Heute oder nie? Moon Suk wird ihren Salon weltreisebedingt schließen – Zu Gast: die Pianistin Sara de Ascaniis

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Moon Suk reiste 1989 zu einem Aufnahmestudium nach Deutschland, seitdem hat sie hier ein beispiellose Karriere hingelegt und das Kunst- und Musikleben entscheidend bereichert. Seit 3 Jahren ließ sie die Berliner Salonkultur wieder aufleben und zieht vervorragende junge Künstler an. Diesmal die Pianistin Sara de Ascaniis. Die Italienerin ist bei der Koreanerin zu Gast, doch Länder zählen schon lange nicht mehr in der Welt der Musik. Sprachen, ja. Sara de Ascaniis hat beim Lesen der Noten und Partituren zweifellos einen Heimvorteil, da sie als Muttersprachlerin nicht erst lernen muss, was adagio bedeutet, oder andante oder piano. Das Piano, Klavier, der Flügel ist ihr Instrument. Sie studierte in Vicenza in Venetien, das ca. 60 Kilometer nordwestlich von Venedig liegt. Die norditalienische Großstadt mit etwa 112.000 Einwohnern ist unter anderem für ihre Keramik und Musikintrumente bekannt. Andrea Palladio Renaissancebauwerke führten zur Anerkennung eines Unesco-Welterbes.

Sara de Ascaniis‘ Italien

Sara de Ascaniis Eltern sind Musiker, haben aber ihr aber alle Freiheit gelassen. Nach einer Veranstaltung wiederholte die Zweieinhalbjährige das gerade mehrfach gehörte Hauptthema am Klavier, was bei den Eltern Erstaunen auslöste und sie langsam an das Instrument heranführen ließ. Von Schulbeginn an begann dann eine zehnjährige Ausbildung. Es ist diese Freiheit und Freiwilligkeit, die Sara de Ascaniis‘ Ausdruck und Entfaltung ermöglicht gemacht hat. „Perfekte“ Pianisten, deren technische, teils seelenlose „Perfektion“ wenig lebendig und noch weniger herlich ist, deckeln einen Teil ihrer Persönlichkeit, um in einem kleinen Teilbereich bessere Ergebnisse zu erzielen. Professor Bernd Senf würde von Unterdrückung der Lebensenergie sprechen.

Qualität durch Freiheit und Freiwilligkeit

Dass Sara de Ascaniis‘ Entwicklung wunderbar und in Freiheit geschah, ist nicht anders vorstellbar. Wenn sie als Violinduo mit Julia Pérez Gámez auftritt, ist ihre Fähigkeit, ganz im Spiel zu versinken und gleichzeitig perfekt mit ihrer Partnerin zu harmonieren, voll ausgebildet. Ein Genuss, dies zu beobachten. Der Musikgenuss ergibt sich von ganz allein.

Moon Suks Verdienst, ist es immer wieder solche begnadeten Talente aufzuspüren, die doch sehr menschlich sind. Von Moon Suks Kunst und Gesang – die Sopranistin beherrscht allein 500 Stücke auswendig – wäre noch viel zu berichten.

Moon Suk setzt sich in einen VW-Bus und ist dann einfach mal weg

An dieser Stelle kurz der Hinweis, dass ihre Berliner Tage vorübergehend gezählt sind. 2018 wird sie auf eine vielleicht anderthalbjährige Weltreise gehen – in einem VW-Bus? – und unterwegs mit örtlichen Künstlern auftreten. Ein Datum der Wiederkehr wurde nicht festgelegt.

Der monatliche Salon pausiert auf unbestimmte Zeit – was das heißen kann, wissen wir vom ICC

Der monatliche Salon wird also ab Anfang der Jahres auf unbestimmte Zeit aussetzen. Die 1000 glücklichen Zuhörer ihre monatlichen Salons und diejenigen, die es bisher nicht schafften, werden wohl jetzt zum Run auf die Eintrittskarten ansetzen. Lediglich 50 werden für die Beletage in der Charlottenburger Altbauwohnung am Olivaer Platz verkauft.
Als einmal 70 Musikliebhaber Einlass begehrten, wurde es einfach zu eng.

Zu allem Guten obendrauf gibt es auch noch ein selbstzubereitetes schwäbisch-koreanisches Dinner-Büfett.

Sonntag, 15. Oktober 2017: „Musikalisches Oktoberfest“ im Salon Moon

www.salonmoon.de

www.moonsuk.de




Hossein Pishkar

Hossein Pishkar aus dem Iran gewinnt Deutschen Dirigentenpreis 2017

Berlin, Deutschland (Kulturexpesso). Dass der 1988 im Iran geborene Dirigent Hossein Pishkar den Deutschen Dirigentenpreis 2017 gewonnen hat, das kommt nicht von ungefähr. Zwar absolvierte Pishkar ein Kompositionsstudium in Teheran, reiste aber 2012 nach Deutschland, um an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf Orchesterleitung bei Prof. Rüdiger Bohn zu studieren.

In kurzer Zeit brachte er es zum Chefdirigent des Concerto Langenfeld und war dort bis 2015 Leiter. Laut „Dirigentenforum“ assistierte er „als ‚Conductor-in-Progress‘ … in der Spielzeit 2015/16 dem Chefdirigenten Daniel Raiskin beim Staatsorchester Rheinische Philharmonie in Koblenz und leitet eigene Konzerte. Eine Assistenz führte ihn 2016 zur Jungen Deutschen Philharmonie, wo er die Vorproben für Bergs ‚Lulu‘ und für die Uraufführung von Saunders ‚Still‘ übernahm. 2017 assistierte er Thomas Gabrisch bei der Produktion von Haydns ‚Die Welt auf dem Monde‘ mit Orchester und Sängern der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf und übernahm mehrere Vorstellungsdirigate.“

Der 2015 in die Förderung des Dirigentenforums aufgenommene Pishkar überzeugte als einer von zwölf Dirigenten im ersten internationalen Dirigierwettbewerb, der vom 22. bis 29. September 2017 in Köln stattfand, die Jury mit seiner Interpretation von Robert Schumanns „Manfred-Ouvertüre“ und einem Ausschnitt aus Verdis Oper „Rigoletto“. Das teilten die Organisatoren in Köln mit, denen zufolge der Deutsche Dirigentenpreis „ein vom Deutschen Musikrat in Partnerschaft mit der Kölner Philharmonie, der Oper Köln, dem Gürzenich-Orchester Köln und dem WDR-Sinfonieorchester ausgetragener internationaler Wettbewerb für junge Dirigenten“ sei.




