Lange Nacht der Museen am 31. August – 75 Museumsorte in Berlin, 10 neu

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Lange Nacht der Museen findet seit Jahren in Berlin statt. Genau genommen schon das ganze Jahrtausend lang. Und wer hat‘s erfunden? Es ist ein Berliner Original! Seit 1997. Es ist ein Fest der Superlative, das beängstigen könnte. 750 Events und 75 Museen okay, umfreundlich mit nur einer Eintrittskarte zu erschließen, 75 Tickets zu drucken hätte viel Papier gekostet. Doch wer besucht schon alle – und ist das überhaupt möglich? Auch wenn manchmal von einem Museums-“Marathon“ die Rede ist – die lange Nacht der Museen ist keine Sportveranstaltung. Genau genommen ist sie noch nicht einmal lang: Um 18 Uhr am Abend beginnt sie mit einer Ballettveranstaltung auf der Freitreppe der James-Simon-Galerie – die ich „Treppen-Haus“ taufe, so wie die Kongreßhalle Schwangere Auster heißt und der Funkturm Langer Lulatsch, weil man immer nur auf und ab läuft oder herumirrt und erst hinterher feststellt, dass man das hätte vermeiden können – und um 2 Uhr ist Schluss. Allerdings gab es bei der Pressekonferenz Stimmen von Museumsleuten, die bezeugten, das bei ausreichendem Andrang nicht wie in einem Postamt um Punkt 2 die Tür abgeschlossen wird, sondern es auch schon mal bis drei, halb vier ging.

Lange Nacht der Museen – warum überhaupt hingehen?

Warum sollte man an einem Abend – Nacht wird es ja erst ab 22/ 23 Uhr und bei der Hitze ist es gefühlt viel früher – versuchen, mehrere Museen zu besuchen, wenn es viel voller ist, quirliger (unruhiger) und der Eintrittspreis höher ist als der Einzeleintritt in zwei oder Museen? Lange- Nacht-der-Museen-Dauerbesucher ficht das nicht an.

Allerdings: Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 54% der Besucher (also logischerweise Besucherinnen und Besucher) waren 2018 das erste Mal dabei. Die anderen 46% waren also schon zweimal, dreimal, viermal oder mehrmals dabei. Das wird als Erfolg verkauft. Ein Erfolg, dass die Neugier geweckt wurde und ein neues, großes Publikum gewonnen werden konnte. Nicht gezählt werden die, die nicht mehr kommen, weil ihnen etwas nicht gefällt.

An einem anderen Tag

Wer in Ruhe ein Museum besuchen möchte und Zeit haben für die Exponate, ohne dass dauernd jemand im Sichtfeld steht und potentiell stören könnte, der komme eben an einem anderen Tag.

Die lange Nacht

Die Lange Nacht der Museen hat einen eigenen Flair, ein geschäftiges Summen, die Suche nach Sensation und der berechtigte Wunsch nach (gehobener) Unterhaltung. Es ist ein Gemeinschaftserlebnis mit das aussterbende Gemeinsam-im-Stau-Stehen-am-Ferienende: Dort stöhnen alle und meckern, aber letztlich bietet eine stillstehende Autobahn im Sommer auch ein Faszination und Gespräche mit Wildfremden, mit denen man plötzlich etwas gemein hat. Bei der Langen Nacht der Museen ist die Schnittmenge noch größer. Hier treffen sich nicht Marl und Sindelfingen wie beim Stau (oder auch doch!) und ein kulturelles Interesse wenigstens im Rahmen des Stadtbesuches sind gemeinsamer Nenner.

Man braucht keine Angst zu haben, wie man ohne Taxi nach Hause kommt, 8 eigene Lange-Nacht-Buslinien verbinden die Veranstaltungs- und Schauorte; das Lange-Nacht-Ticket für 18,- Euro gilt von Samstag 15 Uhr bis Sonntag 5 Uhr morgens auch im öffentlichen Nahverkehr, bei der BVG und im restlichen VBB!

Lange Nacht der Museen – mehr Jüngere dabei

Jüngere Museumsbesucher sind unter anderen um die 40. Das Durchschnittsalter der Besucher hat sich verringert; die Veranstalter werten das als Erfolg. Unberücksichtigt bleiben die, die durch die neue Ausrichtung, Modernität und Digitalisierung das Interesse verlieren oder vergrault werden. Oder schlicht keinen Zugang haben.

Ob die Wegbleibenden mehr sind als die neu Hinzugewonnenen, weiß niemand.

Immerhin hat sich die Gesamtzahl der Besucher 2018 gegenüber 2017 erhöht, von 31.000 auf 35.000. Dazu kommen die Kinder unter 12, die gratis Eintritt erhalten. Die Interpretation dieser Zahlen fällt verschieden aus.

Natürlich ist es ein Erfolg. Wie dieser zustande kam, kann niemand mit 100%iger Gewissheit sagen. Denn der Tourismus boomt und größere Besucherzahlen könnten hauptsächlich durch das Schwimmen auf der Welle zu verzeichnen sein. Das Wetter müsste berücksichtigt werden und vieles andere. Wie viele Presseberichte gab es 2017, wie viele 2018? Den Besuchern, die heute abend an den Shuttlebussen warten werden, wird es egal sein.

Die neuen Orte der Langen Nacht der Museen

2019 steigen zehn Museen neu ins Programm ein. Darunter sind:


Das Heimatmuseum Zehlendorf

Schloss Biesdorf (Alt-Biesdorf 55 in Marzahn-Hellersdorf; wegen der Abgelegenheit nicht an einer acht R-Buslinien angebunden. Erreichbar mit der S5 bis Biesdorf oder der U5 Bahnhof Elsterwerdaer Platz)

und, in Eigenschreibweise:

– „Pergamonmuseum. Das Panorama“ Am Kupfergraben 2 (der runde Ort gegenüber des Bode-Museums und des Pergamonmuseums auf der anderen Seite des Kupfergrabens, der Festlandseite)

– PalaisPopulaire (Unter den Linden 5 in Berlin-Mitte, Bus R1 Haltestelle „Staatsoper“)

– Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum

– die Wanderausstellung „Der Krieg und ich“ auf dem Dorothea-Schlegel-Platz in Mitte an der Südflanke des Bahnhofs Friedrichstraße (oder Bus R1 Halstestelle Unter den Linden/ Friedrichstraße)

– James-Simon-Galerie zwischen Neuen Museum, Pergamonmuseum, Kupfergraben und Bodestraße

Auf der großen Freitreppe der James-Simon-Galerie (Kosten: über 100 Millionen Euro) wird die Lange Nacht der Museen um 18 Uhr eröffnet. Das Landesjugendballett bezieht die Treppe in den Tanz ein, zum wiederholten Male tritt es bei der Langen Nacht auf, der Chef des Ensembles bedankte sich dafür.




„Extravaganzen“ – Ein Ballettabend im Saarländischen Staatstheater

Saarrücken, Deutschland (Kulturexpresso). Die Federleichtigkeit des Seins – nirgends wird sie dem Publikum so vor Augen geführt wie wenn Tänzer, die der Schwerkraft der Erde trotzen, förmlich durch den Raum fliegen.

Auch an diesem Ballettabend, an dem der Orchestergraben abgedeckt bleibt, bezauberte das Saarländische Staatsballett unter der Leitung des belgischen Ballettdirektors Stijn Celis mit den drei Choreografien „610 Elm Drive“, „The Grey Area“ und „La Stravaganza“.

610 Elm Drive

Die romantische Pianoklänge der hochvirtuosen zweiten Klaviersonate von Sergei Rachmaninows erklingen, an Hollywoodfilme erinnernd und rühren an die Seele: der japanische Pianist Ryo Kuroki begleitet live an seinem Piano auf der Bühne sitzend, die nackt ist und jeweils changierend mit pastelligen Unifarben im Fond angestrahlt wird. Rachmaninow, erfolgreicher Komponist und Pianist, lebte zuletzt als russischer Emigrant in Kalifornien in Beverly Hills, im 610 Elm Drive, wo auch Hollywood-Prominenz verkehrte. Auf der Bühne fließend-schwebender Ausdruckstanz – ausdrucksstarke Solisten fliegen schmetterlingsähnlich über die Bühne – ihre kaftanähnlichen, seitlich geschlitzen Seidenkostüme in diversen nicht kitschigen Pastellfarben flattern im Wind der Bewegungen. Bei den Tänzern erzeugt eine Nude-Look-Hose die optische Täuschung, dass von hinten nur die blanken, gut trainierten Glutaeus maximus-Muskeln zu sehen seien. Pas de deux’s, mal Mann-Mann, Frau-Frau, Frau-Mann wechseln sich ab mit großartigen Soli, die teilweise an die Mary Wigman oder andere ausdrucksstarke Tänzer der Golden Twenties erinnern. Diese Choreografie Stijn Celis ist ein Hochgenuss.

The Grey Area

Ätherisch-sphärisch-filigran trifft den Tenor dieser Choreographie des Londoners David Dawson. Nackte Bühne, dunkler Hintergrund, hell angestrahlter Boden – die Tänzer nur minimalistisch angeleuchtet, die sich surrealistisch anmutend zum Klang der Syntheziser-Sphärenmusik bewegen, teilweise klassisch Spitze tanzend. Musik, die sich zum dröhnenden Wummern steigert, bevor sie wieder sphärisch spielt. Sehr elegant wirkende Tänzer in phantasievoller Ausdruckstanz teils mit Pas-de-deux’s – teils tanzt das Ensemble quer über die Bühne verteilt. Gezeigt wird hohe Tanzkunst, die entschleunigend wirkt. Verstärkt wird der Eindruck des Ätherisch-Sphärischen durch die filigran wirkenden Kostümchen, entworfen von Yumiko Takeshima, selbst ehemals arrivierte Tänzerin. Durchsichtig wie Spinnenweben geben sie dem Ganzen den letzten Pfiff und Touch. „The Grey Area“ ist ebenfalls eine äußerst extravagante Choreographie.

