetzen. Obwoh, wozu sollen 16×16 mm gut sein?

In einem Shop genannten Laden verkauft Marsen übrigens seine Pocket-Museen. Eines soll angeblich „300,00 € inklusive MwSt und kostenlosem Versand“ kosten. Vielleicht sollte ich das mit meinen getragenen Lappen auch machen und noch eine Null dranhängen. Schließlich gibt es genügend Nullen auf dieser Welt, die – nennen wir es – Kunst sammeln und kaufen.

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