Carpe Diem – Ewiges Leben und Sieg über den Tod! Eine experimentelle Oper beschließt die Kosmismus-Ausstellung im Haus der Kulturen der Welt

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ein Tag geschenkt, wo könnte man den besser verbringen als im Haus der Kulturen der Welt? Der 3. Oktober liegt an einem Dienstag. Nach dem ersten Besuch im Hause zum Thema Kosmismus blieb der Wunsch, tiefer zu gehen, doch ständig kam etwas dazwischen. Da endlich, der Tag der deutschen Einheit am Horizont! Nun wird’s was! Die Ausstellung „Art Without Death: Russischer Kosmismus“ ist zur Finissage sogar bis 22 Uhr geöffnet, Ausschlafen freigestellt.
Und es lockt ein von den Ideen des Russischen Kosmismus inspiriertes neues Werk mit einer digitalen Übersetzung von Klängen in visuelle Muster: Dorit Chrysler (Theremin, Sprechgesang) und Carsten Nicolai (Sampled ANS-Synthesizer) präsentieren um 20 Uhr eine Experimentaloper.

    Victory over Death!
    Победа над смертью!
    Sieg über den Tod!

Die Russische Revolution und die Entdeckungen jener Jahre ermutigten Künstler und Wissenschaftler zu Pionierarbeiten.
Dorit Chrysler und Carsten Nicolai schaffen mit verschiedenen Instrumenten, gesampelten Sounds und Bildern eine Performance, die an diese Geschichte anknüpft.

Der Erfinder Léon Theremin und das russische Saxophon

Der sowjetische Forscher Léon Theremin entwickelte das gleichnamige Instrument als eines der ersten elektronischen Instrumente überhaupt und ließ es 1928 patentieren.
Für „Sieg über den Tod!“ spielt Chrysler zwei speziell gefertigte Theremins: Die Peilantenne auf der linken Seite des Instruments kontrolliert die Lautstärke, während die aufgerichtete Antenne die Tonhöhe aussteuert. Die elektrischen Signale des Instruments werden verstärkt und an einen Lautsprecher gesendet.

Nicolai spielt gesampelte Sounds, die vom legendären ANS-Synthesizer generiert werden.
Das optoelektronische Musikinstrument ist eine Erfindung des sowjetischen Ingenieurs Evgeny Murzin (1914-1970) und nach dem Avantgardekomponisten Alexander (Nikolajewitsch) Skrjabin (A. N. S.) benannt. Der Moskauer Pianist und Komponist lebte von 1872–1915.

Exkurs: Namenkunde

Übrigens sagt niemand alle drei Teile des Namens. Man spricht man neutral von Alexander Skrjabin. Da der Familienname nicht selten ist, kann man den Vornamen dazusagen. Zudem auch Alexanders Sohn Julian (1908-1919) Pianist und Komponist wurde. Russische Musiker würden unter sich im vertrauten Ton auch von Sascha Skrjabin sprechen. Dieser Vorname ist nicht wie im Deutschen (Sascha Hehn) eigenständig, sondern ein Diminutiv von „Alexander“ wie das im Deutschen, Englischen und vielen anderen Sprachen gebräuchliche Kurzwort Alex.
Solange er lebte, wurde Skrjabin selbst mit Alexander Nikolajewitsch angesprochen (oder genannt), eine respektvolle Anrede, die nicht zu vertraut ist. Niemand hätte im Alltag Alexander Skrjabin gesagt, außer vielleicht der Polizei. Im Pass steht in Russland und Weißrussland immer „Alexander“, nie Sascha oder Alex. In der Bundesrepublik Deutschland ist das anders, hier können auch Kurzformen wie Hans, Tanja, Alex den offiziellen Rufnamen bilden. Sogar Verkleinerungsformen kommen zum Zuge, meist zum Leidwesen der Kinder.
Der in Kanada und den Vereinigten Staaten gebräuchliche Mittelname entspricht nicht dem Patronym oder Vatersnamen im Russischen.

Murzins Erfindung

Technisch basiert Murzins Erfindung auf der Methode der graphischen Tonaufzeichnung, die auch im Kino zum Einsatz kommt. Das Verfahren wurde in der Sowjetunion parallel zu ähnlichen in den USA verwendeten Systemen entwickelt. Es erlaubt das Generieren des Bildes einer Klangwelle beziehungsweise das Synthetisieren eines Klangs aus einem künstlich gezeichneten Sound-Spektrogramm. Tarkovsky-Fans werden die vom ANS erzeugten Klänge vertraut sein: Der Komponist Edward Artemiev (Eduard Artemjew), geboren 1937 in Nowosibirsk, erschuf mit diesem Synthesizer die ikonische Filmmusik zu „Solaris“ (1972).

Alexander Svyatogors „Biokosmistisches Manifest“

Dorit Chrysler wird außerdem – als Referenz an die Geschichte des „Gesamtkunstwerks“ – das 1922 vom futuristischen Dichter Alexander Svyatogor geschriebene Biokosmistische Manifest aufführen:
„Die Fragen der Unsterblichkeit und des Interplanetarismus dürfen weder unabhängig voneinander betrachtet noch automatisch miteinander verbunden werden. Beide ergeben sich aus dem jeweils anderen Phänomen und ergänzen einander. Sie konstituieren ein einheitliches, organisches Ganzes – vereint unter einem einzigen Begriff: Biokosmismus.“

Die (Klang-) Künstlerin Dorit Chrysler: Komponistin und Theremin-Spielerin

Dorit Chrysler wurde in Graz geboren und lebt in New York und Österreich. Die virtuose Theremin-Spielerin, Klangkünstlerin und Komponistin ist Mitgründerin der NY Theremin Society und Initiatorin der ersten Theremin-Akademie KidCoolThereminSchool. Für diese entwickelte sie einen eigenen Lehrplan für die frühkindliche Erziehung im Bereich elektronische Musik. Weitere neue Werke Chryslers werden demnächst bei der Ars Electronica zur Aufführung kommen, eine Auftragsarbeit wird sie beim Steirischen Herbstfestival vorstellen und im Rahmen der „Sisters Academy“ wird eine Sound Performance bei Den Frie, CPH zu hören sein. Chrysler realisierte zahlreiche künstlerische Koproduktionen, unter anderem mit Jesper Just, Phillippe Quesne, Anders Trentemøller, Cluster, Sasha Waltz und Elliot Sharp.

