„Kroos“artig. Nicht alles über den Fußballer Toni Kroos als Film im Kino

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Alle warten auf Kroos. Premiere in Berlin im Zoo-Palast am Breitscheidplatz mit der Gedächtniskirche. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Berlin, Köln, München, Deutschland (Kulturexpresso). „Kroos“ kommt ins Kino, Kroos war schon da. 2014 mit der Herrenfußballmannschaft Weltmeister geworden – das waren noch Zeiten – erfahren wir im neuen Kinofilm „Kroos“, dass Toni Kroos auch sonst Weltspitze ist. Real Madrid stellt nur Spitzenleute ein. Doch nicht nur das – Kroos scheint der wichtigste Mann in der Mannschaft zu sein. Gleichzeitig bleibt er im Hintergrund. Kennen Sie das (berühmte) Bild mit Angela Merkel in der Kabine? Minuten, nachdem „Deutschland“ Weltmeister wurde? Toni Kroos ist nicht drauf. Doch wenn man nachforscht, das Gesamtbild zu sehen bekommt, von dem nur ein Ausschnitt veröffentlicht wurde, sieht man, wo Toni Kroos war. Rechts im Hintergrund beschäftigte er sich mit seinen Turnschuhen. Während die anderen siegestrunken in die Kamera schauten oder die Nähe der Bundeskanzlerin Merkel suchten. Das deutet auf eine Eigenschaft Kroos‘ hin, doch reicht es, um ihn zu verstehen?

In „Kroos“ geht es wenig um die Person T. Kroos

Großartig = groß und artig? © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Vielleicht geht es uns ja auch gar nicht um den Menschen; vielleicht wollen wir nur den Fußballer sehen, und der ist toll. Wie außergewöhnlich er wirklich ist, davon erhielten wir nach dem Fußballspiel gegen Schweden in der Vorrunde der Herrenfußballweltmeisterschaft 2018 eine Vorstellung. Was Fachleute schon wussten, erfuhr die breite Masse erst nach diesem Spiel, das fast mühsam erst gegen Ende gewonnen wurde. Es fühlte sich wie ein großer Sieg an, nachdem die bundesdeutsche Mannschaft sich von Mexiko hatte schlagen lassen. Die Mexikaner hatten davon nichts und schieden zügig aus. Die schwedische Mannschaft verlor zwar gegen die deutsche, scheffelte aber in den beiden anderen Spielen genug Punkte, um eine Runde weiterzukommen.

Was den deutschen Zuschauern im Siegestaumel noch nicht schwante – erst musste das letzte Spiel gewonnen werden oder eine bestimmte Konstellation eintreten, wenn es ein Unentschieden geben sollte. Doch tatsächlich verlor die deutsche Mannschaft mit Erfolgstrainer Jogi Löw gegen die Auswahl Koreas. Die Koreaner mussten zwar genauso wie die Deutschen die Heimreise antreten, aber immerhin hatten sie einmal den amtierenden Weltmeister besiegt.

Doch wer hatte durch seine außergewöhnliche Leistung den deutschen Herren den Hals gerettet? Boateng? Özil? Gar Neuer? Schweinsteiger und Lahm hatten sich nach dem Gewinn des Cups 2014 aus der Nationalmannschaft verabschiedet, Beckenbauer hatte das frühe Ausscheiden aus dem Team kritisiert. Neuer, von dem man manchmal den Eindruck erhält, er würde lieber Tore schießen als sie nur zu halten, konnte nichts ausrichten. Es war Freistoßexperte Toni Kroos. Er hatte in einer Freistoßvariante mit zwei Spielern vor dem liegenden Ball alles wieder Richtung „Weiterkommen“ gedreht. Hochdramatisch, wenige Momente vor Schluss. Dass es letztlich für das Achtelfinale nicht reichte, lag nicht an Kroos.

Doch dass er, während alle anderen schon unter der Dusche stehen, noch allein Freistöße oder Torschüsse übt, sagte ein Mitspieler vor laufenden Kameras.

Es stimmte.

Das wissen wir nach diesem Film.