La Stravaganza

Das in dunkelrot angestrahlte Bühnenbild (Leihgabe aus Toulouse) sieht aus wie eine Steinzeithöhle. Davor tanzen zu elektronisch-akustischer Musik roboterartig – wie Aliens wirkend – Tänzer im Gleichschritt, die mit ihren antik wirkenden Kostümen (Star-Designer Hervé Pierre) wie einem Vermeer-Gemälde entliehen aussehen. Als Kontrapunkt hierzu kommt ein Teil des Ensembles in hautfarbenen, modernen Kostümen von der anderen Seite der Bühne. Sie tanzen spritzig-lebendig in hohem Tempo zu luftig-leichter Vivaldi-Musik „in neoklassischer Tanzsprache, die …unsere Vorstellung des Fliegens, in-die-Luft-Steigens in sich trägt“, so der renommierte, französische (albanisch-stämmige) Star-Choreograph Angelin Prelijocaj, dessen Werk 1997 in New York uraufgeführt wurde. „Menschen, die wie Ahnen aus einer vergangenen Zeit auftauchen („Vermeer-Figuren“) und die, entgegen allen Erwartungen, das Neue bringen…“ so skizziert der von seiner Einwanderungsgeschichte geprägte Prelijocaj seine Inspiration zur Choreographie – ein Feuerwerk an Schrittkombinationen.

Das Publikum goutierte diese Aufführung der „Extravaganzen“ mit frenetischem Beifall und teils stehenden Ovationen. Das war ein mehr als gelungener Ballettabend.

Weitere
Aufführungen

Samstag, 16. März 2019, Freitag, 29. März 2019, Sonntag, 31. März 2019, Dienstag, 9. April 2019, Donnerstag, 25. April 2019, Freitag, 10. Mai 2019 und
Sonntag, den 19. Mai 2019.




Präsentation des neuen Kalenders „Dreaming“ von Albert Watson in Mailand

Mailand, Italien (Kulturexpresso). Kalender führen ihr notwendiges Eigenleben in einer verplanten Welt. Der Digitalisierung trotzt ein Traditionskalender aus Mailand. Eine starke Marke macht es möglich. Albert Watson wurde als Fotograf erwählt. Er ist von Geburt an auf einem Auge blind. Seine Aufnahmen sollen wirken, als hätte man die Einzelbilder eines Films vor sich.

Ewige Nörgler könnten anmerken, dass wieder Männer Frauen fotografieren. Dagegen sprechen der Kalender 2000, den Annie Leibovitz aufnahm, und viele männliche Fotomodelle. Und das Frauenbild? Der halbblinde Albert Watson schuf nicht umsonst eine Situation, aus der „ein positives Bild der Frau von heute entspringt“ (siehe unten).

Die Qualität der Photos ist hoch und macht sie zur Photo-Kunst.

Zu dem Kalender erreichte uns am Präsentationstag 5. Dezember 2018 frisch aus Milano aus dem feinen Italia folgende Pressemitteilung: – „Dreaming heißt der Pirelli-Kalender 2019. Seine Aufnahmen erzählen die Geschichte von vier Frauen, ihren Erwartungen und ihrem Bemühen, ihre Ziele zu erreichen. Wobei jede von ihnen den eigenen Träumen und Leidenschaften folgt.

Der Fotograf der sechsundvierzigsten Ausgabe des legendären Kalenders, die heute im Pirelli Hangar Bicocca präsentiert wird, ist Albert Watson. Er machte die Aufnahmen im vergangenen April in Miami und New York. Vor seiner Kamera agierten Gigi Hadid, Alexander Wang, Julia Garner, Misty Copeland, Calvin Royal III., Laetitia Casta und Sergei Polunin.

Leidenschaft für den Film

„Die vierzig Aufnahmen in Farbe und Schwarzweiß, Format 16:9, können Albert Watsons große Leidenschaft für den Film nicht verhehlen. „Als ich das Projekt in Angriff nahm“, erklärt Watson, „wollte ich es anders machen als meine Vorgänger und ich fragte mich, wie das wohl am besten zu realisieren sei.

Ich wollte qualitativ hochwertige Aufnahmen mit Tiefe, die etwas erzählen. Ich wollte mehr, als einfach nur Personen abbilden. Jede Aufnahme sollte den Eindruck entstehen lassen, man habe das Einzelbild eines Films vor sich. Jeder, der den Kalender betrachtet, soll erkennen, dass ich die Frauen, die vor meiner Kamera agierten, entdecke und eine Situation schaffe, aus dem ein positives Bild der Frau von heute entspringt“. Als der Fotograf erläutert, wie er den Kalender realisierte, erzählt er von seinen eigenen Träumen sowie den Mühen und Opfern, die mit ihnen verknüpft sind“:

Träumen, ohne die Leiter in einem Sprung bis nach ganz oben erklimmen zu wollen

„Wenn man einen Traum verwirklichen will, muss man hart dafür arbeiten. Ich bin dabei stets schrittweise vorgegangen und habe ein Ziel nach dem anderen erreicht, ohne die Leiter in einem Sprung bis nach ganz oben erklimmen zu wollen. Obwohl ich bisweilen den Eindruck habe, diese Leiter steigt bis ins Unendliche empor, wobei die oberste Sprosse sich immer weiter entfernt, glaube ich doch, dass es sich lohnt, immer höhergesteckte Ziele und Träume vor Augen zu haben.“

„Jede der vier Frauen“, fährt er fort, „hat ihre eigene Individualität, ein ganz besonderes Ziel im Leben und ihre eigene Art zu handeln. Jede von ihnen blickt auf ihre Zukunft. Das Grundthema des gesamten Projekts sind die ‚Träume‘, präsentiert als Erzählung in vier ‚kleinen Filmen‘. Was ich vermitteln wollte, waren die Hoffnungen der Protagonisten und ihre Art, über die Zukunft nachzudenken, und das derart, das der Aspekt des Träumens mitschwingt.“

Gigi Hadid. © Pirelli-Kalender 2019, Albert Watson

Ein Beispiel dafür ist die Figur, die Gigi Hadid dargestellt. Sie hat sich von ihrem Lebensgefährten getrennt und lebt einsam in einem Glasturm. In Alexander Wang findet sie ihren einzigen Freund und Vertrauten. „In diesen Bildern liegt für mich ein Hauch von Melancholie. Mit der Figur von Gigi Hadid wollte ich das Bild einer Frau vermitteln, die in die Zukunft blickt, doch mit einem Gefühl der Einsamkeit. Wir sehen sie, wie sie darüber nachdenkt, wohin sie gehen wird und was sie morgen tun wird. Ich wollte sie und das Ambiente, das sie umgibt, wesentlich „minimalistischer“, als bei den anderen Stories.“

Die Frau, die die Natur liebt – und die Einsamkeit

Julia Garner in einem Garten in Miami. © Pirelli-Kalender 2019, Albert Watson

Julia Garner übernimmt die Rolle einer jungen Fotografin, welche die Natur und die Einsamkeit liebt. „Julia ist eine sehr erfahrene Schauspielerin und hat sich perfekt in ihre Rolle hineinversetzt. Sie fotografiert botanische Motive und träumt davon, ihre Fotos erfolgreich auszustellen. Wir haben die Aufnahmen in einem wunderschönen tropischen Garten in Miami gemacht, der sich für unsere Arbeit als perfekt erwies.“

Misty Copeland oder die Frau, die eine große Balletttänzerin werden will

Auch Misty Copeland, der im Kalender Calvin Royal III. zur Seite gestellt wird, blickt in die Zukunft und träumt davon, sich in der Welt des Balletts einen Namen zu machen. „Das Streben nach Erfolg ist ihre Antriebskraft. Die von Misty Copeland dargestellte Figur tanzt in einem Lokal, um sich ihren Unterhalt zu verdienen. Aber in ihrem Garten hat sie eine kleine Bühne errichtet, auf der sie tanzt, um ein Star zu werden, manchmal mit ihrem Verlobten, dargestellt von Calvin Royal III.“

Laetitia Casta verkörpert eine Malerin, die mit ihrem Freund, dargestellt von Sergei Polunin, in einer Einzimmerwohnung lebt, die ihr auch als Atelier dient. Beide träumen vom Erfolg, sie als Malerin, er als Tänzer. „Das Interessante ist“, erzählt Watson, „dass sich Laetitia in ihrer Freizeit wirklich der Skulptur widmet und Kunstgegenstände kreiert. Dieser günstige Zufall hat es ihr erleichtert, sich in ihre Rolle hineinzuversetzen. Wir haben beschlossen, auch im Freien zu fotografieren, um die Szene in ein natürliches Licht zu setzen. Miami und seine tropische Natur sind eine wesentliche Komponente des Bildes.““

Das Team hinter dem Kalender „Dreaming“

„FOTOGRAF ALBERT WATSON KUNSTDIREKTION BARON & BARON EXECUTIVE PRODUCTION THE PRODUCTION CLUB PRODUCTION DESIGNER STEVE KIMMEL“

Photomodelle: „LAETITIA CASTA, MISTY COPELAND, JULIA GARNER, GIGI HADID, SERGEI POLUNIN, CALVIN ROYAL III., ALEXANDER WANG MODEL ASTRID EIKA.“

„CASTING DIRECTOR PIERGIORGIO DEL MORO POST PRODUCTION EMI ROBINSON PHOTO ASSISTANT TARO HASHIMURA DIGITAL TECHNICIAN ADRIEN POTIER CALLIGRAPHER NICOLAS OUCHENIR ATELIER NICOLAS OUCHENIR REPRESENTED BY ZZO MAKE UP ARTIST JAMES KALIARDOS HAIR STYLIST KERRY WARN PROP STYLIST ARNOLD BARROS STYLIST JULIA VON BOEHM WITH THANKS TO ALLISON BORNSTEIN SET DECORATOR BELINDA SCOTT“

