Hannes Jaenicke im Einsatz für Nashörner.

Die Spur des Horns – Doku im ZDF: Hannes Jaenicke im Einsatz für Nashörner

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Hannes Jaenicke war schon oft im Einsatz für Eisbären, Elefanten, Löwen und Haie. Zuletzt war er im Einsatz für Nashörner. Das was Jaenicke und seine Jungs gehört und gesehen haben, das zeigt das ZDF am Dienstag, den 16. Januar 2018, um 22.15 Uhr in der Doku „Im Einsatz für Nashörner“ von und mit Hannes Jaenicke.

Jaenicke, der sich als Schauspieler, Dokumentarfilmer, Querdenker und Autor einen Namen gemacht hat und veilfach geehrt wurde, unter anderem mit dem Grimmepreis, nutzt seine Bekanntheit, um sich gesellschaftspolitisch und sozialkritisch zu engagieren, wovon seine Bücher „Wut allein reicht nicht“ (2010) und „Die große Volksverarsche“ (2013), die in großer Auflagen erschienen, Zeugnis ablegen wie seine Dokumentarfilme.

Als Kameramänner hätte Jaenicke Markus Strobel, Tim Henkel und Jo Binder bei dieser Nashorn-Produktion der Tango Film GmbH und Pelorus Jack Filmprods LLC dabei. Die ausführenden Produzenten waren Strobel und Jaenicke. Sie folgten der „Spur des Horns und wollten wissen, warum die Wilderei ein derartiges Ausmaß angenommen hat“. Laut ZDF-Presseinformation seien „1200 Tiere wegen ihres Horns von Wilderern getötet“ im vergangen Jahr in Afrika getötet worden.

Deswegen führt die Reise nach Kenia und Südafrika bis hin nach Vietnam, um dort nicht nur einen vietnamesischen Investigativjournalisten, sondern auch Konsumenten für das Horn, für das Käufe rund „50.000 Euro pro Kilogramm“ bezahlen würden.




Manuela Koska: Ich bin ein Mensch - Heimat.

Tränensäcke als Heimat oder Menschen in Mecklenburg-Vorpommern – Zu Ausstellung und Katalog „Ich bin ein Mensch – Heimat“ von Manuela Koska

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „Ein Fotoprojekt. Ein Buch. Eine Ausstellung. Über Menschen. Über ihre Heimat. Über Identität. Verwurzelung. Sehnsüchte. Enttäuschungen. Freude. Hoffnungen.“ Mit diesen Worten wird auf der Heimatseite des Rostocker Traditionsverlags Hinstorff der Katalog zur Ausstellung im Schleswig-Holstein-Haus in Schwerin „Ich bin ein Mensch – Heimat“ von Manuela Koska beworben, in dem rund 180 Abbildungen zu sehen sind.

„Die in Mecklenburg-Vorpommern zu Hause sind“

Weiter im Text heißt es: „Oft zufällig traf Manuela Koska auf die Menschen, die sie dann vor ihre Kamera holte und mit denen sie zugleich Interviews führte. Menschen, die in Mecklenburg-Vorpommern zu Hause sind. Wobei sie sich nicht nur auf ‚Ur-Einwohner‘ beschränkte, sondern auch auf jene, die von irgendwoher kamen und blieben, mit ihren Kulturen, Weltanschauungen, Lebensformen und Eigenheiten. Sie alle hat sie porträtiert: die ‚Zuwanderer‘, die ‚Ausländer‘ und die ‚Einheimischen‘.“

Koskas Ausstellung „Ich bin ein Mensch – Heimat“ ist nach der Ausstellung in Schwerin gerade in Berlin zu sehen und zwar in der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern.

Wir sagen dazu wenig, aber dass die 76 Protagonisten aus 42 Ländern stammen, als hätte das neue Bindestrich-Bundesland nicht mehr zu bieten, das bleibt nicht unerwähnt.

Die von Koska Fotografierten, „die in Mecklenburg-Vorpommern zu Hause sind“, stammen aus Marokko, Indien, Mosambik, Sri Lanka und so weiter.

Tränensäcke als Heimat?

Wundert sich da noch jemand, dass Christiane Peitz im „Tagesspiegel“ (23.12.2017) schreibt: „Heimat ist das, was du am Leib trägst, die faltige Gesichtshaut, die Tränensäcke – gelebte Identität.“

Herr, schmeiß Hirn vom Himmel, möchte man der Träne vom Tagesspiegel zurufen.

Die Ausstellung

in der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern, In den Ministergärten 3, 10117 Berlin, läuft noch bis zum 12. Januar 2018. Öffnungszeiten montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr (an Feiertagen geschlossen).

Bibliographische Angaben

Manuela Koska, Ich bin ein Mensch – Heimat, Katalog, Sprachen: Deutsch und Englisch, 176 Seiten, Broschur, Format: 20x 28 cm, Verlag: Hinstorff, ISBN: 9783356021462, Preis: 24,99 EUR




Adeventskranz, Heiligabend, 4. Advent, vierter Advent, Kerze brennt, 4 Kerzen, Weihnachtsschmuck

Bo und der Weihnachtsstern (The Star), Caroline und der Nordstern, ihr Bruder Friedrich Herschel und Uranus, sein Sohn, der Astronom, die Sterne und Weihnachten (Eigenständiger Teil 2 von: Was soll ich dieses Jahr feiern? Den vierten Advent? Da war doch noch ein anderer Festtag am Sonntag, den 24.)

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, ich kann die Plastikrentiere aus Taiwan – nichts gegen die Republik China – nicht mehr sehen. Obwohl die vielen Lichter, die dank LEDs auch nicht mehr von Atomkraftwerken betrieben werden müssen, eine Winterdepression verhindern könnten.

Fliegende Schlitten, die von fliegenden Zugtieren angetrieben werden – ohne Bodenwiderstand. Wovon sollen sich die Vierbeiner denn abstoßen?