Carsten Nicolai aus Karl-Marx-Stadt

Carsten Nicolai aka Alva Noto ist einer der renommiertesten Künstler an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft und bekannt für seinen minimalistischen Ansatz. 1965 in Karl-Marx-Stadt (dem heutigen Chemnitz) geboren gehört er einer Generation an, die vor allem im Grenzbereich von Musik, Kunst und Wissenschaft kreativ tätig ist. Als bildender Künstler will Nicolai die Grenzen zwischen den sensorischen Wahrnehmungen des Menschen überwinden, indem er technische Phänomene wie Klang und Lichtfrequenzen für das Auge und Ohr wahrnehmbar macht. Seine Installationen sind von faszinierender Eleganz und Konsistenz und werden durch ihre minimalistische Ästhetik ausgezeichnet. Neben Teilnahmen an großen internationalen Ausstellungen wie der documenta X sowie der 49. und 50. Biennale von Venedig werden Nicolais Werke weltweit in Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert. Zu seinem künstlerischen Oeuvre zählen auch die unter dem Pseudonym Alva Noto durchgeführten Klangexperimente, die von einem prägnanten Reduktionismus begleitet unmittelbar in die Sphäre elektronischer Musik führen. Für sie entwickelt Nicolai alias Alva Noto eigene Zeichencodes, eine spezifische Akustik und visuelle Symbole.

Russischer Kosmismus – Begeisterung für Wissenschaft und Technik inklusive

Der Russische Kosmismus stand für die Forderung nach physischer Unsterblichkeit, Wiedererweckung der Toten und Reisen ins All. In seinen Lehren verbanden sich westliche Aufklärung und östliche Philosophie, russisch-orthodoxe Tradition und Marxismus, gepaart mit der Begeisterung für Wissenschaft und Technik. Die Bewegung inspirierte sowjetische Denkerinnen und Denker, fiel später der Unterdrückung durch den Stalinismus zum Opfer und ist heute nahezu vergessen.

Eine Utopie – und ein Opfer des Stalinismus

„Art Without Death: Russischer Kosmismus“ blickt auf diese verwegene Utopie und ihre Resonanzen in Kunst, Wissenschaft und Politik. Die Ausstellung verknüpft Arbeiten der russischen Avantgarde aus der Sammlung Costakis – ausgewählt von Boris Groys – mit zeitgenössischen Positionen: Filme von Anton Vidokle und eine Installation von Arseny Zhilyaev reflektieren philosophische, wissenschaftliche und künstlerische Konzepte des Russischen Kosmismus.

„Art without Death: Russischer Kosmismus“ endet mit dem Konzert Sieg über den Tod! um 22 Uhr

Art Without Death: Russischer Kosmismus ist Teil von „100 Jahre Gegenwart“ und wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Das Haus der Kulturen der Welt wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und dem Auswärtigen Amt.

Eintrittskarten: tickets@hkw.de / +49 – (0)30 – 39 78 7175, Online www.hkw.de/cosmism

Oper: 3. Oktober 2017, 20 Uhr
Ausstellung: bis 22 Uhr
Kombiticket (Konzert und Ausstellung) EUR 10/ermäßigt EUR 8

Haus der Kulturen der Welt (ehem. Kongreßhalle), John-Foster-Dulles-Allee im nördlichen Großen Tiergarten




Harfe

Der Feiertag macht’s möglich: Morgens Harfe und sax live. Das Jerusalem-Duo begleitet ökumenischen Gottesdienst in Mainz am Tag der deutschen Einheit

Berlin/ Mainz, Deutschland (Kulturexpresso). Mit dem Zweiten hätten Sie mehr gesehen (außer, Sie halten etwas zu). Doch obwohl der ökumenische Gottesdienst zum säkularen Tag der deutschen Einheit in Mainz abgehalten wird, sendet nicht das ZDF, sondern die ARD. Damit sitzen Sie wenigstens in der 1. Reihe, im Heimkino mag das gehen, im Cinemax, Cinestar oder Filmkunst 66 gilt das nicht als Vorteil. Widersprüchlich ist die Werbung, die leicht zu Antiwerbung gerieren könnte, dächte man darüber nach. Wer wirbt schon für Fern-SEHEN damit, dass er sich die Augen zuhält? Zugegeben nur eines, doch der 3D-Effekt, den viele versuchen, mit den verschiedensten Tricks und teurer Technik zu erreichen, ist automatisch – weg. Zudem könnten Blinde sich beleidigt fühlen, wenn sie jene Augen-Zuhalte-Werbung denn sehen könnten. Denn ein gutes sehendes Auge wäre für viele Sehbehinderte ein Geschenk des Himmels. Doch so, wie sich nicht nur Affen die Augen zuhalten, weil sie es nicht mit ansehen können (ursprünglich, um nichts Böses zu sehen), ruinieren junge Leute freiwillig ihr Gehör in zu lauten Discos und ihre Gesundheit mit Drogen und Alkohol.
Doch wollen wir nicht nörgeln und meckern, sondern feiern! Jene Sorte feiern, die auch ohne Bier auskommt, obschon Dr. Helmut Kohl sehr daran gelegen war, dass man den deutschen Feiertag draußen verbringen kann. Zum Beispiel auf dem Oktoberfest. Obwohl das im September stattfindet. Wenn schon der Tag der deutsche Einheit am 17. Juni wegfiel, der an den Volksaufstand 1953 erinnerte.

Harfenklänge zum Fest

Michail Gorbatschow sei Dank wurden 1990 die DDR und die BRD zu einer neuen Bundesrepublik Deutschland vereinigt, der Berliner Republik. die auf die Bonner folgte. Deutschland errang damit erstmals seit 1945 die Souveränität und konnte wieder über den eigenen Luftraum bestimmen.
Der Freude über die „Wiedervereinigung“ muss einfach Luft gemacht werden, trotz aller Häme gegen Ossis, hoher zusätzlicher Steuerbelastung der Wessis und unzufriedener Mainstreampolitiker, die nicht ganz verstehen, warum in den neuen Bundesländern und im Osten Berlins so viele die Linken und die AfD wählen.

