Jocelyn B. Smith, Otto Waalkes und 27 andere. Bundespräsident ehrt Kulturschaffende mit Bundesverdienstkreuz

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Bundesverdienstkreuz verbindet sie. Jocelyn B. Smith ist neben Otto und Hans Zimmer wohl unter den bekannteren, doch darum geht es nicht. Die 29 Geehrten sind aus vielen Bereichen der Kultur.

Unterstützt Bildung und Kultur, wie die Vermittlung des ABC: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im September 2018 im Garten seines Amtssitzes. © Foto/BU : Andreas Hagemoser, 2018

Am 3. Oktober war der Tag der Deutschen Einheit, am Vorabend ehrte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier knapp drei Dutzend Persönlichkeiten bei einem Gala-Diner im Schloss Bellevue, dem Hauptstadt-Sitz des Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland.

Bewusst wurden Menschen ausgewählt, die sich mit Kultur und Bildung beschäftigen oder durch ihre Tätigkeit darunter fallen. Also alles Leute, die im Kulturexpresso stehen könnten. 16 Männer, der Rest Frauen. Rest ganz wertneutral gemeint, klar.

Bundesverdienstkreuz für Jocelyn B. Smith

Die Sängerin, Musikerin, Pianistin, Singer-Songwriterin, Jazzerin, Charity-Queen und und und … ist nicht für die Anzahl ihrer herausgebrachten CDs ausgezeichnet worden. Nicht für ihre Arbeit mit Kindern. Sie setzte sich vor der Landminen-Ächtungs-Konferenz in Norwegen für die Verbannung dieser furchtbaren, erschreckenden Krieggeräte ein, die noch lange, manchmal jahrzehntelang im Boden bleiben. Kaum Militär, sondern vor allem Kinder sind dann betroffen und verlieren Beine oder Leben. Im „günstigen“ Fall werden sie lebenslang zu Sozialhilfeempfängern; ein furchtbares Los.

Hier ist sie – Here I am. Jocelyn B. Smith und Volker Schlott im Ernst-Reuter-Saal in Berlin-Reinickendorf

Gute Musik und offene Ohren. OPEN HOUSE in der Heilig-Kreuz-Kirche mit den „Different Voices of Berlin“ und Jocelyn B. Smith

„Shine a Light“ und viele andere Aktivitäten initiierte Jocelyn B. Smith oder nahm daran teil. Doch dem Vernehmen nach wurde ihr am 2. Oktober 2018 das Bundesverdienstkreuz für ihre langjährige Arbeit mit den Different Voices of Berlin verliehen. Einem integrativen Chorprojekt, das aktuell im Theaterstück „Auf der Straße“ im Kleinen Haus des Berliner Ensembles mitwirkt (nächste Termine um den 28.10.). Der Chor sang schon vor Bundesministern der Justiz, Arbeit und anderen. So vor der vielleicht-Kanzlernachfolgerin von der Leyen, als sie andere Ressorts bekleidete.

Im Theater. Jocelyn B. Smith mit Different Voices of Berlin im Brecht-Theater Berliner Ensemble

Bundesverdienstkreuz auch für 28 weitere Kulturleute

Der Tagesspiegel stellt Filmemacherin Caroline Link heraus https://www.tagesspiegel.de/kultur/tag-der-deutschen-einheit-bundespraesident-ehrt-29-kulturschaffende/23095084.html und Rainald Goetz. Filmkomponist Hans Zimmer, in seiner Branche neben Elfman und wenigen anderen ein ganz großer Name, gehört auch zu dem erlauchten Kreis.
Kulturexpresso berichtete über ihn.

Zimmer im Konzertsaal – Komponist Hans Z. tritt live an Gitarre und Keyboard mit seiner Filmmusik auf zusammen mit Band, Chor, Orchester und Lebo M


Selten vor der Kamera, aber wichtig: Synchronsprecher Christian Brückner. Verwandtschaft mit Autor Peter Brückner war vor Redaktionsschluss nicht zu klären.

