Abba

ABBA ist wieder da

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Benny Andersson, Anni-Frid Lyngstad, Agnetha Fältskog und Björn Ulvaeus sind wieder zusammen, jedenfalls im Studio. Die als ABBA bekannten vier Schweden, die als Pop-Legenden gelten, leben noch und kamen 35 Jahre nach der Auflösung der Gruppe für die Aufnahme von zwei Liedern zumindest im Studio wieder zusammen.

Dies teilte die schwedische Pop-Gruppe am Freitag mit.

ABBA-Sänger als Avatare

Die Gruppe, die sich 1982 trennte, ist mit Hits wie „Waterloo“, „Dancing Queen“, „Mamma Mia“ und „The Winner Takes It All“ weltberühmt geworden und verkaufte viele Millionen Schallplatten.

Für eine internationale ABBA-Erinnerungsshow im Fernsehen, die von BBC in UK und NBC in USA produziert werden, sollen lebensechte computeranimierte Kunstfiguren, die auch Avatare genannten werden, einen der legendären Hits zu Gehör bringen.

Viel mehr ist von der Band zu sehen im 2013 in Stockholm errichteten ABBA-Museum.




Claude Debussy.

Meeresrauschen im Konzertsaal – Vor 100 Jahren starb der Klangfarbenzauberer Claude Debussy, der Begründer des musikalischen Impressionismus

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die wenigsten Komponisten erkennt man sofort am Sound. Zu ihnen gehört der Franzose Claude Debussy, der vor hundert Jahren, am 25. März 1918 starb. Der Schöpfer schimmernder Klangflächen und wundersam tropfender Töne gilt als Begründer des Impressionismus in der Musik.

Im Unterschied zu anderen Komponisten der frühen Moderne ist Debussy jedoch jedermann zugänglich. Sehnsüchte und Träume, Freude und Schmerz spürt man in seiner Musik. Auch Naturschilderungen – Tierlaute, Sturmgewalten, Wasserrauschen – sind bei ihm wiederkehrende Themen. Wie die impressionistischen Maler, die das Atelier verließen und ihre Motive im Freien fanden, suchte Debussy Inspiration in der Natur.

Vor allem das Meer faszinierte den 1862 am Pariser Stadtrand Geborenen von klein auf. Die Seeluft schnupperte der Knabe, wenn er seine Patentante in Cannes besuchte. Dort kam er auch mit Musik in Berührung, denn die Tante holte einen Klavierlehrer ins Haus. Von den Erinnerungen an die Côte d’Azur zehrte Debussy sein Leben lang; sie inspirierten ihn auch zu seiner sinfonischen Dichtung „La Mer“.

Die Weite des Meeres stand im größten Kontrast zur Enge von Paris, wo der junge Debussy aufwuchs. Die finanzielle Lage der Familie war so prekär, dass Claude nicht einmal die Schule besuchen konnte. Jedoch wurde er mit zehn Jahren am Konservatorium aufgenommen, wo er Klavier und später Komposition studierte.

1884 gewann Debussy den „Prix de Rome“, die höchste Auszeichnung, die ein junger Komponist erlangen konnte. Nach einem Rom-Aufenthalt erhielt er in Paris weitere Anregungen für sein Schaffen: die sprachklangverliebten symbolistischen Dichter, die Musik Richard Wagners und exotische Gamelan-Folklore aus Java, die er 1889 bei der Pariser Weltausstellung kennenlernte.

All das prägte Debussys Stil mit den schwebenden Akkorden jenseits von Dur und Moll und der kunstvollen Klangfarbenpracht. Beides findet sich auch in der 1894 entstandenen sinfonischen Dichtung „Vorspiel zum Nachmittag eines Fauns“ und in der 1902 uraufgeführten Oper „Pelléas et Mélisande“, mit der Debussy seinen äußerst umstrittenen Durchbruch erlangte.

Debussy war aber auch ein ausgesprochener Klavierkomponist. Dem Pianisten fordern seine Werke einen äußerst fein abgestuften Anschlag ab, damit der Klangfarbenreichtum zur Geltung kommt.

Debussys Schaffen stockte, als sein Privatleben in stürmische Gewässer geriet: Eine Affäre mit der Sängerin und Bankiersgattin Emma Bardac führte zu seiner Scheidung; der Hochzeit mit Emma folgte ein Selbstmordversuch der ersten Frau – all diese Ereignisse waren Pariser Stadtgespräch und wurden sogar in einem Theaterstück aufs Korn genommen.

Sowohl seine Werke als sein Lebenswandel polarisierten die Pariser Öffentlichkeit. Zwar wirkt Debussys Musik heute vertraut, doch die ersten Hörer standen vor ernsthaften Schwierigkeiten. Nicht einmal seine eifrigsten Anhänger ahnten, dass der Komponist einmal als einer der größten Erneuerer in die Musikgeschichte eingehen sollte.

Während andere Musikgenies neue Harmonien, Melodien oder Rhythmen erkundeten, beförderte Debussy den Klang selbst zum zentralen Gestaltungselement. Er schuf einen ganz eigenen Sound, der später als Impressionismus in die Geschichte eingehen sollte. Damit beeinflusste er zunächst Maurice Ravel, der auch ein herausragender Pianist war, und später die Avantgarde.

Heute gilt Debussy als einer der originellsten Komponisten des frühen 20. Jahrhunderts – gleichrangig neben dem sperrigen Arnold Schönberg, der beim Konzertpublikum längst nicht so populär ist.

Neue Veröffentlichungen

Musikfilm: „Daniel Barenboim spielt und erklärt Debussy“
DVD 880242131188 (Warner)

Marina Baranova spielt Debussy nicht nur auf dem Klavier, sondern auch auf Cembalo, Fender Rhodes und präpariertem Flügel.
„Unfolding Debussy“
Marina Baranova
0301014BC
(Neue Meister / edel)

Neuveröffentlichung einer legendären Aufnahme der 24 Préludes mit Friedrich Gulda von 1969.
Friedrich Gulda
„Debussy Preludes“
0300973MSW
(MPS (edel)




Blick vom S-Bahnhof Frohnau Richtung Ludolfingerplatz, Baustelle mit Richtfest im Vordergrund, Berlin-Frohnau

Transformation: Konzert in Straumers Umspannwerk. Saarländer Ro Gebhardt mit Gitarre in Berlin-Frohnau

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der saarländische Vorzeige-Gitarrist Ro Gebhardt (RG) beehrt die Gartenstadt. Diesmal betritt er nur mit einer klassischen Gitarre die Bühne. Das war schon oft anders. Großprojekte mit Big-Band-Sound, Funk und Latin, teils mit Gesang, zogen viele Zuhörer an. Er trat in New York auf (Blue Note) und in Berlin (A-Trane). In Paris (Duc de Lombard) und wieder an der US-Ostküste beim Central-Park-Jazzfest NYC.

Gebhardt nimmt am Donnerstag, den 29.3. „Literatur aus Brasil, Tango, Jazz, Klassik, Blues, Funk aus verschiedenen Jahrhunderten unter die Lupe und benutzt sie als Improvisationsgrundlage.“

Veranstaltungsort: Straumers Umspannwerk, heutzutage mit spannender Musik

Der Architekt Heinrich Straumer baute 1907 das Umspannwerk Frohnau. Heute ist es ein Musik-Café mit geräumiger Ferienwohnung im Obergeschoss.

Kohlendioxidarme Anreise: Vom S-Bahnhof Frohnau rechts Richtung Zeltinger Platz und dann den Fürstendamm (das ist die zweite Straße rechts) entlanglaufen. Das letzte Haus auf der linken Seite ist die Nummer 40 oder der „Trafo“, um das Kurzwort zu verwenden.

Etwas weiter endet Frohnau, das seit 1920 zu Groß-Berlin gehört und während der Teilung zu West-Berlin zählte. Wenige Meter weiter stand seit August 1961 die „Berliner Mauer“.

Heute beginnt dort das Land Brandenburg mit der Bundesstraße 96 (B96). Über sie gelangt man weiter nördlich nach Hohen Neuendorf und Oranienburg, später Löwenberg, Fürstenberg/ Havel, Neustrelitz und Neubrandenburg.

Kreuzt man die Landstraße, kommt man nach Schönfließ.

Geht oder fährt man ein paar Meter rechts (südlich) die Bundesstraße entlang und gleich links, gelangt man auf der Hauptstraße ins Herz von Glienicke/ Nordbahn. Zwischen Haupt- und Gartenstraße hat man die Kirche im Dorf gelassen und den Dorfteich auch.

Zurück nach Frohnau in den Fürstendamm.

Transformation und Musik

Das Musikcafé „Transformator“ im Umspannwerk ist mittwochs bis samstags ab 18 Uhr geöffnet.

(Sonntag, Montag und Dienstag sind Ruhetage, an denen die Lokalität aber gebucht werden könnte.)

Am 23. März gab es hier ein Jazzkonzert mit Michael Gechter und HD. Lorenz, bei dem Sabina Saracevic sang.