Das vollständige Interview mit Albert Watson

Das Kalenderprojekt

„Wie sind sie das Projekt des Pirelli-Kalenders angegangen?“
„Der Pirelli-Kalender ist für jeden Fotografen ein einzigartiges Projekt. Als ich es in Angriff nahm, wollte ich es anders machen als die Fotografen vor mir und ich fragte mich, wie ich das wohl am besten realisiere. Ich suchte nach qualitativ hochwertigen Bildern mit Tiefe, die etwas erzählen. Ich wollte mehr machen als einfach nur Personen abbilden. Alles sollte den Eindruck entstehen lassen, man habe Einzelbilder eines Films vor sich. Ich möchte, dass die Betrachter des Kalenders verstehen, dass ich pure Fotografie machen wollte, dass ich die Frauen, die vor meiner Kamera agierten, entdecken und eine Situation schaffen wollte, aus der ein positives Bild der Frau von heute entspringt.“

„Wie haben Sie das Projekt dann angelegt?“

„Ich wollte sichergehen, eine aussagekräftige Story zu haben und dachte: „Versuchen wir, die Aufnahmen wie die Einzelbilder eines Films wirken zu lassen“. Die Aufnahmen wurden als Panoramabilder gemacht, was ziemlich aufwändig war. Jede der vier Frauen hat eine eigene Individualität, ein ganz besonderes Ziel im Leben und ihre eigene Art zu handeln. Und alle blicken auf ihre Zukunft. Das zugrunde liegende Thema sind also die ‚Träume‘, aber der Grundgedanke des gesamten Projekts ist die Erzählung in vier ‚kleinen Filmen‘.“

„Können Sie uns etwas zu den Geschichten sagen, die Sie in Ihren Kalender beleben?“

„Jede Figur übernimmt im Pirelli-Kalender 2019 eine Rolle. Bisweilen nähert sich die Rolle dem an, was ihre Darstellerin im Leben macht. Doch letztlich spielen alle einfach eine Rolle. Sie sind nicht sie selbst. Und das ist es, was ich wollte.“

Die Rollen der Frauen: Einsam in die Zukunft blickend …

„Die Frau, die Gigi Hadid wird, hat sich kürzlich von ihrem Lebensgefährten getrennt. Sie hat einen Vertrauten, dargestellt von dem Modedesigner Alexander Wang. Er hilft ihr, diesen schwierigen Moment zu überwinden. In diesen Bildern liegt für mich ein Hauch von Melancholie. Mit der Figur von Gigi Hadid wollte ich das Bild einer Frau vermitteln, die mit einem Gefühl der Einsamkeit in die Zukunft blickt. Ich wollte, dass sie wesentlich ‚minimalistischer‘ erschien als die anderen Frauen, die ich fotografiert habe. Und ich wollte, dass sie sich in den Umgebungen widerspiegelt, in denen ich sie dargestellt habe. Die anderen Protagonisten agieren vor üppigen Hintergründen, und auf fast allen Aufnahmen ist Aktion zu sehen.“

… oder in Aktion: der Fotograf fotografiert eine „Fotografin“ …

In Schwarzweiß: Julia Garner. © Pirelli-Kalender 2019, Albert Watson

Julia Garner übernimmt die Rolle einer Fotografin, die botanische Motive aufnimmt und davon träumt, ihre Fotos erfolgreich auszustellen. Julia ist eine sehr erfahrene Schauspielerin und hat sich perfekt in ihre Rolle hineinversetzt. Wir haben die Aufnahmen in einem wunderschönen tropischen Garten in Miami gemacht, der sich für unsere Arbeit als perfekt erwies. Misty Copeland und Calvin Royal III. stellen zwei Tänzer dar, die in einer Wohnung im Stil des Art Déco leben. Sie träumt davon, ein Star zu werden und in Paris zu tanzen. Wie sie in die Zukunft blickt, hat sie ein Ziel vor Augen. Das Streben nach Erfolg ist ihre Antriebskraft.

… eine „Tänzerin“ und eine „Malerin“

Die von Misty Copeland dargestellte Figur tanzt in einem Lokal, um sich ihren Unterhalt zu verdienen. Aber in ihrem Garten hat sie eine kleine Bühne errichtet, auf der sie tanzt, manchmal mit ihrem Verlobten, dargestellt von Calvin Royal III.

Misty Copeland ist die „Balletttänzerin“. © Pirelli-Kalender 2019, Albert Watson

Die von Laetitia Casta dargestellte Künstlerin lebt in einer Einzimmerwohnung, die ihr auch als Atelier dient und die sie mit ihrem Lebensgefährten teilt, dargestellt von Sergei Polunin. Beide träumen vom Erfolg: sie als Malerin, er als Tänzer. Das Interessante ist, dass sich Laetitia in ihrer Freizeit wirklich Skulpturen widmet und Kunstgegenstände kreiert. Dieser günstige Zufall hat es ihr erleichtert, sich in ihre Rolle hineinzuversetzen. Wir haben beschlossen, auch im Freien zu fotografieren, um die Szene in ein natürliches Licht zu setzen. Miami und seine tropische Natur sind eine wesentliche Komponente des Bildes.“

Albert Watson, Alfred Hitchcock und das Licht

„Welche Rolle hat das Licht in diesem Projekt gespielt?“
„Die erste berühmte Persönlichkeit, die ich als junger Fotograf abgelichtet habe, war Alfred Hitchcock. Er sagte zu mir: „Mein lieber Junge, wenn das Storyboard beendet ist, ist auch der Film beendet. Ich muss ihn nur noch drehen.“ Das Wesentliche dieser Aussage blieb mir immer in Erinnerung. Der Kalender 2019 ist wie das Storyboard eines Films. Ich habe es gut getroffen, denn ich habe eine vierjährige Ausbildung als Grafiker gemacht und dann drei Jahre die Royal College of Art Film School besucht, wo ich Regie studierte. Ich habe nie einen Fotokurs besucht und musste also lernen, Fotos zu machen und mit dem Licht zu arbeiten.

Die technischen Aspekte der Fotografie waren für mich immer schwierig, denn ich hielt sie für unnatürlich. Rein intuitiv war es für mich dagegen ganz natürlich, einer filmischen Ästhetik zu folgen. Ein Großteil meiner Arbeit basiert auf grafischen Aspekten und Filmstreifen, mitunter auch auf einer Mischung daraus. In dieser Hinsicht war es für mich einfach, mich in den Kalender einzuarbeiten und Bilder wie Einzelbilder eines Films zu erzeugen. Es ging um ein Verschmelzen all der verschiedenen Elemente, um daraus eine Story entstehen zu lassen. Der gemeinsame Nenner besteht darin, dass jede der dargestellten Figuren dynamisch ist. Sie denken an ihre Zukunft und träumen davon, wo sie in fünf, zehn oder zwanzig Jahren sein könnten.“

Albert Watson: Bessere Arbeit, wenn ich mich mit den Menschen wohlfühle

„Wie hat Ihnen die Arbeit am Set gefallen?“
„Ich weiß, dass einige Personen am besten arbeiten, wenn am Set Spannung herrscht. Nur so können sie ihre Kreativität voll freisetzen. Für mich trifft das genaue Gegenteil zu. Wenn ich mich mit Personen amüsiere, wenn ich mich in ihrer Gesellschaft wohl fühle und mit ihnen Spaß habe, kann ich aus ihnen wesentlich mehr herausholen. Manchmal sage ich den jungen Fotografen, entscheidend sei die Location, die Location und nochmal die Location, doch bei einem Projekt wie diesem heißt es Vorbereitung, Vorbereitung und nochmals Vorbereitung.

Je mehr man sich auf eine Arbeit vorbereitet, desto kreativer wird sie sein. Es gilt nachzudenken und zu programmieren, programmieren, programmieren. Das ist es, was wirklich zählt. Ich hatte großartige Unterstützung, als ich die Atmosphäre für den Kalender schuf. Steve Kimmel war der künstlerische Leiter, zusammen mit Arnold Barros und Belinda Scott, und sie haben ausgezeichnete Arbeit geleistet. Dank ihres Engagements war alles perfekt. James Kaliardos hat sich um die Schminke gekümmert. Seine Arbeit war fantastisch, schön, unsichtbar, aber dennoch präsent.

Die Frisuren, um die sich Kerry Warn kümmerte, wirkten bei allen Frauen ganz natürlich. Er hat viel Erfahrung beim Film gesammelt und war für dieses Projekt genau der richtige. Julia Von Boehm kümmerte sich um das Styling und das Fashion Editing. Außerdem hatte ich mein eigenes Assistenten-Team mit Taro Hashimura und Ed Smith. Alles Digitale wurde gesteuert von Adrien Potier, und Emi Robinson hat wunderbare Retuschen gemacht. Alle haben einen großen Beitrag geleistet, und am Ende war der Kalender wohl eher ein filmisches Projekt als ein fotografisches.“

Haben Sie Ihre Träume verwirklicht?

