Yury Revich und der Wiener Concert-Verein mit Werken von Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart im Prinzregententheater München

München, Deutschland (Kulturexpresso). Weihnachtszeit, der Konzertbetrieb boomt. Am letzten Sonntag gab es gleich drei Konzerte im Prinzregententheater. Alle ausverkauft. Auch das um ‚halb vier‘ mit dem Untertitel ‚Symphonik aus Freimaurerhand‘. Dahinter versteckte sich ein klassisches Programm mit Werken von Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart. Das Publikum war zumeist wegen Mozarts Symphonie Nr.41 C-Dur gekommen, auch als Jupiter-Symphonie bekannt. Jedenfalls erfuhr man das während der Pausengespräche.

Wien bleibt Wien

Das bewies erneut wieder der Wiener Concert-Verein. 1987 gegründet von vier Mitgliedern der Wiener Symphoniker, mit dem Ziel, eine Brücke zwischen Tradition und Moderne zu bauen. Mittlerweile ist das Kammerorchester weltweit bekannt und überall gern gesehener Gast. In München stand Claus Peter Flor am Pult. Schon der Auftakt mit Haydns Symphonie Nr. 87 A-Dur überraschte wieder einmal mit einer unverkennbaren Virtuosität sowie einem exquisiten Klangempfinden der Wiener Musiker. Dynamisch schwebend entfaltete dieses bekannte Werk einen ganz neuen Charme. Immer wieder erstaunlich, wie das Orchester diesen speziellen Wiener Klang pflegen kann in einer globalisierten Welt. Brillant pointiert, schwingend, flexibel und glänzend das Musizieren. Eine Art metaphysischer Klangraum kann so entstehen und das Publikum mit auf eine wohltuende Reise nehmen.

Diesem Stil passte sich der junge Geiger Yury Revich als Solist in Mozarts Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 B-Dur perfekt an. Ein wunderbarer Dialog konnte so entstehen zwischen Orchester und Solist, welcher mit seiner genialen Virtuosität eine stark schöpferische Anziehungskraft aufbauen konnte, dessen Schwung sich letztendlich niemand wiedersetzen konnte. Wieder einmal wurde gezeigt, dass der junge Mozart auch schon in den frühen Werken sein Genie wie selbstverständlich einzusetzen verstand. Viel Applaus schon vor der Pause.

Jupiter – Herrscher des Himmels

So bezeichneten jedenfalls die Römer das Gestirn. Nach der Pause war als Highlight Mozarts Symphonie Nr. 41 C-Dur strahlend und mächtig zu erleben. Das schwebende Element des Werks bildete dazu einen schönen Kontrast. Die Wiener Musiker verstanden es, die darin beschriebenen Seelenkräfte in ein harmonisches Gleichgewicht zu setzen. Vielleicht kennt dieser Klangkörper noch eine Forderung der großen Komponisten der Vergangenheit: Alle Töne entstehen im menschlichen Herzen. Doch das lernt man nicht während des Studiums. So etwas lernt man in der Gruppe, so etwas wird von Generation zu Generation weitergegeben. Wie sagte doch kürzlich jemand: Kunst hat immer einen Anfang, doch nie ein Ende.

Anmerkung:

Vorstehender Beitrag von Midou Grossmann wurde unter dem Titel „Mozart und Haydn weiterhin Publikumsmagnet – Der Wiener Concert-Verein zu Gast im Prinzregententheater München“ im WELTEXPRESS am 17.12.2019 erstveröffentlicht.




Der Kontrabass und die Moderne – Claus Freudenstein aus Mühldorf am Inn verleiht dem Instrument neuen Glanz

Mühldorf, Deutschland (Kulturexpresso). ‚Lost in Oberbayern‘ könnte man den Tag benennen, an dem ich nachmittags im dicken Nebel in Mühldorf am Inn einen Termin verpasste, dann auch noch in eine falsche Richtung geschickt wurde und irgendwie doch das Dorf Mettenheim fand, mit einem schönen, zum Kulturzentrum ausgebauten Gehöft, dort sollte die Verleihung des ‚Mühldorfer Kulturpreis‘ stattfinden. Beachtlich die Auflistung der nominierten Künstler aus der Region, doch meine Aufmerksamkeit galt letztendlich einem Kontrabass, ein Instrument, das ich schon immer faszinierend fand. Leider durfte sein Besitzer Claus Freudenstein an diesem Abend nicht musizieren, doch man erfuhr, dass er auch einen Mini-Bass für Kinder hatte konstruieren lassen und schon eine recht beachtliche Zahl junger Menschen darauf unterrichtet. Mit seinem Unterricht in der Musikschule Mühldorf begeistert er, Vierjährige spielen und singen mit einem bunten Mini-Bass im Arm. Der warme, tiefe Ton scheint Kinder ebenso wie Erwachsene zu betören. Der Star ist hier offensichtlich ein Instrument, das bis heute von vielen Konzertbesuchern oft noch übersehen wird. Der Kontrabass wirkt wie maßgeschneidert für Claus Freudenstein, der ihm eine Palette von überraschend kraftvoll schwingenden Tönen entlocken kann. Zudem besitzt er die Gabe wunderbar mit den kleinen Musikern zu kommunizieren, sie zu motivieren. Die Kinder reagieren extrem sensibel auf dieses Instrument, fiddeln mit strahlenden Augen, von Zwang oder Drill kann hier wirklich nicht gesprochen werden.

Lokal und international

© Claus Freudenstein

Der Künstler setzt sich
mittlerweile weltweit mit viel Energie und Zeit für einen größeren
Bekanntheitsgrad des Kontrabasses ein, da der prägnant tiefe Klang
nach neuesten Erkenntnissen auch als eine Art heilende Frequenz
angesehen werden kann. Dabei hat der Erfinder des Minibasses selbst
erst sehr spät zur Musik gefunden.