Am Donnerstag, den 29. März 2018 spielt Ro Gebhardt reduziert nur mit der akustischen Gitarre. Der saarländische Vorzeige-Gitarrist als Zeitreisender („Time-Traveller“). Er trat im Central Park genauso auf wie im A-Trane in der Pestalozzistraße in Charlottenburg; unterrichtete als Gastdozent außer in der Bundesrepublik (Mainz, Köln) auf Malta und in New York.

Das Folgekonzert an Ultimo (31.3.) ist „Yubo“ (Duo mit Schlagzeug und Gitarre).

Ro Gebhardt im Umspannwerk „Transformator“

Was? Konzert „Time-Traveller“ mit Ro Gebhardt, Akustikgitarre

Wann? Konzerte jeweils um 20 Uhr. Ankunft um 19 Uhr vom Veranstalter empfohlen

Donnerstag, den 29. März 2018: Ro Gebhardt

Wo? „Transformator Berlin“ im ehemaligen Umspannwerk Frohnau.
Fürstendamm 40
13465 Berlin

Telefonische Reservierung wärmstens empfohlen: (030) 60 27 51 59

http://transformator-frohnau.de/

Stromer auf den Spuren von Heinrich Straumer. Architektur erlaufen und erfahren in Berlin




Theater.

Theater retten einmal anders. Benefizveranstaltung für Kreuzberger Bühne Theaterforum nach Einbruchdiebstahl und Raub

Berlin, Deutschland(Kulturexpresso). Man kennt das schon: Theater sterben oder es wird davon geredet. Es geht um staatliche Bühnen oder lang eingeführte private wie die Komödie am Kurfürstendamm und das ähnlich benannte Theater gleich nebenan, für die das Urteil: „Ab in den Keller!“ und „Aus zwei mach eins“ lautet. Doch das hier ist etwas neues: Das Theaterforum Kreuzberg ist durch Einbruchdiebstahl und Raub in der Existenz bedroht. Jetzt gilt es: Theaterforum retten!

Musik, Tanz und Schauspiel sollen das Theaterforum retten

Am Mittwoch, den 21. Februar um 20 Uhr wird es einen Abend mit Musik, Gesang, Tanz, Eurythmie, Jonglage, Artistik und – auch – Schauspiel geben.

Es moderiert: Anemone Poland.

Denn noch ist Polen nicht verloren, es wäre doch mehr als schade, wenn durch Verbrechen auch noch die Kulturlandschaft Standorte verlöre!

Gemeinsam das Theaterforum retten: Gut für Kreuzberg, gut für Berlin

Viele Künstlerfreunde treten auf als Akt der Solidarität. Schauspieler, Sänger, Musiker, Artisten und Tänzer!

Um zu zeigen, wie wichtig die Existenz des „kleinen, engagierten Theaters“ für das Publikum und die Künstler ist, nicht nur Schauspiel, Darsteller, sodern auch das ganze Drum und Dran mit Maske, Kostüm und Bühnenbild.

Eintritt auf Spendenbasis nach dem Motto pay what You Can ((Yes, I can; Yes, You can; Yes, we can!). Zu deutsch und berlinerisch: „Zahl‘, waste kannst.“

Schließlich ist das Ziel, das Theaterforum zu retten. Nicht Shakespeare, sondern Realität. Sein oder Nichtsein.

Das Theaterforum schreibt dazu selbst: „Nach Einbruchdiebstahl und Raubüberfall ist die Existenz des tfk gefährdet. Aber von solchen Ereignissen wollen wir uns nicht unterkriegen lassen und machen weiter. Doch dazu braucht es Unterstützung. Der Erlös dieses Abends geht an das theaterforum kreuzberg e.V. Eintritt auf Spendenbasis nach dem Motto ‚pay what you can‘.“

Schreibweise und Adresse der Theaterforums Kreuzberg

Hinweis: Die künstlerische, wenn auch nicht dudendeutsch korrekte Eigenschreibweise des Theaterforum ist die Kleinschreibung. Deswegen theaterforum kreuzberg statt der richtigen Schreibweise Theaterforum Kreuzberg.

Die Frage, ob am Satzanfang kleingeschriebene Wörter großgeschrieben werden, kann bejaht werden.
Layouter und Onlinedesigner, wie es sich anhört sowieso halbe Engländer, sehen das anders und dadurch SEHEN wir das auch anders. Die Rechtschreibregeln haben nichtdestotrotz Bestand.

Der RBB – Rundfunk Berlin-Brandenburg, der mit Knut Elstermann auch am 21.2.2018 neben dem Cinemaxx 5 im 1. Stock wieder live von der Berlinale berichtet, nicht nur aus dem Wettbewerb, sondern auch aus den Sektionen Forum und Panorama – macht es auf seinen Websites normalerweise richtig: RBB wird großgeschrieben. „rbb“ in einer bestimmten Schrifttype, die das Loch des kleinen „b“ wie einen Bildschirm aussehen lässt, ist Design.
In einem Fließtext hingegen muss und soll richtig geschrieben werden. Für den ehemaligen Sender Freies Berlin (SFB) heißt das, mit Großbuchstaben.

Übrigens konfligieren Theaterrettung und Knut Elstermann hören nicht. Zum einen sind Radios mobil. Zum Zweiten beginnt die Sendung erst um 22 Uhr und läuft bis Mitternacht. Selbst Knut Elstermann live beim Senden sehen „geht sich also aus“. Wer bis zum feiernden Ende das Theaterforum retten will und in der Eisenbahnstraße bleiben, hat morgen wieder Gelegenheit, Herrn Elstermann unweit von der Kreuzberger Bezirksgrenze am Potsdamer Platz zu besuchen.

Bleibt zu hoffen, dass die Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale) durch ihr schillerndes Angebot an vielen Orten nicht verhindern, das ausreichend Besucher den Weg nach SO 36 finden.

Theaterforum Kreuzberg
Eisenbahnstraße 21
10997 Berlin
Tel: 612 88 880
E-Mail: info@tfk-berlin.de

Kartenreservierung
Telefon: 700 71 710
(oder online)
Preiskategorien: 5,- bis 18,- Euro
(übliche Ermäßigungen)

Freie Platzwahl

Spielplan & News kann man per E-Mail abonnieren

Verkehrsanbindung: U-Bahn Linie U 1, U-Bhf-Görlitzer Bhf. oder Schlesisches Tor

BVG: Bus 140, 265

http://www.tfk-berlin.de/




Der griechische, zypriotische oder griechisch-zypriotische Komponist Marios Joannou Elia von "Sounds of Vladivostok"

[Hellas Filmbox] Gewaltiges Werk: Sounds of Vladivostok von Marios Joannou Elia ist ein Filmkonzert

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Dr. Marios Joannou Elia spricht so gut deutsch, dass man ihn für einen Deutschen halten kann. Beim Boxtalk am Bergfest der Hellas Filmbox brauchte er nicht nur keinen Dolmetscher, sondern konnte sich selbst und andere übersetzen. Das neue Format der griechischen Filmfests „Hellas Filmbox“ beinhaltet Podiumsdiskussionen mit anschließendem Publikumsgespräch. Am 26. Januar ging es um „Zyprisches Kino“. Dr. Elia war dabei, da er auch aus Zypern stammt. Sein Filmwerk Sounds of Vladivostok (Klänge Wladiwostoks) wurde am Eröffnungsabend vorgestellt. Ein kurzes Feuerwerk von Bildern mit realen Klängen. Oder sollte man sagen, ein Feuerwerk von Klängen, die von Bildern untermalt wurden?

Beim „Boxtalk“-Gepräch am Freitag wurde Joannou Elia als „Filmemacher“ bezeichnet. Doch das wollte er sogleich richtigstellen. „Ich bin Komponist“. Und, um die Verwirrung aufzuklären etwas ausholend: „Ich habe aus mehreren Gründen diese Form gewählt. (Film, d. Red.) Einer der Gründe, warum ich meine Komposition filmisch einbinden musste, ist, dass es keine andere Möglichkeit gab, das Projekt umzusetzen“.

Bei diesem Projekt hat Nikolas Kostis gefilmt und als Cutter fungiert. Im Abspann könnte also stehen: Kamera Nikolas Kostis, Schnitt Nikolas Kostis. Oder DoP (Director of Photography). Aber bei diesem Projekt lief umständehalber alles anders. Wer ist der Regisseur? Nicht umsonst war bei dem Podiumsgespräch Dr. Elias Name gefallen. War es Panajotis Kouparanis gewesen, der Gesprächsleiter, der ihn erwähnt hatte? Oder Andreas Pantzis? Elias Demetriou?
Wer immer es war, hatte nicht ganz unrecht. Joannou Elia hatte eine Art Gesamtleitung bei diesem außergewöhnlichen Projekt.

Es kommt darauf an, sich von den Schubladen zu lösen, in denen wir denken.
Regie, Grip, Casting. Bereits, wenn es darum geht, bei einem normalen Film den Unterschied zwischen einem Kameramann und einem DoP zu erläutern, kommen viele in Erklärungsnöte.

