Volle „Verachtung“ oder da war was faul im Staate Dänemark

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Fares Fares, Johanne Louise Schmidt und Nikolaj Lie Kaas in einer Szene des Films "Verachtung". © Zentropa Henrik Ohsten

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Drei Bullen lösen den Fall auf jeden Fall im Film „Verachtung“. Eigentlich ist es einer: Carl Mørck (gespielt von
Nikolaj Lie Kaas), Vizekriminalkommissar in Kopenhagen. Und der hat Hafez el-Assad (gespielt von Fares Fares) an seiner Seite oder auch am Hals sowie Rose Knudsen (gespielt von Johanne Louise Schmidt), die sich kümmert, kittet und klebt, wenn`s zwischen Mørck und Assad bröckelt und reißt.

Drei Tote sowie Nikolaj Lie Kaas (links) und Fares Fares (rechts) in einer Szene des Films „Verachtung“. © Zentropa Henrik Ohsten

Alle drei klären als kurioses Sonderdezernat-Q alte Morde zwischen Öresund und Belt auf. Dieses Mal zieht es sie auf die Insel Sprogø, wo Frauen vergewaltigt und sterilisiert, vielfach zwangssterilisiert wurden. Zuvor wurden drei um einen gedeckten Tisch drapierte Tote, genauer gesagt: drei mumifizierte Leichen, in einem eingemauerten Zimmer einer Stadtwohnung gefunden. Ein Platz am Tisch wäre noch frei. Das wird Fragen auf: Wer sind die Toten und für wen war der leere Stuhl?

Ausgedacht und geschrieben hat diesen schaurigen und spannenden Thriller der 1950 in Kopenhagen geborene dänischen Schriftsteller Jussi Adler-Olsen, dessen Krimi im Original „Akte 64“ heißt, fürs deutschsprachige Publikum schlicht „Verachtung“.

Fanny Bornedal in einer Szene des Films „Verachtung“. © Zentropa Henrik Ohsten

Genau die fühlt Rose, die in einem Heim für schwererziehbare Mädchen auf Sprogø Grausamkeit und Misshandlungen ausgesetzt war, vergewaltigt und zwangssterilisiert wurde, und als sie freikommt Rache an ihren einstigen Peinigern nimmt.

Regisseur Christoffer Boe hat diese skurile Geschichte flott in einen Film mit allerlei Rückblenden gepackt, die sich nach und nach entpacken. Am Drehbuch schrieb vor allem Nikolaj Arcel, aber auch Bo Hr. Hansen und Mikkel Nørgaar.

Manchem Zuschauer mag es schwerfallen, die drei Erzählstränge der im Grunde starken Geschichte, das ist die einer Demütigung, einer Rache und einer Besessenheit einer nordischen „Herrenmentalität und Unterschiedsbehandlung in Reinkultur“, beim Verfolgen des Roten Fadens zu fassen zu bekommen. Ganz ähnlich ergeht es den beiden Bullen mit dem Böse.

Anders Hove in einer Szene des Films „Verachtung“. © Zentropa Henrik Ohsten

Verachtung ist nach Erbarmen, Schändung und Erlösung der vierte Film der Adler-Olsen-Bande, der an der Kinokasse ein Flop war, was vielleicht an der schlechten Stimmung zwischen Mørck und Assad liegt, die auf einem Tiefpunkt anlangt war.

Die Kriminalpolizisten in Kopenhagen scheint mehr mit sich zu tun zu haben, als mit Mördern. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Filmografische Angaben

  • Deutscher Titel: Verachtung
  • Staat: Dänemark
  • Jahr: 2018
  • Regie: Christoffer Boe
  • Drehbuch: Bo Hr. Hansen, Nikolaj Arcel, Mikkel Nørgaar nach einem Buch von Jussi Adler-Olsen
  • Kamera: Jacob Møller
  • Schnitt: Janus Billeskov Jansen, My Thordal
  • Musik: Anthony Lledo, Mikkel Maltha
  • Darsteller: Nikolaj Lie Kaas, Fares Fares, Fanny Leander Bornedal, Clara Rosager, Elliott Crosset Hove, Anders Hove
  • Produktion: Louise Vesth
  • Koproduzent: Fabian Gasmia
  • Ausführender Produzent: Peter Aalbæk Jensen
  • Länge: 118 Minuten
  • Bildformat: 1 : 1.85
  • Tonformat: Dolby Atmos 7.1, 5.1, near field 5.1 / 2.0
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