Seine Kindheit verlief ohne musikalische Aktivitäten und sein Berufsleben führte ihn zuerst in das Finanzamt Mühldorf, bis er mit 22 Jahren einen Kontrabass live erlebte. Ein urplötzliches Erkennen schien in ihm aufzuflackern, das mit dem Kauf eines Instruments dann zur Erkenntnis führte, das er Musiker werden müsse. Nach nur zwei Jahren Unterricht erreichte er Hochschulreife und setzte sein Studium an der Münchner Hochschule für Musik und Theater fort. Wenngleich er am Anfang seiner Karriere auch in Sinfonieorchestern spielte, positionierte er sich im Laufe der Jahre mehr zu einer Solistenlaufbahn hin. Für den Kontrabass war es ihm ein Anliegen Grenzen zu überwinden und neue Weg zu finden, um das Instrument wieder in den Fokus der Konzertwelt zu stellen.

Ein Quartett und internationale Basstage

Claus Freudenstein und ein „kleines Bassmonster“. © Claus Freudenstein

Mit seinem Quartett ‚The Bassmonsters‘ – zusammengesetzt aus prominenten Spitzenbassisten- bricht er Genreabgrenzungen auf, mühelos entsteht dabei eine einzigartige Synthese aus Rockmusik und klassischer Musizierkunst. Auf internationaler Ebene ist das Ensemble viel unterwegs, kürzlich ist auch eine zweite CD erschienen. Zudem sind weltweite Masterclasses ein weiteres Standbein, Freudenstein ist durch sein international geprägtes Wesen überall willkommen und sein kreatives Musikempfinden wirkt bereichernd auf die internationale Bassszene.

Aber nicht nur das, stolz
erklärt Freudenstein: „Seit dem Jahr 2014 organisiere und leite
ich die Bayerischen Basstage mit der Konzertreihe „Masters of
Bass“, die sich nicht zuletzt durch die Kooperation mit dem
Bayerischen Rundfunk und durch die Berichterstattung der Süddeutschen
Zeitung und des Mühldorfer Anzeigers zu einem überregional
herausragendem Kulturereignis entwickelt haben.“ Gerade gingen die
Basstage 2019 zu Ende und die Liste des Who is Who in der Basswelt
konnte sich sehen lassen. Die großen Namen treffen sich gerne in der
Entspanntheit der bayerischen Provinz, täglich wird unterrichtet und
diskutiert. Auch Kompositionen von Claus Freudenstein wurden von den
zirka 60 Bassisten aus aller Welt aufgeführt.

Zukunftsvisionen

© Claus Freudenstein

Was hier in Mühldorf geschieht, kann der aktuellen etwas ins Stocken geratenen Klassikwelt helfen alte Strukturen aufzubrechen und neue Weg zu gehen. Jung und Alt zusammenzubringen ist ein wichtiges Anliegen. Ein kreatives Miteinander, in einer von Technik kontrollierten Umwelt, zeigt sich als absolutes Muss. Claus Felsenstein betont immer wieder, dass dieses Instrument noch lange nicht an seine Grenzen gelangt ist, die dynamische Entwicklung der Musik sei nie abgeschlossen. Ein Nachwuchsproblem ist hier nicht zu verzeichnen und dafür darf man Claus Freudenstein sehr dankbar sein. Auch kompositorisch wird von Claus Freudenstein noch viel Interessantes zu hören sein. Der Mann ist ein Glücksfall für das Instrument sowie für die aktuelle Musikszene.




Löse von der Welt mich los oder das Wunder im Orchestergraben – Premiere von Wagners „Tristan und Isolde“ an der Oper Leipzig

Leipzig, Deutschland (Kulturexpresso). Wer – wie ich – seinen ersten Tristan 1986 in Bayreuth erlebt hat, wird diese Produktion wohl nie mehr vergessen. Das war der sagenhafte Ponnelle-Tristan, mit dem berühmten silbrigen Baum im zweiten Akt. Dazu noch Peter Hofmann und Janine Altmeyer als Titelpaar! Ich glaube, ich habe jede Aufführung damals gesehen. Löse von der Welt mich los…, das gelang grandios, alle Mitwirkenden sowie das Publikum werden das jederzeit bestätigen. Der große Zauberer Jean-Pierre Ponnelle wusste genau, wie man die Opern von Richard Wagner zu inszenieren hatte.

Der Eindruck der Leipziger Premiere ist
ein gespaltener. In den Opern von Richard Wagner geht es immer um den
‚dreidimensionalen‘ (ganzheitlichen) Menschen: Körper, Geist und
Seele. Auszugehen ist zudem auch von einer Wiedergeburt der Seele in
einem neuen Körper. Diese Sichtweise war Wagners Philosophie und
darauf basierte die Erlösung letztendlich in seinen Opern: es geht
für uns Menschen in einem anderen Schwingungsfeld als Seele weiter.
Nichts mit schwarzem Loch oder Nirwana, das wäre zu einfach.

Außenansicht der Oper Leipzig zur Aufführung „Tristan und Isolde“ am 5. Oktober 2019. © 2019, Foto: Midou Grossmann; BU: Stefan Pribnow

Wagner sowie Schopenhauer basierten
ihre Suche auf den uralten indischen Veden, auch der Buddhismus in
seiner aktuellen Form ist aus dem Ur-Hinduismus entstanden. Das
Schopenhauer-Archiv in Frankfurt spricht von 179 Werken, die er zu
diesem Thema studiert hat, im Archiv selbst ist noch ein Rest von 125
indologischen Titeln vorhanden. Wagner schreibt ebenfalls immer
wieder in seinen Aufzeichnungen von diesen uralten indischen Lehren,
den Upanischaden, er liest die indischen Märchen und Sagen
regelmäßig. Des Weiteren finden sich unzählige Hinweise auf dieses
Thema in seinen Schriften, diese Lebensphilosophie ist ihm Trost.