Eine Frage an Albert Watson und jeden von uns

„Glauben Sie, dass Sie Ihre Träume verwirklicht haben?“

„Wenn man einen Traum verwirklichen will, muss man hart arbeiten. Ich bin dabei immer schrittweise vorgegangen und habe ein Ziel nach dem anderen erreicht, ohne die Leiter sofort bis ganz nach oben erklimmen zu wollen. Obwohl ich manchmal den Eindruck habe, dass diese Leiter ins Unendliche emporsteigt und sich die oberste Sprosse immer weiter entfernt, glaube ich doch, dass es sich lohnt, immer höhergesteckte Ziele und Träume vor Augen zu haben.“

Biografie von Albert Watson

„Albert Watson wurde in Edinburgh geboren und wuchs dort auf. Er studierte Graphic Design am Duncan of Jordanstone College of Art and Design in Dundee sowie Film am Royal College of Art in London. Obwohl er von Geburt an auf einem Auge blind ist, nahm er Fotografie in seinen Studienplan auf. 1970 ging er mit seiner Ehefrau Elizabeth, die eine Stellung als Grundschullehrerin in Los Angeles erhalten hatte, in die USA und er begann, sich als Hobbyfotograf zu betätigen. Heute ist Albert Watson einer der erfolgreichsten und schöpferischsten Fotografen weltweit. Dies hat er seiner ganz persönlichen Fähigkeit zu verdanken, Kunst, Mode und Werbefotografie miteinander zu verschmelzen“ und so äußerst symbolträchtige Bilder zu schaffen.

„Die Vielfalt und der Umfang seines Schaffens sind ohnegleichen: das Spektrum reicht von Aufnahmen von Alfred Hitchcock und Steve Jobs bis hin zu den Beauty Shots von Kate Moss, von den Landschaftsaufnahmen in Las Vegas bis hin zu den Stillleben der Grabbeigaben des Königs Tutanchamon.

Seine Fotografien sind in den Galerien und Museen der ganzen Welt zu sehen, und die Zeitschrift «Photo District News», quasi die Bibel der Fotografie-Branche, nahm Albert in ihre Liste der zwanzig einflussreichsten Fotografen aller Zeiten auf, neben Namen wie Irving Penn und Richard Avedon. Watson gewann zahlreiche Preise, darunter einen Lucie Award, einen Grammy Award, drei Andys, einen Steiger Award, einen Hasselblad Masters Award und die Centenary Medal für die Karriere von der Royal Photographic Society. Im Juni 2015 wurde dem schottischen Fotografen für seine Verdienste um die Kunst der Fotografie von Königin Elisabeth II. das Offizierskreuz des Order of the British Empire (OBE) verliehen.“

Fotos in Mode

Seine Fotos erschienen weltweit auf über 100 Covern von «Vogue» und in unzähligen anderen Zeitschriften wie „Rolling Stone“, „Time“ und „Harper’s Bazaar“. Viele seiner Fotos sind Ikonen der Welt der Mode oder Porträts von Rockstars, Rappern, Schauspielern oder anderen prominenten Personen. Von ihm stammen die Aufnahmen zu Hunderten von Werbekampagnen für große Unternehmen wie Blumarine, Prada, The Gap, Levi’s, Revlon und Chanel.

Filmplakate von Albert Watson

Er hat zahlreiche Filmplakate realisiert, wie für Kill Bill und Die Geisha, über 100 Fernsehspots gedreht und sich gleichzeitig Projekten für Ausstellungen in Museen und Galerien gewidmet.

Die sechs Bücher des Albert Watson

„Albert hat fünf Bücher veröffentlicht: Cyclops (Bullfinch, 1994), Maroc (Rizzoli, 1998), Albert Watson (Phaidon, 2007), Strip Search (PQ Blackwell/Chronicle 2010) und UFO: Unified Fashion Objectives (PQ Blackwell/Abrams 2010). Sein jüngstes Buch mit dem Titel Kaos wurde von Taschen im Herbst 2017 veröffentlicht. Viele Kataloge seiner Fotos wurden von Museen und Galerien zu seinen Ausstellungen veröffentlicht.

Albert Watsons Ausstellungen: Wien, Hamburg, Stockholm, Moskau …

„Seit 2004 wurden Albert Watsons Werke in Einzelausstellungen im Museo d’Arte Moderna in Mailand, im Kunst Haus Wien, im City Art Centre von Edinburgh, im FotoMuseum von Antwerpen, im NRW-Forum von Düsseldorf, in der Forma Galleria in Milano, der Fotografiska in Stockholm und im Multimedia Art Museum in Moskau gezeigt. Eine umfangreiche Retrospektive mit einem neuen Korpus von Fotos, die Watson in Benin aufnahm, wurde in den Deichtorhallen von Hamburg 2013 präsentiert.

Die Fotografien von Watson wurden in Kollektivausstellungen in zahlreichen Museen ausgestellt, darunter im National Portrait Gallery in London, im New Yorker Metropolitan Museum of Art, im Pushkin Museum of Fine Arts in Moskau, im Lianzhou Museum of Photography in China, im International Center of Photography in New York, im Brooklyn Museum und in den Deichtorhallen. Seine Fotografien sind zudem Bestandteil ständiger Ausstellungen in der National Portrait Gallery, im Metropolitan Museum of Art, im Smithsonian, im schottischen Parlament, in den Deichtorhallen und im Multimedia Art Museum in Essen.“

„Watson geht vollkommen in seiner Arbeit auf. Sein Atelier in Manhattan, das ihm auch als seine persönliche Galerie dient, füllen Millionen Fotos und Negative sowie zahlreiche Gigantografien.

Seine bildliche Sprache folgt einem Kodex, der seine Fotografien durch ihre Intensität und die technische Virtuosität eindeutig als Aufnahmen von Albert Watson identifizierbar macht, sei es ein Foto von einem Wald in Schottland, von einem Kleid von Yohji Yamamoto, getragen von einem Topmodel, oder eine Nahaufnahme des von dem Astronauten Alan Shepard auf dem Mond getragenen Raumfahreranzug, oder das ikonische Porträt von Steve Jobs. Sein unaufhörliches Streben nach Perfektion machten Watson zu einem der gefragtesten Fotografen der Welt.“

Über 50 Jahre Kalendertradition mit vielen großen Namen

Nicole Kidman, Rooney Mara, Julianne Moore, Lupita Nyong’o, Alicia Vikander, Robin Wright, …

„PIRELLI-KALENDER: FOTOGRAFEN, LOCATIONS UND MODELS: 1964 Robert Freeman auf Mallorca, Spanien Jane Lumb, Sonny Freeman Drane, Marisa Forsyth 1965 Brian Duffy in Monaco und der Côte d’Azur, Südfrankreich Pauline Dukes, Annabella, Virginia, Pauline Stone, Jeannette Harding 1966 Peter Knapp in Al Hoceima, Marokko Peter Knapp, Shirley Ann, Sue 1967 keine Veröffentlichung

1968 Harry Peccinotti in Djerba, Tunesien Ulla Randall, Elisa Ngai, Pat Booth, Jill La Tour 1969 Harry Peccinotti in Big Sur, Kalifornien

1970 Francis Giacobetti auf Paradise Island, Bahamas Alexandra Bastedo, Anak, Pegga, Paula Martine

1971 Francis Giacobetti auf Jamaica, Große Antillen Caileen Bell, Angela McDonald, Kate Howard, Christine Townson, Gail Allen 1972 Sarah Moon in Villa Les Tilleuls, Paris Suzanne Moncurr, Mick Lindburg, Boni Pfeifer, Inger Hammer, Magritt Rahn, Barbara Trenthan 1973 Brian Duffy in London, England Erica Creer, Sue Paul, Nicki Howorth, Kubi, Nicky Allen, Jane Lumb, Kate Howard, Vida, Penny Steel, Kari Ann, Elizabeth, Vicky Wilks 1974 Hans Feurer auf den Seychellen, Afrika Eva Nielson, Kim, Marana, Chichinou, Kathy Cochaux 1975 – 1983 keine Veröffentlichung;“

In die 80er passten sie

„1984 Uwe Ommer auf den Bahamas, Mittelamerika Angie Layne, Suzy-Ann Watkins, Jane Wood, Julie Martin 1985 Norman Parkinson in Edinburgh, Schottland Anna, Cecilia, Iman, Lena, Sherry 1986 Bert Stern in den Cotswolds, England Julia Boleno, Jane Harwood, Louise King, Deborah Leng, Suzy Yeo, Beth Toussaint, Gloria, Joni Flyn, Caroline Hallett, Samantha, Juliet, Clare Macnamara 1987 Terence Donovan in Bath, England Ione Brown, Colette Brown, Naomi Campbell, Gillian De Turville, Waris Dirie

1988 Barry Lategan in London, England Hugo Bregman, Briony Brind, Victoria Dyer, Nicola Keen, Kim Lonsdale, Sharon MacGorian, Naomi Sorkin, Carol Straker 1989 Joyce Tennyson in den Polaroid Studios, New York Lisa Whiting, Nicky Nagel, Dannielle Scott, Brigitte Luzar, Gilda MeyerNichof, Kathryn Bishop, Susan Allcorn, Susan Waseen, Rosemarie Griego, Akura Wall, Gretchen Heichholz, Rebecca Glen 1990 Arthur Elgort in Sevilla, Spanien Laure Bogeart, Laurie Bernhardt, Christina Cadiz, Anna Klevhag, Florence Poretti, Debrah Saron

1991 Clive Arrowsmith in Frankreich Alison Fitzpatrick, Lynne Koester, Monika Kassner, Paola Siero, Nancy Liu, Katherina Trug, Jackie Old Coyote, Tracy Hudson, Rachel Boss, Carole Jimenez, Saskia Van Der Waarde, Rina Lucarelli, Susie Hardie-Bick 1992 Clive Arrowsmith in Almeria, Spanien Alison Fitzpatrick, Julienne Davis, Judi Taylor.

1993 John Claridge auf den Seychellen, Afrika Christina Estrada, Barbara Moors, Claudie

Wieder Photoaufnahmen auf Paradise Island

1994 Herb Ritts auf Paradise Island, Bahamas Karen Alexander, Helena Christensen, Cindy Crawford, Kate Moss.

1995 Richard Avedon in New York, Vereinigte Staaten Nadja Auermann, Farrah Summerford, Naomi Campbell, Christy Turlington.