Feiern mit Musik

Feiern also, Fête, Party. Da darf die Musik nicht fehlen. Schon früh um zehn, wenn viele noch in den Federn schlummern, spielt das Jerusalem-Duo. Allerdings kein ganzes Konzert, sondern
im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes. Warum am Tag der deutschen Einheit überhaupt ein Gottesdienst gefeiert wird, obwohl es kein Sonntag ist (gut, manche feiern auch am Samstag), sei dahingestellt. Feiern steht ja im Mittelpunkt, nicht die Kritik und der Dissens. (Mutet es nicht schon ein bisschen merkwürdig an, nachdem der Sonntag am Dienstag nur zwei Tage her sein wird und die deutsche Einheit keine religiöse Angelegenheit ist?)

Einheit

Zum Thema Vereinigung passt immerhin die Ökumene, die zeigt, dass man sich zusammenschließen kann, auch wenn man anderer Meinung ist.
Da das geteilte Deutschland kein natürlicher Zustand für ein Volk, für ein Staatsvolk war, sondern eher Machtausübung nach dem Prinzip „Divide et impera – Teile und herrsche“, können sich die Deutschen wirklich freuen.

Gründe zu feiern

Feiern kann der Souverän auch sein Wahlrecht in freier, geheimer, direkter und allgemeiner Wahl, das auch für Frauen und nicht in drei Klassen gilt.
Ein weiterer Grund zum Feiern ist die Nichtdurchführung des Morgenthau-Planes, der Wirtschaft und Kultur der Deutschen zurückgeworfen hätte. Dann schon lieber Care-Pakete und Marshallplan.
Nur ewige Nörgler können dem Morgenthau-Plan Gutes abgewinnen und Stichworte wie Selbstversorgung und „Zurück zur Natur“ ins Feld führen. Auch wenn saisonal, regional und bio zurzeit im Trend liegen.

Also: Musik!

Die Harfe zählt mit zu den festlichsten Instrumenten überhaupt; die Ehrfurcht vor ihr lässt das Gerede und Gequatsche im Publikum umgehend verstummen. Morgen früh um 10 braucht man nur den Fernseher einzuschalten, die Rundfunkgebühren sind schon bezahlt. Das 1. Programm ist bei vielen Geräten festeingestellt, man braucht dann noch nicht einmal den Programmknopf zu berühren. Derart früh am Morgen an einem Feiertag durchaus von Vorteil.

Mainzer Dom

Gespannt sein darf man auf die Akustik in Mainzer Dom. Der Hohe Dom zu Mainz ist 83einhalb Meter hoch (Höhe des Westturms: 83,50 Meter mit Wetterhahn, Höhe des Mittelschiffs 28 Meter).
Friedrich II. wurde 1212 hier durch Siegfried II. von Eppstein gekrönt (nicht der alte Fritz).

Andere Könige auch, darunter Agnes von Poitou im 11. Jahrhundert.

Das Recht zum weltlichen Herrschen ist keine Geschlechterfrage, das Wahlrecht hingegen schon. Bis ins 20. Jahrhundert, sogar in der direkten Demokratie der Schweiz, wie der wunderbare Spielfilm „DIE GÖTTLICHE ORDNUNG“ seit August diesen Jahres in Deutschland zeigt. (Als eines der letzten europäischen Länder führte die Schweiz erst 1971 das Wahlrecht für Frauen ein.)

1942, 1944 und ’45 trafen mehrere Fliegerbomben den Mainzer Dom, zerstörten Dächer, die abbrannten, und das OG des Kreuzgangs. Zum Glück blieben die Gewölbe heil und die Geschichte des Doms konnte trotz der Luftangriffe weitergehen.

1975 beging man die 1000-Jahr-Feier des Gebäudes, das nun schon 1042 Jahre steht.

Das Duo

Das Jerusalem-Duo versteht sich als eine neue Stimme in der Musikwelt, die die Grenzen der konventionellen Genres überschreitet.

Was wäre das Leben ohne Zufälle?

Frau Hila Ofek und Andre Tsirlin haben an der „Jerusalem Academy of Music and Dance“ studiert und wie viele gute Dinge im Leben ergab sich auch der erste Auftritt des Jerusalem-Duos eher zufällig.
Die Harfenistin Hila Ofek war zur Hochzeit eines Freundes eingeladen, um mit einem Flötisten zu aufzutreten, der aber leider krankheitsbedingt absagen musste.
Eine spontane, zuerst halb im Scherz gemeinte Idee, dass André den Flötisten ersetzen könnte, wurde in die Tat umgesetzt.

„Flöte oder Saxophon – egal!“

„Die Leute interessiert nicht, ob es eine Flöte oder Saxophon ist, sie kümmern sich nur um die Musik“, sagte die Mutter der Braut.
Es kam, wie es kommen sollte, die Aufführung war ein großer Erfolg und ein Kompliment das häufig gemacht wurde, war, dass die Kombination der beiden Instrumente so natürlich und melodisch klingt und nichts vermissen lässt.

Selten gehörte Kombination

Im Zusammentreffen eines der ältesten mit einem der jüngsten Instrumente der Musikgeschichte eröffnete sich ein bislang selten gehörtes Klangerlebnis.
„Die individuellen Klangfarben des Jerusalem-Duos auf ihren so sehr unterschiedlichen Instrumenten macht es manchmal fast unmöglich, zu erkennen, welches der Instrumente spielt“, meinte Florance Sitruck, ehemalige künstlerische Leiterin des Internationalen israelischen Harfenwettbewerbs.

Nach ihrer ersten gemeinsamen Auftritten konzertierte das „Jerusalem-Duo“ in zahlreichen Städten Europas und Israels, nahm an wichtigen Festivals teil, erhielt prestigeträchtige Stipendien wie Live Musik Now in Frankfurt und gewann mehrere Wettbewerbe wie zum Beispiel den 3. Internationalen TEREM-CROSSOVER-Wettbewerb in St. Petersburg.

Auftritte mit Giora Feidman

Darüber hinaus arbeiteten sie bereits erfolgreich mit so renommierten Künstlern wie Giora Feidman zusammen. Auf seiner Tournee im Januar waren die beiden die „special guests“ und traten im Dom auf, in Wesel und Ratzeburg, sowie in der Heilig-Kreuz-Kirche Augsburg, der Friedenskirche in Ludwigsburg und der Martinikirche in Siegen, aber auch an weltlichen Orten wie dem Rossini-Saal in Bad Kissingen und der Stadthalle in Biberach an der Riß.
Mainz wurde auf der Januar-Rundreise nicht angesteuert, aber jetzt.

