Weltläufige Preußen – In Potsdams Stadtbild haben ganz verschiedene Völker ihre Spuren hinterlassen

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Schloss Sanssouci. aus einer Vogelperspektive. © PMSG SPSG, Foto: André Stiebitz, BU: Stefan Pribnow

Potsdam, Deutschland (Kulturexpresso). Im Stadtbild von Potsdam sind sie sichtbar, die Spuren von Leuten aus verschiedenen Ländern.

Das Museum Barberini in Potsdam. © PMSG SPSG, Foto: Nadine Redlich, BU: Stefan Pribnow

Fake-Italien am Alten Markt

Friedrich II. wollte seinen Potsdamer Marktplatz aufwerten. Inspiration dafür holte er sich bei dem italienischen Renaissance-Architekten Andrea Palladio. Am Ende standen rund um den Alten Markt einst über 20 Kopien von italienischen Palastfassaden. Darunter das Rathaus mit seiner Atlas-Skulptur des Atlas und das Knobelsdorffhaus mit seinem vergoldeten Rokoko-Balkon. Die Kirche St. Nikolai wurde nach dem Krieg nach einem Schinkel-Entwurf wieder aufgebaut.

Nach Vorbild des römischen Palazzo Barberini entstand ein Bürgerhaus, das aber 1945 zerbombt und später abgerissen wurde. Der 2017 eröffnete Wiederaufbau beherbergt heute das Museum Barberini.

Daneben quetschen sich zwei weitere Fake-Palazzi in eine Straßenfront – ebenfalls Neubauten, mit nachkonstruierter historischer Fassade. Der Alte Markt glänzt; man fühlt sich wie in Disneyland.

Das Holländische Viertel ist ein Bauensemble, das zwischen 1734 und 1742 in Potsdam errichtet wurde. © PMSG SPSG, Foto: André Stiebitz, BU: Stefan Pribnow

Holländisch im Gleichschritt

Friedrich Wilhelm I., der „Soldatenkönig“, hatte eine Vorliebe für alles Holländische und machte sich selbst auf den Weg, um holländische Fachkräfte anzuwerben. 1732 kamen die ersten holländischen Handwerker mit ihren Familien in Potsdam an. In den folgenden zehn Jahren schufen sie die vier Blöcke des „Holländischen Viertels“ mit ihren insgesamt 134 rostroten Wohnhäusern.

Im Vergleich zu Amsterdamer Gestaltungsvielfalt muten die Straßenzüge konform an – der Soldatenkönig liebte halt den „Gleichschritt“. Für Lebendigkeit sorgen die zahlreichen Cafés, Galerien, Restaurants und kleinen Läden. Auch Gastronomie mit holländischem Touch ist hier zu finden; zum Beispiel das gemütliche Bistro „Lekka Koffie“ mit Gartenblick. (Siehe auch den Beitrag Kaffee für den Hauptmann – Im „Lekker Koffie“ in Potsdam nahm einst eine legendäre Posse ihren Anfang von Fritz Hermann Köser im Magazin GASTROSOFIE.)

Ein Haus mit Garten in der russischen Kolonie Alexandrowka in Potsdam. © PMSG SPSG, Foto: André Stiebitz, BU: Stefan Pribnow

Russische Blockhäuser

Mitten in Potsdam geht es russisch zu, in einer weitläufigen Siedlung mit 13 traditionell russischen, zur Straße hin reich verzierten Blockhäusern. Jedes hat seinen Obstgarten dahinter.

Die malerische Siedlung heißt Alexandrowka, ließ sie doch Friedrich Wilhelm III. 1826 in Gedenken an den Zaren Alexander I. bauen. Höchstpersönlich arbeitete der König mit seinem Gartenbauer Lenné an den Plänen. Der Aufseher erhielt das prächtigste Haus im Zentrum der oval geformten Kolonie. Auf dem Kapellenberg über der Siedlung steht, in zuckrigem Rosa, die orthodoxe Alexander-Newski-Gedächtniskirche, die mit der Siedlung entstand.

Doch die ersten Bewohner wurden hier, fern der Heimat, wohl kaum glücklich. Es handelte sich um leibeigene Soldaten des Zaren, die als Geschenk an den Preußischen Hof gingen. In ihren Gärten sollten sie sich selbst verpflegen; dabei hatten sie vom Ackerbau keine Ahnung.

Kaiserliche Matrosenstation in Potsdam mit Namen Kongsnaes. © PMSG SPSG, Foto: André Stiebitz, BU: Stefan Pribnow

Norwegen, ahoi!

Am Ufer des Jungfernsees betrieb das preußische Königshaus bereits ab 1841 einen kleinen Hafen für Lustfahrten. 1890 beschloss Kaiser Wilhelm II., der gern reiste und vor allem segelte, hier eine Matrosenstation im norwegischen Drachenstil zu errichten. Bald gab es einen Empfangs-Pavillon, das Bootshaus, eine Matrosenkaserne und das Schiffsführerhaus. Die Einzelteile wurden in Norwegen vorgefertigt.

1945 brannte das Gelände; die Reste gingen 1961 bei Bau der DDR-Grenzanlagen drauf. Vor kurzem wurde das Areal originalgetreu wieder hergerichtet; nach historischen Plänen und Fotografien. Die Matrosenstation beherbergt nun ein Restaurant, das „Kongsnaes“.

Anmerkung:

Die Recherche wurde von der PMSG Potsdam Marketing und Service GmbH unterstützt.

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