Jo mei, Beckenbauer als abgehalfterte Lichtgestalt – Annotation zum Buch „Beckenbauer“ von Christoph Bausenwein

"Beckenbauer" von Christoph BAusenwein. © Verlag Die Werkstatt GmbH

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Es ist ruhig geworden um Beckenbauers Franz, der am 11.9.2020 seinen 75. Geburtstag feiern wird.

Die Älteren unter uns werden sich noch sehr gut an ihn erinnern, der einst als Kaiser, Lichtgestalt, Weltmeistertrainer und fußballerischer Alleskönner gehandelt wurde.

Für die Jüngeren ist er der „Besorger“ der WM 2006, für die er sich fürstlich und hintenrum entflohen ließ.

Man möchte nicht in der Haut Christoph Bausenweins stecken, der in seinem Buch einerseits dem großen Fußballer, andererseits aber auch dem Geschäftemacher, Mauscheler, geistlosen Schwadroneur und Steuerbetrüger Beckenbauer gerecht werden musste.

Bausenwein ist der Spagat gelungen, er zeichnet ein durchaus kritisches Bild und lässt keine Schweinigelei aus.

Trotzdem ist es ein merkwürdiges Buch, dass reichlich illustriert, den letzten deutschen „Kaiser“ erklärt. Eben weil es gefüllt ist mit miesen Geschichten und unsäglichen Original-Weisheiten Beckenbauers, dem es nie Probleme bereitete, innerhalb von kurzer Zeit zu einem Thema völlig konträre Bemerkungen vom Stapel zu lassen.

Nach wie vor jodeln ihm seine Steigbügelhalter in der Bildzeitung einen zurecht, aber welcher fußballernde Feingeist interessiert sich heute, wer oder was sich unter Franz Beckenbauer oder Alfred Draxler verbirgt?

In der Jetztzeit spielt Beckenbauer den vergesslichen, kranken Greis und verkriecht sich in seiner Hütte. Das ist gut so, wir haben schon genug Schwachköpfe, die uns den Fußball stehlen wollen.

Bibliographische Angaben

Christoph Bausenwein, Beckenbauer, 168 Seiten, viele Fotos, fester Einband, Formt: 23,4 × 23,4 cm, Verlag: Die Werkstatt, Göttingen 2020, ISBN: 3730705148, Preis: 24,90 EUR (Deutschland)

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