Auch aus dem Bereich Film ist die tolle Schauspielerin Julia Jentsch.
Thomas Ostermeier ist Chef der Schaubühne. Bei weitem nicht nur Deutsche wurden ausgezeichnet. François Ozon ist Franzose, man denke bei Filmen unter anderem an deutsch-französische Ko-Produktion „Frantz“.

Im Alphabet noch nach Zimmer ist Tabea Zimmermann, die Bratsche spielt.
Auch Annette Humpe ist genau wie Jocelyn B. Smith und Frau Zimmermann Musikerin.
Damit sind vielleicht die meisten unter den ausgezeichneten Frauen der Musik verpflichtet.

Zwei Übersetzerinnen erhielten das Verdienstkreuz, Larissa Bender und Anne Birkenhauer-Molad; Barbara Vinken (München) ist Literaturwissenschaftlerin.

Jim Rakete ist Porträtfotograf; Kathrin Ollroge und Wolfgang Tillmans sind „Fotokünstler“.

Neo Rauch ist Maler, Martin Schläpfer Choreograph.

Be van Vark Tanzpädagogin.

Chemiker und Köche, könnte man denken, hatten die Kreuz-Vergeber nicht im Köcher. Doch Ulrich S. Schubert ist Chemiker, er gründete 1994 die Internationale Junge Orchesterakademie und organisiert Wohltätigkeit.

Christian Bau ist Koch aus dem Saarland. Das erinnert mich an den Witz, wie sich in der Bahn zwei Reisende vorstellen: „Ich bin Pfarrer aus Passau“, sagt der eine. Der andere erwidert: „Ich bin Lüneburger Heide.“




Charles-Aznavour

Charles Aznavour – „La Mamma“

Paris, Frankreich (Kulturexpresso). Am Samstag, den 6. Oktober 2018, nahmen in einer armenischen Kathedrale in Paris Freunde und Angehörige des Welt- und Chanson-Stars Charles Aznavour, der am 1. Oktober 2018 im südfranzösischen Mouriè starb, unter Ausschluss der Öffentlichkeit Abschied.

Anschließend wurde der Sarg in der Familiengruft in Montfort-l’Amaury bei Paris beigesetzt und der Friedhof für die Öffentlichkeit geöffnet.

Das offizielle Frankreich verabschiedete sich bereits am Freitag mit einer nationalen Trauerfeier am Invalidendom von Aznavour. Ob das dem Chansonnier der kleinen Leute, der vom neunten bis zum 90. Lebensjahr auf der Bühne stand, gefallen hätte?

In Armenien wurden für den „Armenier“ Aznavourian die Flaggen auf Halbmast gesetzt.

Das Lied „La Mamma“ von Charles Aznavour wurde 1962 erstmals aufgenommen und dann wieder und wieder. Aznavour, für den der Durchbruch 1960 nach einer Begegnung mit Edith Piaf kam, schrieb das Lied mit dem französischen Lyriker Robert Gall. Im Februar 1964 war „La Mamma“ (dt. „Die Mama“) der Hit in Frankreich. Das Lied wurde in viele Sprachen übersetzt und in vielen Ländern gesungen.




Charles-Aznavour

„For me formidable“ von Charles Aznavour

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Eines der Chansons von Charles Aznavour, das richtig rostig klingt und bei dem der Sand schmirgelt, ist das Lied „For me formidable“, das er 1964 in Zurück sang und von Radio Télévision Suisse aufgezeichnet wurde.

Das Besondere dabei sind die zwei Versionen, die er vortrug. Irre? Aznavour!

http://www.spiegel.de/kultur/musik/charles-aznavour-ist-tot-hier-sind-sechs-seiner-unvergessenen-chansons-a-1231048.html

Spätere Aufnahmen desselben Liedes des armenisch-französischer Chansonnier, von dem fast 200 Millionen Platten weltweit verkauft wurden, sind auf Youtube zu finden.




Charles-Aznavour

Das weltberühmte Chanson ist „La Bohème“ von Charles Aznavour

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ein weiteres weltberühmtes Chanson von Charles Aznavour ist „La Bohème“.

