Unsichtbare Bande: Was verbindet Malik Bendjelloul und Runar Schildt?

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Bild von Autor und Theaterdirektor Runar Schildt, der durch Selbstmord starb
Der schwedische, in Finnland lebende Autor Runar Schildt um 1920. (Photograph unbekannt) © [Public Domain], via Wikimedia Commons/BU: Andreas Hagemoser

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ernst Runar Schildt war ein Cousin Holger Schildts, der in Helsinki, das auf schwedisch Helsingfors heißt, einen Buchverlag gründete. Runar Schildt schrieb auf schwedisch, der Verlag veröffentlichte seine und andere Bücher in schwedischer Sprache. Malik Bendjelloul, der Oscar-Preisträger, ist Holgers Urenkel, doch dazu unten.

Runar Schildt als Buchautor

Runar Schildt debütierte 1912 mit seinem ersten Buch „Den segrande Eros“, einer Novellensammlung („Der siegreiche Eros“).

Insgesamt verfasste er 33 Kurzgeschichten. 25 wurden in Buchform veröffentlicht. Ein Teil wurde verfilmt, so „Aapo“, „Galgmannen“, „Hiersipuumiehen“ und „The Kiss of a Sparrow“ (Regie: Claes Olsson). Es gibt insgesamt sieben Filme. Es war die Zeit des Stummfilms.

Runar Schildt schrieb schwedisch. Seine Texte, die zumeist auch als Bücher gedruckt wurden, wurden ins Englische, Französische, Deutsche und Finnische übersetzt.

Runar Schildts Werk (Auswahl)

„Armas Fager. En silhuett“ (1920), „Asmodeus och de tretton själarna samt tre noveller“, „Den segrande Eros“ („The Victorious Eros“), „Den stora rollen“, „En sparv i tranedans“ (verfilmt als „The Kiss of a Sparrow“ („Spatzenkuss“)), „Från Regnbågen till Galgmannen“, „Från Rönnbruden till Häxskogen“, „Galgmannen: en midvintersaga“, „Häxskogen och andra noveller“, „Hemkomsten och andra noveller“(1925), „Lyckoriddaren. Skadespel i fem akter“(1923), „Nagra Blad“ (1926) (Einführung: Gunnar Castrén), „Perdita och andra noveller“ und „Rönnbruden och pröfningens dag: tva berättelser fran Rävsbacka“ (1918).

Runar Schildt in anderer Funktion: Bibliothek und Theater

Ernst Runar Schildt wurde im Herbst des deutschen Dreikaiserjahres in Helsinki geboren: am 26. Oktober 1888; wo er am 29. September 1925 auch starb. Durch eigene Hand; im Alter von 36 Jahren. Der schwedischsprachige finnische Autor aus Helsinki hatte einen Sohn, der denselben Beruf ergriff: der Kunsthistoriker Göran Schildt. Der andere Sohn, Christoffer, wurde Redakteur.

Vater Runar Schildt studierte Ästhetik und zeitgenössische Literatur, Kunstgeschichte und nordische Geschichte an der Universität Helsinki, naheliegend. Kunstgeschichte – wie der Vater, so dann der Sohn. 1910 machte Ernst Runar seinen Abschluss (Bachelor). Er arbeitete in der Universitätsbibliothek.

Er war Direktor des schwedischen Theaters.

Und war auch als Literaturkritiker und Übersetzer tätig.

1915 dann: Literaturdirektor von Schildts Verlag, den es in anderer Form bis heute gibt.

Die Stadt Helsinki, zu seiner Geburt russisch, seit 1917 finnisch, gedachte seiner.
1955 benannte sie eine Grünanlage nach ihm, den Runar-Schildt-Park in Skillingstigen.
Seit 1976 gibt es den Schildtinpolku (schwed. Schildtstigen, deutsch: Schildtsteig, Schildtweg), eine kurze Gasse am Bahnhof Pohjois-Haagan. Beide im Stadtteil Lassila (schwedisch: Lassas) nördlich der Altstadt.

Runar Schildt und sein Verwandter Malik Bendjelloul lernten sich nie kennen

Malik Bendjelloul, der mit seinem mehrfach preisgekrönten Dokudrama „Searching for Sugar Man“ über den Folksänger Sixto Rodriguez sogar den Oscar gewann, wählte 2014 den Freitod.

Laut Bert Hellingers Familienaufstellungen gibt es subtile Bande zwischen uns und unseren Vorfahren. Seine „Aufstellungen“ sollen helfen, diese zu erkennen und Konflikten vorzubeugen oder diese aufzulösen. (Darauf beruhen Bücher wie „Leiden ist leichter als lösen“(ISBN 387387444X/ 9783873874442).)

Dass Runar Schildt, der durchaus erfolgreich war und bekannt, wenn auch in den 20er Jahren wirtschaftlich schlecht gestellt, in Depressionen verfiel und schießlich seinem Leben ein Ende setzte, könnte durchaus ein „Muster“ sein, dem Malik Bendjelloul folgte.

Dass ein Filmemacher einen Oscar erhält, ist unwahrscheinlich und eine der höchsten oder höchstbewerteten Auszeichnungen. Als Dokumentarfilmer ist die Chance geringer. Als Nicht-US-Amerikaner noch geringer. Wenn man nach so einem Erfolg und vielen anderen Preisverleihungen depressiv wird, muss das einen Grund haben. Natürlich weiß man nie, was in einem anderen Menschen alles vor sich geht.

Doch einfach so passiert nichts. Kein Zufall.

Beide waren Akademiker im Kulturbereich.

… standen durch ihre Erfolge im Lichte der Öffentlichkeit.

Beide nahmen sich (trotzdem) das Leben.

Beide im Alter von 36.

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