Am 3.10.2017 um 10 Uhr übertragen ARD und SWR live den ökumenischen Gottesdienst aus dem Hohen Dom zu Mainz, als offizielle Feierlichkeit zum Tag der Deutschen Einheit – musikalisch umrahmt vom Jerusalem-Duo.

Das Jerusalem-Duo:
Hila Ofek, Harfe
Andre Tsirlin, Saxophon




Jung, frisch, philharmonisch und klassisch. Ostseeklänge: Carl Nielsen, Sergej Prokofjew und Kaija Saariaho im Konzerthaus Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Werke von Saariaho, Prokofjew, Nielsen, so steht es auf der Eintrittskarte. Wer Sergej Prokofjew nicht kennt, für den war es höchste Eisenbahn und das Konzert ein Muss. Nielsen klingt zumindest nicht unbekannt, aber wer ist dieser Saariaho? Sprachkenntnisse sagen einem: Ein Finne. Vielleicht hilft das Programmheft weiter, dass am Eingang käuflich zu erwerben ist. Gleich zu Beginn steht im Programm unter „Programm“: Kaija Saariaho (geb. 1952), LATERNA MAGICA für Orchester. Erleichtert nimmt man das Geburtsdatum aus der Zeit der Koreakriegs zur Kenntnis. Nichts, dass man hätte kennen müssen. „Laterna Magica“ sagt einem schon eher etwas, aber Kaija? Wieder stößt man an die sanfte Wand der eigenen Unkenntnis.
Saariaho heißt mit vollem Namen Kaija Anneli Saariaho Der finnische Komponist ist eine Frau. Sie wurde am 14. Oktober 1952 in Helsinki geboren. Mit anderen Worten: In gut zwei Wochen feiert sie ihren 65. Geburtstag und ein Geschenk hat die Komponistin sicher: Dass ihre Musik im altehrwürdigen Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte gespielt wurde, an einem ruhigen, noch angenehm spätsommerlich-frühherbstlich warmen Abend. Dunkel genug, um ins Konzert zu gehen, warm genug, um nach dem Musikgenuss noch ein paar Bushaltestellen weit zu Fuß zu gehen, oder U-Bahnhöfe. Denn wer wollte sich nach einer so exquisiten Entspannung, die einem exzellente Musiker bescherten, schon in der deutschen Hauptstadt hinter das Steuer des eigenen Wagens setzen? Zudem man vorher lange einen Parkplatz hätte suchen müssen oder das Parkhaus für mehrere Stunden bezahlen.

Die jungen Musiker und Musikerinnen auf der Bühne haben alles, was ihre hauptberuflich tätigen Kollegen auch haben, außer vielleicht einen Tick Enthusiasmus und Begeisterung mehr, und vor allem fehlt ihnen manches, das als Fehlendes zur Tugend zählt.
Ihnen fehlt zwar wohl kaum der Ehrgeiz, doch vermutlich die Überheblichkeit, Hochnäsigkeit, die Starallüren, die Routine samt aller ihrer Nachteile, und auch das Ego scheint nch nicht so groß zu sein. Stattdessen spürt man bis in den Zuschauerraum hinein Freundschaft und Harmonie. Philharmonie.

64 Jahre, für eine Komponistin ist das wenig. Dirigent Jukka-Pekka Saraste, der bei der Stückauswahl naturgemäß ein Wörtchen mitreden konnte, hat die fast gleichaltrige Saariaho zurecht mit gepusht. Wäre Bach ein Unbekannter gewesen, hätte Karajan ihn trotzdem spielen müssen. Herbert von Karajan ist zugegeben Österreicher, doch das tut nichts zur Sache.
Übrigens: nebenbei gesagt ist Jukka-Pekka zwar ein eindeutig finnischer, doch kein seltener Name. Noch nicht einmal ein Name, an dem man das Geburtsjahrzehnt ablesen könnte, so wie bei dem in Deutschland den Namen Claudia zu Sarastes Geburtsjahr 1956 plus minus ein paar Jahre als typisch zuordnen kann.
Valkeapää, der Regisseur von Muukalainen (Der Besucher) und anderen Filmen, die einige Preise einheimsten und u.a. in Venedig zu sehen waren, ist Jahrgang 1977 und trägt denselben Vornamen.
Saraste wählte Saariaho nicht, weil sie etwa aus demselben Ort stammten. In China wäre eine derartige Solidarität normal.
Saraste wurde in der 20.000-Einwohner-Kleinstadt Heinola geboren. Die liegt zwar auch in Südfinnland, aber in der Nähe von Lahti und fast 140 Kilometer von der Hauptstadt Suomis entfernt.

Eine berechtigte Frage wäre, warum der Dirigent hier so eng mit der Jungen Deutschen Philharmonie zusammenarbeitet. In dem Zusammenhang ist es vielleicht gut zu wissen, dass er nicht nur Künstlerischer Leiter des Sibelius-Festivals in Lahti ist, 30 Kilometer von Heinola entfernt, sondern seit Beginn der Saison 2010/2011 Chefdirigent des WDR-Sinfonieorchesters Köln ist (bis mindestens 2019).

Zeitgenössische Musik lag ihm schon früh am Herzen. 1983 gründete er mit Esa-Pekka Salonen das Avanti Chamber Orchestra vor allem für genau diese Musik.

Dabei ist das kein Rückzugsort, keine Nische.

Sarastes Karriere kann sich sehen lassen. Nicht nur in Oslo war er der Hauptdirigent. Es scheint fast, als hätte er eine Vorliebe für Orte mit Os: Orchester in London leitete er ebenso wie das Toronto und Boston Symphony Orchestra. Doch er war auch in Mailand und Dresden, um nur einige herausragende Stationen zu nennen.

Auch der Name Carl Nielsen taucht in Sarastes Wirken zentral auf: Die Schallplattenaufnahmen des Dirigenten umfassen Gesamtaufnahmen der Sinfonien von Jean Sibelius, um den man in Finnland nicht herumkommt und Carl Nielsens (1865-1931). Der Däne aus Fünen starb in Kopenhagen. Im Konzerthaus hörte man nach der Pause die 4. op. 29 („Das Unauslöschliche“). Ein schöner Titel. Die Sätze: Allegro – poco allegretto – poco adagio quasi andante und letztlich wieder Allegro.