Der Künstler, der im Pariser Studentenviertel Quartier Latin in armen Verhältnissen zur Welt kam singt über seine Zeit in der Szene im Pariser Montmartre-Viertel, dem Viertel auf dem Märtyrerhügel. Die Dörfer Montmartre, La Chapelle und Clignancourt wurden nach Paris eingemeindet und somit entstand 1860 der 18. Arrondissement von 20 Pariser Stadtbezirken. Es liegt rechts der Seine im Norden der Innenstadt.

Aznavour hatte auch auf dem Märtyrerhügel keine Moneten, wie die meister seiner Bewohner. Man aß zwar nur alle zwei Tage, wie er meinte, aber man war eben jung und verrückt. Auf Deutsch sang unter anderem Hildegard Knef den Song.




Charles-Aznavour

Charles Aznavour mit dem Klassiker „Hier encore“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der armenisch-französischer Chansonnier, Liedtexter, Komponist und Filmschauspieler, der auf den Namen Charles Aznavour hörte, sang auch „Hier encore“.

Dieser Klassiker stammt aus dem Jahr 1964 nach unserer Zeitrechnung und der ständige Vertreter Armeniens bei den Vereinten Nationen in Genf blickt darin aufs Leben zurück. Gerade noch sei der 1924 in Paris geborene Zwanzig gewesen, habe die Zeit mit lauter selbstsüchtigen Dingen verplempert, nun seien die Jahre dahin.

Die Aznavoursche Ballade wurde oft kopiert, selten erreichte einer annähernd das Original. Roy Clark hatte mit der englischsprachigen Version „Yesterday When I Was Young“ jedoch riesigen Erfolg, zumindest in der Hitparade der Vereinigten Staaten von Amerika.

KULTUREXPRESSO präsentiert das Original!




Charles-Aznavour

Charles Aznavour „mit diesem Timbre von Sand und Rost“ – „Emmenez-moi“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Charles Aznavour wurde als Schahnur Waghinak Asnawurjan am 22. Mai 1924 in Paris als Sohn armenischer Einwanderer, die vor dem Völkermord der Türken an den Armeniern flüchteten, geboren. Er starb am 1. Oktober 2018 in Mouriès im Département Bouches-du-Rhône.

Zeit seines Lebens soll er über 1000 Chansons aufgenommen, darunter 800 selbst geschriebene haben wie beispielsweise das Lied „Emmenez-moi“.

Der Text des Liedes ist Aznavour als Musik und Arrangement sind Georges Garvarentz. Das Thema von Nimm mich ist das nostalgische Verlangen des Erzählers, weit in sonnige Länder zu gehen, um dem Elend seines täglichen Lebens, dem Grau des Nordens und der Plackerei zu entfliehen, weil er behauptet: „Es scheint mir, dass Elend für die Sonne weniger schmerzhaft sein würde.“ Also hinaus aufs Meer und in den Süden!

Das Stück ist in a-Moll komponiert und sein Maß ist 6/8. Es dauert 3 Minuten 31 Sekunden.

Das Video dazu wurde 1968 im Olympia in Paris aufgenommen. Das Lied wurde 1967 auf Barclay Records Album „Entre deux rêves“ aufgenommen und 1968 als Single auf demselben Label veröffentlicht.




Straßenmusiker von den britischen Inseln in Berlin am Potsdamer Platz

Power to Pow-ric! Dieser Sommer begünstigt Straßenmusiker wie Padraig McLoughlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Seit April ist es in Deutschland warm oder sogar zu heiß. Der Rasen ist fast überall verbrannt. Wohl dem, der ihn nicht mähte. Je länger die Gräser, desto weniger schnell trocknet der Boden aus. Außerdem sparte man beim Mähen Energie; ihr „Verbrauch“ heizt das Klima ja nur noch weiter an. Aber man soll ja das Positive sehen. Das wäre? Es macht mehr Spaß Eis zu essen, die Sonnenkremhersteller feixen und es erklingt mehr Musik auf der Straße, zum Beispiel von Padraig McLoughlin.