Was soll man bei diesem Projekt „Sounds of Vladivostok“ schon sagen? Wo selbst Joannou Elia keine kurzen, eindeutigen Antworten geben kann? Vielleicht ist es zu viel gesagt, dass hier eine neue Kunstform erfunden wurde. Doch ein großer Teil der durchweg positiven Aufnahme dieses Musikstücks beruht auf der Idee.
Die Zuschauer sahen etwas, das es so noch nie gab, und wurden nicht nur unterhalten, sondern waren bei der Geburtsstunde etwas genuin Neuen dabei. Und warum soll das nicht an der Küste des größten Meeres entstanden sein, den unser blauer Planet zu bieten hat?
Auch die Sonne geht im Osten auf.

Einen Künstler, der die Lieder singt, die er verfasst hat, nennt man Singer-Songwriter. Wie soll man einen Komponisten nennen, der sein Stück dirigiert, das aber auch visuell umgesetzt wird? Dirigent-Director? Regisseurdirigent? Komposit-Dirigeur?

In der Sowjetunion hagelte es Kombinationen von Silben in Kurzwörtern. Gazprom ist so ein gebliebenes Beispiel. Es gab sogar den Frauennamen Zheldora, aus der überschwenglichen Begeisterung, die der Eisenbahn (Zheleznaja Doroga) entgegengebracht wurde, in einem Land, das, wie wir noch sehen werden, aus klimatischen Gründen Schwierigkeiten in der Selbstversorgung auf dem Seeweg hat.

Wenn schon eine neue Kunstform erfunden wurde, warum dann nicht auch ein Begriff für den Schöpfer eines Werkes, das in diese Kategorie fällt? Komdirreg, Regdirkom oder Dirregkom? Reg Dir nicht auf, komm und komponier‘ was!
Das reinste Komponiergehabe.

Beim Opening Event am 24.Januar gezeigt, wurde das Musikstück und Filmwerk auf vielfachen Wunsch unplanmäßig an einem späteren Festivaltag wiederholt.

An der Küste des Stillen Ozeans: Sounds of Vladivostok

Die Stadt Wladiwostok (betont auf der letzten Silbe; andere Umschrift des Kyrillischen: Vladivostok) beherrscht den Osten. Die Hafenstadt ist eine mächtige Marinebasis der russischen Pazifikflotte und beherbergt den größten Hafen der Atommacht am Stillen Ozean. Sie ist keine Millionenstadt; es gibt etwa 600.000 Einwohner. Der Name teilt sich auf in wladi und wostok, beides hinten betont, wodurch das vorletzte ‚o‘ nach ‚a‘ klingt. Bei wladi handelt es sich um einen Imperativ von „beherrschen“. Einige kennen vielleicht das Wort „wlast“ mit dem selben Stamm, das unter anderem „Macht“ bedeutet. Zusammen ergibt sich „beherrsche den Osten“.

Russland, obwohl größtes Land der Welt, immer schon knapp an ganzjährig eisfreien Häfen, profitiert möglicherweise vorübergehend von der weltweiten Erwärmung (global warming).

Solange das Eis regiert, werden die Klänge Wladiwostoks, die Sounds of Vladivostok, zu hören sein

In der Zeit der jungen Sowjetunion sollten Expeditionen und Testfahrten mit mehreren Schiffen durch das Eismeer zeigen, dass der Seeweg an der Nordküste Russlands Zeit spart. Doch das Unternehmen stellte sich als zu gewagt heraus. Wetterumschwung führte dazu, dass Schiffe verlorengingen und die Männer gerettet werden mussten, was sich als fast unmöglich erwies. Daraufhin sahen die Verantwortlichen über Jahrzehnte von solchen Vorhaben ab.

Erst die teils atomgetriebenen Eisbrecher schafften den Durchbruch. Ihnen folgten im Schlepptau die Frachter. Doch auch dieses Spielchen kann man im tiefsten Nordhalbkugelwinter nicht ewig durchführen. Abgesehen von den hohen Kosten friert der Kanal im Eis manchmal einfach wieder zu schnell zu, so dass die Frachtschiffe trotz Begleitung verlorengehen können. Oder einfach wochen- oder monatelang festsitzen, was unwirtschaftlich ist.

Solange der Weg „obenherum“ versperrt ist, kommen Murmansk und Wladiwostok höchste Bedeutung zu.

Dr. Marios Joannou Elia hielt sich mehrere Monate in der Stadt an der Ostküste Sibiriens auf. Sibirien, welches in drei große geographische Räume aufgeteilt wird, ist der Grund, dass sowohl die UdSSR als auch die Russische Föderation in etwa neun Zeitzonen unterteilt sind. Nordasien besteht praktisch nur aus Sibirien, das lediglich ein Teil Russlands ist, aber auch noch Platz bietet für die Republik Sacha (Jakutien) und ein jüdisches autonomes Gebiet.

Die Stadt selbst liegt mitten in der Peter-der-Große-Bucht am Südende einer Halbinsel. Vorgelagert die Insel Russki, dazwischen der östliche Bosporus. Die Peter-der-Große-Bucht hat zwei markante Teile, zwischen denen Wladiwostok liegt. Die Amur- und Ussuribucht. Die Stadt orientiert sich eher nach Westen zur Amurbucht.

Zweimal Goldenes Horn

Das Goldene Horn (Zolotoj oder Solotoi rog) ist die mitten in der Innenstadt liegende, gekrümmte Hafenbucht Wladiwostoks und der Hauptexistenzgrund für die Ansiedlung.

Die Namensgebung geschah in Anlehnung an das Goldene Horn in Kleinasien. Es ist ein gekrümmter Wurmfortsatz, der vom Bosporus abgeht. Das ursprünglich byzantinisch-griechische Goldene Horn wird heute von der Galatabrücke überquert und ist nach Keroessa, einer Nymphe und Mutter des Stadtgründers Byzas benannt. Byzas, Sohn des Poseidon, nannte den Meeresarm nach ihr Chryso Keras, was heute zusammengezogen geschrieben wird: Chrysokeras. Im Deutschen, Englischen und Russischen bedeutet Goldenes Horn das Gleiche. Im Türkischen heißt die innerstädtische Bucht im europäischen Teil des heutigen Istanbuls einfach nur Halic, „Mündung“.

Keroessa wurde von Zeus gezeugt, von Io auf der Landzunge Keras bei Byzantion zur Welt gebracht und von der thrakischen Nymphe Semystra aufgezogen. Nach Keroessas Mutter ist das Ionische Meer benannt. Byzas verwendete das Wort Horn/ Keras nicht für eine Landzunge oder Seezunge, sondern für die berühmte etwa 7 Kilometer lange Bucht, die Keimzelle Konstantinopels.
Die Yin-Yang-Beziehung von Wasser und Land wird durch die Mythologie deutlich.

Griechenland und Russland verbindet unter anderem das vorherrschende orthodoxe Christentum und das nichtlateinische Alphabet.

Ein Grund mehr, die Meerengen Wladiwostoks nach denen zwischen Schwarzem und Marmarameer zu benennen. Geographisch bietet es sich einfach an, einen nach zwei Seiten offenen, schiffbaren Meeressund (englisch: Sound) Bosporus zu nennen. Zudem, wenn eine gekrümmte, geschützte Meeresbucht abgeht, die einen idealen Naturhafen bildet: Das Goldene Horn.

„Sound of Vladivostok“ im Singular könnte auch ein Name für den östlichen Bosporus sein. Bedeutend: Der Sund von Wladiwostok.

Die Goldene Brücke überspannt es in Wladiwostok und verstärkt den Namen.

Gern erinnert man sich hier im Fernen Osten, wo es viele Monate bitterkalt ist, in der Nachbarschaft Koreas und Chinas, an Europa. Viele Stadtbewohner sind nur wegen der Arbeit hier und sehnen sich zurück in die Heimat. Nach Sankt Petersburg, einem anderen höchstwichtigen Hafen und Hort der Kultur, sind es 9522 Kilometer. Mit dem Auto dauert das zum Beispiel 122 Stunden.

Zum Stadtgebiet Wladiwostoks gehören auch vier Dutzend Inseln und der immerhin 257 Meter hohe Berg Cholodilnik (Kühlschrank).

Sounds of Vladivostok – Eine ungewöhnliche Komposition

Der griechisch-zypriotische Komponist schuf mit diesem Konzertfilm etwas höchst Ungewöhnliches.

Ihn faszinierten die Klänge so sehr, dass er sie aufnahm, den Bildern zuordnete und ein „Stück“ schrieb.

Der Komponist ist wie ein Dirigent, der jetzt gerade den Jagdflugzeugen zuwinkt, dann den Friedenstauben und anderen Vögeln und auf dessen Befehl das Wasser an den Schiffen (er-)plätschert.
Ganz verstehen wird man das wohl erst, wenn man es sieht. Und hört.

