Der Vogel der nachts wandert – Annotation zur herzzerreißenden Indianerromantik „Pfade in der Wildnis“ von Grey Owl

0
346
"Pfade in der Wildnis" von Grey Owl. © Die Andere Bibliothek

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Was wären wir ohne die wunderbare „Die Andere Bibliothek“? 1985 von Enzensberger gegründet und 2011 von Döring übernommen, streut sie mit schöner Regelmäßigkeit Wunderwerke der Literatur in unseren Buchbestand.

Letztens erblickte dort „Pfade in der Wildnis: Eine indianische Erzählung von der Natur“ von Grey Owl das Licht der Welt. Owl wurde als Archibald Stansfeld Belaney in England geboren und ist den Älteren vielleicht als Wäscha-kwonnesin (Der Vogel, der nachts wandert) bekannt. Schon früh entwickelte er eine romantische Liebe zum Leben der Indianer Nordamerikas, glücklicherweise standen ihm nette Tanten (einer der Tanten widmet er das vorliegende Buch) bei und finanzierten ihm 1906 die Ausreise nach Kanada. In Toronto verdiente er genug Geld, um sich in die Wildnis aufzumachen. Er traf erfahrene Trapper, die ihn in die Kunst des Überlebens einführten und seine Naturliebe teilten.

Er verbrachte viel Zeit mit Ojibway-Indianern des Bear-Island-Stammes, die ihm seinen indianischen Namen gaben. Fortan lebte er mehr und mehr wie ein Indianer, heiratete eine Indianerin, bekam mit ihr zwei Töchter und beobachtete mit großer Besorgnis um Land und Leute das Vordringen der sogenannten „weißen Kultur“ samt ihrer Auswüchse. Er wurde später ein berühmter Naturschützer und Schriftsteller, der mit Jugendbüchern in den 50ern auch in Deutschland sehr bekannt wurde, Richard Attenborough verfilmte 1999 sein Leben.

In „Pfade in der Wildnis“ fächert Grey Owl seine Philosophie von seinem Leben im Einklang mit der Natur auf. Er beschreibt das Leben der Trapper, Fallensteller, Indianer des im Winter sehr rauen Norden Kanadas. Seine Liebe gehört der Tierwelt, besonders die Biber haben es ihm angetan. Erst jagt er sie, um später eine innige Beziehung zu diesen Tieren aufzubauen.

Die Natur ist mitunter bedrohlich, Owl gelingt es, die raue Umgebung in all ihrer poetischen Schönheit für uns aufs Papier zu zaubern. Nie verkitscht, schildert er die drohende Zerfetzung des Landes durch Eisenbahnlinien und Straßen. Wo des Menschen Gier auftaucht, ist kein Stück Natur vor ihm sicher, wie schön diese Wildnis aus zu sein vermag. Die traurige Wahrheit begleitet uns bei der Lektüre der wunderbaren Geschichten des großen Naturfreunds Grefy Owl. Merke: Und ist ein Tier auch noch so klein, es könnte doch dein Bruder sein.

Bibliographische Angaben

Grey Owl, Pfade in der Wildnis, Eine indianische Erzählung von der Natur (Die Andere Bibliothek, Band 420), Übersetzer: Peter Torberg, 326 Seiten, Verlag: Die Andere Bibliothek, Berlin, Dezember 2019, ISBN: 3-8477-0420-1, Preis: 44 EUR (D)

Als PDFDrucken

Anzeige