Manche Straßenmusiker sind auch Singer-Songwriter: Padraig McLoughlin

Padraig McLoughlin hat ein Schild ist seinem Instrumentenkasten, der die Aussprache seines Namens verrät: Pau-Rick Mäck-Lock-lin = Paurick Mäck-Locklin. Er bietet in seinem Gitarrenkasten auch eine selbstgemachte CD an – mit vier Songs. „Viel Arbeit“, verrät er uns, bevor er sich wieder auf seine Musik konzentriert, die ihn alles andere um sich herum vergessen lässt.
Seine Musik ist mitreißend und wirklich gut. Ich hatte das Lied, das im Vorbeigehen am Potsdamer Platz meine Gehörgänge passierte, noch nie gehört.
Ich wartete das Liedende ab, applaudierte nicht aus Anstand und fragte dann – bei DEM Namen gleich auf englisch – ob er es selbst geschrieben habe. „Ja“. Ich hatte richtig vermutet. Bereits 4 Songs gebe es, sie seien auf der CD, aber auch online.

Padraig McLoughlin ist auf der Straße zu hören, im Netz und auf CD

Der junge Mann fährt zweigleisig, das ist mit ebenso sympathisch wie seine Musik oder sein gewinnendes, schüchtern-unschuldiges Lächeln, das unzensiert ehrlich aus dem Innern hervortritt.
Wer das Internet benutzen will oder Youtube, findet dort das meiste. Das teilt er mir gleich mit, als ich Näheres über die „Handmade“-CD wissen möchte. Ich bräuchte sie gar nicht unbedingt, hier fände ich im Netz das und das und jenes dort.

Selten, dass einem ein Kauf fast ausgeredet wird. Einer Enttäuschung der Art „aber das findet man ja fast alles online, habe ich festgestellt“, wird im Keim erstickt.

Padraig McLoughlin ist handfest, das verrät nicht nur sein Händedruck. Obwohl jung, hat er eine Visitenkarte. Sie ist auf Pappe gedruckt und nicht „virtuell“. Und auch seine erste CD kann man in die Hand oder mitnehmen.
Doch hat er keine Vorbehalte vor dem Weltnetz und ist unter www.soundcloud.com/padraigmcloughlin zu finden.

Die britischen Inseln exportieren …

Er stammt von der britischen Inseln und ist seit Anfang 2018 hier. Wie lange er noch bleiben wolle? „Bis Weihnachten wohl.“ Da hätte er einmal alle Jahreszeiten durch. In Berlin fühlt er sich wohl, seiner Musik tut das vielleicht auch gut.

Seine halb-zurückhaltend-introvertierte Art, die von der Anlage gar nicht so sehr zum Musizieren mit Hut passt, ist von Vorteil. Auch junge Geigenschüler stellen sich schon einmal mit ihrem Geigenkasten an die Ecke, ohne Eckensteher zu sein. Einmal den Mut fassen, dann geht‘s; und am Ende klimpert ein bisschen Hartes im Säckchen. Kultur versilbert, mühelose Mühe belohnt.

An der Friedrichstraße und am Potsdamer Platz, also an den (alten) Berührungspunkten Ost- und Westberliner Lebens gibt er seine Kunst zum Besten.

Die internationalen wie die deutschen Künstler profitierten vom guten Wetter 2018. Es gibt noch Positives im Leben!

Um einen anderen Songwriter und irische Musik geht es in diesem Artikel:

Temporäre Pubs im Admiralspalast und Deutschen Theater! „Urgemütliche Eckkneipen“ mit bester irischer Live-Musik – mit „Irish Celtic“ kommt ein hervorragendes Stepp-Ensemble nach München und Berlin

Um andere ausländische Songwriter in Berlin – wie Inger Nordvik – geht es hier.




“Life without music is unthinkable” – Young Euro Classic 2018 in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Seit dem 3. August und noch bis zum 20. August 2018 läuft in Berlin das Musikfestival Young Euro Classic, dessen Veranstalter der eingetragene Verein Deutscher Freundeskreis europäischer Jugendorchester mit Sitz in Berlin ist.