1996 Peter Lindberg in El Mirage, Kalifornien, Vereinigte Staaten Eva Herzigova, Natassja Kinski, Kristen Mc Menamy, Navia, Carre Otis, Tatjanna Patitz

1997 Richard Avedon in New York, Vereinigte Staaten Honor Fraser, Ling, Cordula, Sophie Patitz, Ines Sastre, Waris Dirie, Anna Klevhag, Monica Bellucci, Gisele, Kristina, Tatiana, Irina, Jenny Shimizu, Marie Sophie, Brandy, Julia Ortiz, Nikki Uberti

1998 Bruce Weber in Miami, Vereinigte Staaten Tanga Moreau, Stella Tenant, Milla Jovovich, Carolyn Murphy, Eva Herzigova, Patricia Arquette, Shalom Harlow, Kristy Hume, Elaine Irwin Mellencamp, Georgina Grenville, Kiara, Rachel Roberts, Daryl Hannah

1999 Herb Ritts in Los Angeles, Vereinigte Staaten Chandra North, Sophie Dahl, Karen Elson, Michele Hicks, Carolyn Murphy, Shirley Mallmann, Laetitia Casta, Audrey Marnay, Elsa Benitez, Bridget Hall, Angela Lindvall, Alek Wek 2000 Annie Leibovitz in Rhinebeck, New York, Vereinigte Staaten Lauren Grant, June Omura, Mireille Radwan-Dana, Laetitia Casta, Alek Wek, Julie Worden, Jacqui Agyepong, Marjorie Folkman“

Das 21. Jahrhundert beginnt, den Kalender gibt es immer noch

„2001 Mario Testino in Neapel, Italien Gisele Bundchen, Aurelie Claudel, Karen Elson, Rhea Durham, Marianna Weickert, Fernanda Tavares, Angela Lindvall, Ana Claudia Michael, Liisa Winkler, Noemi Lenoir, Frankie Rayder, Carmen Kass 2002 Peter Lindbergh in Los Angeles, Vereinigte Staaten Lauren Bush, Erika Christensen, Amy Smart, Bridget Moynahan, James King, Shannyn Sossamon, Selma Blair, Kiera Chaplin, Brittany Murphy, Monet Mazur, Rachel Leigh Cook, Mena Suvari, Julia Stiles

2003 Bruce Weber im Cilento und in Paestum, Italien Jessica Miller, Lisa Steiffert, Heidi Klum, Isabeli Fontana, Mariacarla Boscono, Natalia Vodianova, Karolina Kurkova, Sienna Miller, Alessandra Ambrosio, Rania Raslan, Bridget Hall, Sophie Dahl, Eva Riccobono, Yamila Diaz-Rahi, Filippa Hamilton, Valentina Stilla

2004 Nick Knight in London, England Adina Fohlin, Amanda Moore, Jessica Miller, Natalia Vodianova, Karolina Kurkova, Mariacarla Boscono, Esther de Jong, Frankie Rayder, Liberty Ross, Dewi Driegen, Ai Tominaga, Pollyanna McIntosh, Alek Wek 2005 Patrick Demarchelier in Rio de Janeiro, Brasilien Adriana Lima, Julia Stegner, Michelle Buswell, Erin Wasson, Marija Vujovic, Fillipa Hamilton, Liliane Ferrarezi, Valentina, Diana Dondoe, Isabeli Fontana, Naomi Campbell

2006 Mert and Marcus in Cap d’Antibes, Frankreich Marcus Piggott, Jennifer Lopez, Gisele Bundchen, Guinevere Van Seenus, Kate Moss, Karen Elson, Natalia Vodianova“

Weitermachen trotz Finanzkrise

„2007 Inez and Vinoodh in Kalifornien Sophia Loren, Penelope Cruz, Lou Doillon, Naomi Watts, Hilary Swank

2008 Patrick Demarchelier in Shanghai, China Maggie Cheung, Agyness Deane, Lily Donaldson, Du Juan, Doutzen Kroes, Catherine Mc Neil, Mo Wan Dan, Sasha Pivovarova, Coco Rocha, Caroline Trentini, Gemma Ward

2009 Peter Beard in Abu Camp/Jack’s Camp, Botswana Daria Werbowy, Emanuela De Paula, Isabeli Fontana, Lara Stone, Rianne Ten Haken, Malgosia Bela, Mariacarla Boscono 2010 Terry Richardson auf Bahia, Brasilien Daisy Lowe, Georgina Stojiljokovic, Rosie Huntington, Eniko Mihalik, Catherine McNeil, Ana Beatriz, Abbey Lee Kershaw, Marloes Horst, Lily Cole, Miranda Kerr, Gracie Carvalho“

„2011 Karl Lagerfeld in Paris, Frankreich Bianca Balti, Eliza Sednaoui, Freja Beha Erichsen, Isabeli Fontana, Magdalena Frackowiak, Anja Rubik, Abbey Lee Kershaw, Lakshmi Menon, Heidi Mount, Erin Wasson, Natasha Poly, Lara Stone, Daria Werbowy, Iris Strubegger, Jeneil Williams, Baptiste Giabiconi, Sebastian Jondeau, Brad Kroenig, Garrett Negg, Jake Davis

2012 Mario Sorrenti in Murtoli, Korsika Isabeli Fontana, Natasha Poly, Saskia De Brauw, Lara Stone, Joan Small, Guinevere Van Seenus, Malgosia Bela, Edita Vilkevictiute, Kate Moss, Milla Jovovich, Margareth Made, Rinko Kikuchi 2013 Steve McCurry in Rio de Janeiro, Brasilien Isabeli Fontana, Adriana Lima, Sonia Braga, Marisa Monte, Elisa Sednoui, Petra Nemcova, Hanna Ben Abdesslem, Liya Kebede, Karlie Kloss, Kyleigh Kuhn, Summer Rayne Oakes“

Jubiläum und kein Ende, dabei enthält jeder Kalender eines

„2014 Feier des 50. Jubiläums des Kalenders in Mailand Kalender 1986 von Helmut Newton, in Montecarlo und in Chianti Antonia Dell’Atte, Susie Bick, Betty Prado

2015 Steven Meisel in New York, Vereinigte Staaten Karen Elson, Anna Ewers, Isabeli Fontana, Gigi Hadid, Candice Huffine, Adriana Lima, Sasha Luss, Cameron Russel, Joan Smalls, Natalia Vodianova, Raquel Zimmerman

2016 Annie Leibovitz in New York, Vereinigte Staaten Yao Chen, Natalja Vodjanova, Kathleen Kennedy, Agnes Gund und Sadie Rain Hope-Gund, Serena Williams, Fran Lebowitz, Mellody Hobson, Ava Duvernay, Tavi Gevinson, Shirin Neshat, Yoko Ono, Patti Smith, Amy Schumer

2017 Peter Lindbergh in Berlin, Los Angeles, New York, London und Le Touquet Jessica Chastain, Penelope Cruz, Nicole Kidman, Rooney Mara, Helen Mirren, Julianne Moore, Lupita Nyong’o, Charlotte Rampling, Lea Seydoux, Uma Thurman, Alicia Vikander, Kate Winslet, Robin Wright, Zhang Ziyi. Special Guest Anastasia Ignatova

2018 Tim Walker in London, Vereinigtes Königreich Adut Akech, Adwoa Aboah, Alpha Dia, Djimon Hounsou, Duckie Thot, Jaha Dukureh, King Owusu, Lil Yachty, Lupita Nyong’o, Naomi Campbell, RuPaul, Sasha Lane, Sean “Diddy” Combs, Slick Woods, Thando Hopa, Whoopi Goldberg, Wilson Oryema, Zoe Bedeaux

2019 Albert Watson in Miami und New York Laetitia Casta, Misty Copeland, Julia Garner, Gigi Hadid, Sergei Polunin, Calvin Royal III., Alexander Wang“ und Astrid Eika.




“Life without music is unthinkable” – Young Euro Classic 2018 in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Seit dem 3. August und noch bis zum 20. August 2018 läuft in Berlin das Musikfestival Young Euro Classic, dessen Veranstalter der eingetragene Verein Deutscher Freundeskreis europäischer Jugendorchester mit Sitz in Berlin ist.

In diesem Jahr hat sich dieser Veranstalter zur 19. Ausgabe Nelson Mandela und Leonard Bernstein auserkoren, die in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag gefeiert hätten.

Das Jugendorchesterfestival in Berlin werde „seinem eigenen Anspruch treu“ bleiben und „immer wieder neue Ideen, neue Werke und neue Gesichter“ vorstellen, verrät der Veranstalter und bittet zum Programm.

Am 2. August gab es zum Auftakt ein Festkonzert zum 100. Geburtstag von Nelson Mandela, bei der nicht nur Außenminister Heiko Maas (SPD) sprach, sondern auch eine deutsch-südafrikanischen Gemeinschaftsbriefmarke vorgestellt wurde. Musik wurde auch geboten und zwar Klassik mit südafrikanischen Klängen. Werke von Beethoven, Tsotetsi, Wards „Rainbow Beats“ sowie traditionelle und südafrikanische Weltmusik des A-Cappella-Ensembles Just 6 wurden zu Gehör gebracht.

Aus London ist erstmals die Southbank Sinfonia, aus Russland das Youth Chamber Orchestra St. Petersburg, aus New York das NYO Jazz mit Grammy-Gewinnerin Dianne Reeves dabei. Dass das Young Euro Classic auch 2018 echt international ist, das beweisen zudem das National Youth Orchestra of Canada, das Auckland Youth Orchestra aus Neuseeland und die Georgian Sinfonietta aus Tiflis.

Die Macher des Musikfestivals versprechen mit dem Schleswig-Holstein Festival Orchestra, das Musik von „Lennie“, seinem legendären Gründer, im Gepäck hat, einen spektakulären Schlusspunkt.