Zeigt Richard Wagner mit seinem Ring des Nibelungen eine karmische Gruppenhandlung über mehrere irdische Leben hinweg, begrenzt er die Handlung bei „Tristan und Isolde“ auf die intime Form der menschlichen Liebe zwischen zwei Menschen, die sich schon vor dem ersten Treffen in Irland in einer anderen Zeit und Form geliebt haben. Daraus ergeben sich nun die tragischen Ereignisse, alles ganz einfach letztendlich.

Theaterregisseur Enrico Lübbe traute
der Geschichte wohl nicht so ganz und daher gab es noch den
Co-Regisseur Torsten Buß. Gezeigt wird gutes Theater aber kein
wirklich großes Musiktheater. War der erste Akt noch spannend, was
hoffen ließ, wurde der transzendente zweite Akt zu einer konfusen
psychologischen Parabel, die dann letztendlich mit der wunderbaren
Musik aus dem Orchestergraben gar nichts mehr zu tun hatte.

Überhaupt geschah das Wunder des
Abends im Orchestergraben. Intendant und GMD Ulf Schirmer sowie das
Gewandhausorchester zauberten Töne in den Raum, ganz auf der Linie
von Herbert von Karajan und Leonard Bernstein, welche man so lange
nicht mehr gehört hatte. Schon das Vorspiel löste den Geist von der
Erdenschwere und hier wurde mit geschlossenen Augen gelauscht,
verpasst habe ich dann wohl einige Hinweise hinter dem Gazevorhang.
Lieber Theaterregisseur, so ist das eben mit Opernbesucher, bitte
keine Vorlesungen. Die silbrigen Klänge im zweiten Akt, die ganz
unterschwellig auch kontinuierliche Walzerrhytmen als Hinweis auf
eine höhere Welt beinhalten, wurden durch das Versteckspiel von
Tristan und Isolde empfindlich gestört, getrennt wanderten beide
nervös am Bühnenrand entlang. Anfassen oder Ansehen war gar
verboten.

Was aus dem Graben im dritten Akt
erklang, ist so nur sehr selten zu erleben. Wahnsinnsakkorde, die
Tristan auf der Bühne fehlten, peitschten das Gewandhausorchester
bis an die Grenze des menschlich machbaren Musizierens. Ulf Schirmer
hatte die Uraufführungspartitur von München 1865 zur Verfügung und
konnte anhand der Anmerkungen erkennen, welches Klangbild Richard
Wagner vorschwebte. Breiter, ruhiger Fluss, mit zugleich immer wieder
starken Gefühlsausbrüchen, die wie Wellen aus einem Meer aufsteigen
und verebben.

Ich gehe nicht im Detail auf das
Bühnenbild von Etienne Pluss ein, es genügt zu wissen, dass man
sich in einem Schiffswrack befindet, schief und dunkel das Ambiente.
Viel Licht gab es daher nicht, wenngleich Olaf Freese doch einiges
richten musste, wohl auch die Neonstäbe, die eine Art Rahmen auf der
Bühne bildeten, aus diesem Rahmen ‚fallen‘ durften am
Premierenabend nur Tristan und Isolde.

Auch gesanglich sowie darstellerisch kann man leider von keiner homogenen Leistung sprechen. Meagan Miller war sicherlich der Pluspunkt der Inszenierung. Ihr gelang es schon den ersten Akt enorm spannend zu gestalten, mit kluger Phrasierung und ausgefeilter Diktion. Sie besitzt eine schöne Stimme mit klarer Höhe, die noch wachsen kann. Darstellerisch blieb sie ebenfalls ungeschlagen an diesem Abend, bis zur letzten Szene eine verheißungsvolle Leistung. Barbara Kozelj, die junge Mezzosopranistin in der Partie der Brangäne, wirkte zuweilen doch unsicher, die gesangliche Linie klingt etwas unausgeglichen, abgesehen von dem berühmten Wachgesang, hier schwebte ihre Stimme mit perfektem Legato durch das Haus. Sebastian Pilgrim als König Marke zeigte eindrucksvoll wie Wagner zu singen ist, nämlich mit sprachlicher Stilsicherheit aber auch mit viel Belcanto. Er war ein weiterer Höhepunkt des Abends.

Nun kommen wir zum Helden Tristan alias
Daniel Kirch. Das ist nicht seine Partie, Kirch fehlt das heldische
Timbre, auch an Ausstrahlung mangelt es ihm. Währen den ersten
beiden Akten frug man sich, wie Kirch den dritten Akt schaffen wolle,
seine Stimme klang brüchig und sehr baritonal, doch dann überraschte
er. Es war nun eine One-Man-Show und hier konnte er gestalten ohne
auf andere zu achten, es gab schöne Stellen, die durchaus beachtlich
klangen, dennoch fehlte auch in dieser tragischen Szene das
Gestalterische. Eigentlich war man froh als Meagan Miller ihren
wunderschönen Liebestod sang und endlich mit Tristan vereint in den
Kulissen entschwinden durfte. Einspringer Jukka Rasilainen als
Kurwenal immer noch sehr beachtlich, ordentlich auch Martin Petzold
(Hirt), Franz Xaver Schlecht (Steuermann) und Alvaro Zamrano (junger
Seemann).