Beim Publikum löste der Film, den man entfernt mit einem Musikvideo vergleichen könnte, Begeisterungsstürme aus.

Wäre er bei der Berlinale im Wettbewerb gezeigt worden, hätte er den Alfred-Bauer-Preis gewinnen können.-

PS: Die Rinderfurt

Bosporus ist „natürlich“ ein griechisches Wort.

Es bezeichnet eine Meerenge, die Teil des Meeres ist. Zweimal im Atlantik beziehungsweise seinen Nebenmeeren, einmal im Pazifik.

Neben dem bekanntesten Bosporus, der 30 Kilometer langen Straße von Konstantinopel, gibt es am Schwarzen Meer noch einen zum Asowschen Meer: Die alten Griechen nannten die Straße von Kertsch zwischen den Halbinseln Krim und Taman „Kimmerischer Bosporus“. Er ist mit 40 Kilometern länger und an seiner schmalsten Stelle immer noch fast doppelt so breit wie der „Originalbosporus“ im Stadtgebiet von Byzanz, heute Istanbul.

„BOSPORUS“ bedeutet Rinderfurt oder Ochsenfurt. Das Huftier ist altgriechisch Bous, poros ist der Weg (russ. doroga). Führt der Weg durch flaches Wasser weiter, ist er eben eine Furt.

Nothing new. Und doch … Alles neu beim griechischen Filmfestival Hellas-Filmbox im Januar 2018 in Berlin-Friedrichshain (Urban Spree)!

Start




Premiere der Rocky Horror Show im Admiralspalast Berlin Friedrichstraße Janaur 2018

Eine eigene Welt. Heile Welt, Science Fiction? Rocky Horror Show ist vor allem Kult! Premiere mit Sky DuMont

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der Berliner Admiralspalast ist seit langem nicht mehr so erbebt. Lange waren die Schlangen am Einlass nicht so lang und die Saalreinigung hat meist auch weniger zu tun. Das Publikum ist vor Überraschungen nicht sicher. Dabei ist die Geschichte der Late Night Double Feature Picture Show bekannt. Sowas von bekannt, dass die meisten mitsingen können. Unzählige Ohrwürmer sind aus dem Musical hervorgegangen. Das alles und noch viel mehr ist Richard O‘Briens Rocky Horror Show. Eben noch in Oberhausen, seit dem 24. Januar in Berlin an der Friedrichstraße.

Vor allem Kult: Musical zum Mitmachen

Wir fragten die bekannte Kunst- und Filmkritikerin Lisa Streitfeld aus New York, wie und warum es wohl zu diesem Kultstatus gekommen sei. „Letztlich bleiben dabei Rätsel offen. Obwohl ich aus New York bin und die entsprechende Szene hauptsächlich an der Westküste residierte – in L.A. unter anderem – wird es wohl so gewesen sein, dass einige Dinge zusammenkamen. Es war die richtige Zeit und bekannte Namen aus der LGBT-Szene waren im Dunstkreis der Show dabei. Es war auch die Zeit des David Bowie.“
Bowie lebte unter anderem Ende der 70er Jahre in Berlin-Schöneberg.

Fest steht, dass dieses Musical wie kaum ein anderes Kult ist. Es sind auch regelrechte Rituale entstanden, die bis heute weiterleben. Teilweise werden sie dem unkundigen Publikum aber auch gern weitergereicht, um die Tradition aufrechtzuerhalten. Denn einen guten Teil der Attraktion der Rocky Horror Show machen der Kultstatus und die Mitmachrituale aus, die miteinanderzusammenhängen und sich Synergien liefern.

Die Rocky Horror Picture Show ist aus vielen, meist US-amerikanischen Spielfilmen bekannt. Während im Hintergrund Bilder an die Wand projiziert werden, spielen die Darsteller ihre Rollen, singen und warten fast darauf, dass an bestimmten Stellen bestimmte Einwürfe bzw. Aktionen erfolgen und die gute Laune und Begeisterung ausbricht.

Wenn zwischendurch der Vorhang fällt

Während der Vorhang unten ist, führt ein Erzähler durch die Geschichte. Auch dabei reagiert das Publikum.
An manchen Stellen wird hineingerufen „Boring“. Für diejenigen, die die Rocky Horror Show nicht kennen, unverständlich bis dreist. Selbst die der englischen Sprache kundigen Zuschauer schauen fasziniert zu. Hat man doch so etwas noch nie erlebt. Oder nicht auf diese Art. Mit der Freiheit, derartige Einwürfe zu machen, rechnet man vielleicht bei einer politischen Studentenveranstaltung an der Freien Universität Berlin. Wer könnte sich im Renaissance-Theater, in der Schaubühne oder Deutschen Oper so einen lauten, sogar wiederholten Einruf vorstellen?
Aber es ist – ähnlich wie beim Wrestling vielleicht – Teil des Spiels. Ohne die verbalen Angriffe auf den Erzähler würde dem Ganzen wohl etwas fehlen, würde es einfach zu glatt laufen.

Der Fanshop der Rocky Horror Show

Der Souvenirladen von Richard O‘Brien‘s Rocky Horror Show ist im Foyer aufgebaut. Gleich links, wenn man hereinkommt. Man erwartet Tassen, Aufkleber und allerlei bedruckten Firlefanz. (Mousepads sind irgendwie out, oder?!) Wir fragen an der Kasse, was denn am beliebtesten sei? „Die Mitmachtasche.“ Für zurzeit 10 Euro kann sie erworben werden und enthält alles, was das Fanherz begehrt, unter anderem Spielkarten und Reis. Vermutlich für die noch Unwissenden auch eine Anleitung, wie wann mit den Gegenständen zu verfahren ist.

Sky Du Mont

Cayetano Neven du Mont, besser bekannt als Sky du Mont, mimt dabei an den ersten Tagen den Erzähler. Er ist ein Spross der Verlegerfamilie DuMont.

Die Einwürfe aus dem Publikum – werfen ist für diesen Abend ein charakteristisches Wort – sieht Du Mont gelassen. Ruhig wie ein Berg sieht er von der Bühne auf das Publikum herab, ohne herablassend zu wirken. Er ist souverän, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Mit seinen 70 Jahren, die man ihm nicht ansieht, schmettert er die Angriffe locker zurück. Fast prallen sie an ihm ab wie an dem Schutzschild des Raumschiffs „Enterprise“.

Ruft jemand „boring!“, reagiert er manchmal gar nicht. Dann wieder sagt er: „Könnt ihr kein deutsch? Sagt es doch einmal auf deutsch!“ Viele Rufer sind irritiert, trauen sich nicht. Vielleicht sind sie auch nur Nachplapperer, die tatsächlich die deutsche Bedeutung des Wortes nicht kennen. Dann erklingt ein zaghaftes „langweilig“. DuMont kontert: „Sonst fällt euch nichts ein?“

Nicht verhindern kann er, dass er manchmal in seinem Redefluss gebremst wird. Dann spielt er seine Trümpfe aus: „Ich bleibe hier solange stehen, bis ich fertig bin. Ohne mich geht der rote Lappen nicht hoch!“
Gemeint: der repräsentative, Respekt verbreitende und altehrwürdige Vorhang des Admiralspalastes.

Ein anderes Mal sagt er: „Ich werde wenigstens bezahlt!“

Gegen Ende spaziert er auch als Teil des Geschehens beziehungsweise unbeteiligter Beobachter über die Bühne.

Seit 2011 übernimmt DuMont, dessen Stimme auch in Kinotrailern zu hören ist, immer wieder mal die Sprecherrolle in diesem Musical.

Die Band

ist eine Rockband voller Begeisterung. Ganz zum Schluss sieht man, dass sie nicht im Orchestergraben sitzt – schließlich sind wir nicht in der Deutschen Oper an der Bismarckstraße – sondern über dem Geschehen steht und sitzt. Das halbe Dutzend Musiker ist auch präsentabel angezogen, obwohl sie die meiste Zeit unsichtbar bleiben, dafür umso hörbarer. Für zartbesaitete Gemüter gilt: Ohrstöpsel für die lauten Stellen mitbringen.
Für alle anderen gilt: Vorher nach Reisresten, einer angefangenen Rolle Toilettenpapier oder unvollständigen Spielkartensets Ausschau halten – zumindest diese gibt es häufig. Einzelne Spielkarten kann man auch sonst nirgends benutzen.

Besser als Hertha BSC – Entschuldigung, Fans der alten Dame!