Zum Programme zählen zudem eine Vielzahl von Uraufführungen und Deutschen Erstaufführungen, groß besetzte Orchesterwerke von Richard Strauss, Jazz, Ballett – und natürlich die ewig jungen Symphonien des Klassikers Beethoven.

Wer einen Mix aus Klassik und Jazz schätzt, dem sei eine Veranstaltung von und mit Nils Landgren am 8. August 2018, ab 20 Uhr, im Berliner Konzerthaus empfohlen, die mit den Worten “Life without music is unthinkable” beworben wird. „Diesen Worten Leonard Bernsteins wird Nils Landgren in diesem Jahr einmal mehr die Ehre erweisen: Gemeinsam mit renommierten Jazzgrößen und Mitgliedern der jungen norddeutschen philharmonie und des STEGREIF.orchesters wird er Bernstein nach seinen musikalischen Vorbildern befragen und trifft dabei auf Gustav Mahler und Kurt Weill.“




Ballett (Symbolbild).

Verlangen hoch drei – Ballette von Stijn Celis, Jiří Kylián und Andonis Foniadakis

Saarbrücken, Deutschland (Kulturexpresso). Im für Millionen hervorragend renovierten Staatstheater Saarland gibt es Feuer und Ekstase – das Saarländische Staatsballett, ein internationales Ensemble choreographiert vom renommierten, belgischen Ballettdirektor Stijn Celis reißt alle zu Begeisterungsstürmen von den sehr bequemen Stühlen.

Drei Choreographien von weltberühmten Choreographen werden präsentiert: „Your Passion is pure joy to me“ (Musik ursprünglich von Johann Sebastian Bach), choreographiert von Stijn Celis wird von „Nick Cave and The Bad Seeds“ romantisch-dramatischen Songs untermalt, die sehr zu Herzen gehen. Seine Songs kreisen um das Thema Gläubigkeit und wie man trotz quälender Erinnerungen überleben kann, ohne zu zerbrechen. Die sieben TänzerInnen in legerer Alltagskleidung zeigen individuelle und eigenständige Ausdrucksformen in der Balance zwischen Leid und Trost, zwischen Schmerz und Heilung. Im Kontrast zu Caves Musik steht die Musik der Avantgardekünstler Pierre Boulez und Penderecki, die in der Mitte des Tanzwerks einen Kontrapunkt setzen mit kakophonischen Klangwelten. Am Ende versöhnt klanglich ein Klavierstück des kubanischen Jazzpianisten Gonzalo Rubalcaba – leichtfüßig und elegant von den TänzerInnen wiedergegeben – welch ein Hochgenuss.

Weiter geht es mit der Choreographie „27‘52“ von Kiri Kylián nach Musikmotiven aus Gustav Mahlers „Sinfonie Nr. 10“. Die sechs TänzerInnen bat Kylián vor der Inszenierung von ihnen selbst gewählte Texte zu sprechen, die dann während des Tanzes sowohl vorwärts als auch rückwärts abgespielt wurden. Sprüche des Kampfkunst-Schauspielers Bruce Lee oder „Darf ich Sie fragen, wer Sie sind?“ aus Martin Scorseses Film „Kundun“ über den Dalai Lama oder auch „Der Albatros“ von Charles Baudelaire werden hier tänzerisch kunstvoll und atemberaubend getanzt.

In der dritten Choreographie „Selon désir“ des Griechen Andonis Foniadakis geht dann endgültig „die Post ab“ – zur Musik von J.S. Bach (Eröffnungschöre aus der Matthäus- und Johannespassion). Was man sonst nur auf Fotos sieht, wenn sich Arme und Beine sehr schnell bewegen, ist hier life zu sehen – die Bewegungen sind so schnell, dass die Augen die Bilder nicht richtig zusammensetzen können und man Mehrgliedrigkeit zu sehen glaubt. Lange, wild herumfliegende Haare, alle in griechisch anmutenden Kostümen, die Tänzer tragen die typischen griechischen Röcke – Feuer und wilde Bewegung – es ist unglaublich, was das Ensemble hier an Feurigkeit zu bieten hat.

Laut Foniadakis geht es bei „Selon désir“ um einen Gang durch das Feuer – das Leben als permanenter Kampf. „Himmel“ und religiöser Aufschwung werden gefolgt von „Hölle“, dem Chaos der Seele, Seelenqualen, Anarchie.

Atemlos bleibt man als Zuschauer zurück – wunder-, wunderschön! Tosender Beifall des Publikums folgte.




Nach der Vorstellung: Tänzer des "Les Ballets Trockadero de Monte Carlo" aus New York bedanken sich beim Publikum

Da bleibt kein Auge trocken: die „Trocks“ im Admiralspalast in Berlin! Les Ballets Trockadero de Monte Carlo – für alle ein Spaß

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Quatsch Comedy-Club zu langweilig? Charlie Chaplin zu oft gesehen? Deutscher Humor zu trocken? Hier ein Tipp für alle: „Les Ballets Trockadero de Monte Carlo“ aus New York sind in Berlin im Admiralspalast Friedrichstraße 101 zu Gast.

Ballettfan oder nicht

Hier kommt jeder auf seine Kosten. Sogar die, die dem Tanz sonst kaum als Zuschauer begegnen. Das ist das Wunderbare: Bei der Berliner Premiere saßen eingefleischte Ballettliebhaber neben Laien, junge Leute mit kaum verfestigten Interessen zusammen mit allen darauffolgenden Generationen – und immer wieder ging ein befreiendes Lachen durch den Saal.

Die außergewöhnliche Ballettcompagnie „Les Ballets Trockadero de Monte Carlo“ bringt die großen Klassiker der Ballettgeschichte, darunter die Originalchoreografien der „Ballets Russes“ wie Tschaikowskis „Schwanensee“, ebenso vollendet wie originalgetreu auf die Bühne. Trotzdem hat man das Gefühl, das erste Mal wie im Zeitraffer das Ballett zu verstehen.

Der Humor

ist ein ständiger Begleiter der Vorführung, überrascht einen immer dann wieder, wenn man gerade in der Betrachtung der Tänzer versunken ist – oder ein Gag jagt den nächsten, bis man gerade noch einem Lachkrampf entkommt. Die Komik entsteht allerdings nur durch die bewusste Überzeichnung der kleinen Schwächen und Missgeschicke – und der „tieferliegenden Ungereimheiten des ‚seriösen‘ Tanzes“, wie es im Programm formuliert ist.

Doch funktioniert seit seiner Gründung im New York des Jahres 1974 „Les Ballets Trockadero“ durch seine parodistische Form. Das führt dazu, dass der – teils übertriebene und ritualisierte – Ernst von Tanzvorstellungen in einer befreienden Weise transzendiert wird – bei technischer Perfektion und, wie gesagt, Originaltreue. Man vermutet, dass letztlich kein Stein auf dem anderen bleibt – doch Siegfried bleibt „Prince“ Siegfried, Schwanenkönigin Odette bleibt Odette und Benno und von Rothbart sind zur Stelle.

Die Trocks

Da wäre noch die Sache mit dem vorherrschenden Geschlecht der Tänzer, die zu verraten eigentlich keine Pflicht ist, die uns obliegt. Der Genuss der möglichen Entdeckung der Wahrheit bleibt so erhalten.

Es handelt sich zweifelsohne um ein herausragendes, klassisch ausgebildetes Ballettensemble.

Den „Primaballerinen“ des New Yorker Ensembles – salopp und amerikanisch-kurz die „Trocks“ – sind „die Herzen, die Bewunderung und das Amüsement des Publikums gewiss“, heißt es. Dem kann man aus eigener Erfahrung nur beipflichten.

Les Ballets Trockadero de Monte Carlo“ im Admiralspalast in Berlin-Mitte
Friedrichstraße 101, 10117 Berlin
U-, S- und Fern-Bahnhof Friedrichstraße
vom 9. bis 14. Januar 2018




Eine sensationelle Augenweide! Das kubanische ,Ballet Revolución‘ macht aus modernem Tanz, Ballett und Street Dance einen bildschönen, bewegten Mehrwert

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ballet Revolución sagt noch nicht alles, verweist aber auf die kubanische Herkunft des Ensembles und ihre Art, klassisches Ballett und modernen In- und Outdoor-Tanz zu revolutionieren, zu vermengen, zu verwirbeln wie die Tänzer auf der Bühne. Das Photographieren während der Vorstellung ist dem Publikum verboten. – Der Hinweis war vielleicht überflüssig, denn es gab so gut wie keinen Augenblick, an dem man ein scharfes Photo hätte festhalten können.

Die Tänzer gönnten sich kaum ein Atempause, höchstens, dass sich einige von ihnen auf der Hinter- und Seitenbühne befanden, während sich vorn im Scheinwerferlicht ihre Kollegen und Kolleginnen in immer neuen Kombinationen zusammenfanden und den Betrachter mit wechselnden Kostümen, legendären Moves und auch mal oben ohne überraschten: 12 Männer mit nacktem Oberkörper und natürlich „angetanzten“ Muskeln – unwiderstehlich.

Große Kraftakte im Stemmen ihrer Partnerinnen und Partner beim Paartanz und – ja, so muss man es beim Namen nennen, bei regelrechter Tanz-Artistik – gelangen en passant mit der Leichtigkeit eines Schwarms farbenfroher Schmetterlinge und der Geschmeidigkeit des Jaguars, der nach einem mächtigen Sprung lautlos aufsetzt, ohne dass man im Wasserglas ein Zittern verspürt.

Bunt begann es, die Tänzer unten schwarz gekleidet, um die Gruppe zu betonen, oben uni in verschiedenen kraftvollen, nicht grellen Farben, die die Individualität der Tänzer herausstellt.