Viele Premieren

Am Premierentag im Zoopalast Kroos
Photowand für die Premiere von „Kroos“, einem Film über den Fußballer Toni Kroos und den Verein Real Madrid. Toni Kroos und der Produzent Leopold Hoesch standen an diesem 1. Juli nur wenig später auch vor dieser Wand im Zoopalast im Rampenlicht. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Die Weltpremiere fand am 30. Juni in Köln statt. Warum in Köln? Anke Engelke ist dort und die Millionenstädte heißen in der Bundesrepublik Berlin (3einhalb), Hamburg (1,8), München (1,4) – und seit einiger Zeit: Köln! 1.036.771 Menschen sollen dort einmal zum Zeitpunkt X gewohnt haben. Vor kurzem.

Der Pressetext vom 1. Juli 2019 zum Thema der Premieren: „Mehr als 90 Minuten Zeit für seinen ganz persönlichen Roten Teppich nahm sich gestern Toni Kroos bei der Weltpremiere von KROOS, dem Dokumentarfilm, der sehr private und überraschende Einblicke in das Leben und die Karriere seines titelgebenden Protagonisten gibt. Bei hochsommerlichen Temperaturen feierten nicht nur unzählige Fans im Kölner Cinedom gemeinsam mit dem Fußball-Weltmeister, sondern auch zahlreiche prominente Gäste und Wegbegleiter – darunter Uli Hoeneß, Jupp Heynckes, Wladimir Klitschko, Reiner Calmund, Lukas Podolski, Wolfgang Niersbach, Emilio Butragueño, Christoph Maria Herbst, Kai Pflaume, Oliver Pocher und die Band Revolverheld sowie NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Nach ausgiebigem Interview-, Selfie- und Autogramm-Marathon begrüßten Toni Kroos, Regisseur Manfred Oldenburg und Produzent Leopold Hoesch das Premierenpublikum in fünf voll besetzten und mit regulärem Publikum ausverkauften Sälen des Cinedom.“

In Berlin hat Toni Kroos den Film gemeinsam mit Leopold Hoesch am Montag in vier Kinos – dem UCI Luxe Mercedes-Platz, dem Cubix, dem Cinemaxx am Potsdamer Platz und dem Zoo-Palast – persönlich präsentiert, „in München im Mathäser-Filmpalast“ wird er den Streifen am „Donnerstag, 4. Juli, dem Starttag von KROOS“, vorstellen. „Für die Premieren in Köln und München stehen die Audi AG und für die in Berlin stattfindenden Premierenscreenings die Audi-City Berlin als Kooperationspartner bereit.“

Man höre und lese. Toni Kroos braucht nicht zu laufen. Dabei kann er das eigentlich ganz gut.

Kritikpunkte

In so einer Selbstdarstellung möchte niemand seine Schwächen zeigen. Stattdessen werden die Stärken hervorgehoben. Als solche gilt sein soziales Engagement; Kroos gründete eine eigene Stiftung. Er kümmert sich nicht nur um seine eigenen Kinder.

Von seiner Familie erfährt man ein bisschen. Er hat eine schöne Ehefrau und einen Bruder. Dieser spielt genauso Fußball wie sein Vater, der in Greifswald Trainer ist. Seine Mutter kommt auch zu Wort.

Die meisten Auskünfte, Lobe und Stellungnahmen stammen von Kollegen und Trainern. Dazu zählen Zidane, der durch einen Kopfstoß berühmt-berüchtigt wurde, und Uli Hoeneß, der wegen einer Steuerstraftat im Gefängnis saß.

Am lustigsten ist vielleicht der Dialog mit Robbie Williams. Der Sänger ist schon mal kein Sportler, was Abwechslung bedeutet. Aber er ist Fan eines englischen Vereins. Williams möchte gern, dass sein Lieblingsverein die Champions League gewinnt. Dazu braucht er Kroos. Der soll von Spanien ist die noch EU-Zone namens England kommen. Kroos ist der Schlüssel zum Erfolg.

2016, 2017 und 2018 gewann er jedes Mal die Champions League.

Filmdaten zu „Kroos“

Ein Dokumentarfilm von Manfred Oldenburg
mit Toni Kroos,
Zinédine Zidane, Pep Guardiola, Jupp Heynckes, Uli Hoeneß, Florentino Pérez, Robbie Williams, Wolfram Eilenberger, Bruder Felix Kroos, Jessica Kroos, Roland Kroos (Vater), Birgit Kroos (Mutter), und verschieden mehr


Bundesweiter Kinostart am 4. Juli 2019 (Weltpremiere Köln 30. Juni, Premieren in Berlin am 1. Juli)

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