Neuschnee von gestern. Die Entscheidungen für die neue Bebauung am Alten Markt in Potsdam sind gefallen

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Entscheidung über Aussehen der Neubebauung gefallen des Blocks III in Potsdam
Der Alte Markt in Potsdam. Oben Schloss/ Landtag, rechts - schneeweiß - das fragliche Neubaugebiet. Links die Nikolaikirche; daneben am Rand, wo ein schwarzes Dreieck zu sehen ist, steht eigentlich das alte Rathaus mit dem Atlas auf dem Dach. Ein dachförmiges Pappschild neben dem Obelisken markiert den aktuellen Standort der Infobox. © 2018, BU/ Foto: Andreas Hagemoser

Potsdam, Deutschland (Kulturexpresso). Freitag wehte ein frischer Wind durch Brandenburg. Sehr passend. Nachmittags fiel Neuschnee. Eine bessere Symbolik hätte man sich kaum wünschen können. Denn die Entscheidungen für die Bebauung am Alten Markt in Potsdam – ein ganzer Block, der sogenannte Block III – waren gefallen, doch noch keine 24 Stunden alt. Bis spät in die Dunkelheit hinein hatte am Donnerstagabend am Voltaireweg das 14köpfige Gremium getagt. Das Auswahlgremium entschied über die ganze Blockbebauung zwischen Friedrich-Ebert-Straße und Nikolaikirche. Aufgeteilt in 9 Objekte war es eine langwierige und fruchtvolle Arbeit. Fachleute und Volksvertreter waren paritätisch mit jeweils 7 Mitgliedern im Auswahlgremium.

Neue Bebauung am Alten Markt in Potsdam erst nach Beseitigung der alten

Noch stehen am Alten Markt die Reste der in der DDR gebauten Fachhochschule (FH), die zurückgebaut werden müssen. Früher sagte man abgerissen. Im Internet findet man noch die alten Informationen: „Fachhochschule Potsdam, Standort Alter Markt, Friedrich-Ebert-Straße 4, 14467 Potsdam, Tel. (0331) 58000“. Telefonnummern können heute „mitgenommen“ werden.

Alles eine Frage, wie schnell man schaltet.

Websites könnten zügig aktualisiert werden. Viele sind jedoch veraltet.

Doch entscheidend sind die Gebäude. Für die Ewigkeit gemacht, für 20 oder 100 Jahre. Sie werden verwaltet.

Sans Souci steht noch, ein Ort ohne Sorgen. Aus der Zeit, als Französisch die Weltsprache war, der Sonnenkönig herrschte, Voltaire und Leibniz sich austauschten und mit der Frau des Kurfürsten Friedrich III., Sophie-Charlotte von Lüneburg-Braunschweig, auf der Lützenburg philosophierten. Das erste preußische Königspaar versandte Briefe auf französisch. Die Zeit des Barock endete in gewissen Sinne mit dem siebenjährigen Krieg 1863. Doch bereits vorher hatte Friedrich der Große viele Grundsteine gelegt. Erst in Charlottenburg, später immer mehr in Potsdam.

Das dortige Stadtschloss am Alten Markt verdiente seinen Namen, nachdem Schloss Sanssouci die Weltbühne betrat. Das Berliner Schloss verdient diesen Namen nicht, da es in Berlin nur ein Schloss gab. Bis zum Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs 1943-45 überlebten die Bauten des 18., 19. und 20. Jahrhunderts. Die Besucher des Schlossparks von Sanssouci sind heute ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Brandenburgischen Landeshauptstadt.

Großflächige, inzwischen fensterlose Gebäudeteile bedeck(t)en die Fläche zwischen dem einstigen Schloss im Süden (unlängst wiederaufgebaut, dort tagt das Parlament des Bundeslandes, der Brandenburgische Landtag) und dem Platz der Einheit im Norden.

Im Nachbarblock, der direkt an den „Platz der Einheit“ grenzt, wird ein quadratischer Gebäudeteil erhalten bleiben mit Bibliothek und Wissenschaftsetage. Der Rest drumherum, der jetzt verfällt, entfällt.