Bei jedem großen Fußballspiel gibt es Rituale. Gesänge, Schals, La Ola – Die Welle. Genauso zusammenschweißend erscheinen die Rituale, die sich im Laufe der Zeit um die Rocky Horror Show gebildet haben.
Hier wäre ein interessantes Studienfeld für Soziologen und Psychologen zu beackern. Auch die Gruppentheorie und Le Bons „Psychologie der Massen“ könnten angewendet werden. Gustave Le Bon schrieb sein Werk „Psychologie des foules“ bereits 1895. Wörtlich auch: ‚Psychologie der Menschenmengen‘. Englischer Buchtitel: „The Crowd: A Study of the Popular Mind“.-

Anschrift: Admiralspalast, Friedrichstraße 101, 10117 Berlin
Eingang ebenerdig im Hof

Besetzung der Rocky Horror Show in Berlin

Die Besetzungsliste vom 24. Januar (Premierentag) im Admiralspalast:

Die Band auf der Galerie

Musical Director & Keyboards: Jeff Frohner,
Keyboards/ Keyboard: Martin Morgenstern
Drums/ Schlagzeug: Hardy Fischötter
Bass: Robert Lindemann
Guitar/ Gitarre: Michel Santunione,
Sax (ophon): Matthias Jahner

Auf der Bühne („Cast“)

Frank‘n‘furter: Gary Tushaw,
Janet: Sophie Isaacs,
Brad: Felix Mosse,
Riff Raff: Stuart Matthew Price,
Magerita: Jenny Perry,
Columbia: Holly Atterton,
Rocky: Ryan Goscinski,
Eddie/ Dr. Scott: Daniel Fletcher.

Erzähler: Sky Du Mont*

Phantoms: Sarah Wilkie, Aaron Kavanagh, Paul Knights, Christopher Parkinson

Gastspiel in Berlin bis 10. Februar 2018 mit wechselnden Erzählern:

* bis Montag, den 28.1.: Sky Du Mont

30.1. bis 4.2.(Di.-So.): Dominic Boeer

6.2. bis 10.2. (Di.-So.): Martin Semmelrogge

Die Erstaufführung fand am 16. Juni 1973 am „The Royal Court Theatre Upstairs“ in der englischen Hauptstadt statt.




Der finnische Meisterkoch Sauli Kempainnen am Finnlandstand der Grünen Woche (IGW) 2018 in Halle 8

Superlecker Suppe, Seen und Wälder Finnlands. Sternekoch Sauli Kemppainen auf der Grünen Woche

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Finnland erhält zurzeit weniger Aufmerksamkeit als ihm gebührt. Die Zeitungen sind voll von Gerede über Syrien, Korea und die USA. Dabei feierte Finnland gerade seine Hundertjahrfeier. Am Dreikönigstag war das Jubiläum gerade mal einen Monat frisch. Am 6. Dezember 1917 wurde das Land unabhängig. Seit 1995 in der EU ist es das einzige skandinavische Land, wo man mit dem Euro bezahlen kann. Sauli Kemppainen ist eines der größten Geschenke Finnlands zum 100jährigen, die man sich vorstellen kann. Groß, stark, freundlich – und vor allem gut in dem, was er tut: Er ist Meisterkoch. Ein Sternekoch, der gerne kocht. Gerichte, die total lecker sind.

Das Drei-Gänge-Menü „Finnlands Seen und Wälder“

Nur der dritte Gang ist vegetarisch.

Vorspeise Tampere

(die drittgrößte Stadt Finnlands liegt im Südwesten im Inland zwischen Seen, dem Pyhäjärvi (Villilänsalmi) und dem Näsijärvi (Näsiselka), auf schwedisch heißt sie Tammerfors)

Linkosuo-Roggenchips mit Forellencreme und mariniertem Rinderfilet

Die mittelgroßen Chips sind durch die Auflage prima essbar. Die Konsistenz ist weder durchgeweicht noch zu hart. Keine Sorge um Ihr Gebiss!

Das Ergebnis: Deliziös. Appetit auf mehr.

Hauptgang Kuopio

(Die Großstadt Kuopio ist die neuntgrößte Stadt Finnlands und liegt im Osten etwa 200 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Mitten in der Seenplatte ist einer ihrer Besonderheiten, dass ihr Name mit einem Finger getippt werden kann. Alle Buchstaben auf der Tastatur sind dabei benachbart.)

Kalalappis finnische Forellensuppe aus kalt- und warmgeräucherter Regenbogenforelle

Taru Leppänen erläutert am Stand: „Natürlich können Sie dieses Gericht auch mit Lachs aus Schweden kochen, aber dann ist es eben kein rein finnisches Gericht mehr. Die Regenbogenforelle ist ein Süßwasserfisch aus den finnischen Seen.“ Und die finnische Seenplatte weltberühmt.

Dessert Loviisa

(Loviisa ist eine alte Kleinstadt an der finnischen Südküste. Sie erhielt 1745 Stadtrecht, als Friedrich der Große gerade einmal fünf Jahre regierte. Die 15.000 Einwohner, fast die Hälfte Finnlandschweden, genießen die Lage direkt am Meer. Der Finnische Meerbusen ist der östlichste Teil der Ostsee.)

Altnordischer Grießschaum mit Waldpreiselbeeren

Einfach nur lecker. Vermutlich auch gesund! Und endlich ist auch etwas für hungrige Vegetarier dabei.

Die Spezialitäten können zu einem günstigen Preis erworben werden, der eher einer Schutzgebühr ähnelt (2 Euro, Hauptgang 4 Euro!, alles zusammen acht).
Obendrein dient der Coupon, mit dem man das Essen erhält, wenn man das ganze Menü nimmt, als Los für ein Gewinnspiel. Der Hauptpreis ist eine Finnlandreise im Wert von über 3000 Euro. Der erste Gang und der Nachtisch kosten jeweils zwei Euro, für die Suppe, den Hauptgang, muss man das Doppelte berappen.
Bei allem Genuss wird man dabei satt und kann sich bei Bedarf persönlich bei Sauli Kemppainen bedanken. Das Bedürfnis dazu verspürt man vermutlich schneller als die Sättigung.

Sauli Kemppainen

wurde 1968 im Westen Finnlands geboren. Er teilt mit dem Staatsoberhaupt, dem Präsidenten Niinistö, den Vornamen.

Sauli Kemppainen ist nicht das erste Mal in Berlin. Nach seiner Meisterprüfung ging er ans „Savoy“ in Helsinki, um dann zu Michael Hoffmann an das Berliner „Margaux“ zu wechseln. Weitere Stationen waren das „Dieter Müller“ in Bergisch Gladbach, das „Tristan“ auf Mallorca und das „Fat Duck“ in Berkshire. Sowohl das „Dieter Müller“ als auch „Fat Duck“ sind Drei-Sterne-Restaurants.
Anschließend war er von 2009 bis 2012 in der „Quadriga“ und erhielt dort im Hotel Brandenburger Hof einen Michelin-Stern. Wieder Berlin.
Der Gault Millau gestand ihm 2012 17 Punkte zu.

Sauli Kemppainen, Gründer der „New Nordic Cuisine“

Aufmerksame Berlinale-Besucher haben bestimmt schon von der Sektion Kulinarisches Kino gehört. Dort lief ein Film, der auch von der „Neuen nordischen Küche“ erzählte. Diese verwendet skandinavische, örtliche Zutaten.

Sauli Kemppainen begründete die „New Nordic Cuisine“ mit. Moltebeeren, Rentier und Fisch stehen auf der Karte. Extreme Vertreter dieser Richtung zum Beispiel aus Dänemark versuchten, ausschließlich einheimische Erzeugnisse zu verwenden, was natürlich die Möglichkeiten beschränkt.

Das Drei-Gänge-Menü heißt weder zum Spaß noch aus Einfallslosigkeit „Finnlands Seen und Wälder“.

Alle Zutaten stammen aus Finnland. Zwar könnte man dieses Menü zum Beispiel mit schwedischem Lachs kochen, doch nur mit der Regenbogenforelle, einem Süßwasserfisch, besteht es aus rein finnischen Zutaten.

Kemppainens Geburtsstadt Oulu liegt an der Mündung des Flusses Oulujoki (finnisch für ‚Oulu-Fluss‘) in die Ostsee.

Oulu beherrscht das Ende des Bottnischen Meerbusens, der Finnland und Schweden trennt. Dieser nördliche Teil des Meerbusens heißt Bottenwiek. Das Wasser ist hier so brackig, also so wenig salzig – weniger als 0,3% – dass hier auch Süßwasserfische leben.

Sauli Kemppainens Heimat

Meisterkoch Sauli Kemppainen ist also ein „Alt-68er“. Der Ort, wo er geboren wurde, Oulu, heißt schwedisch Uleåborg. Immerhin eine Großstadt von 200.000 Einwohnern, mehr als Klaipeda (Memel), das es als wichtige Hafenstadt an der östlichen Ostsee heute auf gut 160.000 Einwohner bringt.

Oulu führt den Fisch auch im Wappen (einen blauen Lachs). Doch es ist nicht nur eine Gourmetstadt, sondern durchaus kulturbegeistert:

Berühmt ist die Stadt für die Luftgitarren-Weltmeisterschaft und den „schreienden Männerchor“, „Mieskuoro Huutajat“.
Die WM, in der pantomimisch das Spielen einer E-Gitarre nachempfunden wird, gibt es seit 1996. Sie ist Teil des Oulu-Musikvideo-Festivals (Oulu Music Video Festival) oder, original, Oulun Musiikkivideofestivaalit.