Kaum ist Weihnachten vorbei, knallt einem der China- oder Polenböller um die Ohren und reißt einen aus der gerade einsetzenden Besinnung, da die Geschäfte endlich mal geschlossen hatten. Der nächste Einkaufsgrund. Krapfen, Knallbonbons, Luftschlangen – wenn das vorbei ist, gehen Schule und Uni wieder los.

Mint ist keine Minze

Dann wird sich wieder beklagt über das mangelnde Interesse an den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften) und zu wenig Nachwuchs, ganz besonders unter den Frauen.
Kindern das Märchen vom Weihnachtsmann als Bären aufzubinden, ist eine Sache. Ein fliegendes Ren, das weder aus dem Flugzeug gefallen, noch am Fallschirm oder einem Hubschrauber hängt, eine andere.

Da darf man sich nicht wundern.

Sternenkunde

Mit der Astronomie geht es weiter. Vom Polarstern kommt er her, der fliegende Mann.
Aha. Den Stern im Norden, ganz hell und unbeweglich, kennen sogar Matrosen. Nächtliche Navigation? Nur nicht ohne Nordstern.

Doch nicht nur mit dem Stern wird Schindluder getrieben, sondern auch noch mit der Sprache.

Nachplappern ist einfacher als denken.

Übersetzungsfehler mögen manchmal lustig sein – wenn sie derart Sprachen zerstören und das Verständnis erschweren, reicht es. Guter Vorsatz für das neue Jahr: Kein „Polarstern“ mehr.

Eisbär am Pol!

Wie durch ein Wunder gibt es im Deutschen noch keine „Polarbären“, sondern nur Eisbären. Im Englischen gibt es „polar bears“. Niemand würde verstehen, wenn man von „ice bear“ spricht. Ein „Ice Bear“ könnte eine Art Schneemann in Bärenform sein oder ein mit der Kettensäge aus einem Eisblock herausmodelliertes Kunstwerk. Würde das Wort „polar bear“ obsolet und durch die wörtliche Übersetzung von „Eis-bär“ ersetzt, wären die Angelsachsen wohl „not amused“.

Bärenstark

Zwei andere Bären, ein großer und ein kleiner, heißen auf englisch „Ursa Major“, der „great bear“, als Sternbild “big dipper“, und „Ursa Minor“, „Lesser Bear“ oder „little bear“.
Der „Polar star“ befindet sich an der Spitze von „Ursa minor“.
Auf deutsch: Der Nordstern ist an der Spitze (der Deichsel) des „Kleinen Wagens“.

Nordsternstraße = 1a

In Berlin gibt es ein Nordsternhaus und eine Nordsternstraße. Unweit des Schöneberger Rathauses, dass zu West-Berliner Zeiten auch das Rathaus des Bundeslandes Berlin war. Ein Rathaus, in dem die Freiheitsglocke hängt, Willy Brandt und John F. Kennedy große Reden hielten.
Was ist mit der Freiheit, die eigene Sprache sprechen zu dürfen?
In Fulda dagegen wird der unbekannteren Variante des Namens des Sterns gehuldigt. Die Polarsternstraße verbindet Sonnenstraße und Neptunstraße im Stadtteil Haimbach.

Polarstern ist auch deshalb ein schlechter Name, da er ungenau und vieldeutig ist. Da es einen Südpol und Nordpol gibt, ist der Bezug unklar. Polar, nun gut, aber an welchem Pol? Beschreibend gibt es im Englischen den Begriff ’northern pole star‘, der ist allerdings länger, auch als der deutsche, und nicht als Name gebräuchlich.

Im Kino: „BO UND DER WEIHNACHTSSTERN“

Und dann wäre da auch noch der Stern von Bethlehem. In dem köstlich-erfrischenden Weihnachtsfilm „BO UND DER WEIHNACHTSSTERN“ – er heißt auf englisch „The Star“ – spielt er neben dem Esel die Hauptrolle. Die Geschichte ist bekannt: Ein Zimmermann aus Nazareth zieht mit der schwangeren, unverheirateten Maria nach Bethlehem.
Immerhin ist der Esel im Film klug. Er kann sprechen und sich befreien. Die (dummen?) Menschen hören nur „I-ahh“. Maria versteht Bo aber ziemlich gut.

Die Suche nach der Wahrheit

Das entspricht der Wahrheit: Esel sind intelligent, wie Biologen bestätigen können.
Gott sei Dank, wenigstens einer Naturwissenschaft kommt man mal nicht in die Quere.
Um erschöpfend herauszuarbeiten, welcher Stern der von Bethlehem war, fehlt hier der Platz. (Einen Hinweis gibt Matthäus 2, 1-12: „Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut …“. Auch Sekundärliteratur zum Thema gibt es ausreichend. Aktuell zum Beispiel die Titelgeschichte der Ausgabe Nr. 10 Dezember 2017/ Januar 2018 von „Himmel & Erde – Gemeindezeitung für den Wilmersdorfer Süden“, genau jenes Bibelzitat ist die Überschrift der Titelstory mit farbigem Cover und fünfzackigem Stern, der scheinwerferartig eine Geburt beleuchtet. Bettina Schwietering-Evers und Monika Linnekugel – „Der Stern im Advent und zu Weihnachten“ – verfassten die Sternenbeiträge der „Cover-Story“.)

Ist die Suche nach der Wahrheit nicht schon spannend genug?

Der Gelbe Riese ist nicht allein

Friedrich Wilhelm Herschel aus Hannover entdeckte im August 1779 Polaris B. Der Nordstern ist so hell, da er das Licht dreier Sterne sammelt: Polaris Aa (ein gelber Riese), Polaris Ab und Polaris B. Aa und der Zwerg Ab sind einander „sehr nah“ (nur so weit wie von der Sonne bis zum Uranus), Polaris B „etwas weiter entfernt“. Alles ist relativ. Deswegen die Anführungsstriche.