Bei der neuen Show von ‚Ballet Revolución‘ kann sich kein Tänzer verstecken, einer ist besser als der andere, jeder hat seine Stärken und Besonderheiten.

In immer neuen Gruppen, sechs Paaren, Dreiergruppen oder in Dreiecksakrobatik drei Männer mit einer Frau; dazu das genannte Highlight mit einem runden Dutzend Männer ohne weibliche Begleitung.

Spitzentänzer, wohin man schaut, 18 an der Zahl, doppelt so viel Männer wie Frauen.

Musik!

Die Ballet-Revolución-Live-Band mit den Top-Hits von Justin Timberlake, Justin Bieber, Enrique Iglesias müsste man erwähnen. Darunter die Sängerin Janine Johnson, der sich nicht versteckende Schlagzeuger Rayhner Lasserie Chegoy und der Sänger Weston Foster. Bis heute im Ohr: Thommy Garcia Rojas‘ Trompetenklänge.

Die Band beginnt vor und nach der Pause mit dem belebenden Feuer eigener Stücke: „El Panadero“, „Mambo 100“ und „Trompeta“. Es folgen perfekt auf die Tänzer abgestimmte große und aktuelle Songs.

„Freedom“ von George Michael in großen Lettern an der LED-Wand begleitet einen in die Pause in die Freiheit. Das jedoch nicht, ohne mit ,Coldplay‘ das Leben zu feiern: „Viva la Vida“.

Nach der Pause reißen die Höhepunkte nicht ab: Justin Bieber braucht sich nicht zu entschuldigen, James Browns „Man‘s World“ wird zeitgemäß und gendergerecht relativiert, Prince lässt Purple Rain regnen.

In gegenseitig überschäumender Begeisterung, die Publikum und Tänzer erfassen, werden mehrere Zugaben in einem Tempo angehängt, bei dem sogar die Beleuchter zum Schluss nicht mithalten können.

Rampenlicht hin oder her, diese Show gehört zu den ganz großen, und wer eher auf den Geschmack der Queen of England vertraut, sollte erst recht hingehen.

Das „Creative Team“ von Ballet revolución

An erster Stelle ist der Choreograph Roclan Gonzalez Chavez zu nennen, der, nicht verwunderlich, in Havanna die „Escuela National de Arte“ absolvierte. Vor circa 20 Jahren schloss er dort in den Fächern „Zeitgenössischer“ und „Folkloristischer Tanz“ ab. Er erhielt als Jahrgangseinziger ein Stipendium für ein Choreographiestudium, ein weiterführendes. Und wie ihn das weitergeführt hat – und vor allem sein Talent.

Gonzalez arbeitete fortan nicht nur mit den bekanntesten kubanischen Künstlern und Tanzgruppen zusammen, sondern auch mit dem weltbekannten „Cabaret Tropicana“.

Er ist für das kubanische Fernsehballett tätig, bei vielen Videoproduktionen, der „Cuba Disco“ und den „Cuban Music Awards“.

Jüngst tourte er mit den Shows „LADY SALSA“ und „THE KINGS OF SALSA“ durch vier Kontinente, unseren und Asien, Australien und Nordamerika. Er arbeitete in ganz Lateinamerika, also in Mexiko, Mittel- und Südamerika, erlernte Samba und Tango.

Er erschafft Synthesen aus Elementen vieler Völker und Zeiten.

Ballet revolución mit „Chiky“ und Cash

Der Choreograph Aaron Cash aus Brisbane, einst einer der „Tap Dogs“, hat schon eine große Fernsehkarriere, auf die er zurückschauen kann. Ein Highlight 2014 – die Jury-Mitgliedschaft bei “SO YOU THINK YOU CAN DANCE AUSTRALIA“ zusammen mit Paula Abdul.

Der musikalische Direktor der ,Ballet Revolución‘ ist Osmar „Chiky“ Salazar Hernandez. Nachdem er beim „Jojazz“ Cuban Jazz-Festival zum besten Bassisten gewählt wurde, ist er weltweit auf Tour, komponierte sogar eigene Stücke für „LADY SALSA“ und „THE KINGS OF SALSA“. Dort spielte er sie als Teil einer zehnköpfigen Band auch selbst. Er ist in einer Handvoll Genres unterwegs, stand an der Seite international bekannter Künstler und nahm 15 Alben auf.

Kostümdesigner Jorge Gonzalez (https://youtu.be/Fru5tvoqndw): während des Vietnamkriegs auf Kuba geboren, lange nach dem Prager Frühling in Preßburg (Bratislava) studiert, in Prag Modeluft geschnuppert. Als Model entdeckt. Stylist, Modechoreograph und Fashion-Show-Organisator. Nach dem Diplom in die Weltstadt Hamburg, wo Seeluft und Ozeandampfer Nachricht aus der Karibik über den wilden Atlantik bringen. Ab 2010 Catwalktrainer und Modelcoach bei GNT mit Heidi Klum; Publikumsliebling.

Tourorte der neuen Show des Ballet revolución

Zwischen Weihnachten und Silvester erbebte der Admiralspalast in der deutschen Hauptstadt.

2018 wird die ganze Bundesrepublik Deutschland bereist, auch Österreich und die Schweiz.

Heute und morgen in der Bielefelder Stadthalle, am 5. und 6. Januar im Festspielhaus in Baden-Baden, vom 9. bis 14. Januar im Musical-Theater in Basel.

Weiter geht‘s über Köln, Essen, Nürnberg, Bremen, Mannheim, Leipzig nach Zürich. Dann über Düsseldorf, Chemnitz, Frankfurt am Main in die österreichische Hauptstadt Wien.

Ende März von Dortmund in den April hinein nach Stuttgart und in Jorge Gonzalez‘ Heimat Hamburg. Den (vorläufigen?) Abschluss bildet vom 17. bis 22.4.2018 München (Circus Krone).

Dass der Berliner Admiralspalast nahe der Weidendammer Brücke ein Ort für internationale Ballettspitzenleistungen ist, wurde mit Ballet revolución erneut bewiesen. Weitere Beispiele für die Attraktivität des Spielorts an Spree und Friedrichstraße wie „Les Ballets Trockadero de Monte Carlo“ unter „Bühne“. Besagter Artikel heißt: „Da bleibt kein Auge trocken“.
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Michael Clark Company

Michael Clark mit Bowie-Hommage – „Tanz im August“ in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Im August tanzen nicht nur die Puppen und Pupen bis in die Puppen, nein, auch Männer und Frauen, die ihre Passion bis zur Perfektion treiben, toben sich auf der Veranstaltung „Tanz im August“ in Berlin aus.

Das 29. Internationale Festival „Tanz im August“ läuft seit dem 11. August 2017. In einer Pressemitteilung vom 10. August 2017 heißt es, dass „bis zum 2. September 2017 … in rund 69 Vorstellungen an 11 Veranstaltungsorten in ganz Berlin, mit mehr als 150 Künstler*innen aus 21 Ländern insgesamt 28 Produktionen, darunter 3 Uraufführungen und 14 Deutschlandpremieren,
präsentiert“ werden würden. Das Programm bestünde aus „Premieren und zahlreiche neue Arbeiten von Choreograf*innen aus
unterschiedlichen Generationen, deren künstlerische Praxis von Flamenco und Butoh, über Ballett und Tanztheater bis Performance reicht“.

Mit dabei ist dieses Mal die Michael Clark Company. Der schottischen Tänzer, Choreografen und Provokateur Michael Clark präsentiert mit seiner Company das Stück „To a simple, rock ’n’ roll song“ vor allem die Musik von Patti Smith und David Bowie. Schon als Kind tanzte er bei den Scottish Country Dance und später von 1975 bis 1979 im Ballett an der Royal Ballet School in London. Richtig los ging es für Clark beim Ballet Rambert. 1984 gründete Clark die Michael Clark and Dancers, mit denen er über zwei Dutzend Jahre die Welt betanzte.

Clark arbeitete immer wieder mit Musikern wie denen von Laibach, aber auch mit Lou Reed, Iggy Pop und David Bowie. Schrill, bunt, laut und viel Leck mich – das war Clark und das war cool.

Clarks „Stil zwischen Präzision und Chaos, Klassischem und Rohem, Ballett und Post-Punk kehrt“, wie es auf der Heimatseite des Veranstalters im Weltnetz heißt, „nach Berlin zurück. Clark würde Heterogenes verbinden, wird behauptet und zwar „eine komplexe Choreografie zur minimalistischen Klaviermusik von Erik Satie. Ein keckes, scharfes Stück zu den Punksongs von Patti Smith. Und zum Abschluss einen kühnen, pulsierenden dritten Akt zur Musik von David Bowie, mit dem sich der Tanz-Rebell vor der Pop-Ikone verneigt – war Bowie doch für Clark ein großes Vorbild und eine Inspiration“. Wir haben gelesen. Wir werden sehen.

Die Michael Clark Company ist vom 17. bis 19. August 2017 im Haus der Berliner Festspiele zu erleben.




Seepferdchen singen Rolf Zuckowski. Konzert im Rahmen des Gehsteigfestes im Stadtschloss in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Berliner Stadtschloss gibt es, es steht und man kann es besuchen. Die Anschrift: Rostocker Straße in Moabit. Am Festtag 19. Mai ist fast der ganze Bürgersteig, Gehsteig ist kürzer, mit Info- und Verkaufsständen belegt. Bei einem Rostocker-Quiz gibt es ohne Einsatz Preise zu gewinnen.

Was ist ein Stadtschloss?

Was ist ein Stadtschloss? Der Name kommt aus einer Zeit, als es Kurfürsten und Königreiche gab. Kaiser, Könige und Fürsten residierten nicht nur an einem Ort.

Zuhauseessen ist bekömmlich

Die englische Königin geht bis heute nicht essen, sondern diniert zuhause. Schön, wenn man sich weltweit über 100 Häuser und Paläste leisten kann.

