Pustekuchen oder „Come as you are (Jokastematerial oder der Kapitalismus wird nicht siegen)“ in der Regie von Armin Petras

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Abendansicht Volksbühne Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin-Mitte
Die Volksbühne im Oktober 2017. Links der Rote Salon. © 2017, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Lohnarbeiter der Berliner Volksbühne scheinen sich zu freuen, dass am 1. April im Großen Haus die Uraufführung „come as you are (jokastematerial oder der kapitalismus wird nicht siegen)“ (Eigenschreibweise) in der Regie von Armin Petras vor Publikum gezeigt werden könne. So und nicht anders steht es in einer Pressemitteilung der Volksbühne Berlin vom 11.3.2021. Pustekuchen!

Doch erst einmal zur Pressemitteilung. Darin heißt es, dass „für das Stück, das Fritz Kater als Auftragswerk geschrieben“ habe, „Iokaste, die Frau und Mutter von Ödipus, Inspirationsfigur“ gewesen wäre. „Es kreuzen sich darin die Wege einiger einsamer Menschen in einem Plattenbau in der Straße der Berliner Kommune.“ Aha!

Die Pariser Kommune im Frühling 1871 währte nicht lange. Das wissen wir. Und unter Berliner Kommune werden die Kommune 1 (mit Dagrun Enzensberger, Dorothea Ridder, Fritz Teufel, Detlef Michel, Dieter Kunzelmann … und später Rainer Langhans) und 2 (SDS-Kommune) verstanden. Die Straße der Berliner Kommune in Ost-Berlin ist allerdings nicht zu Ehren der West-Berliner Kommunen benannt worden, sondern anläßlich des 100. Jahrestages der Pariser Kommue. Vor dem 17. März 1971 hieß die Straße Fruchtstraße.

Ob das Stückt „Come as you are“, in dem „prekäre soziale Umstände überall“ lauern würden, Früchte trägt? Wäre das „in der Unsicherheit blühen Lebenslust, Erfindungsgeist, fatalistische Überdrehtheit und überraschende Zärtlichkeit“ überhaupt möglich? Vermutlich reicht es hier und heute noch nicht einmal mehr zu einer Kommune 3, aber bestimmt zu unzähligen Kopien der ersten beiden Ausgaben sowie jede Menge Umbenennungen. Hier und heute wird alles umbenannt, steht alles im Umbenennungskampf, als käme es auf nichts anderes an.

Übrigens wurde die erst für Dezember 2020 vorgesehene Uraufführung, die dann am 1. April stattfinden sollte, schon wieder abgesagt. Der Spielbetrieb an der Berliner Volksbühne wird bis einschließlich 27. April 2021 eingestellt. Dazu heißt es: „Aus dispositionellen Gründen wird die Volksbühne bedauerlicherweise nicht an einem Nachholtermin innerhalb des Piloten teilnehmen können.“ Was soll man dazu sagen und schreiben außer „der Kapitalismus wird nicht siegen“?

Pustekuchen!

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