Herschel: Musiker, Astronom, Vater

Herschel war Forscher, aber auch Mensch. Er war Sohn eines Militärmusikers, diente als Oboist und Geiger in einem kur-braunschweig-lüneburgischen Regiment, genauer: der Fußgarde in Hannover. Die kur-braunschweig-lüneburgischen Regimenter bildeten eine Armee, die erst 1803 nach der Niederlage gegen Napoleon aufgelöst wurde. Lüneburg-Braunschweig, manchmal verkürzt-verfälschend Kurhannover genannt – wohl im 18. Jahrhundert schon unter dem Einfluss der englischen Sprache – wurde seit 1714 bis zum Amtsantritt der Königin Viktoria (Queen Victoria) im 19. Jahrhundert in Personalunion regiert.
Der Kurfürst von Lüneburg-Braunschweig war gleichzeitig König von England und Schottland, also König von Großbritannien, seit 1801 sogar König des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland.
Kein Wunder also, dass 1803, nach Auflösung des Heeres, ein Großteil der Offiziere und Soldaten nach England ging, korrekt: nach Großbritannien, um in der King‘s German Legion den Kampf gegen Napoleon fortzusetzen.

Späte Heirat?

Herschel heiratete erst mit 50, im 18. Jahrhundert hätte man das wohl spät genannt, aber andererseits wegen der mächtigeren Stellung des Mannes wohl geschwiegen, statt den Zeitpunkt zu beurteilen. Er hatte ein Kind. Es wurde geboren, als er 54 Jahre alt war (1792).

Nur ein Sohn

Zu diesem Zeitpunkt war Herschel bereits ein bedeutender Astronom, der 1781 bekannt wurde, als er Uranus entdeckte, einen Planeten, der nicht das Schicksal Plutos erlitt: vom Planeten wieder zum Nichtplaneten degradiert zu werden. Sohn John Frederick William trat in Vaters Fußtapfen und wurde ebenfalls ein großer Astronom.

Herschel schrieb übrigens auch Kammermusik, Konzerte und Symphonien. Joachim-Ernst Berendt (1922-2000; „Das Leben, ein Klang“, „Ich höre, also bin ich“, „Nada Brahma – die Welt ist Klang“) hätte seine helle Freude daran gehabt, oder er hatte sie, falls er ihn kannte.

Märchen erzählt?

Wir wissen nicht, ob Friedrich Wilhelm Herschel seinem Sohn Märchen erzählte und wenn ja welche. Oder ob er das seiner Nachbarin überließ, die er heiratete, als sein Leben schon mehr als halb vorbei war und das halbe hundert Jahre erreicht.

Caroline

Vielleicht hat er, statt seinem Sohn überflüssige Lügen und Märchen zu erzählen, die sich andere ausgedacht hatten, seine Zeit lieber genutzt, um mit seinen Geschwistern Alexander und Caroline weiter immer größere Teleskope zu basteln und Sterne zu gucken. Das war so mitreißend, dass seine 12 Jahre jüngere Schwester eine anerkannte Astronomin wurde.

Die Hannoveranerin kehrte nach dem Tod ihres Bruders 1822 in ihre Heimat zurück, wo sie 26 Jahre später auch starb. Es hielt sie nichts mehr in England. 1838 wurde sie in die Königlich Irische Akademie der Wissenschaften aufgenommen, da war sie 88. Mit 96 erhielt sie die Goldmedaille der preußischen Akademie der Wissenschaften.

Auch Caroline, die Sternenforscherin, blieb der Musik verbunden. Mit 97 sang sie nach einem mehrstündigen Gespräch dem Kronprinzenpaar ein Lied vor. Es war übrigens eines, das Friedrich Wilhelm komponiert hatte, 7 Jahrzehnte zuvor.

Brauchen wir die Lügen?

Brauchen wir also die Lügen von fliegenden Rentieren? Brauchen wir einen „Polarstern“, obwohl wir doch schon einen Nordstern haben? Der mit zwei Silben auskommt und einen Buchstaben weniger aufweist? Brauchen wir die Falschübersetzungen oder ist das alles „horse radish“?

Plädoyer für die Erforschung der Wahrheit

Nicht nur Goethe, viele Wissenschaftler des 18. Jahrhunderts und Unternehmer des 19. (Bosch, Siemens & Co.) waren viel ganzheitlicher orientiert, als mancher heutige Fachidiot und Spartenwissenschaftler.

Es sieht ganz so aus, als hätte sich John Frederick William von seinem Vater für das Rätsellösen am Himmel begeistern lassen, das handwerkliche Fähigkeiten erforderte. Nach anfänglicher Emanzipation als Jurist wandte er sich später der Astronomie zu und übernahm sogar die Sternwarte seines Vaters.

Er hätte spätestens nach dem Tod Friedrich Wilhelm Herschels 1822 sich vom Thema abwenden können. Stattdessen wurde er ein anerkannter Astronom. Er führte das Julianische Datum in die Astronomie ein, wurde ob seiner Leistungen geadelt und 1848 Präsident der Royal Astronomical Society.

Er lebte bis in das Jahr der 2. deutschen Reichsgründung hinein, er starb am 11. Mai 1871 in Hawkhurst, Kent.

Er blieb im Lande und folgte seiner Tante nicht in ihre Heimat und die seines Vaters nach Hannover.

Eine Marginalie nebenbei: John Herschel wurde 1850 königlicher Münzmeister der Royal Mint. „Mint“ ist ist hier weder Abkürzung noch Minze noch Pfefferminze. Mint ist hier die „Münze“.

Mit guter Münze

Die Münze, die man nicht in der Hosentasche tragen kann. Jene, nach der in Groß Grönau die Straße „An der Münze“ benannt wurde, in Köln, Lüneburg und Neuss. Im Mittelalter wurden Steuern ganz einfach beim Ummünzen eingezogen. Dieser Ort hieß Münze, da dort gemünzt wurde. In manchen Städten gibt es die „Münzstraße“.