Mit einigen Retuschen im zweiten Akt
könnte diese Inszenierung dann wohl auch für den Wagner-Marathon
2022 zu einem Highlight werden, denn wie gesagt, das Schönste kam
aus dem Orchestergraben.

Nächste Vorstellung: 12. Oktober 2019

Weitere Informationen auf der Heimatseite https://www.oper-leipzig.de im Weltnetz.




Musikalische Nachtwanderung im Museum – Caravaggio-Ausstellung München goes Opera

München, Deutschland (Kulturexpresso). Eigentlich ein guter Gedanke, zwei Genres der Kunst zu verbinden: Gesang und Malerei wurden miteinander verflochten vom Opernstudio der Bayerischen Staatsoper und der Alten Pinakothek München, das sollte öfters gemacht werden. Die Ausstellung, die seit April viele Besucher begeisterte, bot am Dienstagabend eine Plattform für junge Studierende des Opernstudios. Das musikalische Konzept von Tobias Truniger wurde unter dem Titel ‚Selbstermächtigung‘ präsentiert, ein Wort das angeblich nicht im Duden steht und das ist vielleicht gut so, denn vielleicht wäre Selbstüberwindung ein besseres Wort gewesen. Selbstüberwindung, Überwindung des Egos, war es vielleicht auch, das Caravaggio so faszinierte an den Helden/Heiligen, die er immer wieder so bezwingend klar und berührend auf die Leinwand brachte.

Auch die Musikbeiträge von Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach, Francesco Bartolomeo Conti, Franz Schubert, Claudio Monteverdi und Luciano Berio gaben dem Abend eine transzendente Dimension. Die Wanderung durch den Ausstellungsbereich glich einem Pilgerpfad, den man im Dunkel zu begehen hatte. Zuschauer und Künstler bewegten sich körperlich und musikalisch tastend durch die Säle, nicht alle Bilder waren beleuchtet, geführt wurde man von den Mitwirkenden mit Neonleuchten in den Händen. Nicht für jeden Besucher gab es Sicht auf die Künstler, wer etwas Raum wünschte, blieb im Dunkel. Doch auch so konnte diese unmittelbare Kunstform gefallen. Das Finale fand im größten Ausstellungsraum inmitten der Gemälde mit weltlichen Motiven (Spieler, Musiker, Wahrsager, Geldwechsler, Kartenspieler) statt und man konnte sich zu Luciano Berios ‚Folk Songs‘ um die jungen Musiker gruppieren.

Das Künstlerische Niveau war
beachtlich, die unmittelbare Nähe zu den Mittwirkenden dürfte so
nicht mehr oft zu erleben sein. Es sangen: Anna El-Khashem (Sopran),
Niamh O’Sullivan (Mezzosopran), Caspar Singh (Tenor) und Oleg
Davydoe (Bass), alle mit beachtlicher Stimme, Charisma und sehr guter
Technik. Man könnte verleitet sein zu sagen, dass es aktuell nicht
an der Ausbildung liegt, wenn manche große Talente nicht voll
erblühen, sondern vielleicht an dem anstrengenden Alltag des
Sängerlebens, das keine Zeit für eine künstlerische Entwicklung
zulässt.

Begleitet wurde mit Violine (Felix Key Weber), Fagott (Martynas Šedbaras) und Akkordeon (Kai Wangler), auch das eindrucksvoll und aus der Nähe umso tiefgehender. So muss es jedenfalls auch das Publikum empfunden haben, denn der Applaus am Schluss war euphorisch. Die Ausstellung blieb dann nur für die Besucher noch geöffnet.

Weitere Termine: 21.06., 22.06., 25.06., 26.06.2019.




5000 Jahre Kunstgeschichte – Das Ägyptische Museum ein Stern im Kunstareal München

München, Bayern, Deutschland (Kulturexpresso). München ist eine Stadt, die mich immer wieder in Atmen hält. Habe ich in anderen Städten ein gutes Orientierungsgefühl, so verlaufe ich mich dort noch immer und das seit Jahrzehnten. So geschah es auch als ich das Ägyptisches Museum besuchen wollte, gleich hinter der Alten Pinakothek soll es sein, dort war ich zudem schon öfters vorbei gefahren. Doch dann fand ich den Eingang einfach nicht, sah nur die Hochschule für Fernsehen und Film, komisch!

Ein Stück aus dem Goldschatz von Nubien und Sudan. © SMÄK, Foto: M. Franke

Schnell erklärten mir die Studenten, dass das Museum einen unterirdischen Eingang habe und mir gingen die Augen auf. Fast war der Eingang so geheimnisvoll wie eine Eingangshalle im alten Ägypten. Das war so wohl auch gewollt. Architektonisch ist der Gebäudekomplex des Architekten Peter Böhm ein Meisterwerk. Am 11. Juni 2013 öffnete es seine Pforten gegenüber der Alten Pinakothek. Neben Berlin und Hildesheim zeigt man nun dort eine der wichtigsten Sammlungen ägyptischer Kunstschätze in Deutschland und das Haus ist zudem das einzige Museum außerhalb Ägyptens, das ausschließlich ägyptische Schätze zeigt. Ende Dezember 2013 zeichnete die Münchner Abendzeitung das Museum mit dem „Stern des Jahres“ in der Kategorie „Kunst“ aus.