Für die Jugend auf der Bühne zweifellos geeignet. An einzelnen Stellen hatte man wirklich das Gefühl, dass der handwerkliche Aspekt des Musizierens, die Arbeit, hervortrat, so schnell fast sägeartig huschte der Bogen über die verschiedenen Saiteninstrumente.

Apropos: Ein schöne Geste des Dirigenten zum Schluss, als er nach dem Empfang der Blumen diese sogleich und entschlossen an eine hervorragende Bratschistin weiterreichte.

Von Sergej Prokofjew mit dem scharfen ‚S‘ wurde das Konzert für Klavier und Orchester Nr.3 gegeben (in C-Dur op.26). Warum Ostseemusik? Nun, nachdem das Zarenreich vor Jahrhunderten Schweden als europäische Großmacht besiegt hatte (Schweden gehörten und anderem Teile Norddeutschlands, so auf der Insel Rügen), war ein Zugang zum baltischen Meer geschaffen worden. Sehr wichtig für den „Mann mit den zugenähten Ärmeln“ wie das Riesenreich aufgrund des Mangels an eisfreien Überseehäfen genannt wurde.
Sogleich wurde St. Petersburg dort an der östlichsten Ostsee gebaut, Keimzelle zunächst die Haseninsel in der Newa, nach abgeschlossenem Städtebau wurde die Metropole zur Hauptstadt des gesamten Reiches bestimmt, obwohl ganz am Westrand gelegen. Prokofjew selbst stammt aus Bachmut in der Oblast Donezk, die eher am Asowschen und Schwarzen Meer liegt, und starb in Moskau. Der russische Komponist war auch ein brillanter Pianist. Prompt muss also ein Solist am Flügel Platz nehmen; in Berlin Nikolai Lugansky. Dieser angenehme Zeitgenosse mit dem Lächeln im Gesicht legte sich am Klavier mächtig ins Zeug und interpretierte Prokofjew angemessen. Viel Energie konnte man in die Pause mitnehmen. Ganz sicher ein, wenn nicht der Höhepunkt des Abends.

Lugansky, der Moskauer mit dem absoluten Gehör, arbeitete schon mit Neeme und Paavo Järvi, Kurt Masur und Kent Nagano zusammen, unter vielen anderen.

Stellvertretend für viele andere sehr gute Musiker im Orchester sei hier wenigstens ein Name genannt: Caroline Fischbeck. Die Violonistin ist in ihren Zwanzigern und hört wohl seit der Geburt Musik. Auch ihr Vater ist, vor allem in Halle, als Konzertmusiker tätig. Manchen wird es eben in die Wiege gelegt, was nicht bedeutet, dass der Fleiß fehlen darf.




Gute Musik und offene Ohren. OPEN HOUSE in der Heilig-Kreuz-Kirche mit den „Different Voices of Berlin“ und Jocelyn B. Smith

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Geht es um die Musik? Das Essen? Das gemeinsame Erleben? Am 16. 9. zur Prime Time – Samstagabend um 20 Uhr – gibt es ein tolles Event an einem zentralen Ort in Berlin, der bereits in vielen Konzerten seine gute Akustik bewiesen hat: Der Heilig-Kreuz-Kirche Zossener Straße am Blücherplatz neben der AGB am Halleschen Tor. Der Zentralbau mit der Spirale im Boden ermöglicht das Zuschauen und -hören nicht nur frontal, sondern auch von oben und seitlich; viele Nischen bieten Platz für ein Café, einen Büchertisch, gute Gespräche und vieles mehr.
Die Jazz-, Blues-, Gospel- & Spiritual- und ichweißnichtwasnoch-Sängerin Jocelyn B. Smith aus New York braucht man kaum noch vorzustellen. Die Königin der Löwen sang sich am Brandenburger Tor in die Herzen der Deutschen und ist immer wieder mal on tour – allein, mit Volker Schlott oder anderen. Sie singt so, dass vielen der Mund offensteht, spielt am Flügel, schreibt selbst ihre Lieder, arrangiert und und und. Die Chöre 4bridges und „Different Voices of Berlin“ gründete sie nach 2000, über „Körper Geist Seele“ suchte sie damals Mitglieder. Letztlich möchte sie Gutes tun, mit ihrer Stimme, ihrem Wirken, ihrem Einfluss, zum Beispiel beim Kampf gegen Landminen, die weltweit viele spielende Kinder verstümmelten.

Der integrative Chor „Different Voices of Berlin“ stand nicht nur beim Karneval der Kulturen und in Kirchen auf der Bühne, auch beim Fernsehgottesdienst, sondern auch zum Beispiel vor Bundesministerin Ursula von der Leyen. Wohnungslose und Wohnungsbesitzer dürfen mitsingen, Arme und Reiche.

Am Samstag ist der Eintritt frei, es darf aber gespendet werden. Die Spenden gehen zugunsten des Zentrums Gitschiner 15, benannt nach der Hausnummer in der Gitschiner Straße an der Hochbahn der U1. Malen und Musik machen kann dort auch der, der sich Leinwände und Farben oder Musikinstrumente und den Unterricht nicht leisten kann. Schön auch der Untertitel: „Zentrum für Gesundheit und Kultur …“, etwas Positives steht im Vordergrund, die Anti-Haltung kommt erst danach: Zentrum gegen Ausgrenzung und Armut.

Zum Teil selbstgeschriebenes Repertoire

Musikalisch wird schon mal der eine oder andere Gassenhauer vorgetragen, der gute Laune bringt.
„Von Geburt an beginnt das Erlebnis …“, so beginnt „Der ewige Kreis“, ein Song aus dem Hamburger Musical „König der Löwen“. Different Voices ist der erste Chor, der das Lied singen durfte.
Auch Lieder von Jocelyn B. Smith durften mitunter vorgetragen werden, doch baut der Chor urheberrechtsmäßig sicher sein Repertoire aus: Bereits mehrere Lieder wurden selbstgeschrieben. Wer weiß, ob dieses Mal wieder etwas Neues auf dem Programm steht.

Auf jeden Fall musikalisch ein Genuss; dass leibliche Leckerbissen auch serviert werden sollen, wäre eigentlich gar nicht nötig gewesen, aber tut doppelt gut, wenn auch Gäste da sind, die sich wieder einmal richtig satt essen können.
Und offene Ohren haben bestimmt nicht nur die Zuhörer, sondern auch die Leute vor Ort.