In diesem Jahr hat sich dieser Veranstalter zur 19. Ausgabe Nelson Mandela und Leonard Bernstein auserkoren, die in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag gefeiert hätten.

Das Jugendorchesterfestival in Berlin werde „seinem eigenen Anspruch treu“ bleiben und „immer wieder neue Ideen, neue Werke und neue Gesichter“ vorstellen, verrät der Veranstalter und bittet zum Programm.

Am 2. August gab es zum Auftakt ein Festkonzert zum 100. Geburtstag von Nelson Mandela, bei der nicht nur Außenminister Heiko Maas (SPD) sprach, sondern auch eine deutsch-südafrikanischen Gemeinschaftsbriefmarke vorgestellt wurde. Musik wurde auch geboten und zwar Klassik mit südafrikanischen Klängen. Werke von Beethoven, Tsotetsi, Wards „Rainbow Beats“ sowie traditionelle und südafrikanische Weltmusik des A-Cappella-Ensembles Just 6 wurden zu Gehör gebracht.

Aus London ist erstmals die Southbank Sinfonia, aus Russland das Youth Chamber Orchestra St. Petersburg, aus New York das NYO Jazz mit Grammy-Gewinnerin Dianne Reeves dabei. Dass das Young Euro Classic auch 2018 echt international ist, das beweisen zudem das National Youth Orchestra of Canada, das Auckland Youth Orchestra aus Neuseeland und die Georgian Sinfonietta aus Tiflis.

Die Macher des Musikfestivals versprechen mit dem Schleswig-Holstein Festival Orchestra, das Musik von „Lennie“, seinem legendären Gründer, im Gepäck hat, einen spektakulären Schlusspunkt.

Zum Programme zählen zudem eine Vielzahl von Uraufführungen und Deutschen Erstaufführungen, groß besetzte Orchesterwerke von Richard Strauss, Jazz, Ballett – und natürlich die ewig jungen Symphonien des Klassikers Beethoven.

Wer einen Mix aus Klassik und Jazz schätzt, dem sei eine Veranstaltung von und mit Nils Landgren am 8. August 2018, ab 20 Uhr, im Berliner Konzerthaus empfohlen, die mit den Worten “Life without music is unthinkable” beworben wird. „Diesen Worten Leonard Bernsteins wird Nils Landgren in diesem Jahr einmal mehr die Ehre erweisen: Gemeinsam mit renommierten Jazzgrößen und Mitgliedern der jungen norddeutschen philharmonie und des STEGREIF.orchesters wird er Bernstein nach seinen musikalischen Vorbildern befragen und trifft dabei auf Gustav Mahler und Kurt Weill.“




Luxemburger Philharmonie.

Musik liegt in der Luft der Stadt Luxemburg

Luxemburg (Kulturexpresso). “Paris-Paris!” entzückt in der Philharmonie Luxemburg Klein und Groß. Ein Quartett von fidelen Musikern, genannt „die Schurken“, geht auf musikalische Zeitreise durch Paris mittels einer Zeitreisemaschine, bei der die überwiegend Kinder im Publikum kräftig mitmachen müssen, um eine Geräuschkulisse zu erzeugen mit Pfeifen, Zischen und vielen anderen Geräuschen mehr, die so eine Zeitmaschine eben erzeugen kann.

„Sous le ciel de Paris“ und andere mehr oder minder bekannte Weisen begleiten die Suche nach einer bestimmten Komposition und einem bestimmten Komponisten. Die Reise des Musiktheaters führt in die Années folles 1923, dann in die Vorkriegszeit und springt ständig hin und her, da der Komponist endlich gefunden wurde. Um seine Melodie zu Papier bringen zu können, müssen sie jedoch auf den Eiffelturm kraxeln, damit er den Panoramablick mit der nötigen Weitsicht hat. Alles in allem ein kurzweiliges Stück, in dem die Kinder begeistert mitmachen. Die Philharmonie Luxemburg ist breit aufgestellt – nicht nur hervorragende Klassik wird geboten, sondern auch viel populäre Musik.