Eine Eselsbrücke

Der englische Begriff „mint“, der einen perfekten Zustand meint, einer Münze, aber auch anderer Gegenstände, Bücher und Antiquitäten, ist davon abgeleitet. Er hat mit der Frische der Minze nichts zu tun, sie kann aber als Eselsbrücke dienen; auch wenn wir jetzt wissen, dass Bo und andere Esel so dumm gar nicht sind. Menschen bedürfen der Eselsbrücken.

Das Märchen vom Weihnachtsmann zu erzählen, mag noch in Ordnung sein, doch enthalten das Leben und das Universum so viele Rätsel, dass die Wahrheitssuche nicht noch künstlich erschwert werden sollte.

Dann kann einem starken Vater ein starker Sohn folgen. Wie im Jahre 1, wenn das kein Märchen ist.

Anmerkung:

Siehe auch den Beitrag Was soll ich dieses Jahr feiern? Den vierten Advent? Da war doch noch ein anderer Festtag am Sonntag, den 24. – Moment, gleich fällt es mir ein … von Dirk Fithalm.




Adeventskranz, Heiligabend, 4. Advent, vierter Advent, Kerze brennt, 4 Kerzen, Weihnachtsschmuck

Was soll ich dieses Jahr feiern? Den vierten Advent? Da war doch noch ein anderer Festtag am Sonntag, den 24. – Moment, gleich fällt es mir ein …

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ich habe da ein Problem. Ich kann mich nicht entscheiden. Man soll die Feste feiern, wie sie fallen, doch was ist dieses Jahr am 24.? Sollen die Menschen, die dann Geburtstag haben, dreimal feiern? Der Tag hat 24 Stunden – vielleicht bis 8 Uhr den persönlichen Tag, bis 16 Uhr den 4. Advent und bis 24 Uhr dann das Fest, was noch übrigbleibt …? Ich werde immer vergesslicher, ohne zu wissen ob es mehr am Alter oder am Elektrosmog liegt. Solange ich kein Handy hatte, war mein Gedächtnis noch gut. Aber das mit dem 24.12. – genau, jetzt wo die 12 ins Spiel kommt, die halbe 24., fällt es mir wieder ein.

Rund um die Uhr bedeutet 24 Stunden lang. Dabei sind auf dem Zifferblatt nur 12 Stunden, also ein halber Tag. Nur im September und März bei der Tagundnachtgleiche sind 12 Stunden Tag und 12 Nacht, dann aber auch nicht von Mitternacht bis mittags beziehungsweise umgekehrt.

Der 24., der große Tag. Am 23. noch schnell den Baum gekauft – spätestens seit vergangenem Jahr ist eine Tendenz zum früheren Kauf zu beobachten – und dann kann es losgehen, das Ritual. Heringssalat, Karpfen oder wie bei Günter Jauch ein demokratisches Essen, bei dem jeder mitmachen kann und die Frau des Hauses nicht stundenlang am Herd steht, wie Raclette oder Fondue. Mit dem Essen ist es nicht getan, doch Fastenzeit ist nicht. Gerade erst hat der Winter begonnen.

Gefastet wird, wenn die Gurken gegen Ende der Saure-Gurken-Zeit aufgegessen sind, alles blüht und schön aussieht, aber es noch nichts zu beißen gibt. Religiös verbrämt wurde daraus das 40tägige Fasten vor Ostern, Not macht erfinderisch.

Das immer öffentlichere Fasten ist in Mode. Fasten nicht nur beim Essen, sondern auch beim Alkohol und anderen Sünden – Autofahren?

Oder eine vegane Ernährung.

Zurück in den Dezember mit seiner Mode, den Weihnachtsbaum früher aufzustellen, damit man mehr davon hat.

Der Dezember und die Bäume

In manchen Familien meckert die Hausfrau solange über das Nadeln, bis der entnervte Familienrest Heilige Drei Könige aufgeben muss.

Andere Christen feiern da gerade erst Weihnachten, und Neujahr eine Woche danach.
Wieder andere erinnern sich daran, dass der Baum bis Maria Lichtmeß stehen darf. Auf Nachfrage wissen aber auch nicht alle, die den Tag kennen, an welchem Datum das ist.

Wieder andere kennen bessere Methoden, den Baum aufzustellen, umgehen so das Nadelproblem und sind in ihrer Entscheidung frei. Sie stellen den Baum einfach statt in einen gekauften Kunststofffuß aus Taiwan in einen mit Sand und Steinen gefüllten Eimer.
Ist der Sand feucht, schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe. Ein preiswerter, selbstgebastelter Baumfuß und ein länger grüner Baum.

Dem Kalender beugen sich alle

Um den Kalender kommen wir nicht herum, dabei überlassen wir dessen Gestaltung anderen. Doch selbst den Kalender, den wir akzeptieren, verstehen viele kaum oder zuwenig.

Der Kaland im Kalend-er

Was ist der Kaland? Der erste Tag des Monats. In Lüneburg gibt es ein Kalandhaus und eine Kalandstraße. Benannt sind sie nach einer aus Laien und Priestern geformten Gruppe, die sich immer am Kaland traf und austauschte. Sie baute sich ein prächtiges Haus, das heute noch steht, dort wo die Kalandstraße in der Nähe des Lüneburger Wahrzeichens, des Johanniskirche, endet.

Es gibt so viele Feste auf dem Kalender auf der ganzen Welt. Will man sie feiern, kommt man um Gleichzeitigkeit nicht herum. Doch selbst der hiesigen Feste waren im Mittelalter mehr, als sowieso nur 4 Tage die Woche gearbeitet wurde und am blauen Montag blaugemacht wurde, was sich in den 60ern und 70ern des 20. Jahrhunderts immerhin noch Reisebüros und Frisöre leisten konnten.

Holi, Rakscha Bandan mit dem Rakibinden, das Zuckerfest – andere Länder, andere Sitten.

