Elisabeth und der Krieg – Annotation zum Roman „Die Nacht unterm Schnee“ von Ralf Rothmann

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"Die Nacht unterm Schnee", ein Roman von Ralf Rothmann. © Suhrkamp

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ralf Rothmann hat es wieder getan. In seinem neuen Roman Die Nacht unterm Schnee, behandelt er abermals die 2. Weltkriegs-Nachkriegs Thematik in Deutschland. Im Winter 45 überlebt die sechzehnjährige Elisabeth nur mit viel Glück die Vertreibung und die Flucht durch Polen nach Deutschland. Während ihre gesamte Familie stirbt, kommt sie durch bis nach Norddeutschland.

Was dieses Überleben mit ihr macht, ist das große Thema des Romans. Steht ihr die eigene Angst im Weg oder ist es diese indifferente Gier nach Leben, die ihr weiteres Handeln prägt? Ihr Mann spricht nicht über Gefühle und die Tätowierung an seinem Arm. Er arbeitet, bis er tot umfällt, das ist seine Art zu Vergessen. Elisabeth tanzt ohne Rücksicht auf Verluste, weil sie 1945 erfuhr, wohin Rücksichtnahme und Mitleid den Menschen bringen: Ins Grab.

Ein Buch ohne Gnade, eine große Geschichte über eine Frau, die vom großen Mühlrad des Krieges mitgerissen wird und unter Verlusten überlebt.

Rothmann ist ein Meister der deutschen Nachkriegsgeschichte, seine Schreibkunst kommt der Filmkunst eines RW Fassbinder nah, der ähnlich wirkmächtig die Zeit des Faschismus und die Folgen beackerte.

Bibliographische Angaben

Ralf Rothmann, Die Nacht unterm Schnee, Roman, 304 Seiten, Leinen, Format: 12,8 x 20,2 x 3,6 cm, Gewicht: 462 g, Verlag: Suhrkamp, Berlin, 1. Auflage, 18.7.2022, ISBN: ‎978-3-518-43085-9, Preise: 24 EUR (Deutschland), 24,70 EUR (Österreich) 34,50 SFR

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