Da es nur fünfeinhalb Millionen Finnen gibt, ist Oulu ein wichtiger Ort.

Es ist unter den größten sechs finnischen Städten die einzige, die nicht im Süden ist.
Oulu hat Turku, noch 1990 viertgrößte Stadt des Landes, den Rang abgelaufen.

Oulu ist die am schnellsten wachsende Stadt weit und breit und hat seine Einwohnerschaft innerhalb von 40 Jahren fast verdoppelt. Seit 2010 ist es die fünftgrößte Stadt und hatte vor zwei Jahren mehr Einwohner als Vantaa auf Platz vier 2010 hatte.

Die Provinzen – es war einmal

Bevor in jenem Jahr 2010 die Provinzen abgeschafft wurden, führte eine den Namen „Oulu“. Das ist in mehrfacher Hinsicht besonders. Es gab nur 5 Provinzen. West-, Ost-, Südfinnland, Lappland, das im Norden liegt, und dazwischen Oulu. Die einzige Provinz, die nach einer Stadt benannt wurde, war Oulu. Noch nicht einmal eine Provinz „Helsinki“ gab es; die Hauptstadt lag in „Südfinnland“.

Lage/ Findehindeweis auf der IGW

Finnland, Internationale Grüne Woche, Halle 8.2.
Die Halle 8 ist unweit des Großen Sterns, der am Funkturminnenhof liegt. Vom Großen Stern geht man durch die Halle des Partnerlandes Bulgarien und ist – schwups – am Ziel.

Ein Ameisenhaufen. Gut besuchte Grüne Woche in Berlin, deutschschweizer Dialekt, litauische Leckereien und ein Besuchstipp

https://www.gruenewoche.de/

Bis 28. Januar 2018.

(Angaben ohne Gewähr)




Unter dem neuen Palazoo-Zelt am Bahnhof Zoo, Hertzallee. Einer der wenigen Pfeiler.

Palazzo? PalaZOO! Hans-Peter Wodarz und Kolja Kleeberg mit Super-Zelt auf ehemaliger Riesenrad-Freifläche am Berliner Zoo

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Palazzo wird langsam erwachsen. Die Kinderkrankheiten sind ausgestanden, das Konzept ist geblieben. Jedes Jahr eine neue Show, beste Musik und ein exquisites Vier-Gang-Menü. Doch was nützte es, falls man nicht gerade auf dem Super-VIP-Logenplatz direkt vor der Bühne saß?

Viele Plätze im zweiten und dritten Ring waren ganz gut, doch die Pfeiler versperrten zu oft die Sicht auf die Künstler. Diese weigerten sich, im freien Sichtfeld eines bestimmten Zuschauers zu jonglieren, tanzen, singen und springen – sie bewegten sich ständig!

Sogar wenn sie sich dicht unter die Decke, pardon, unter das (Himmels-)Zelt schwangen, gerieten die Artisten manchmal außer Sicht. Oder sie erschienen wegen eines der vielen Pfeiler zweigeteilt wie die zersägte Jungfrau, die früher im Zirkus ein Klassiker war. Und das war schade, denn die Darbietungen waren wirklich exquisit.

Lauter Hingucker, auf dem Teller, der Bühne, in der Manege

Doch nun ist alles anders! 14 LKW brachten einen neuen, 15 Tonnen schweren Spiegelpalast, der mit 140 Lüstern ausgeleuchtet wird. Jetzt kann man praktisch von jedem Platz aus so gut wie alles sehen.

Palazzo war schon lange ein Erlebnis für Gaumen, Augen und Ohren; wenn man sich die Zeit nimmt, kann man es jetzt richtig genießen.

Wer zum Beispiel in Berlin-Tegel landet, setzt sich in den 109er Bus und lässt sich kohlendioxidfreundlich und entspannt kutschieren. So biegt man am Adenauerplatz auf den Kurfürstendamm ein und am Kranzlereck Richtung Zoo. Statt an der Haltestelle „Zoologischer Garten – Endhaltestelle“ auszusteigen, fährt man nach dem Motto „Sie können noch bis zur Betriebshaltestelle mitfahren“ bis zur allerletzten Station. Mit dem Bus X9 vom Flughafen Tegel (TXL) erzielt man ein ähnliches Ergebnis, sogar schneller, verpasst nur den einstimmenden Blick auf den Ku‘damm.

Am Ziel angekommen keine Spur von dem Matsch, den so manches Zirkuszelt umgibt. Auf breiten, mit dezent bunten Steinen gepflasterten und gut beleuchteten Wegen geht es vorbei an Pflanzungen. Am Eingang tritt man durch die eventuell bereits gewohnten Holztüren ein. Nicht durch einen Vorhang, wohlgemerkt.

Sofort ist man in der angenehm gut beheizten und gut schallgedämmten Palazzowelt.

Circus Flicflac erlaubte sich an derselben Stelle noch den Scherz mit einer Reihe von Türen von Dixitoiletten – natürlich in einem anderen Zelt. Das war eine Saison zuvor und ist Schnee von gestern, längst vergessen.

Palazzo hat hier alles verbessert, nicht nur sich selbst an allen Ecken und Enden, sondern auch das Umfeld.
Im „Spiegelpalast“ des Palazzo kann man sich so wohl fühlen wie in jeder anderen edlen Location. Im Foyer ein Getränk zu sich nehmen, Smalltalk pflegen und – sich willkommen geheißen fühlen. Oft begrüßen einen die Gastgeber Wodarz und Kleeberg persönlich. Einem schönen Abend, auch wenn man diesen nicht zu früh loben soll, steht nichts mehr im Wege. Außer – der größte Feind des Menschen ist der Mensch – man steht sich selbst oder dem Genuss im Wege.

Nach der Begrüßung interessiert die meisten das Menü

Wie bei der Show so steht auch im Programmheft eine herzliche Begrüßung am Anfang, dann steht das Menü im Fokus. Die Neugierde auf die Darbietungen können die meisten wohl im Zaume halten, nicht aber ihre Frage: „Was gibt es denn heute?“

Eine Antwort, ohne die es nicht geht: Vegetarisch oder nicht?

Auf den Seiten 6 und 7 wird das Vier-Gang-Menü dargestellt, in seiner klassischen und vegetarischen Variante, unter denen man rechtzeitig auswählen muss. Da diese Entscheidung weniger von der Speisekarte abhängt als von grundsätzlichen Überlegungen, konzentriere ich mich auf das Vegetarische.
Der Schnickschnack von ‚vegan‘ ist nichts für Kolja Kleeberg und wäre auch aus organisatorischen Gründen schwierig. Die einzelnen Gänge werden innerhalb von 10 Minuten serviert. Das bedeutet, dass beispielsweise alle 1,7 Sekunden eine Vorspeise die Küche verlässt. Mehr als zwei Menüs würden die Logistik sprengen. Eine Veganvorgabe zudem die Gestaltungsmöglichkeiten beim Menü stark eingrenzen und wohl auch nicht den Geschmack der Mehrheit treffen.
Beide Menüvarianten haben als 4. Gang ein identisches Dessert.

Die Speisekarte

„Vegetarisch“ beginnt mit Rote-Bete-Linsen mit Tamarindendressing, Wildkräutersalat und gepufftem Wildreis.
Wer sagt, das habe er schon einmal gegessen, dem glauben wir nicht.
Im Zwischengang gibt es ein Klare Tomaten-Consommé mit Basilikumsoufflé und weißen Bohnen. Schließlich will man ja auch ein kleines bisschen satt werden.
Der Hauptgang bietet einen Pilzstrudel mit Taleggio, violettem Senf und wildem Broccoli.
Zum Nachtisch darf man sich freuen auf eine Tarte von Dulce de Leche mit Gewürzmandarinen, dunklem Schokoladensorbet und Pistazienmacaron.

Die klassische Variante, die noch die Mehrheit bestellen dürfte, kombiniert das Tomatenconsommé mit Krustentieren, Garnelen und Meeressprossen-
Im Hauptgang gibt es Kalbsfilet im Steinpilzbrotmantel an Rotweinschalotten, Liebstöckelsalz und Panisse

Schau an, was für eine Show

Zu verantworten hat die Show Verena Schmidt. Die unprätentiöse kleine Frau kann definitiv leicht übersehen werden – was ihr nicht angemessen ist, vielleicht aber ihre Arbeit als „Artistic Director“ erleichtert. Sie meint von sich selbst, dass die drei Wörter ‚Neugierig‘, ‚strukturiert‘ und ‚ehrgeizig‘ sie am besten beschreiben. Die gute Art von ehrgeizig und die Strukturiertheit glauben wir ihr aufs Wort. Unstrukturiert könnte man so etwas Tolles nicht auf die Beine stellen. Und Neugier? Dieses Jahr ist so eine runde, erstklassige Show zustandegekommen, dass die Fähigkeit und der Wunsch, Neues zu entdecken zu wollen, wohl dazugehört.

