Hawaii liegt in Rumänien – Südosteuropäisches Filmfestival im Kino Babylon

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SEEF 2018 in Berlin.
SEEF 2018 in Berlin. © 2018, Foto: Fritz Hermann Köser

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Statur ist klein, die Klappe groß, das Vorhaben noch imposanter. Grigore, jung, unscheinbar und als Schauspieler chancenlos, will sich als Regisseur versuchen. Film, das ist etwas völlig Neues im Jahr 1911, nicht nur in Bukarest. Und Grigore geht gleich aufs Ganze. Nichts Geringeres als den rumänischen Unabhängigkeitskrieg von 1877 möchte er verfilmen, verspricht potenziellen Sponsoren einen Knüller, der weltweit Erfolge feiern wird. Die reagieren neben einer Mini-Finanzspritze vor allem mit Gelächter. Nicht ganz zu Unrecht, angesichts der Dreharbeiten. Da gerät die Donau schon mal zu einem Rinnsal, und die feindlichen Türken verhalten sich wie die Ölgötzen, statt sich ins Schlachtgetümmel zu stürzen.

SEEF 2018 in Berlin.
Festival-Direktor Harald Siebler spricht anläßlich des SEEF 2018 in Berlin. © 2018, Foto: Fritz Hermann Köser

Viel Komik steckt in „The Rest is Silence“ von Nae Caranfil, erst zum Ende gleitet das Geschehen ins Tragische ab. Abgesehen von einigen kleinen Längen ein ganz sehenswerter Film aus Rumänien. Gezeigt wurde er vergangenen Donnerstag bei einem Empfang in der rumänischen Botschaft in Berlin, zur Eröffnung des South East European Film Festivals (SEEFF). Filme aus 15 Ländern, unter anderem Moldawien, Albanien, Bulgarien, Kosovo, Kroatien und Mazedonien, sind bis Sonntag, 27. Mai, in der Hauptstadt zu sehen. Im Kino Babylon, in Originalsprache mit englischen Untertiteln.

Zum dritten Mal findet das SEEFF nun statt. Komödien seien Mangelware, so Festivalleiter Harald Siebler. Das sei sicher auch dem politischen Zeitgeist geschuldet. Vielmehr geht es um menschliche Schicksale, die die Zuschauer berühren sollen. So auch in „Unwanted“, einem Film aus dem Kosovo. Teenager Alban, ein Fremder in Amsterdam, ein Träumer und Unruhestifter, gerät immer wieder in Schlägereien. Andrei scheint mehr Glück zu haben. In „Hawaii“, einem rumänischen Film, erfährt der Taxifahrer von einem gewaltigen Erbe. Drei Millionen Dollar soll ihm sein verstorbener Onkel, der auf Hawaii gelebt hatte, vermacht haben. Doch Andrei ist zur falschen Zeit am falschen Ort – im kommunistischen Rumänien von 1988.

Hauptpreis für den besten Film ist dieses Jahr ein Ring, den die internationale Jury vergeben wird. Aus knapp einer Feinunze Gold und mit den 27 Europa-Sternen dekoriert. Bei „größeren Problemen“, so der Festivalleiter, „kann man das gute Stück dann verkaufen“.

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