Nach so viel Begeisterung lohnt noch ein Abstecher in die Luxemburger Altstadt, wo überall Musik erschallt – das Festival Fete de la Musique in Luxemburg wird im ganzen Land und auch in der Hauptstadt gefeiert.

Auf der Place Guillaume II zeigen Abschlussschüler des Konservatoriums ihr ausgezeichnetes Können, zum Beispiel am Piano, während unweit davon auf der Place d’Armes eine Big Band „Memory“ das internationale Publikum der europäischen Hauptstadt zu Filmmusiktiteln wie „Mission impossible“ oder auch „Summerwine“ von Gershwin zum Mitswingen bringt.




Bild zum 4. Todestag von Malik Bendjelloul (1977-2014), Regisseur des Films "Searching for Sugar Man"

Spurensuche: „Searching for Sugar Man“ von Malik Bendjelloul wird wieder gezeigt

Berlin/ München/ Wiesbaden, Deutschland (Kulturexpresso). Es war eine tolle Geschichte. Schon bevor sie ins Kino kam. „Searching for Sugar Man“ heißt nicht umsonst nicht einfach „Sugar Man“, oder „Der Zuckermann – Leben und Werk“. Der Film zeigt, wie fragmentarisiert unsere Welt zum Glück trotz der Digitalisierung und des Internets und Cyberspace ist oder noch bis vor kurzem war. Heute jährt sich der Todestag des Regisseurs Malik Bendjelloul zum vierten Mal. Grund genug, den Dokumentarfilm anzuschauen. Wer das schon einmal getan hat, wird in der Regel zustimmen, dass man sich ihn gut ein zweites Mal anschauen kann.

Danke, Malik Bendjelloul, für „Searching for Sugar Man“

Malik Bendjelloul (1977-2014), der junge Schwede, ist Regisseur des überraschenden Musikfilms „Searching for Sugar Man“. Die Geschichte ist spannend wie ein Krimi, aber echt. Irgendwie stieß jemand auf ein paar Audio-Kassetten und brachte sie nach Südafrika. Dort entwickelten sich Kult und Hype um den Musiker Sixto Rodriguez („Sugar Man“) und seine Musik. Unglaublich, aber wahr. Doch die Geschichte wird durch noch mehr Zufälle und Anekdoten, die das Leben schrieb, weiter gewürzt.

Zuhören ist etwas, dass man bei dieser Doku gerne tut. Vielleicht ist es Absicht, dass das Wort ‚Searching‘ ein ‚ear‘ (Ohr) enthält …

Wie wurde Malik Bendjelloul aus Ystad zum Oscar-Preisträger?

Bendjelloul wurde am 14. September 1977 in Ystad geboren. Er erhielt seinen schwedischen Pass also nicht etwa als eingereister Araber, wie manche vielleicht vorschnell aufgrund des maghrebinischen Familiennamens und jüngster Entwicklungen seit Sommer 2015 vermuten mögen. Den Namen erhielt er von seinem Vater. Der 1939 geborene schwedische Arzt Hacène Bendjelloul hat algerische Wurzeln.

Malik wurden Mehrsprachigkeit und Kultur in die Wiege gelegt, und damit eine gewisse Offenheit, der weite Blick über Grenzen mit einem Gespür für Begrenzungen, die andere weder sehen noch fühlen, die aber vorhanden sind.

Du spürst Deine Fesseln nur, wenn du dich bewegst – oder frei sein möchtest, heißt ein bekanntes Wort.

Veronica Schildt Bendjelloul, geborene Pia Veronica Schildt, hat Malik Bendjelloul geboren. Maliks Mutter ist Übersetzerin. Am 20. Mai 2018 wird sie ihren 74. Geburtstag feiern. Sie übersetzte u.a. die Comicserien „LUCKY LUKE“ und „ISABELLE“ aus dem Französischen und Agatha Christie aus dem Englischen ins Schwedische. Auch wenn es den einen oder anderen erstaunen mag: „LUCKY LUKE“ gibt es zwar auf englisch, musste allerdings erst übersetzt werden.