Als Gast ist die Sängerin Johanna Amelie mit Gitarre angekündigt.

Eine gute Veranstaltung zur richtigen Zeit. Am Ende der warmen Jahreszeit droht die kalte und vorsorgen ist besser als frieren lassen.

Wer ausschließlich aus musikalischen Gründen kommt, wird trotzdem auf seine Kosten kommen, dafür haben der Chor und seine Leiterin Jocelyn B. Smith bisher immer gesorgt.




Cameron Carpenter

Cameron Carpenter spielt auf seiner digitalen International Touring Organ selbsttranskribierte Werke von Johann Sebastian Bach und Gustav Mahler

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der US-amerikanischer Organist und Komponist Cameron Carpenter eröffnet am Freitag, den 8. September 2017, um 20 Uhr, die Saison 2017/18 im Großen Saal im Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt.

Im ersten Teil des Eröffnungskonzerts spielt der neue Artist in Residence am Konzerthaus Cameron Carpenter auf seiner digitalen International Touring Organ selbsttranskribierte Werke von Johann Sebastian Bach und Gustav Mahler.

Letzterer steht auch nach der Pause auf dem Programm. Dann leitet Chefdirigent Iván Fischer das Konzerthausorchester mit dessen fünfter Sinfonie. Das wird bestimmt ein famoser Freitagabend. Vormerken!




Felix Meyer, ein Deutsch singender Liedermacher – Nachdenklich-bedeutungsgeladenen Gesang und gesellschaftskritisch-romantische Lieder „von Engeln und Schweinen“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). „Kann man diese Welt ernst nehmen“, fragt Felix Meyer in seinem Debütalbum „Von Engeln und Schweinen“.

„Zum Schluss“ am Anfang einer CD mit einem Dutzend Liedern in deutscher Sprache. Und das ist gut so. „Man braucht niemand anderen, um einsam zu sein“, singt Felix Meyer über „Gefühle, wie geschaffen für die Welt, aus der es kam“. „Eine Tür zugezogen, eine andere aufgemacht“, das passt zu Felix Meyer, der mit seiner Band nicht nur durch die Berliner Republik tourt, sondern durch die weite Welt und dort, wo er Lust hat oder eingeladen wird, musiziert.

„Nach dem Zeitgeist die Uhr stellen, den Kopf in den Wolken“ und so weiter. Dass im „Nebel betrachtet alles eins ist“, das kann man verstehen und doch dazu tanzen und „unbemerkt umdrehen“. „Wer Argumente hat, braucht keinen Waffenschein, und wer Waffen hat kein Monopol, wer Monopole hat vielleicht gar nichts mehr, keine Wünsche und nichts zu verzollen“. Nein, wer hinhört, der träumt nicht. Der tanzt. Und was nützt dem Tänzer die Revolution, wenn er nicht tanzen kann.

In „Antworten, Erfahrungen“ macht „ein Clown aus Spaß einen Poltergeist nass, der im daraufhin einen Hasen gebiert“ und ein alter Mann ist in ein Buch vertieft „Wie werde ich in 48 Stunden Millionär“. Das alles und noch viel mehr sind Alltagserlebnisse, Geselschaftserfahrungen, teilnehmende Beobachtungen auf der Straße, dem Ort proletarischer Öffentlichkeit, aber die Kritik von Felix Meyer richtet sich nicht nur an die da unten, sondern auch gegen die bürgerliche Öffentlichkeit: „Die Glotze scheint immer eine Dummheit voraus.“ Meyers Antwort auf „den Rummelplatz der stählernen Herzlichkeit“ ist einfach, gesungen und gesellschaftskritisch: „Weil wir arbeiten, während ihr nur kassiert.“

In „Die Corrida“ dreht sich das Lied um „diese alberne Tänzerin“, die Frau vom Torero, die „ich wohl bekommen werde“. „Kann man diese Welt ernst nehmen?“ Die Frage reicht. Die Melodie? Wunderbar andalusisch. Wörter, Sätze sind Felix Meyer in diesem Lied auch in der spanischen Sprache.

„Hilflosigkeit mystischer Wesen“ zeigt die liebevoll romantische Seite von Felix Meyer, der zwar ein junger Mann ist und wie ein schmales Hemd auf der Straßen und Konzertbühnen der Städte steht, aber reif rüberkommt.

In dem Stück „Der reichste Mann“ fragt er nicht nur danach, was ein Mann davon habe, „der Reichste auf dem Friedhof zu sein“.

Auch in „Nordwind“, bei dem man nicht weiß, wo er die Kraft hernimmt, ist der Tenor traurig. „Alles geht immer weiter“ und „nur die Zeit bleibt immer gleich“. Immer dieses „Königreich von Fragen, was morgen sein soll“. Nein, sagen, nicht wollen, was ist, das reicht – keine Frage – für die Revolution. Toller Text und tolle Tonfolge.

Das achte Lied trägt den Titel „Von Engeln und Schweinen“ und dient der CD als Überschrift, als Klammer dieses CD-Konzerts. „Nicht die Lösung ist unser Problem“, so kann man das singen und neben ad hominem Humor beweisen. Trocken und taff.

„Selbstverliebte Illusionen“ platzen in „Mehr“, in dem das höher, schneller und eben mehr wird. Felix Meyer: „Und eben doppelt so leer … und eben auch kein Wunder, wenn sich keiner mehr wert.“ Wenn alle angesichts der Zustände, die der Aufstände wert wären, auf den Sturm warten, dann, ja, dann bricht er nicht los.

„Der Wind trägt uns davon“ ist gecovert und von Francis Cabrel („Le vent nous portera“). Übrigens ist auch Das Lied „Die Corrida“ gecovert. Das Stück stammt von Noir Désir.

Früher mal gelebt“ und Kaffee an`s Bett“ beendet eine CD, bei dem die Mischung aus Lied und Gesang ein Dutzend mal eine gute ist. Dazu tragen neben Felix Meyer (Gesangt) die Musiker Olaf Niebuhr (Gitarre, Banjo), Sebastian Brand (Kontrabass, Bass), Niklas Neßelhut (Schlagzeug, Percussion), Erik Manouz (Gitarre, Percussion) und Benjamin Albrecht (Akkordeon, Orgel) bravourös bei. Felix Meyer und Band bringen nachdenklichen-bedeutungsgeladenen Gesang und gesellschaftskritisch-romantische Lieder „von Engeln und Schweinen“ rockig-popig auf die Bühne und auf die Straße. Ins Leben, wo sie hingehört.