Eine schöne Bescherung

Bei Holi im März wird es in Indien manchem zu bunt „Company colours“ – Gesellschaft färbt ab – wird hier in der Tat umgesetzt. Früher mit Naturfarben. Man darf sich auf der Straße nicht erwischen lassen, sonst kommt man bunt nach Hause oder ins Büro.

Auch in Indien wird Rakscha Bandan gefeiert, die Schwester bindet dem Bruder ein Armband um, das ihn an seine Reinheit und Sündenfreiheit erinnern soll, an seinen guten Kern, um ihn an besseres Verhalten zu erinnern und gemahnen. Ein Band das zunächst nicht zerschnitten werden soll.
Weihnachten kennt dagegen jeder. Dabei ist am 24. nur Heiligabend. Eine schöne Bescherung.

In England und den USA, dessen Sitten und Gebräuche unter anderem durch weltweite Vermarktung und Werbespots immer weiter ins Land schwappen, gibt es die Geschenke erst am 25. Eine schöne Bescherung; auch dies, Wer kann schon so lange warten?

Außerdem wird die Unsitte verbreitet, Geschenke in Strümpfe, die man nicht anzieht, zu stopfen und an den Kaminsims zu hängen. Als ob jeder einen Kaminsims hätte, geschweige denn einen Kamin. Manche haben noch nicht einmal eine Bleibe oder ein Dach über dem Kopf.

Zudem wird die ganze Weihnachtsmann-Story verändert.

Dass der Mann früher braun trug und nicht rot-weiß, wissen wir ja.

Doch warum muss er jetzt auch in Mitteleuropa in einem Schlitten daherkommen, der von fliegenden Rentieren gezogen wird?

ENDE TEIL 1, Fortsetzung folgt.

Rechtzeitig, am 24.12.

Siehe den Beitrag Bo und der Weihnachtsstern (The Star), Caroline und der Nordstern, ihr Bruder Friedrich Herschel und Uranus, sein Sohn, der Astronom, die Sterne und Weihnachten (Eigenständiger Teil 2 von: Was soll ich dieses Jahr feiern? Den vierten Advent? Da war doch noch ein anderer Festtag am Sonntag, den 24.) von Dirk Fithalm.

Bo und der Weihnachtsstern (The Star), Caroline und der Nordstern, ihr Bruder Friedrich Herschel und Uranus, sein Sohn, der Astronom, die Sterne und Weihnachten (Eigenständiger Teil 2 von: Was soll ich dieses Jahr feiern? Den vierten Advent? Da war doch noch ein anderer Festtag am Sonntag, den 24.)




Der achteckige Neubau der Gedächtniskirche von Egon Eiermann am Vortag des Jahrestages des Anschlages auf den Weihnachtsmarkt auf dem Brietscheidplatz.

Glückwunsch, Gedächtniskirche! Der Neubau der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche feierte Geburtstag

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). 1961 ist viel passiert. Im Januar wurde Kennedy US-Präsident. Das berühmteste Bauwerk Berlins, die Berliner Mauer, wurde am 13. August hochgezogen. Natürlich nicht an einem Tag, genausowenig wie Rom. Glückwunsch, Gedächtniskirche! Der Neubau der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche feierte Geburtstag Und „Mauer“ ist so wenig zutreffend wie „Seidenstraße“, es gab mehrere. Die äußere und die Hinterlandmauer, an manchen Stellen weitere Ergänzungen. Zwischen den Mauern des „antifaschistischen Schutzwalls“ der Todesstreifen; geharkt, gepflegt, nachts beleuchtet. Eine Mauer allein, an die man eine lange Leiter hätte anstellen können, hätte nicht soviele Fluchtwillige abgehalten. Doch sind eingebürgerte Bezeichnungen nicht immer exakt. Die ‚chinesische Mauer‘ verzweigt sich auch.

Im Dezember wurde der Ersatzbau der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche fertig. Eingeweiht wurde sie am 17. Dezember 1961 mit Bischof Otto Dibelius. Der Landesbischof starb 1967, Architekt Egon Eiermann 1970 in Baden-Baden, die Gebäude sind noch da. Sie standen 2010 schon länger als der Vorgängerbau.

Das 1895 fertiggewordene ursprüngliche Bau von Albert Schwechten, von dem 71 Meter des Hauptturmes noch stehen, war ein imposanter Bau mit fünf Türmen im Stil der Neuromanik. Vier kleinere Türme gab es und einen 113 Meter hohen Hauptturm. Damit war es der höchste Kirchturm der Stadt Charlottenburg, zeitweilig der reichsten Stadt Preußens.

Um Gedächtnis ging es von Anfang an. Kaiser Wilhelm II. initiierte den Bau, bezahlte ihn aber nicht. Der Grundstein wurde am Geburtstag Kaiser Wilhelm I. gelegt, da begann schon die Erinnerung.

Allerdings erfolgte die Eröffnung am 1. September, am Vorabend des Sedantages. Ein kriegerischer Tag? 1939 ja; 1951 begann die Friedenskonferenz zwischen Japan und den Allierten an diesem Tag.

Schwechten wurde vom Schicksal zu einem Architekten berühmter Ruinen. Anders als die Schloßruine auf der Pfaueninsel, die von Anfang an so gebaut wurde, waren Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und Anhalter Bahnhof einige Jahrzehnte lang durchaus prächtig.

Von der Gedächtniskirche blieben 1945, bevor sie fünfzig wurde, nur Ruinen. Der Anhalter Bahnhof, wenig beschädigt, aber durch die deutsche Teilung fast funktionslos, wurde gesprengt. Zufällig blieb das Hauptportal am Askanischen Platz erhalten.

1956 wurde der Wettbewerb um die „KWG“ entschieden. Eiermann gewann. 1957 legte er seine umgearbeiteten Entwürfe vor. Die Ruine des Hauptturms sollte als Mahnmal gegen den Krieg stehenbleiben und wurde bautechnisch gesichert.