© 2019, Foto: Midou Grossmann

Dem kann man zustimmen, denn betritt man das Museum über die breite Rampe, die tief in das Fundament des Gebäudes führt, gelangt man in einen großen Raum, der an eine Kathedrale denken lässt. Am Eingang begrüßen schon zwei wunderbare Kunstwerke den Besucher, quasi wie Wächter stehen dort eine hohe Horusfigur sowie eine Statue eines Musikers. Diese eindrucksvolle Sammlung wurde von Herzog Albrecht V. in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts begonnen. Die Entwicklung ägyptischer Kunst über 5000 Jahre hinweg wird hier sehr eindrucksvoll gezeigt.

Die Goldmaske gehört zu den Hauptwerken der Sammlung. © 2019, Foto: Midou Grossmann

Vom Neuen Reich,
ca. 1532–1070 v. Chr., sind zu sehen: Bildnisse der Pharaonen
Ramses II., Thutmosis III., Echnaton und Hatschepsut, Löwenkopf aus
Kalkstein, Kopf einer Sphinx Amenophis II., Kniefigur des Senenmut,
Goldfigur der Teje, Würfelstatue des Bekenchons, Kelch mit der
Namensaufschrift Thutmosis’ III, das älteste Glasgefäß der Welt
(1450 v. Chr.). Doch auch das alte Reich, ca. 2707–2216 v. Chr.,
ist vertreten mit der Doppelstatue des Niuserre als junger und als
alter Mann, einem Köpfchen, das vermutlich Cheops darstellt, der
Granit-Familiengruppe des Dersenet und Scheintüren aus dem Grab des
Menes. Eindrucksvoll auch die Sargmaske der Satdjehuti Satibu,
entstanden ca. 1575 v. Chr. Alte Schriften aus dem Totenbuch sind
digital abrufbar und werden übersetzt anhand eines Bildschirms, der
unterhalb des Papyrus‘ auf einer Schiene gleitet. Ein Besuch lohnt
sich allemal, er wirkt entspannend und aufbauend zugleich, man zeigt
was Kunst in der Psyche der Menschen bewirken kann und so etwas
braucht der heutige Mensch gerne immer. Es ist auch interessant zu
sehen, dass unsere aktuelle Zivilisation nicht unbedingt die Krone
der Schöpfung zu sein scheint.

Zu Recht darf dieses Museum als weiterer Stern der Kunst im Münchner Kunstareal bezeichnet werden, das zudem mit Grünflachen und Cafés zu einer wahrhaftigen Insel der Inspiration geworden ist.

https://smaek.de




Keep on playing oder „Das Altenheim in Mailand“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Auf die Frage, was wohl seiner Meinung nach sein bestes Werk sei, soll Verdi geantwortet haben: „Das Altenheim in Mailand.“

‘La Casa di Riposo per Musicisti‘, kurz Casa Verdi genannt, an der Piazza Buonarroti, beheimatet auch die Gruft, in der Giuseppe Verdi mit seiner Frau Giuseppina Strepponi bestattet wurde. Eine überlebensgroße Statue des Komponisten bildet den Mittelpunkt der Piazza, gebieterisch fordert sie Aufmerksamkeit. Betritt man La Casa, fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt, in eine Zeit bevor Europa von zwei Kriegen zerrissen wurde und in der die Musik für viele Menschen aller Gesellschaftsschichten zum Leben gehörte.

Im Casa Verdi wohnen Musiker, die auch im Alter in ihrem gewohnten künstlerischen Umfeld leben möchten und vom Leben nicht verwöhnt wurden. Verdis Stiftung ermöglicht das zu bezahlbaren Preisen, der Komponist hat die gesamten Autorenrechte aus seinen Werken dieser Stiftung vermacht. Auch heute ist das finanzielle Polster anhand kluger Investitionen, Spenden und staatlicher Hilfe noch ausreichend für die ca. 75 Bewohner. Das Ganze wirkt mehr wie eine musikalische Bildungsstätte, überall Porträts sowie Bühnenposter, die an die glanzvolle Zeit der Oper erinnern. Elegante Empfangsräume und kleine Musiksalons laden zum Verweilen ein. Mittlerweile beherbergt das Haus auch junge Musikstudenten, die dort wohnen dürfen aber sich nebenbei um die Senioren kümmern müssen. Dafür dürfen sie im Haus musizieren und sich mit Freunden treffen. Fast jeden Tag finden Konzerte im großen Musiksaal statt, an dem prächtigen Flügel, den Toscaninis Tochter Wanda gespendet hat. Auch ihr Vater hat sich um das Haus verdient gemacht.

Für die jungen
Studierenden ist es ein Geschenk mit den Künstlern der Vergangenheit
zu kommunizieren und zu lernen. So konnte ich auch einer Übungsstunde
des wunderbaren Baritons Andrea Zaupa und seiner japanischen
Begleiterin beiwohnen sowie einen der größten Tenöre der
Nachkriegszeit – Angelo Loforese – treffen, der von einem großen
Bewunderer aus China, dem Bariton Wang Huandong, fast jeden Tag
besucht wird. Aus dieser Freundschaft entstand der mittlerweile
renommierte Angelo Loforese-Gesangswettbewerb, der weltweit junge
Sänger jedes Jahr nach Mailand bringt. Vom reichen Wissen und Können
der musikalischen Vergangenheit der Senioren profitieren die jungen
Künstler und werden auf den harten Alltag in der Welt der Kunst
vorbereitet. Allein das Flair des Hauses bewirkt schon eine geistige
Erneuerung, man fühlt sich geborgen, wie eine Bewohnerin erklärt.
So hat Giuseppe Verdi mit seiner zukunftsweisenden Idee auch etwas
für die Nachwuchsförderung getan, denn Musiker werden, beinhaltet
nicht nur ein Studium, sondern lebenslanges Lernen ist gefordert.