Viele Mitglieder der Familie Schildt sind am Theater oder in Film und Fernsehen tätig: Henrik, Jürgen, Johan und Peter. Auch das erleichterte Maliks Zugang zum Metier der laufenden Bilder.

Veronicas Großvater Holger, Maliks Urgroßvater, hatte in Finnland einen schwedischsprachigen Buchverlag gegründet. Mehrsprachigkeit, die in der Familie lag, macht geistig beweglich und fördert Kulturleistungen.

Bescheidener Musiker Rodriguez überlässt Bendjelloul und seinem Produzenten das Rampenlicht im Dolby Theatre: Oscar für „Searching for Sugar Man“

Der frühere Kinderdarsteller Malik Bendjelloul wurde als Dokumentarfilmer Oscar-Preisträger.

Vor der Verleihung galt das märchenhafte Dokudrama des schwedischen Regisseurs als großer Favorit für die begehrte Trophäe, den Academy Award, denn: „Searching for Sugar Man“ war 2012 zum Überraschungserfolg in Großbritannien und den Vereinigten Staaten geworden und hatte bereits mehr als 30 internationale Auszeichnungen erhalten, darunter den British Academy Film Award (BAFTA).

Ab Dezember 2012 war der Film auch in deutschen Kinos zu sehen.

Der Oscar wurde Malik Bendjelloul und Simon Chinn bei der Verleihung der 85th Academy Awards am 24. Februar 2013 in Los Angeles vom bekennenden „Searching for Sugar Man“-Fan Ben Affleck überreicht.

Der gefeierte Protagonist dieser unglaublichen filmischen Spurensuche, Musiker Sixto Rodriguez, war selbst nicht anwesend. Laut Produzent Simon Chinn wollte er den Verantwortlichen des Films den Erfolg lassen und zeigte damit einmal mehr seine große Bescheidenheit. Dies und vieles andere macht seine Geschichte so besonders.
Malik Bendjelloul starb am 13. Mai 2014 in Stockholm mit 36 Jahren. Er soll den Freitod gewählt haben.

Vorführungen/ Projektionen von „Searching for Sugar Man“

– im Mai 2018:

13.5., Sonntag, in Berlin: im Ladenkino,
dito , Sonntag, in München: Werkstattkino,
dto., Sonntag, in Berlin im Sputnik-Kino (Kinobar),
Sonntag, in Berlin im Kino in der Kulturbrauerei,
in Berlin im BABYLON-Mitte (an der Volksbühne Rosa-Luxemburg-Platz),

17.5., Donnerstag, in Berlin im „Saal 2“, einem „neuen“ Lichtspieltheater (ehemals Downstairs-Kino),

und im Juni 2018:

23.6. in Wiesbaden im Murnau-Filmtheater (Hessen)

Verpasst? Arbeit am Sonntag? Lieber Sonne genießen? Das Buch zum Film

Es gibt auch ein Buch zum Thema des Films. Zwei Jahre nach Bendjellouls Tod erschien „Sugar man: The Life, death and Resurrection of Sixto Rodriguez“ von Craig Bartholomew Strydom und Stephen „Sugar“ Segerman bei Penguin South Africa als Taschenbuch (ISBN 1770228144).

Strydom und S. „Sugar“ (!) Segerman waren wie viele andere Südafrikaner in den 70er und 80er Jahren von Rodriguez‘ Musik begeistert, fasziniert und hingerissen. Man kannte vom Musiker nur den Namen und wusste, dass er sich auf der Bühne umgebracht habe. Eine Story, die heute im Zeitalter des Internets nicht mehr geschrieben werden könnte, vor allem – wohl nicht mehr passieren könnte.

Moderne Wagenburgen, Kino und ESC

Obwohl sich auch heute viele Länder mehr oder weniger abschotten. Die Volksrepublik China wollte den irischen Beitrag in China nicht spielen, daraufhin entzogen die europäischen Verantwortlichen gleich die gesamten Senderechte für den European Song Contest ESC.