Die zukünftige Bebauung am Alten Markt in Potsdam – ein vorbildlicher Entscheidungsprozess

Die Neubebauung am Alten Markt in Potsdam hätte auch über die Köpfe der Leute hinweg fallen können. Im stillen Kämmerlein. Doch nicht nur wurde die Bevölkerung miteinbezogen und informiert. Es wurde ihr auch Gelegenheit zur Beteiligung im weitesten Sinne gegeben. Auf einer Wand in der „Infobox“ auf dem Alten Markt konnte man Vorschläge unterbreiten. Wem das zu deutsch ist: Man konnte dort sein Feedback abgeben.

Überhaupt die Infobox: Am richtigen Ort, vor Ort, auffällig rot. Nicht am Stadtrand in einer ehemaligen Kaserne, 2. Stock ohne Fahrstuhl, zweimal die Woche eine Stunde Einsicht der Pläne. Nein, im Stadtzentrum, einen zentraleren Ort kann man sich kaum vorstellen, und in unmittelbarer Nachbarschaft der historischen und DDR-Bauten.
Auch haben die Entscheidungsträger der Versuchung widerstanden, das Projekt „Block III“ einfach in die Hände einer einzigen Baufirma zu geben. Nach dem Motto: Die machen das dann schon.

Der Weg war gut und richtig, und es hat sich gelohnt.

Richtig die Aufteilung in mehrere, hier neun Abschnitte, die oft noch in mehrere Häuser unterteilt waren. Dabei wurde versucht, sich an dem geschichtlich überlieferten Rahmen zu orientieren. An einer Stelle an der Nordseite des Blocks, der Fuge, konnte ein schmales, neues Haus geplant werden. Interessanterweise entschieden sich gleich zwei der Büros dafür, Teile der Fachhochschul-Fassade zu verwenden. Vorgehängte Elemente. Einer dieser beiden Entwürfe erhielt den Zuschlag.

Die Ergebnisse sind jetzt in der „Box“ auf dem Alten Markt zu besichtigen, in 2D und 3D

Alle Entwürfe sind noch etwa eine Woche lang in der Infobox auf dem Alten Markt zu sehen. Dienstag bis Freitag bis 19 Uhr, am Samstag bis 14 Uhr.

In den Ampelfarben wurden die Entwürfe markiert: Grüne Aufkleber erhielten die Gewinner.

Gelb bedeutet: Kommt es aus irgendeinem Grund nicht zum Bau des Spitzenplans, rückt ein zweiter oder dritter nach.

Rot durchgestrichen bedeutet: Dieser Entwurf ist unerwünscht und soll nicht realisiert werden.

Für jeden der 9 Teile des Blocks gab es unterschiedlich viele Einreichungen. Im Ergebnis seit Freitag sind also auch mehrere gelbe Aufkleber und rote Streichungen bei jedem Block-Neuntel möglich. Die Einzelheiten sind vor Ort zu erkennen.

Die Bebauung am Alten Markt in Potsdam kann nun bald beginnen

Die Entscheidungen sind getroffen worden. Gestalterisch ist Klarheit gewonnen worden. Jetzt werden die Bieter benachrichtigt und können an die konkreteren Planungen herangehen. Klappt etwas bei einem ausgewählten Entwurf nicht, rückt nach einem Punktesystem ein anderer nach.

Währenddessen erfolgt noch dieses Jahr der Abriss. Dieser zog sich hin, da viele Schadstoffe beseitigt werden mussten und müssen. Nachdem diese entfernt sein werden, wird nicht die Birne kommen und schon gar nicht der Sprengmeister. Die historische Bebauung und die benachbarten Bewohner und Parlamentarier verbieten das. Eher der Knabberer. Das wird auch etwas dauern, aber insgesamt mit sichtbaren Fortschritten.

Baubeginn könnte Herbst/Winter 2019/ 2020 sein. Vermutlich werden manche Häuser des Blocks III eher fertig als der Willy-Brandt-Flughafen BER.

Schön wär‘s ja.

Wie schön, das kann man schon jetzt sehen.

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