Davon kann der berühmte Tenor Angelo
Loforese (99) berichten. Gesungen hat er schon als Kind, Musik war
immer präsent im Alltag seiner Familie, die zur Mittelschicht
gehörte. Über den Kirchenchor kam er zu einer russischen
Prinzessin/Sängerin im Exil, die ihn in das Geheimnis des Gesangs
einführte. Damals wurde er als Bass eingestuft, dann machte man ihn
zum Bariton, doch kurz darauf sang er schon Tenorpartien. Er stand
mit allen großen Namen der Nachkriegsgeneration auf der Bühne,
selbst in München durfte er die Partie des Wolfram im ‚Tannhäuser‘
singen, auf Italienisch, die Kritiker waren begeistert. Endlich
jemand, der uns zeigt, wie Wagner gesungen werden sollte, schrieben
sie.

Herbert von Karajan holte Loforese 1964 als Tenor nach Berlin für ‚Trovatore‘ mit Leontyne Price und Giangiacomo Guelfi. Karajan studierte mit dem Sänger intensiv und prophezeite ihm eine Weltkarriere. Das es zu keiner weiteren Zusammenarbeit mehr kam, führt der Tenor auf Spannungen zwischen ihm und Karajans Sekretär Mattoni zurück. Dass Angelo Loforese vielleicht nicht so bekannt ist wie seine Zeitgenossen Stefano, Corelli, Del Monaco, liegt sicherlich auch an seiner großen Bescheidenheit. Jegliches Egogehabe war und ist ihm fremd. Zudem war er sich nie zu schade für seine Kollegen kurzfristig einzuspringen. Ein gepackter Koffer lag immer unter seinem Bett.

Das Geheimnis seiner Stimmer, mit der er noch mit 96 Jahren das hohe C singen konnte, versuchen viele jüngere Sänger nun zu ergründen. Er selbst spricht von seiner Lehrerin, der russischen Prinzessin (die Degiachelli), die ihm gelehrt habe, wie man das Zwerchfell ruhig hält, wie man ohne Forcieren singt, wie der Ton ganz natürlich im vorderen Bereich des Mundes und der Lippen geformt wird, indem man einen Ausgangspunkt in diesem Bereich finden sollte und der Gesang dann darauf aufgebaut werden muss. Man darf sagen, dass hier eine Art transzendentes Singen entsteht, eine innere Stimme sozusagen, denn durch unaufhörliches Üben tritt man in einen höheren Bewusstseinszustand ein und der Gesang fließt plötzlich natürlich, frei von der Technik, die dennoch wie eine Basis agiert, bevor man auf den Flügeln des Gesangs ‚abhebt‘. Das ist letztendlich das Geheimnis eines jeden großen Genies: Hingabe, Fleiß und den unbedingten Willen immer besser zu werden, ja, auch die Öffnung hin zu einer spirituellen Dimension ist hierbei unbedingt notwendig. Manche Menschen, wie auch Angelo Loforese, sind gesegnet dieses Wissen in sich zu tragen, andere können es mit Hingabe und Fleiß erlernen.

Zum Glück ist vor einigen Jahren eine
Biografie über den großen Sänger erscheinen, die auch in einer
deutschen Übersetzung erhältlich ist. Darin spricht der Tenor
detailliert über seinen Weg in den Olymp der Oper.

www.angeloloforese.com




Alte Kunst hoch aktuell und zeitlos – „Utrecht, Caravaggio und Europa“ in der Alten Pinakothek in München

München, Deutschland (Kulturexpresso). Caravaggio oder Michelangelo Merisi (von 1571 bis 1610) ist vielen Menschen immer noch kein Begriff außerhalb der Welt der Malerei. Das kann man nun schnell ändern, denn noch bis zum 21. Juli ist eine außergewöhnliche Ausstellung in der Alten Pinakothek München zu sehen. Die Zusammenstellung dieser teilweise auch verstörenden Gemälde wird sicherlich für einige Jahrzehnte so nicht mehr zu erleben sein, wenn überhaupt. Zwar sind nur vier Originale vom Maler selbst in München ausgestellt, doch Caravaggio ist der Star. Die Grablegung von Christus, ein absolutes Meisterwerk, wird allerdings schon in drei Wochen in den Vatikan zurückkehren.

„Die Grablegung Christi“ von Caravaggio in einem Katalog. © 2019, Foto; Midou Grossmann

Caravaggio beeinflusste mit seiner plastischen Chiaroscuro/Hell-Dunkel-Malerei eine gesamte Generation von jungen Malern – auch Caravaggisten genannt – die aus ganz Europa nach Rom kamen, um diesen Malstil zu erlernen. Die ausgestellten Gemälde entstanden alle zwischen 1600 und 1630. Klare Kontraste inspirieren den Betrachter mit einer fast fotografischen Wirkung. Grelle Scheinwerfer geben den Bildern in dem schwarzen Ausstellungsraum noch eine besondere Dramatik. Das Leben der damaligen Menschen steht unmittelbar im Raum, ebenso das Erleben von Jesus und seinen Jüngern, die im Hauptsaal der Mittelpunkt sind. Körper, wie aus Stein gemeißelt, erzählen manche verstörende Geschichten. Ein posthumes Porträt des Malers vom 1614 zeigt uns den fragenden Blick eines Menschen, der tief in die Fragen des Daseins eingetaucht ist, zeigt einen Künstler der mit dem Leiden vertraut war.

Enthauptungen zeigen zudem das grausame Leben dieser vergangenen Jahrhunderte. Kreuzigungen und Verleumdungen, Verrat und Betrug scheinen eine blutige Spur bis heute über den Globus zu ziehen. Auch gerade deshalb ist diese Ausstellung mit einer unmittelbaren Aktualität so wichtig und notwendig. Es stellt sich die Frage, warum wir keine solchen Gemälde in der modernen Kunstszene sehen? Diese hier bewegen immer noch, der Besucherandrang spricht für sich selbst.