In Saudi-Arabien dürfen Frauen seit 2017 Autofahren. Wow! Sogar ein Kino gibt es jetzt. Auspeitschungen von Frauen, eine Polizei, die das Kopttuchtragen streng kontrolliert und die Tatsache, das Frauen einen Vormund brauchen, machen aus dem Wüstenstaat auf dem Ölsee der arabischen Halbinsel allerdings noch kein fortschrittliches Land. Zensur und eine Reglementierung des Internets sind naheliegend. Die VR China versucht Ähnliches.

Eine freie Presse kann man nicht nur in der Türkei nicht erwarten, sondern auch in vielen anderen Ländern nicht. Wieder andere Länder wie Bhutan garantieren ihren Bewohnern ein Recht auf Glück. Doch eine geistige Freizügigkeit wie hierzulande ist auch dort nicht zu erwarten. Die Globalisierung ist eine Fata Morgana. Beschränkungen verbreiten sich zurzeit schneller. Bloß weil es fast überall Burger einer bekannten Marke gibt, heißt das noch lange nicht, dass die Welt verwestlicht. Und wenn: Was wird zuerst übernommen? Zunehmendes Selbstbewusstsein von Ländern wie der Volksrepublik China und das Verblassen der wirtschaftlichen Vormachtstellung der Vereinigten Staaten von Amerika werden in Zukunft sogar eher dazu führen, dass jeder seins macht.

Südafrikas goldene Zeit (? Splendid isolation?)

In Südafrika geschah das nicht freiwillig. Denn ein Großteil der Welt akzeptierte die Politik der Apartheid nicht. Das konnte den Südafrikanern jedoch relativ egal sein. Sie hatten alles im Lande, konnten zuhause Skifahren oder Orchideen züchten und waren nicht arm (als Land). Das südafrikanische Gold (Krügerrand) ließ sogar das Vereinigte Königreich Rücksicht nehmen. Der Rand war eine recht stabile Währung, stabiler als die Finnmark allemal. Die Republik Südafrika baute sogar eine Atombombe. Das Land wurde später zum einzigen, das sie besaß und dann verzichtete, Gott sei Dank. Beim Export von Obst und Gemüse wurde als Herkunftsangabe verschämt „RSA“ angegeben.

1994 wurde die Macht übergeben, nachdem auch der Bevölkerungsmehrheit das Wahlrecht gewährt wurde. Damit endete auch die Isolierung. Andere Musik flutete ins Land und eine Geschichte wie „Searching for Sugar Man“ wiederholte sich nie. Im heutigen Kommunikationszeitalter wäre zumindest das Mysterium um den Künstler Rodriguez nicht so lange eines geblieben. Obwohl der Absturz zweier malaysischer Verkehrsflugzeuge nach 2012 zeigt, dass auch heute Rätsel über Rätsel bleiben.

Und auch aus der großen Zeit der südafrikanischen Rodriguez-Euphorie in den 80ern sind Unklarheiten, Widersprüche und Rätsel verblieben, trotz jahrzehntelanger Frist zur möglichen Aufklärung. Wie der koreanische Passagierflug KAL 007 von 1983 und entsprechende Buchtitel beweisen: Seymour Hersh: „The Target is Destroyed: What Really Happened to Flight 007 and What America Knew About It“, Faber and Faber, 1986. Oliver Clubb: „KAL Flight 007: The Hidden Story“, Permanent Press NY 1986 und vor allem Michel Brun: „Incident at Sakhalin: The True Mission of KAL Flight 007“, Four Walls Eight Windows Publishers.

Ein kanadischer Regisseur aus Südafrika und süafrikanische Filmmusik:

Gute Erinnerung – Vor einem Jahr kam Neill Blomkamps „Chappie“ (USA, Mexiko) ins Kino

www.rapideyemovies.de

Mehr über Malik Bendjelloul und seine Klub-27-Verbindungen:

Unsichtbare Bande: Was verbindet Malik Bendjelloul und Runar Schildt?

Der Dokumentarfilmer, seine Mutter, seine Familie voller Filmleute:

LUCKY? Maliks Mutter Veronica Schildt Bendjelloul wird 74