Zwei Weltpremieren in einem. Das Theaterstück „Robar el dia“ mit einer Reimsensation

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Larissa Offner.
Berlin, 15.3.2018. Die Brasilianerin Larissa Offner gibt die "Marie Vivier" aus "Robar el día" - "Stehl' den Tag". Es ist die weibliche Hauptrolle. Am Premierenabend vor dem Originalbühnenbild im ehemaligen Stummfilmkino Delphi. © 2018, BU/ Foto: Andreas Hagemoser

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Am Donnerstag wurde Weltpremiere gefeiert. Im ehemaligen Stummfilmkino Delphi der deutschen Dichterstadt. Sie zieht auch ausländische Dichter an. Das Theaterstück „Stehl‘ den Tag“ („Steal the Day“, Originaltitel „Robar el Día“), des mexikanischen Regisseurs Alfredo Félix-Diaz wurde auf spanisch vorgetragen, deutsch untertitelt. Am Freitag sah man es mit englischen Untertiteln, am Samstag wird es wieder mit deutschen Untertiteln gezeigt (20 Uhr). Warum zwei Weltpremieren?

Zwei Weltpremieren des Theaterstücks „Robar el dia“

Hauptdarstellerin Larissa Offner ist Brasilianerin und hat einen deutschen Opa. Gut und schön. Sie spielt Marie Vivier, eine moderne Penelope. Alles schön und gut. Die Schauspielerin besonders.

Doch wo außer der nachvollziehbaren – und für eine spanischsprachiges Stück durchaus bemerkenswerten – Weltpremiere eines guten Stücks Theater steckt hier das Besondere?
Was hier vorgeht, ist einzigartig. Es wurde bisher nicht erreicht. Jetzt ist es vollbracht. Auf englisch sagt man zurecht: unprecedented.

Fünf (5) Schauspieler spielen mit. Einer von ihnen, Jordi Robles in der Rolle des Pierre Vivier – Maries Ehemann, der aus der (französischen) Armee entlassen wurde – ist in seiner Rede recht frei. Das passt zur Rolle und hat, wie alles bei Félix-Diaz, seinen Grund.
Die anderen drei männlichen Darsteller tragen ihren anspruchsvollen Text wie bei Shakespeare vor: In Versen, aber nicht gereimt.

Bleibt die Frau auf der Bühne.

Larissa Offner spricht kein Spanisch – zum Glück

Alfredo Felix-Diaz.
Alfredo Felix-Diaz. © 2018, BU/ Foto: Andreas Hagemoser

Beim Interview mit dem Regisseur kurz nach der gerade gut über die Bühne gegangenen Premiere stolpere ich über einen Nebensatz. Nur eine kleine Bemerkung. „Schön, dass sie kein Spanisch kann.“ Das kam mir spanisch vor. „Denn ich habe die Silben gezählt.“
– „???“
Langsam kommt die Wahrheit ans Licht.
Die ganze Zeit weicht‘s Reimmaß nicht.
(Das waren jeweils 8 Silben mit einem annähernden zweisilbigen Endreim.)
Das Stück „Robar el Día“ dauert zwei Stunden plus eine Pause, im alten Delphi eine Viertelstunde.
Viele Minuten von den 120 spricht Marie alias Larissa. Durchgehend in Versen.
Eine Zeile ungereimt (die letzten zwei Silben von acht ohne „a“),
dann eine Zeile mit 8 Silben. (Sechs plus zwei mit a, davon die erste Silbe betont. Das wird im Spanischen mit einem Strich erreicht bzw. gekennzeichnet. Zum Beispiel das Wort „casa“. Es wird „cása“ geschrieben und vorn betont.)
Alfredo Félix-Diaz stellt heraus, dass ihr ganzer Text dadurch etwas Weibliches erhält.
Der größte Teil des von ihr auswendig Gelernten besteht aus immer 8 Silben pro Zeile.

Wenn sie singt, sind es je 6 Silben. DOCH DAS REIMSCHEMA ÄNDERT SICH NICHT!
Am Ende, wenn viele unerwartete Wendungen eintreten, gibt es viel zu sagen, und das passt in 11 Silben pro Zeile. DOCH DAS REIMSCHEMA ÄNDERT SICH NICHT!
DAS REIMSCHEMA ÄNDERT SICH ÜBERHAUPT NICHT! Es wird die ganze Zeit durchgehalten.

So etwas hat es noch nie gegeben.

Was? „Robar el Día“, „Stehl‘ den Tag“ („Steal the Day“), Theaterstück
3. und vorerst letzte Aufführung!

Wann? 17. März 2017, 20 Uhr

Wo? Ehemaliges Stummfilmkino Delphi
Gustav-Adolf-Straße 2 am Caligariplatz (in Sichtweise der „Brotfabrik)
Straßenbahn: Tram M2 (an der B2), Haltestelle Wisbyer Straße/ Prenzlauer Allee
Berlin. Die Haltestelle heißt offiziell: „Prenzlauer Allee/ Ostseestraße“ und wird von den Straßenbahnen der Linien 12, 50, M1, M2, M13 angefahren und den BVG-Bussen 156 und 158.

Eintritt 12 Euro

Man sitzt an Tischen, an denen getrunken (und gegessen?) werden darf. (Ähnlich wie im „Palazzo“-Zelt.)

Zwei Weltpremieren: Beispiel-Erläuterung Reimschema mit 8, 6 und 11 Silben

Im untergegangnen Lande:
Es erklingt El Condor Pasa
und der Chef trägt einen Orden,
dann gibt es Tabula Rasa.

(8silbig)

Echt ein Wunder ist es,
was Alfred vollbracht hat.
„Er heißt doch Alfredo!“
Doch das Maß sagt: Basta!

(6silbig)

Wer hat‘s jetzt kapiert wie‘s geht? Du da auch schon?

Wir zähl’n mit und freuen uns auf Kanada!

Dann kommt ein Satz mit egal was am Ende

Bis ein Finale schließt: Panamakanal!
(11silbig)

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