Zwei Familien, ein Geheimnis – Zum Roman „Kieloben“ von Karin Nohr

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"Kieloben" von Karin Nohr. © Größenwahn-Verlag

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Eine Erzählung mit leichter Hand ist der Roman „Kieloben“ von Karin Nohr nicht, auch keine leichte Kost.

Warum? Darum: „Wen seht Ihr? (Inga), Kolb. (Markus). Pause. Matthias. (Markus). Pause. Hat sie uns darum in die Kirche geschleppt? Weil sie ihn immer sehen wollte? (Markus). Pause. Spiel nicht den Beleidigten, Matthias. Melde dich. (Markus. Pause. Nun komm. Mach wieder mit. (Markus). Pause.“ Das Gezwitscherte wurde auch noch kursiv geschrieben. Das Buch ist voll mit Gezwitscher. Wer`s mag.

Immer wieder Absätze mit solchen Sätzen: „Mit der flachen Hand strich Inga über das Sternenmoos, erhob sich und schwang die Arme, sodass der Vogel aufflatterte. Für den Stimmenvergleich müsste sie ihn zum Krächzen bringen. Vielleicht sang er! Tönende Schwäne, fliegende Talare. Sie und die Zwillinge auf dem Weg zur Kirche. Zur Schule. Zum Rodeln. Zum Baden. Die beiden voraus, sie hinterher. Wenn Matthias bei den Großeltern war, hatte sie Markus als Hilfssheriff gedient. War Markus einmal weg, folgte sie Matthias` präzisen Anweisungen bei Untertunnelungen in der Sandkiste. Ein perfektes Zieh-mich-stoß-dich-Tier mit Zöpfen.“ Alles klar?

Wer das aushält, der kann sich von Möwenchor über Mails, Engel und Pastorenvögel und also von Abschnitt zu Abschnitt der drei Teile und sechs Kapitel hangeln, in denen sich der Inhalt um was eigentlich dreht? Irgendwie kullern die Kapitel um die Niemanns aus Deutschland und die Larssons aus Norwegen, auch um Inga und Mette, die entdecken, dass sie etwas gemeinsam haben. Dabei lässt die Autorin den Leser in deren Köpfe und Gezwitscher gucken wie in ein kunterbuntes Aquarium, in dem es nur so blubbert.

Die eine ist nicht die leibliche Tochter ihrer Eltern, sondern ein „Deutschenkind“ mit Halbschwester. Ein Thema, gebadet in bemühter Schreiberei, gewickelt in Psycho-Schwallerei. Perlen der Belanglosigkeit und Phrasendrescherei tauchen im Text auf und verschwinden wie die Spirits der parapsychologischen Versuchsanordnung. Wer`s mag.

Das schwer lesbare Buch voll Blubber bringt mich noch nicht einmal ins Rätseln über die Geheimnisse meiner Familie. Im Roman steckt offensichtlich zu viel Nohr, zu viel „ich bin Literaturwissenschaftlerin und Psychologin und klassische Sängerin und Autorin von Bücher mit Titeln wie „Eastern Sittichs“ und „Stummer Wechsel““. Und zu wenig Weisheit.

Mit anderen Worten: Das Einfache schwer verständlich zu schreiben ist die Genialität der Dummköpfe. Wer`s mag.

Wer`s nicht mag, der treibt schon nach den ersten Seiten kieloben in der Seelensuppe des Nohrschen Wassergeheges. Blub!

Bibliographische Angaben

Karin Nohr, Kieloben, Roman, 206 Seiten, Format: 13,6 x 20,6 cm, fester Einband, Verlag: Größenwahn, 1. Auflage, Frankfurt am Main, 15.7.2019, ISBN: 978-3-95771-256-1, Preise: 19,90 EUR (D), 20,50 EUR (A)

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