In Nacht vom 22. zum 23. November 1943 brannte das Kirchengebäude durch einen britischen Luftangriff. Das Dach über dem Kirchenschiff stürzte ein, die Spitze des Hauptturms knickte ab. Heute ist der Kirchturm 42 Meter kürzer. Die Berliner Traufhöhe sind 22 Meter. Schaut man einmal, wo an der Rankestraße die Regenrinnen verlaufen und verdoppelt diese Höhe, hat man etwa die Höhe des fehlenden Turmstücks vor Augen!

Die Gedächtniskirche erinnert an Krieg und Frieden.

Seit dem 19. Dezember 2016 auch an das LKW-Attentat auf dem Breitscheidplatz, bei dem 12 Menschen starben; einen brutalen Tod fanden durch Hass.

Der Weihnachtsmarkt ist am 19. Dezember 2017 geschlossen, ein Denkmal wird eingeweiht und der ganze Tag gilt dem Gedenken.

Am Abend wird gemeinsam gesungen mit Jocelyn B. Smith, sie singt „Amazing Grace“.




Eingang "Heldenmarkt" in der Station Berlin am Gleisdreieck.

Hier kein japanisches Wasser trinken, sondern denken? Wer weiße Weihnachtsgeschenke will, wandert zum „Heldenmarkt“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Dinge ehrlich und mit ökologisch-reinem Gewissen zu erwerben, ist für das Herz ein Gedicht. In der deutschen Hauptstadt wurde dafür der Heldenmarkt erfunden. Nachdem das Deutsche Reich von 1914 mit Kaiser unterging, und das sinnlose, brutale Massensterben weder das Vaterland noch Deutschland retten konnte, brauchte es eine neue Heldendefinition.

Mit viel Humor und wahrem Kern hört man den Namen dieses Marktes immer gern.

Mit einem Schmunzeln geht man an den Plakaten vorbei.

Helden bis ins Mark

Süßigkeiten und Lebensmittel,
Schals, Handschuhe, Kittel,
Mützen und andere Textilien,
keine Froschschenkel und Reptilien,

das alles gibt‘s auf dem „Heldenmarkt“ zu kaufen,
und wer gut ist, kommt gelaufen,
mit dem Rad, Bus oder U-Bahn,
doch nicht mit Auto angefahrn!

Das ist doch klar:
Das böse Auto war,
der gute Held ist;
die gute Heldin ißt,

nicht was auf den Tisch,
sondern war aus der Näh‘ kommt,
dann ist es noch frisch,
und – bekommt.

Regional ist das Stichwort,
von hier und nicht von dort,
soll, muss alles herstammen,
um niemanden zu verdammen.

Her mit dem Geld,
Du bist ein Held!

Grüner wird‘s nicht? Ende der Märchenstunde?

Kathrin Hartmann schrieb 2009 das in München verlegte, begrenzt überzeugende Buch „Ende der Märchenstunde. Wie die Industrie die LOHAS und Lifestyle-Ökos vereinnahmt“. (Der Duden definiert eine Loha als ‚weibliche Person mit überdurchschnittlichem Einkommen, die versucht, Konsum und Genuss mit Umweltbewusstsein zu kombinieren‘. Nicht ganz so weiblich ist der geschlechtsneutrale Ursprung des Kurzwortes aus dem Englischen: Lifestyles of Health and Sustainability, etwa: Gesundheits- und Nachhaltigkeitslebensweisen. Er schließt alle Geschlechter ein. Paul H. Ray verwendete 2000 das Akronym erstmals in dem Buch „The Cultural Creatives: How 50.000.000 People Are Changing The World“ (zusammen mit Sherry Ruth Anderson, Ph.D., Harmony Books Publishers, New York). In der BRD wird der Begriff seit 2007 bekannter.)

Das Werk von Frau Hartmann erschien im Verlag „Blessing“, ob es wirklich ein Segen ist, möge jeder selbst entscheiden.

Denn Kleinvieh macht auch Mist und jeder Schritt in die richtige Richtung hilft.
Nicht umsonst gibt es Slogans wie „Weltweit denken, örtlich handeln“ (‚Think globally, act locally‘), genauer: „Im weltweiten Zusammenhang denken, vor Ort handeln!“

Ein weiterer griffiger, origineller, doppeldeutiger Titel von Frau Hartmann ist „Grüner wird’s nicht – Eine Kritik des ethischen Konsums“, ein Beitrag neben denen von Sandra Dusch Silva – „Was bringen Öko-Siegel und Standards wirklich?“ – Kirsten Brodde – „Kritik von Mode als Wegwerfware“ – und anderen in „Presente“ – dem Bulletin der Christlichen Romero-Initiative e.V. 2/ 2014. Christentum und Ökologie gehen oberflächlich zusammen, zudem sich die Kirche etwas einfallen lassen musste, nachdem die Gläubigen in Scharen davonliefen. Doch für viele enge Bibelausleger, Exegetiker, hat der Verbrauch von leidlos Hergestelltem wenig Sinn. Zum einen ist Christentum ohne Leid nicht vorstellbar, weiterhin die Weltgeschichte vorherbestimmt und nicht änderbar; die Welt also nicht rettbar.

Kathrin Hartmann: „Ende der Märchenstunde“, Blessingverlag, ISBN 3896674137 (ISBN-13 9783896674135).




D ok. – Politikvergessen – träumend? „Lost in politics“-Debatte (statt „… in translation“) auf dem Filmfest Dok Leipzig

Berlin/ Leipzig, Deutschland (Kulturexpresso). Ist ein Dokumentarfilm wichtig, nur weil er sich mit einem dringlichen oder „wichtigen“ Thema beschäftigt? Am 1.11. luden DOK Leipzig, der Verband der deutschen Filmkritik und die „Woche der Kritik“ bei freiem Eintritt zur Debatte mit Cristina Nord, Patrick Holzapfel und Jide Akinleminu ein; moderiert von Heike Melba Fendel. Raoul Pecks auf der Berlinale präsentiertes Meisterwerk „I Am Not Your Negro“ stand genauso zur Diskussion wie der aktuelle Festivalbeitrag „Project 55“.