Sehr wenige Fewos im Barock

Das Angebot an Ferienwohnungen war im Barock gering und die Suche im Netz gestaltete sich im 17. Jahrhundert schwierig. Es fehlten die technischen Voraussetzungen. Gemeint ist nicht das Handy und Internetz, sondern eine Zeitmaschine. Denn auch mit Mobiltelefon hätte man mangels Inhalten im Mittelalter schwerlich eine Fewo. gefunden.

Keine gute Bewertung für Ungeziefer

Zudem der Standard der Unterkünfte auch heute zu wünschen übrig lässt. Immer wieder liest man schlechte Bewertungen mit Ungeziefer und anderer Unbill. Die Bewirtung gegen Bares mag manchem Baron schon schlecht bekommen sein; im Schlafgemach lief ihm dann eine Laus über die Leber.

Ziegelgold oder: Not macht erfinderisch

Also schuf sich, wer konnte, Residenzen. Je länger man herrschte, desto mehr. Friedrich II. regierte 46 Jahre und verfügte über eine schöne Anzahl von Übernachtungsorten zwischen dem südwestlichsten, Caputh, und den Residenzen in Berlin und seinen Nachbardörfern und -städten wie Charlottenburg.
Friedrich der Große war Kurfürst von Brandenburg sowie preußischer König und orientierte sich gegen Ende seiner Regentschaft gen Potsdam, schuf dort Sanssouci.

Wie aus dem Potsdamer Schloss das Stadtschloss wurde

Nun gab es in jener Stadt zwei Schlösser, das westlich am Rand gelegene neue und das alte Schloss. Um sie auseinanderzuhalten, sprach man vom Stadtschloss. Ganz anders in Berlin: Da es in der Haupt- und Residenzstadt nur ein Schloss gab, hieß es einfach „Berliner Schloss“. Nur so ist es richtig. Ein Berliner Stadtschloss, in dem der König zuhause gewesen wäre, hat es nie gegeben.
Unerheblich, dass das Schloss in der Stadt lag. Charlottenburg, Oranienburg und Teltow waren auch Städte. Niemand wäre auf die Idee gekommen, vom „Charlottenburger Stadtschloss“ zu sprechen, da es dort nur ein einziges Schloss gibt.

Das Berliner Schloss – nur so richtig!

Der unsachliche Blödsinn, fälschlicherweise in Zusammenhang mit Berlin von einem Stadtschloss zu sprechen, ist trotzdem kaum auszurotten. Dummheit, Halbwissen und Missverständnisse stehen der ausschließlichen Benutzung der richtigen Bezeichnung BERLINER SCHLOSS im Weg.

Das Stadtschloss ist in Moabit

Wir haben eingangs richtig formuliert. Das Berliner Stadtschloss stammt allerdings nicht aus dem 18. Jahrhundert. Natürlich nicht. Teile davon, so der hofseitige Treppenanbau des an der Straße gelegenen Nordflügels, stammen aus dem 20. oder 21. Jahrhundert.

Eine Institution

Es ist eine Institution für Kinder und Familien auf einem Gelände mit Spielplätzen an der Rostocker Straße; nahe Sickingenstraße und S-Bahnhof Beusselstraße (Ringbahn Nordring).
Als Gebäude nutzt man das, was nach dem Zweiten Weltkrieg übrigblieb und dann repariert und ergänzt wurde. Vielfältige Angebote für Kinder und Jugendliche ermöglichen eine sinnvolle Freizeitgestaltung.
Stellvertretend sei nur der Tanzunterricht der Ballettlehrerin Rose Brotherton erwähnt.

„Geh zum Gehsteigfest“

Einmal im Jahr ist Gehsteigfest. Das Englische leistet sich mit ‚pavement‘ und ’sidewalk‘ auch zwei Begriffe, der deutsche ‚Bürgersteig‘ ist länger als der internationalere ‚Gehsteig‘; auch global verträglicher mangels Umlaut.

Mit dem „Gehsteig“ kann man auch dem Vorurteil entgegenwirken, dass das Deutsche immer länger sei. Sowohl der „Gehsteig“ als auch die beiden Wörter aus dem Britischen und Amerikanischen enthalten exakt die gleiche Buchstabenzahl: acht.

Auftritt der Seepferdchen um 17.30 Uhr

Das Festprogramm ist umfangreich und schließt einen Clown ein. Dieser muss aber kein Entfesselungskünstler sein, so eingeschlossen ist er nun auch wieder nicht.
Nach dem Spaßmacher ist das Kinder- und Erwachsenen-Ensemble der Kinderkunstwerkstatt Seepferdchen dran, das extra mit Instrumenten und Equipment aus dem Wedding anreist.

Begleitet werden die nicht-a-cappella-Lieder von Silke Fischbeck auf der Gitarre und Manrico Lampe am Cello.

Rolf-Zuckowski-Lieder im Repertoire?

Welche Lieder genau gesungen werden, steht noch nicht fest.
Silke Fischbeck, Leiterin der Kinderkunstwerkstatt: „Das kann man bis zum Schluss nicht sagen. Manche Kinder kommen unregelmäßig oder haben Zuverlässigkeit noch nicht gelernt. Andere kommen nicht zu Proben, möchten dann aber auf der Bühne ans Mikrophon. Lieder, die mit bestimmten Kindern eingeübt wurden, können nicht gesungen werden, wenn diese nicht kommen. Dann muss man ganz spontan sein.“
Frau Fischbeck hat eine ganze Reihe Lieder im Repertoire, darunter das Sommerlied.

Um 17 Uhr begleitet sie am Flügel mit dem Meeresrauschen eine Tanzvorführung unter der Leitung von Rose Brotherton im Ballettsaal. Vorher spielt sie noch zur Querflöte. Anschließend holt sie der Clown Luciano dort ab.

Selbstdarstellung des Stadtschlosses und Angebote

(Auszug) In einem Nachbarschaftshaus treffen sich Nachbarn, die gemeinsam mit anderen Menschen etwas machen wollen.
„Sie spielen zum Beispiel Theater oder machen Ausflüge. Man kann kochen und tanzen. Es gibt Kurse und Lerngruppen.“
Die Leute, Moabiter und Berliner, „können Fragen stellen und sich Rat holen“. Z.B. zur Patientenverfügung.
„Sie können Hilfe bekommen oder können anderen helfen.“
„Alle Menschen sind willkommen.“

Geschichte des Stadtschlosses Moabit

Das Haus gibt es seit 2002. Es gehört zum Verein Moabiter Ratschlag, der 1990 von Bürgern gegründet wurde, um Bürgerbeteiligung besser zu organisieren.
Dazu gehört zum Beispiel das Stadtteilplenum Moabit West, das sich jeden 3. Dienstag um 19 Uhr trifft, außer im Ferienmonat August und in der Adventszeit.




„7“ oder Sieben Choreographien von Martin Schläpfer – Das Ballett am Rhein tanzt Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 7 e-moll

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Genial, spannend, erotisch, phantasievoll, unendlich vielfältig, Power und Dynamik – ein Feuerwerk von kreativen Choreografie-Elementen des Züricher Starchoreografen Marin Schläpfer – all in black and white. Dies skizziert in einigen Worten die 90 Minuten Brillianz ohne Pause, die die Zuschauer mit frenetischem Beifall belohnen.

Gustav Mahlers vielseitiges, romantisch-dynamisches Oeuvre wird von einer CD gespielt (Leonard Bernstein, N.Y.) und betanzt auf einer minimalistisch-schwarzen Bühne. Was für eine ausgezeichnete Idee des Intendanten Nacho Duato, dieses befreundete Ballett aus Düsseldorf/Duisburg nach Berlin einzuladen, um Berliner Sehgewohnheiten zu durchbrechen.

Die TänzerInnen tanzen im raschen Wechsel, mal als SolistIn, mal als Sturm von TänzerInnen, als Trio(s), Pas-de-deux(s) sei es in Barfußlook-Schläppchen, Spitzentanzschuhen oder auch mit stampfenden, den Boden erzittern lassenden Stiefeln in schwarz-weißem Outfit, die Männer in Legero-Outfit, Tänzerinnen in Cocktailkleidern mit teils offenem, langem Haar lassen die langen Beine in 180 Grad zum Himmel aufspringen. Wildes auf dem Boden rollen, Hebungen, Tänzer mit nacktem Oberkörper, Liebespaare sitzen sich küssend auf dem Boden, als auf einmal ein Tänzer aufspringt und die Dame des Nachbarn ergreift – ein Bäumchen-wechsel-Dich mit getanztem Liebeskummer. Eine Solistin erscheint mit einem Schemel auf der Bühne, witzig und schelmisch lächelnd und ist auf einmal von der gesamten Compagnie umringt, alle mit Schemeln und es wird Reise nach Jerusalem inszeniert. Witzig, wie ein Trio polonaiseartig von der Bühne tanzt, wobei die Tänzerin vorne lachend den Arm von oben nach unten zieht, als ob sie eine Dampflocksirene betätigt und Abgang von der Bühne mit einem „Tchou, tchou“! Mimik und Fratzenschneiden sind auch mit von der Partie in der Choreografie.

In der zweiten Hälfte des Geschehens geht eine Jalousie im Fond hoch, ein weißer Hintergrund erscheint, auf den im Folgenden changierende, zarte Pastellfarben projeziert werden in bleu-Türkis, rosé oder den Sonnenuntergang simulierend.

Teilweise vergisst man, dass die herrliche Musik Mahlers gespielt wird, so mitreißend zieht dieses furiose Geschehen auf der Bühne die Zuschauer in seinen Bann. Alles in allem ein unvergesslicher, fantasievoller Ballettabend!

Weitere Vorstellungen noch am 12. und 13. April 2017.