Tänzerinnen und Humor

Der Abend besteht aus vielen Elementen, die Revuetänzerinnen Natalie Brooker und Chanelle Freeland gehören dazu. Freeland sagt, der bislang beste Moment ihres Lebens sei das Gefühl gewesen, nach mehrjährigen Reisen nach Hause zu kommen. Nach Hause, das ist für die beiden Australien. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass sie als Ort, den jeder einmal im Leben besucht haben sollte, Byron Bay angeben. Wegen der wunderschönen Strände und Berge. Cool wie Models blicken sie in die Kamera, etwas farblos und blass scheint es. Sie sind groß und schlank, fast hager. Um beurteilen zu können, was die beiden „drauf haben“, müssten sie länger am Stück auftreten.

Glanz & Gloria

Die neue Show heißt „Glanz und Gloria“, das wird ihnen auch zugeschrieben. Sie treten in edlen, handgefertigten Kostümen auf.
Bei der Vielzahl von Künstlern, die auftreten – während der Saison sind rund 80 Mitarbeiter und Künstler täglich auf den Beinen – haben es die Komiker und die Artisten leichter, die Aufmerksamkeit zu erheischen als die Tänzer.
Ein Clown braucht quasi nur die Zeit bis zur Pointe zu überbrücken und was die Artisten präsentieren, gehört meist in die Schublade „Wow“. Comedy Director ist Aitor Basauri aus Spanien; sein Vorbild ist Harpo Marx, der Entertainer.
Es schickt Miss Frisky ins Rennen, die durch den Abend führt und Zahir Circo, Comedians, die zaubern können. Tolle Männer.

Miss Frisky tut recht vulgär, kann aber so singen, dass man sie sofort ernst nimmt! Sie war erfolgreich an der Oxford-Universität und absolvierte die Royal Academy of Music mit Auszeichnung.
Mir persönlich gefiel der Gesang viel besser als ihre Rolle als Moderatorin mit rosa Perücke. Geschmackssache. Wenn gerade nicht Palazzo-Saison ist, tourt sie solo oder im Komikduo „Frisky & Mannish“ um die Welt.

Die Band ist bekannt

Die deutschkanadischen Lonely Hearts sind reumütig in den Palazzo-Schoß zurückgekehrt, schön.
Von den Showacts möchte ich so wenig wie möglich verraten, außer das sie sehenswerte, nie gesehene Kracher sind.

Wenn der Wecker nicht klingelt

Zahir Circo, das sind Kike Aguilera aus Barcelona und Luciano Martin aus Buenos Aires. Die Lingua Franca Spanisch ermöglicht ihre reibungslose Zusammenarbeit. Kike findet, das beste am Künsterleben sei, dass morgens kein Wecker klingelt. Er bedankt sich dafür bei der Welt, in dem er ihr Lachen schenkt.

Männer, die nicht sägen können

Zum Glück ist es ihnen noch nicht gelungen, sich zu zersägen. Entweder gelingt das nur Jungfrauen oder sie haben es einfach nicht drauf.
Schön, dass Zerstörungswut nicht immer zielführend ist.
Kikes unvergesslichster Auftritt war vor gut zehn Jahren in einem Flüchtlingslager in Namibia. Vor tauben und blinden Kindern.

Anschrift: Neue Adresse: Hertzallee am Bahnhof Zoo, 10787 Berlin
Viele Kudammbusse und/oder die Direktverbindungen 109/ X9 zum Flughafen Tegel.
Bus 46, 49, X34, X49, 110, 100 und 200. S-Bahnen der Stadtbahn und U2. Seit dem Brand in der Silvesternacht keine Regionalzüge.




Musikgruppe Walk-a-tones in Hessen-Halle 22 auf der83. Internationalen Grüne Woche IGW 2018

Sie laufen durch Hessen und Partnerland Bulgarien … Die Internationale Grüne Woche ist auch ein Ort für Musik, Tanz und kleine Konzerte

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Als Konzertsaal sind sie ungeeignet, die Messehallen am ICC und Berliner Funkturm. Man kann sie sehr variabel umbauen, doch gibt es auf der Messe einfach zu viele Nebengeräusche. Trotzdem jagt auf der Internationalen Grünen Woche 10 Tage lang eine Vorstellung die nächste, oft sogar gleichzeitig in mehreren Hallen. Bereits bei der feierlichen Eröffnung am Donnerstag abend zeigte das Partnerland Bulgarien, dass es ein Hort der Kultur ist.

Nicht das Gastland ist für die Unterhaltung bei der Auftaktveranstaltung zuständig. Bulgarische Musiker und Tänzer lieferten eine tolle Show ab und zeigten, dass verstaubte Vorstellungen von dem osteuropäischen Land überholt sind. Sie erzeugten mit Musik und Tanz mehr Begeisterung beim Publikum als der gutgelaunte Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt und sein bulgarischer Amtskollege Rumen Porodzanov.

Die Landwirtschaftsminister, die Urwälder und die Musik

Christian Schmidt (CSU) und Porodzanov, Minister für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten, hielten vor geladenen Gästen durchaus wichtige Reden. Schmidt machte sich um die Insekten Sorgen und versicherte, dass nur soviel Glyphosat eingesetzt würde, wie nötig. Bienenhecken und Blütenstreifen sollen den kleinen Viechern das Überleben ermöglichen.
Porodzanov überraschte viele mit der Information, dass 10% der bulgarischen Wälder jahrhundertelalt sind.

Partnerland Bulgarien bietet Berge, Rosenduft und Musik

Wunderschöne Bilder von Rosen, Feldern und Bergen waren auf riesigen Großbildflächen zu sehen, eine technische Meisterleistung.

Doch die Begeisterung entstand immer wieder durch die Musik. Sie ließ die Zuhörer mitgehen und am Ende frohgemut den Saal verlassen.

Dudelsack und Volkstanz

Am Freitag, die Messehallen sind endlich geöffnet, eröffneten die Bulgaren den Stand der Partnerlandes. Tänzer in traditionellen Trachten fließen durch den Saal. Ein Dudelsackspieler fasziniert das Publikum. Traditions- und Liedgutpflege lässt europaweit erkennen, wie erstaunlich weit das Instrument verbreitet war. Der Dudelsack gehört nicht nur nach Schottland.

Das Partnerland Bulgarien und das ABC

Beschwingt stellen sich so die Besucher nach Köstlichkeiten an. Auf der Grünen Woche wird ihnen allerhand geboten, und bei weitem nicht nur für Gaumen und Magen.
Das Partnerland Bulgarien steht im Länderalphabet hinter Botswana. Vergangenes Jahr elektrisierten afrikanische Tänzer auf der Riesenbühne im ICC-Ersatz City Cube die Zuschauer. Die Grüne Woche 2017 hatte Ungarn als Partnerland, die ITB Botswana. Ob das Partnerland nach dem Alphabet ausgesucht wird? Ist bald China oder Cuba dran? Kuba dürfte dann vielleicht gegen Extragebühr 10 Tage lang einen Buchstaben am Cube überhängen.

Was wird früher fertig: BER oder ICC?

Das ICC Berlin zwischen Ringbahn und Funkturm ist übrigens noch geschlossen. Die letzten Flüchtlinge zogen im September kurz vor Beginn der IFA aus. Umbau und Sanierung werden in die Länge gezogen. Das internationale Kongresszentrum ICC lässt sich unterteilen wie ein Schiff mit Schotten. Die Sanierung könnte längst auf einem guten Weg sein. Im Gegensatz zu dem neuen Flughafen auf der grünen Wiese, der 2012 eröffnet werden sollte, sind hier keinesfalls die Architekten, Bauarbeiter oder Bauplaner schuld. Die Arbeiten werden einfach nicht begonnen, die Landespolitiker schieben den Schwarzen Peter einem Investor zu und verursachen so trotz voller Kassen Stillstand.

Messe braucht Gebäude, ICC steht leer: Dornröschenschlaf

Die Messe Berlin ist eine Melkkuh der Stadt, viele Messen sind Leitmessen und ziehen Hunderttausende in die Hauptstadt. Messechef Göke hat seit Jahren Platzprobleme und denkt an den nächsten Neubau auf dem Messegelände. Derweil ziehen die Massen vom S-Bahnhof Messe Nord/ ICC am architektonischen Wunderwerk vorbei Richtung Funkturm und Sommergarten. Das „Alumonster“ ICC, wie mancher Berliner es liebevoll nennt, ein hochdurchdachter Ort der Geschäftigkeit und Begegnung, schläft noch einen Dornröschenschlaf.

Aroma der Sonne, Erlebnisse der Sinne

Währenddessen ist in Halle 10.2 – in der Nähe des „Großen Sterns“ – das Gedränge groß. Das Partnerland Bulgarien der 83. Grünen Woche feiert unter dem Motto „Aroma der Sonne“ die zusätzliche Aufmerksamkeit. Auf der Homepage der Grünen Woche oder IGW steht dazu: „Erlebnisse für alle Sinne“. Das trifft den Nagel auf den Kopf.
Die Augen essen nicht nur mit, sondern erfreuen sich an den Künstlern und Tänzern mit ihren farbigen Kleidern, bunten Tüchern und typischen Kopfbedeckungen. Die Ohren kommen auch auf ihre Kosten.