Ist „wichtig“ wichtig?

Die Veranstalter lassen verlautbaren: „Wir wollen einen Streitraum bespielen, um über das Politische im und am Dokumentarfilm nachzudenken. Sind (Dokumentar-)Filme automatisch dringlich oder wichtig, weil sie mit wichtigen oder dringlichen Themen befasst sind? Geht das, was (Dokumentar-)Filme politisch meinen, in dem auf, was sie ästhetisch tun? Was hat es auf sich mit dem Diktum (formuliert von Jean-Luc Godard), es gälte, keine politischen Filme, sondern Filme politisch zu machen?

Eine aktuelle Debatte im Frontgebiet zwischen Formalismus und Inhaltismus, auch zwischen Strategien einer Ästhetisierung der Politik und solchen der Politisierung von Ästhetik.

Worum es gehen sollte: Drei gegenwärtige Filmbeispiele werden auf den politisch-ästhetischen Prüfstand gestellt: „I Am Not Your Negro“ (Raoul Peck, 2017; Premiere 2016 in Toronto), „Austerlitz“ (Sergei Loznitsa, 2016) und – aus dem diesjährigen Programm des Festivals – „Project 55″ (Miguel Colombo).“ Mit freundlicher Genehmigung der Edition Salzgeber und Déjà-vu-Film wurden Ausschnitte gezeigt.

Die Gäste von vor der Leinwand und hinter der Kamera

Es gab detailfreudige Einlassungen dreier Gäste aus verschiedenen Milieus des Betriebs:

– Cristina Nord, Leiterin Kulturprogramm Westeuropa (Goethe-Institut Brüssel), ehemals Filmredakteurin der Tageszeitung „Taz“
– Patrick Holzapfel, Filmkritiker und Filmemacher („Jugend ohne Film“)
– Jide Tom Akinleminu, Kameramann und Regisseur (u.a. „Portrait of a Lone Farmer“, D/DK/NGR 2013; dieser Film erhielt 2014 auf der Duisburger Filmwoche den 3sat-Dokumentarfilmpreis für den besten deutschsprachigen Dokumentarfilm)

Das Gespräch wird moderiert von Heike Melba Fendel (Agentin, Kritikerin, Kolumnistin)

Debatte „Lost in Politics“

Wann? Zeit: Mittwoch, 1.11.2017 (Allerheiligen), 14-16 Uhr
Wo? Ort: Polnisches Institut, Markt 10, 04109 Leipzig
Veranstaltung auf deutsch. (Eintritt frei.)




Baseball

„Curveball“ oder „Das Theater … als ein Ort des Täuschens, Manipulierens und Mutierens“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Berliner nicht Keingeld- sondern Kleingeldtheater namens Theaterdiscounter bringt unerschrocken wie eh und je ein Stück auf die Bühne, dessen Titel Thema genug ist, mehr daraus zu machen. „Curveball“ lautet der Titel und nicht nur Sportskanonen, die Bälle mit Effet zu werfen wissen, ahnen, dass sich das Institut für Widerstand im Postfordismus an die Geschichte eines Agent des Bundesnachrichtendienst (BND) wagt, der als Zeuge “Curveball“ bei der Legitimierung des Irakkriegs durch Colin Powell vor den Vereinten Nationen (UN) eine wesentliche Rolle spielt. Dass die dessen Geschichte zugleich eine von vielen Skandalen des Auslandsgeheimdienstes der Bundesrepublik Deutschland (BRD) ist, das dürfte bei dieser Bühne wohl weniger von Belang sein.

Hinter dem Decknamen „Curveball“ soll sich Rafid Ahmed Alwan oder auch Rafid Ahmed Alwan El Dschanabi, der als Iraker mit BRD-Pass gilt. Als er 1999 in die BRD kam, um Asyl zu beantragen, so lautet seine auf Wikipedia nachzulesende Geschichte, habe er angegeben, Ingenieur und „Experte für chemische Kampfstoffe und Direktor einer Anlage zu deren Produktion in Djerf al Nadaf zu sein. Auch von mobilen Anlagen zur Produktion chemischer Kampfstoffe erzählte er.“ Wer es sagt oder was er sagte, das spielt im Grunde keine Rolle. Nützliche Idioten im Reich der „Spies and Lies“ finden sich immer, um die Wahrheit vor, während und nach Kriegen sterben zu lassen, um Massen von Menschen zu verdummen und zu verführen.

Auf der anderen Seite Aufklärer wie den damaligen Europachef der CIA Tyler Drumheller, der in auch in seinem Buch „Wie das Weiße Haus die Welt belügt“ (München, 2007) behauptet, er habe zuvor CIA-Chef George Tenet vor der Unzuverlässigkeit der Quelle gewarnt, oder namhafte Autoren des Politmagazins Kalaschnikow wie Stefan Pribnow, der unter der Überschrift „Über die kurzen Beine der Langfinger des Kapitals“ über Macht, Medien und Manipulationen im Zeitalter der Ölkriege schrieb.

„Die Performance rollt nun den Skandal wieder auf und stellt“ laut E-Mail-Einladung des Theaterdiscounters zur Premiere am 2. November 2017, 20 Uhr, „die Frage, wem wir warum Glauben schenken und wohin uns das Prinzip der Täuschung führen kann.“ Die Antwort dürfte schlicht und ergreifen ausfallen: Niemandem!

Doch weil das Theater auch in der BRD ein Theater ist, „rückt nicht zuletzt auch das Theater selbst als ein Ort des Täuschens, Manipulierens und Mutierens in den Fokus“. Mit anderen Worten: Gute Unterhaltung.