Noch zu sehen bis zum 21. Juli 2019

www.pinakothek.de/caravaggisti




25 Jahre Theaterakademie August Everding oder Blutrache auf Korsika, allerdings etwas unterkühlt – Zum Stück „L‘Ancêtre“ im Münchner Prinzregententheater

München, Deutschland (Kulturexpresso). 25 Jahre Theaterakademie August Everding im Münchner Prinzregententheater, das sollte mit einem Highlight gefeiert werden. Dafür wählte man die die gänzlich unbekannte Oper ‚ L‘Ancêtre‘ von Camille Saint-Saëns. Das 90-minutige Werk wurde zum letzten Mal 1911 in Paris inszeniert, nachdem die Uraufführung 1906 in Monte Carlo freundlich aufgenommen wurde. Die Oper war danach zudem noch in Lyon, Prag, Antwerpen und sogar in Kairo zu sehen. In der Entstehungszeit als Verismo-Werk gelobt, besaß es dennoch nicht die musikalische Kraft sich gegen die starken Opern der italienischen Komponisten durchzusetzen. Saint-Saëns‘ andere vergessene Oper ‚Proserpine‘ wurde allerdings konzertant erfolgreich vom Münchner Rundfunkorchester unter Ulf Schirmer aufgeführt, die Einspielung wurde mit Preisen ausgezeichnet.

Doch irgendetwas fehlte an diesem Abend
im Prinzregententheater. Die große Entdeckung war das leider nicht,
wenngleich die Inszenierung von Eva-Maria Höckmayr höchst
konzentriert wirkte mit seiner minimalistischen Strenge. Das durchweg
dunkle Bühnenbild, ebenfalls von Frau Höckmayr, hätte dagegen
etwas mehr Glut vertragen können, Korsika schien hier auf einem
verdorrten Planeten angesiedelt zu sein. Dennoch erinnerte das
Bühnengeschehen stark an das griechische Drama, der die Handlung
begleitende Chor unterstrich dies eindrucksvoll, wenngleich doch
etwas zu sehr auf Stöcken gebeugt geschlurft wurde. Auch die
Nacktkostüme am Schluss, wohl als befreiendes Symbol gedacht,
wirkten hier nun fehl am Platz, ebenso der Eremit, der mehr einem
Dorftrottel glich, als einem weisen Einsiedler.

Die Personenregie dagegen wunderbar auf dem Punkt gebracht mit vielen Details, auch die verschiedenen Bewusstseinsdimensionen der handelnden Personen wurden großartig herausgearbeitet, das war spannend zu verfolgen. Agiert wurde von den jungen Protagonisten überzeugend und natürlich. Stimmlich sei zu bemerken, dass gut gesungen wurde, doch von einer französischen Phrasierung war leider nichts zu hören. Sehr schade, hier hätte das Werk noch aufgewertet werden können. Das zum Großteil unsensible Dirigat von Matthias Foremny war ein weiteres Manko, das eine musikalische Sogwirkung verhinderte. Man brachte die Komposition in eine Form, doch zum Leben wurde sie nicht erweckt. Das Münchner Rundfunkorchester musizierte unter dem sonst bekannt guten Niveau.

Thomas Kiechle als Gast in der Partie des Tébaldo sollte aufpassen, das Forcieren könnte seiner Stimme langfristig schaden, allzu selten konnte man sein schönes Timbre hören. Als ‚Geschwisterpaar‘ Margarita und Vanina gefielen Milena Bischoff und Céline Akçağ mit gestalterischer Präsenz, auch stimmlich zeigten sich beide bestens vorbereitet. Wenngleich auch hier mitnichten von einer Gestaltung der französischen Sprache gesprochen werden kann. Viel Applaus belohnte dennoch das Team für einen Opernabend, der zeigte, was die Theaterakademie zu leisten vermag, denn nicht die Studierenden enttäuschten an diesem Abend.




Symphonieorchester Vorarlberg spielt sich in die Herzen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Jung ist es als Verein, das Symphonieorchester Vorarlberg, denn die Gründung durch eine Gruppe von Musizierenden und Musikbegeisterten aus dem Land zwischen Arlberg und Rhein fand erst im Jahr 1984 statt. Jung ist es auch in seiner Besetzung, denn hier treffen einander professionelle Musikerinnen und Musiker aus Vorarlberg und den benachbarten Regionen, die oft in keinem Orchester fest angestellt tätig sind.

120 Musiker kehren immer wieder zurück zu diesem Orchester, das in seiner kurzen Geschichte lange von nur zwei Dirigenten geprägt wurde. Mehr als zwei Jahrzehnte prägte Christoph Eberle die Arbeit des Orchesters, 16 Jahre davon als Chefdirigent. Von 2005 bis 2018 folgte ihm der Südafrikaner Gérard Korsten nach, nun ist man wieder auf der Suche nach einem neuen Chefdirigenten, so sind fast alle Maestros dieser Saison in einer Art Bewerbungsphase.

