Algen essen und die Welt retten. Wie Umweltschutz lecker und gesund sein kann

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Beim Algenfang in Galicien, einem Meeresalgenerntegebiet des Atlantiks vor Spanien.
Am Algamar-Stand in Halle 1 der Grünen Woche wurden Meeresalgen probiert. Was links wie ein glücklicher Fischer aussieht, ist keiner. In der Hand hält er nicht Neunauge oder Aal, sondern Algen. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Algen? Haben manche noch nie gegessen. Die grüne Farbe verjagt viele – zumindest bei Smoothies. Manche Berliner Anbieter haben nicht nur gelbe, rote und orange Sorten im Angebot, sondern auch grüne. Nicht der Renner. Flüssigem Fruchtbrei und Algen gemein ist das Vegetarische. Und vegetarisch zu essen, ist nicht nur „gesegnet“ – angeblich waren Noah und seine Familie Vegetarier und Gott hat damals vor dem langen Regen und der Sintflut außer den Tieren nur die Vegetarier gerettet: Noah, seine 3 Söhne und ihre Frauen, also 8 Personen – es ist auch gesünder und rettet vor allem die Welt vor einer Klimaaufhitzung. Gott sei Dank waren die Inder fast alle Vegetarier, bis auf eine muslimische Minderheit (von immerhin heute 172 Millionen indischen Moslems oder 14 Prozent) und andere Minderheiten (gut 2 Prozent Christen, knapp 2 Prozent Sikhs und weniger als ein halbes Prozent Juden, Zoroastrier, Unreligiöse und andere). Warum wir Indien erwähnen?

Die Welt vegetarisch? Ohne Indien geht es nicht

Wenn wir eine weltweite Betrachtung anstreben – und Klimawandel ist nicht hausgemacht – kommen wir an Indien nicht vorbei. Vor vier Jahren wuchs Indiens Wirtschaft schneller als die Deutschlands, Chinas und aller anderen G20-Staaten. Indien ist nominell die sechsgrößte Wirtschaftsmacht der Welt, obwohl es nicht zu den G7 zählt. Italien ist überholt. Kaufkraftbereinigt ist Indien wirtschaftlich sogar die Nummer 3 in der Welt – trotz der vielen Armen.

Was die Bevölkerungszahl angeht, hat die Volksrepublik China, der große chinesische Staat, die 1,3 Milliarden lang überschritten und stand vergangenes Jahr nur 4 Millionen und 620.000 Menschen von den 1,4 Milliarden entfernt. Etwa die Einwohnerzahl Berlins fehlte noch. Doch Indiens Bevölkerungszahl hatte 2017 auch bereits die 1,3 Milliarden überschritten – um 40 Millionen. Als sicher gilt, dass es bald mehr Inder als Chinesen gibt. Und da es immer noch Hunderte Millionen arme Inder gibt, aber eine wachsende Zahl von wohlhabenden – und wir sprechen hier nicht von Tausenden, sondern von einer viel größeren Zahl – kann man nicht mehr davon ausgehen, dass dort fast kein Fleisch verspeist wird. In einem der jüngsten Dokumentarfilme zum Thema, die dem neuen „Climate Warriors“ (2018, Regie: Carl-A. Fechner, Co-Regie: Nicolai Niemann, Fsk 6) vorausgingen, zeigte ein indischer Unternehmer stolz eine seiner vielen Hühnerfarmen.

Wie wir wissen, kann man mit einer Portion Getreide jemanden sattmachen. Um Schweine- oder Rindfleisch „herzustellen“, braucht man aber 8 bis 12 Portionen. Obendrein produzieren die Kühe viel Methan, das auch als Treibhausgas gilt. Wir brauchen also dringend Alternative und Alternativen – zum Beispiel Algen. Viele Vegetarier helfen viel und können das Weltklima retten, sich selbst und das Leben vieler Tiere, die sonst geschlachtet würden.

Überleben auch 2040: Der Film „2040“, bei Berlinale Generation präsentiert, zeigt die Lösungen

Rein aus Klimasicht sind Algen einfach grandios. Wir wissen, dass warmes Salzwasser starkes Wachstum ermöglicht. Eigentlich ist auch der menschliche Körper mit seinen zwei Dritteln Wasseranteil und seinem 0,9 prozentigen Kochsalzmilieu eine Art Warm-Salzwasserbehältnis mit Seele.

Im warmen Meerwasser wachsende Algen sind eine der Turbolösungen, mit der man viel Kohlendioxid wieder einfangen könnte, neben Biolandwirtschaft, um im Boden wieder mehr Kohlendioxid anzureichern.