Danke hier und heute noch einmal für ein schönes Konzert vor Jahren in Freiburg mit Melodien für einen melancholischen Moment. Euer Beifall!

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Felix Meyer. Von Engeln und Schweinen. Debütalbum, 12 Lieder. Laufzeit: 41,20 Minuten, Produzent: Peter Hoffmann, Label: HoPla-reloaded, Web: felixmeyer.eu




Das Festival Pop-Kultur und Der Boykott gegen die Besatzung

Berin, Deuschland (Kulturexpresso). Seit 50 Jahren unterwirft Israel das palästinensischen Volk. Schlimm. Dass Palästinenser oder Männer und Frauen aus den Brudervölkern nicht mit Israelis an einem Musikfestival teilnehmen wollen, das finden einige schlimmer.

Klaus Lederer, ein linker Lump, der vom Rostkehlchen über Quasselbuden des Kapitals bis in Staatsdienste flatterte, erklärt zum Fernbleiben arabischer Musiker vom Festival „Pop-Kultur“, dass er den Boykott „widerlich“ findet und enttäuscht sei, wenn „Boykottaufrufe, Unwahrheiten und – anders kann ich es nicht nennen – Hass die Vorbereitungen auf das Festival beeinträchtigen.“

Widerlich ist nicht nur Lederer, widerlich ist die seit 50 Jahren währende Unterwerfung des palästinensischen Volkes von und mit Israel.

Ein Boykott ist ein legitimes Mittel im Spannungsbogen von Protest und Widerstand, der diesen nicht spannt, weswegen Israel weder politisch noch wirtschaft nennenswerten Schaden zugefügt wird.

Auch dem Festival mit dem Titel „Pop-Kultur“, das vom 23. bis 25. August in Berlin stattfinden, wird kein wesentlicher politischer oder wirtschaftlicher Schaden zugefügt, nur weil die vom Veranstalter als Nichtteilnehmenwerder genannten Abu Hajar, Annie Goh, Emel Mathlouthi, Hello Psychaleppo, Iklan featuring Law Holt, Islam Chipsy & EEK, Oranssi Pazuzu und Young Fathers nicht kommen wollen und spielen wollen, damit andere tanzen können.

Schaden fügen sich die Veranstalter, die – nebenbei bemerkt – lächerliche 500 Euro von der Israelische Botschaft in Berlin erhielten, mit ihrer „Statement“ genannten Stellungnahmen vom 17. August 2017, in denen von einem „totalen Boykott“ geschrieben wird, selber zu.

Doch davon werden vermutlich weder Omar al-Barghouti, der palästinensischen Organisator von BDS, noch Marwan al-Barghouti, der in Israel zu mehrmals lebenslänglich verurteilt worden ist, weil er die Fatah-Jugendbewegung leitete, je erfahren. Zu Belanglos ist das Berliner Blabla und Trallala.

Omar, der Student der Universität von Tel Aviv war, will, dass alle Palästinenser, die zurückkehren wollen, zurückkehren können. Er will Freiheit und Gleichheit für die Palästinenser in Palästina. Dass das ein Ende der Besatzung bedeutet und Schluss mit der Unterdrückung sein muss, das ist klar. Dass zu einem palästinensischen Staat auch Frieden mit dem Feind und also ein Friedensvertrag mit dem israelischen Staat gehört, das vergisst der Gute gerne.

Wie dem auch sei, bei BDS kann seit 2005 jeder mitmachen oder es lassen. BDS wird es weder schaffen, Israel politisch, wirtschaftlich noch kulturell „zu isolieren“, wie manche Lohn- und Freizeitschreiber zu behaupten wagen.

Jeder kann auf seine Weise, alleine oder gemeinsam mehr oder weniger Boykott gegen die Besatzung wagen.

Was anfangs Wunsch und Wille war, dass nämlich durch BDS die israelische Öffentlichkeit klar zwischen israelischen Waren und denen aus den Siedlungen in den besetzten Gebieten unterscheiden könne, das hat längst eine Weltöffentlichkeit erreicht. Und das ist gut so.

Doch das Boykotteure und solche, die es werden wollen, den Staat Israel als solchen ächten und ihren Boykott als ein legitimes und legales politisches Mittel nicht auf die besetzten Gebiete beschränken, das ist ein strategischer Fehler. Die BDS-Bewegung hat weitere und falsche Freunde obendrein. Das widerspricht aber nicht dem Boykott gegen die Besatzung.

Wenn Lederer immerhin diesen einen Fehler kritisieren würde und ansonsten wie angeblich alle anderen den Kopf über den Boykott des Pop-Kultur-Festivals schütteln würde, dann läge er einmal richtig.

Das reicht wie Waren und Dienste aus den Siedlungen in der Westbank, dem Gazastreifens und den Golanhöhen nicht zu kaufen, wie meine Wenigkeit. Zudem sind viele Produkte aus dem anderen Israel gut genug und besser. Vor allem die Leistungen von Winzern und ihre Weine. Eine Wonne. Von vielen Musikern und sonstigen Künstler ganz zu schweigen!

Darauf eine Flasche vom Weingut Tishbi, deren tolle Trauben von den Weinbergen im Anbaugebiet Zichron Yaakov am Fuß des Carmel-Gebirges stammen, bei einer Hand voll prachtvoller Platten des 1955 in Haifa geborenen David Broza. Das allein schon ist besser als jedes Pop-Kultur-Festival in Berlin. Wohlsein!




Violine

Violinvirtuose Walter Levin ist tot

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der am 6. Dezember 1924 in Berlin geborene Violinvirtuose Walter Levin ist tot. Er starb im Alter von 92 Jahren am 4. August 2017 in Chicago.

Zum Schluss galt Levin, der 1938 nach Palästina auswanderte, als US-amerikanischer Violinist und Quartett-Spieler deutsch-jüdischer Herkunft. 1949 gründete Levin, der in Tel Aviv von Peter Gradenwitz in die mittlerweile in den USA lebte, in New York das „LaSalle-Quartett“, das sich kurz vor dem Fall der Berliner Mauer auflöste.

Nach dem Mauerfall kam Walter Levin häufiger nach Berlin. 2009 feierte er bei einem Gipfeltreffen der Streichquartette seinen 85. Geburtstag.