Ein britischer Abend im Festspielhaus

So auch der Dirigent des Abend, der Brite Leo McFall, der ein klassisches Konzertprogramm präsentierte. Werke von Joseph Haydn, Gordon Jacob und Felix Mendelssohn Bartholdy waren zu hören. Gordon Jacob (1895-1984) ist wohl der unbekanntere von den dreien, doch sein Konzert für Horn und Streichorchester gehört zu den meist gespielten Werken dieser Gattung. Es wurde 1951 in London unter der Leitung des Komponisten uraufgeführt, Solist war damals der legendäre Dennis Brain. Es stellt enorme Anforderungen an den Solisten, doch im Bregenzer Festspielhaus agierte der renommierte Hornist Stefan Dohr souverän virtuos und erntete viel Applaus im ausverkauften Haus. Die vielschichtige Komposition kann als eine Art Serenade für Horn und Streicher beschrieben werden und wurde nach der Uraufführung als vergnügliches Stück gelobt. Ja, das war ebenfalls der Eindruck auch an diesem Abend, wenn auch das Orchester teilweise etwas zaghaft begleitete.

Angefangen hatte man mit Joseph Haydn, Symphonie Nr. 98 B-Dur, die zu den 12 Londoner Symphonien des Komponisten gehört und schon bei Uraufführung bejubelt wurde. Aber auch hier schien der Dirigent zu sehr auf einstudierte Exaktheit zu setzen, als auf ein dynamisches Musizieren, das sich aus dem Augenblick selbst manifestiert. Zu einer geistig geprägten Aufführung kam es nicht, was leider heute immer öfters der Fall ist. Zwar konnte man sich nach der Pause mit der Symphonie Nr.3, der ‚Schottischen‘, von Felix Mendelssohn Bartholdy durchaus steigern, wobei der warme Klang der Streicher sowie ein durchweg flexibles Spiel des Orchesters positiv zu vermerken waren.

Man darf gespannt sein auf das kommende Operndirigat des Orchesters, Beethovens ‚Fidelio‘ ist sicherlich eine Herausforderung für jeden Klangkörper. Die szenische Aufführung wird im Vorarlberger Landestheater ab dem 1. Februar 2019 zu erleben sein. Das SOV spielt jede Saison einen Zyklus von 6 Konzerten in Bregenz und Feldkirch, die mittlerweile ein unverzichtbarer Bestandteil des Vorarlberger Kulturlebens sind.




Einfach überirdisch schön – Werke von Morten Lauridsen neu auf der CD „Light Eternal“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Kürzlich gab es im Internet eine Diskussion über lebende Komponisten mit der Frage, wer von ihnen bestehen könnte im Laufe der Geschichte. Morten Lauridsen wurde nicht erwähnt und als ich ihn erwähnte, wurde ich belehrt, dass Lauridsen nur religiöse Musik komponiere, dies zwar sehr gut, aber eben zumeist nur Chormusik. Nun, ich frage mich, was komponierte damals J.S. Bach? Zumeist religiöse Musik und sehr viel Chormusik! Und dennoch wird er immer als einer der Größten bezeichnet. Ein Hauptmerkmal der aktuellen Zeit ist diese enorme Vervielfältigung aller möglichen Facetten des Daseins und ihre Berechtigung im Spektrum der gesellschaftlichen Diskussionen als absolut wahr. Doch das ist vielleicht gut so, um zu erkennen, dass wir gar nicht so verschieden sind von unseren Vorfahren, letztendlich läuft alles doch auf Glück und Frieden hin. Das menschliche Wesen ist eine schwingende Zellansammlung, das eine große Vorliebe für stark stimulierende Frequenzen hegt, würden wir sonst diesen unsäglichen Kampf um etwas ‚Höheres‘ jeden Tag annehmen ohne überhaupt das ‚Höhere‘ zu kennen?

Die Aufgabe der Kunst war es schon immer diesen Urschmerz im Menschen zu stillen, wenn auch nur manchmal für kurze Zeit. Morten Lauridsens Kompositionen, ob Instrumental- oder Chormusik, fließen direkt aus einem tiefen Erfahren einer höheren Ordnung. Er scheint im Einklang mit der Natur zu atmen und er kann diesen Zustand in Töne setzen. Die neue CD ‚Light Eternal‘, die nun zu seinem 75. Geburtstag bei der Deutschen Grammophon erschienen ist, beginnt mit dem wohl bekanntesten Werk ‚Lux aeterna‘. Komponiert zumeist auf einer einsamen Insel im Nordwesten der USA, nahe der kanadischen Grenze, ‚sieht‘ man förmlich das Licht durch die Wolken brechen, wie Suchlichter im Pazifik aufleuchten und verglimmen, dennoch unbesiegbar ewig. Ganz meisterhaft wird das hier musiziert von den I Virtuosi Italiani unter der Leitung von Nicol Matt, der auch den Chamber Choir of Europe auf einem hohen Niveau singen lässt, leicht und schwingend von überirdischer Schönheit. Die Tonaufnahmen fanden vergangenes Jahr in Kufstein in Zusammenarbeit mit Lauridsen selbst statt, der auch am Klavier begleitete.

Poesie ist für den Komponisten eine wichtige Quelle der Inspiration, sein tägliches Ritual, das Lesen von Gedichten. So vertonte er auch fünf Gedichte von Rainer Maria Rilke in seinem Zyklus ‚Les Chansons des Roses‘. Davon sind zwei hier zu hören, ebenso ein Gedicht aus der Renaissance sowie Pablo Nerudas ‚Ya eres mia‘. Im Zyklus ‚Nocturnes‘ wurden wieder Gedichte von Neruda, Rilke und James Agee vertont. ‚Prayer‘, nach dem Text eines Freundes, des Schriftstellers Dana Gioia, erzählt von dem Schmerz über den Verlust eines Kindes. ‚O Magnum Mysterium‘ ist eine Motette, die von dem Wunder aller Wunder spricht und sie bildet den sublim transzendenten Schlusspunkt dieses Musikjuwels, mit dessen Tönen Licht und Trost wahrhaft zu erfahren sind.