Aus Recyclingplastik gebaute Plattformen dienen als Wuchsstelle für Algen. Von Wellenkraft angetriebene Pumpen bringen nährstoffreiches Wasser von tieferen Schichten nach oben. In Oberflächennähe wachsen die Algen schnell. Sonnenlicht und Photosynthese, deswegen das Grün – da war doch was? War das nicht im Bio-Unterricht? Gemeint ist hier nicht der Unterricht fürs Leben („Non scholae, sed vitae discimus“), sondern der Biologieunterricht.

Okay, Algen, die retten also das Klima. Aber was macht man damit?

Essen.

Gesund und nährstoffreich, darüberhinaus vegetarisch und sogar vegan; ein nachwachsender Rohstoff.

Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Wir haben uns mal umgeschaut. Woher kriegt man die Algen? Aus dem Bioladen, schon klar, und woher nehmen die die?

Was läge näher, als auf der Grünen Woche nach doppelt grünen Produkten zu suchen. Gleichzeitig sollte es natürlich gut schmecken – Gourmetqualität, wenn‘s geht. Und das gibt es. Wir sind fündig geworden in Halle 1 am Stand von Algamar. Algen aus dem Atlantik – naheliegend, naheschwimmend, nahetreibend.

Algen: Aller Anfang ist grün

Atlantisches Gemüse auf der Internationalen Grünen Woche Berlin 2019.
Stand 151 in Halle 1.2 der Grünen Woche: Meeresalgen satt. Algen, das Gemüse des Ozeans. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Wo fängt man an?

Wir haben uns mal eine Starterbox von Algamar besorgt (algamar.de). Sie enthält im recycelbaren Tragekarton fünf Päckchen Meeresalgen inklusive 5 Rezeptkarten. Je eine Tüte Wakame, Nori und Dulse, dann ein Tütchen „Algen für Salat“, die alle drei Sorten enthalten, und eine Packung Meeresspaghetti (25 Gramm).

Apropos Anfang: Kam das Leben nicht aus dem Meer? Am Anfang war die Alge?

Ach nein, das Wort.

Algen als Produkt: Kein Glas gleich

Direkt vor Ort auf der Grünen Woche konnte man am Algamar-Stand auch Produkte aus dem Glas probieren. Zum Beispiel eingelegte Algen (wer nur englisch versteht: Marinated Seaweed – dieses Weed ist legal). Diese Algen in Marinade sind leckerer als gedacht. Das 190-Gramm-Glas, das abgetropft 165 Gramm Algen enthält, wurde sichtbar schnell leer. Auf der Messe.

Bio und vegan sind auch Algen und Shiitake in Marinade. Da jetzt auch noch die Pilze dabei sind, kommt eine andere Geschmacksrichtung auf und man braucht mehr Platz im Glas. Zum Glück sind die Gläser mit 265 beziehungsweise 185 Gramm größer. Verzehrfördernd wirkt auch, dass der Inhalt des Glases verzehrfertig ist. Er soll „ideal als Beilage oder zusammen mit Gemüse, Kartoffeln, Reis, Nudeln, Tofu, Seitan oder Sandwiches“ sein, steht auf dem Etikett. Das konnte man auf der Grünen Woche nicht ausprobieren.

Wer Algen sucht und essen will, der kommt um japanische Namen nur schwer herum. Ein weiteres Algamar-Glas enthält „Gomasio mit Nori-Algen“. Gomasio kennen wir noch von anno dazumal aus Food-Coop und Bioladen; es ist Sesamsalz. Die Zutaten sind dann auch … Sesam, Algen, Salz; sonst nichts. Gut ist das. Je länger die Zutatenliste, desto größer die Gesundheitsgefährdung. Bei drei Zutaten kann man schon mal genauer hinschauen. Hier sind aller dreier Dinge gut: Sesam und die atlantische Nori-Alge (Porphyra) stammen aus biologischem Anbau. Das Meersalz aus dem Atlantik nicht. Denn es wurde nicht angebaut, sondern durch die Bäche und Flüsse aus den Bergen herausgespült.

Das Gomasio-Glas enthält 150 Gramm – ist aber größer als das Glas mit maninierten Algen, denn es enthält keine Flüssigkeit. Der Inhalt ist lecker und leicht. Gomasio mit einem Anteil von 40 Gramm Algen pro Kilogramm. 40 von 1000, das sind 4 von Hundert, vier v.H. oder vier Prozent. Gerade genug gen Gourmet-Gomasio.

Nicht al dente, sondern al gen.

Algen auf dem „Markt des guten Geschmacks“, der „Slow-Food-Messe“, vom 25.4. bis 28. April 2019 (Halle 5 Gang A Stand H5 A17) in Stuttgart.

Internationale Grüne Woche unter dem Berliner Funkturm. Eingang Ost am ICC. © 2018, Foto/BU: Andreas Hagemoser
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