Hans Traxler

Hans Traxler erhält Sondermann-Preis für sein Lebenswerk

Frankfurt am Main, Deutschland (Kulturexpresso). Die Mitglieder des eingetragenen Vereins zur Förderung, Erforschung und Verarbeitung der Komischen Kunst und Literatur mit dem Namen Sondermann e.V., die sich der Bewahrung des Werks von Bernd Pfarr und der Förderung der Komischen Kunst widmen, verleihen ihren diesjährigen Sondermann-Preis dem in Frankfurt am Main lebenden Maler, Zeichner, Autor und Illustrator Hans Traxler, der 1929 in Böhmen geboren wurde.

Die Auszeichnung wird am 11. November 2017, dem neunundfünfzigsten Geburtstag des Künstlers Bernd Pfarr, in der Frankfurter Brotfabrik im Rahmen einer Gala verliehen und ist mit 5000 Euro Preisgeld verbunden. Dieser Preise für Komische Kunst zählt laut am 17. Oktober 2017 gemailten Pressemitteilung „zu den höchstdotierten Ehrungen, die in Deutschland in dieser Sparte vergeben werden“.

Zur Begründung heißt es, dass Traxler mit der Arbeit für die Satirezeitschriften „Pardon“ und die von ihm mitbegründete „Titanic“ … „die deutsche Satire genauso wie mit zahlreichen Buchpublikationen seit „Die Wahrheit über Hänsel und Gretel“ (1963) und seinen Magazinveröffentlichungen unter anderem für die „Zeit“ und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ geprägt habe. „Eine weitere wichtige Werkgruppe des Illustrators stellen Bilderbücher dar, darunter Klassiker des Genres wie „Fünf Hunde erben eine Million“, „Aus dem Leben der Gummibärchen“ und „Paula die Leuchtgans“. Besonders bekannt wurde die 1980 gemeinsam mit Pit Knorr entwickelte und von Traxler gezeichnete Darstellung des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl als „Birne“.




Fritz Bauer

Wanderausstellung „Fritz Bauer. Der Staatsanwalt. NS-Verbrechen vor Gericht“ erreicht das Jüdische Museum Westfalen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Wanderausstellung „Fritz Bauer. Der Staatsanwalt. NS-Verbrechen vor Gericht“ des Fritz Bauer Instituts, Geschichte und Wirkung des Holocaust in Frankfurt am Main, in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum, ebenfalls in Frankfurt am Main, und in Kooperation mit dem Thüringer Justizministerium in Erfurt macht vor dem Jüdische Museum Westfalen (JMW) in Dorsten nicht Halt. Die Ausstellung, die bereits in Frankfurt am Main, Heidelberg, Köln und Dresden gezeigt wurde, beginnt am 16. Oktober 2017, die Vernissage findet einen Tag vorher um 11 Uhr statt, und soll am 25. Februar 2018 enden.

Sie dokumentiert laut Veranstalter „die verschiedenen Lebensstationen Bauers: Kindheit und Jugend Bauers im Kaiserreich und in der Weimarer Republik sowie die Stuttgarter Jahre, auf die die Emigration nach Skandinavien folgte. Auch die Exilzeit wird umfangreich behandelt. So werden beispielsweise Dokumente der dänischen Ausländerbehörde erstmals gezeigt. Bauers Wirken in der jungen Bundesrepublik, die Beteiligung an der Ergreifung Adolf Eichmanns und der Frankfurter Ausschwitz-Prozess sind zentraler Bestandteil. Zudem soll seine Rolle als Sozialdemokrat näher beleuchtet werden und so dem Narrativ eines kämpfenden Außenseiters ein Stück entgegengewirkt werden. Mit dem bisher wenig beleuchteten Kapitel der Wiedereingliederung ehemaliger Nationalsozialisten in die bundesrepublikanische Gesellschaft zur Zeit des Kalten Krieges erforscht die Ausstellung auch den Kontakt Bauers zu der Generalstaatsanwaltschaft der DDR, die Einsicht und Austausch von Beweisdokumenten anboten. Bauer nahm als einer von wenigen Generalstaatsanwälten das Angebot an, um die juristische Aufarbeitung von NS-Verbrechen voranzubringen.“

Bauer, der als Sozialdemokrat und Jude in Hitler-Deutschland erst ausgegrenzt und dann verfolgt wurde, rettete sich in die Emigration, zunächst nach Dänemark, dann nach Schweden. Im skandinavischen Exil führte er sein politisches Engagement fort und kehrte nach Ende des Zweiten Weltkriegs nach Deutschland zurück. In der Bundesrepublik Deutschland avancierte er zu einem der bedeutendsten und juristisch einflussreichsten jüdischen Remigranten.

Dazu hält das JMW fest: „Fritz Bauer hat als Generalstaatsanwalt und Initiator des Frankfurter Auschwitz-Prozesses bundesrepublikanische Geschichte geschrieben. Im größten Nachkriegsprozess der BRD stellte er den NS-Staat in den Mittelpunkt des Verfahrens und nicht nur einzelne Straftäterinnen und Straftäter. Mit dem Frankfurter Ausschwitz-Prozess wurde das Schweigen über das unvorstellbare Leid im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und auch über den Holocaust gebrochen.

Der Gerichtssaal wurde zu einem Klassenzimmer der Nation. Die Ausstellung „Fritz Bauer. Der Staatsanwalt. NS-Verbrechen vor Gericht“ thematisiert sowohl seinen Einsatz im Ausschwitz-Prozess, die Beteiligung an der Überführung Adolf Eichmanns als auch seine eigene Lebensgeschichte, die die großen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts spiegelt. Fritz Bauer soll durch die Ausstellung einem größeren Publikum vorgestellt werden.“

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Jüdisches Museum Westfalen

Julius-Ambrunn-Straße 1, 46282 Dorsten, Telefon: 02362-951431, Web: www.jmw-dorsten.de

Öffnungszeiten: dienstag bis freitags von 10 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 17 Uhr sowie samstag, sonntags und feiertags von 14 bis 17 Uhr