Gefangen im Mekongdelta – Annotation zum Buch „Endlose Felder“ von Nguyen Ngoc Tu

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Nguyen Ngoc Tu: Endlose Felder. © Mitteldeutscher Verlag

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Eine meiner Lieblingsbuchreihen erscheint im Mitteldeutschen Verlag zu Halle. Sie heißt Bibliothek der Entdeckungen. Zuletzt erschien als 11. Band der Reihe der Erzählungsband Endlose Felder der vietnamesischen Autorin Nguyen Ngoc Tu. FreundInnen der ländlichen, asiatischen Literatur kommen voll auf ihre Kosten. Die feinfühlige Erzählerin berichtet in meist kurzen, einfachen Geschichten vom harten Leben der kleinen Leute auf dem Land. Wir begleiten Bauern, Fischer, kleine Händler und Entenzüchter ein Stück ihres Weges, erfahren von ihren kleinen und großen Erlebnissen und Sünden. Zittern mit ihnen, wenn sie ihr Innerstes nach außen stülpen. Die Menschen sind arm, das Leben hart, helfen tut ihnen kein Gott und kein Sekretär der vietnamesischen, kommunistischen Partei. Die Stories von Nguyen Ngoc Tu spielen im Deltagebiet des Mekong zwischen Wasser und Land. Das ist gleichzeitig die Heimat der Autorin, in der sie noch immer lebt. Die Erzählungen sind frei von falschem Pathos und alberner Propaganda, sie nehmen im Gegenteil sogar die „unfehlbare Partei“ auf den Arm. Die Autorin hatte bei ihren bisherigen Veröffentlichungen in Vietnam harte Gefechte mit der Zensur der Einheitspartei auszustehen, es aber bisher immer geschafft, sich nicht brechen zu lassen und so zu schreiben, was sie es für nötig hielt. Dafür lieben sie ihre vietnamesischen Leser, sie ist in Vietnam ein kleiner Star, wohl weil sie das Leben so wirklichkeitsnah beschreibt. Zu lesen und zu entdecken sind wunderbare, traurige, fremde Geschichten, also ab in die Buchläden mit euch!

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Nguyen Ngoc Tu, Endlose Felder, Erzählungen, 272 Seiten, Bibliothek der Entdeckungen, Mitteldeutscher Verlag, Halle, April 2017, ISBN: 978-3-95462-807-0, Preis: 24,95 EUR (D)

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