Hessen in Halle 22 nicht ohne Musik

Wer nach einiger Zeit nicht mehr sicher ist, ob ihn die Dudelsackmusik erfreut oder nicht, verlässt die Halle 10.2. (Das Wort „Gedudel“ wird heute meist nicht mehr neutral gebraucht.) Irgendwann trudelt er vielleicht in Halle 22 ein. Stand 151 ist vom hessischen Ministerium für Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUELV) gemietet. Doch keine Sorge, die Länderhalle Hessen findet man auf dem Weg zum Ausgang Nord am Hammerskjöldplatz ganz automatisch.

20er-Jahre-Klänge bei der 83. IGW seit 1926

Vielleicht wird man von den Klängen der 20er Jahre dazu bewegt, die Schritte zu verlangsamen. Sich an den gastlichen Tischen des wohlhabenden Bundeslandes niederzulassen und hessische Spezialitäten zu probieren. Ein halbes Dutzend Musiker stimmt „der kleine Kaktus“ auf dem Balkon und manch andere Melodie an, die einst kleine, vielstimmige Herrenensembles sangen. Die „Walk-a-tones“ bestehen aus einer Sängerin und einem Sänger, zwei Akustikgitarren, Geige und Kontrabass.

Sonst nur auf geschlossenen Gesellschaften, jetzt auf der Grünen Woche

Die Gruppe spielt meist auf geschlossenen Gesellschaften in Frankfurt am Main und „Umgebung“. Eine Platte oder CD haben sie nicht herausgebracht. Sie covern eher. Eine seltene Gelegenheit, die Walk-a-tones und ihre Leadsängerin zu erleben, ist die Grüne Woche. Hier kann man eine Eintrittskarte kaufen und ist dabei. Langeweile ist anderswo. Fürs leibliche Wohl ist gesorgt.

Eintrittskarten: Dauerkarte 42 Euro, Tageskarte 15 Euro, Schulklassen mit Schulnachweis 4 Euro pro Schüler, Familienkarte 31 Euro, Gruppenkarte 12 Euro ab 20 Personen, Sonntags-Ticket 10 Euro, diese für Schüler und Studenten 5 Euro.

Ab Freitag, den 19. Januar 2018. Ort Messegelände am Funkturm und ICC in Berlin-Charlottenburg. S-Bahn Messe Nord/ICC (S41/ S42 Ring).

https://www.gruenewoche.de/

www.walk-a-tones.de

Hier geht es zum Artikel über die Grüne Woche des vergangenen Jahres:

Es grünt so grün… – Internationale Grüne Woche und Green-Me-Filmfestival lassen Berlin erstrahlen




Irish-Celtic-Show in Deutschland, Stepp-Tanz und traditionelle Live-Band mit irischer Musik

Temporäre Pubs im Admiralspalast und Deutschen Theater! „Urgemütliche Eckkneipen“ mit bester irischer Live-Musik – mit „Irish Celtic“ kommt ein hervorragendes Stepp-Ensemble nach München und Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Air Berlin hat dichtgemacht, dafür fliegt Easyjet ab heute von Berlin-Tegel. Der erste Flug geht nach München. Wer in einer der beiden Städte auf die Idee kommt, mal wieder die angenehme Atmosphäre des „großen Wohnzimmers“ eines echten irischen Pubs zu besuchen, braucht gar nicht erst in den Flieger zu steigen. Er findet bis zum 7. Januar täglich in Berlin und vom 3. bis 8. April in München vor der Haustür die perfekte Lösung: den Irish-Celtic-„Pub“. „Irish Celtic – Spirit of Ireland“ ist bester Stepp-Tanz mit einer traditionellen Live-Band und die einzige Tanzshow mit eigenem Irish Pub. Der Wirt des „Pubs“ führt durch den Abend, sucht eine Frau für seinen Sohn, dessen liebste Beschäftigung es ist, mit einem alten Besen zu tanzen.

Mythen und Geschichten, Feen und Elfen

Wirt Paddy lässt die irischen Mythen und Geschichten wiederaufleben, die sich in den Ritzen zwischen den Bohlen vorübergehend versteckt hielten. Er zaubert schönste irische Musik auf die Bühne, feenhafte Gestalten und elfengleiche, irreal wirkende Tänzerinnen in dünnen, wehenden Kostümchen. Träumerische Melodien erklingen, dann wieder handfeste, klassische Folksongs, zu denen man klatschen kann, abgelöst von stürmischen Tänzen.
Die betörende irische Gastfreundschaft wird erlebbar gemacht. Man befindet sich mitten auf dem Dorfplatz eines Marktfleckens, in den zu einer großen Hochzeit von weither die Menschen zusammengeströmt sind um zu feiern. Auch wer nüchtern bleibt, vergisst freudetrunken den Alltag.

Bei Irish Celtic sind die Boden-Dielen die Bretter, die die Welt bedeuten; ist der Tanz-Boden der Tatsachen der Startpunkt für Flüge in die Vergangenheit großer Dichter, für Traumreisen in die Mythologie und auf das Deck der Titanic. Die Musik entführt einen und die Tänzerinnen schweben mit.

Das Tanzensemble ist schlicht hervorragend. Großartige 16 Tänzer und Tänzerinnen. Doppelt so viel Frauen wie Männer und den Sohn des Wirts nicht zu vergessen – mit oder ohne Besen.

Jeden Tag in die Kirche

Der Erzähler Jonathan Agar als Wirt „Paddy“ gibt Kunde von den keltischen Brüdern aus Schottland, mit denen man sich immer gut verstanden habe und wettert gegen die Engländer. Erst am Nikolaustag 1921 gewannen die Iren die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich.
Der Nationalfeiertag ist der 17. März, St. Patrick‘s Day. Doch ein Ire hat jeden Tag Grund zu feiern! Und er ist jeden Tag in seinem Wohnzimmer, dem Pub. Der Pub ist auch die Kirche und so gehen die Iren täglich hin.

Immer wieder zieht Agar alias Paddy über die Engländer her. Er darf das, denn er ist selber einer.
Der Mann am Klavier ruft nach einem Bier, Paddy lässt sich breitschlagen und gibt den fünf Musikern einen aus. Nicht ohne seinem Sohn einzuschärfen: „The small glasses!“

Die Band

Der Mann am Piano heißt Anthony Davis und ist der musikalische Direktor. Seit dem er 15 ist, brennt seine Leidenschaft für die irische Musik.

Der Solosänger an der Gitarre ist der Singer-Songwriter Daniel Byrne.

Ein Akkordeon darf nicht fehlen. Der Mann, der es spielt und auch die „Whistles“, heißt ebenfalls Daniel und mit Nachnamen – kein Witz! – McGuinness. Er hat gerade in Schottland sein Studium schottischer Musik abgeschlossen, gewann aber schon vor über einem Jahrzehnt die All-Ireland Championships. Bisher zweimal. Er spielte unter anderen 2012 bei den Olympischen Spielen in London.

Die Sängerin und Fiddle-Spielerin heißt Bernadette Kellermann und wohnt seit 2014 in Glasgow. Die gebürtige Deutsche komponiert und arbeitete im vergangenen Frühjahr bei den „Irish Celtic Generations“ mit.

Der Wind und die Musik Irlands

Der fünfte im Bunde – wie könnte es echt-irisch anders sein – ist der Dudelsackspieler.
Sein Name klingt wie die sturmumtosten Klippen Connemaras, wie die grünen Wiesen und die steinernen Wälle, hinter denen sich niedrige Bäume vor den starken Winden des offenen Atlantiks ducken. Er stammt aus den Nordwest-Highlands und vereint schottische Erziehung mit irischem Erbe. Saiteninstrumente sucht man in seinen Händen vergeblich.

So kräftig und ausdauernd wie der Wind, der je nach Richtung und Windstärke die unterschiedlichsten Klänge in den Lochs und Buchten erzeugt, gegen Felsen donnernd, Gischt verspritzend und über die Hügel pfeifend, bläst der Musiker diverse Pfeifen bzw. Pipes, Whistles und Flutes.
Sein Name – und das kann man sich ruhig auf der Zunge zergehen lassen – ist: Conal McDonagh.

„Irish Celtic – Spirit of Ireland“ im Admiralspalast in Berlin-Mitte
Friedrichstraße 101, 10117 Berlin
U-, S- und Fern-Bahnhof Friedrichstraße

Freitag, den 5. Januar 2018, 20 Uhr

Samstag, den 6. Januar 2018, 16 Uhr und 20 Uhr

Sonntag, den 7. Januar 2018, 14 Uhr und 18 Uhr

Eintrittskarten ab Euro 26,50

„Irish Celtic – Spirit of Ireland“

in München – Deutsches Theater vom Di., 3. bis So., 8. April 2018

www.irishceltic.de