Fette Beute aus dem ländlichen Japan um 1930

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"Die rätselhaften Honjin-Morde" von Seishi Yokomizo. © Blumenbar in Aufbau Verlage GmbH & Co. KG

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Unerwartet belebte mich das Buch um die genialischen Methoden des japanischen Nerd-Ermittlers Kosuke Kindaich. Der Studienabbrecher, geheilte Drogenverputzer und langhaarige Halbschmuddel löst seine Fälle mit Köppchen. Keine künstliche Spannung, die besonders auf den letzten Seiten vieler schlechter Krimis nervt, quält die glückliche Leserin.

Der Typ ist Klasse, ein Meister des Kombinierens und Faktenlesens, ausserdem ist das Buch wirklich toll gestaltet.

Dazu erzählt der Krimi, der mehr Gesellschafts-/Familientragödie ist, viel über die feudalen Verhältnisse Japans und den kranken Stolz alteingesessener Gutsbesitzer und unterhält in einer sehr literarischen Sprache, die erfrischend von Ursula Grätz übersetzt wurde.

Die Geschichte entwickelt sich gemächlich, der Ermittler taucht sehr spät auf, um dann aber fulminant die Fäden zu verknüpfen. Der Sound ist klasse, typische japanische Ingredienzien fehlen nicht, dieser Roman ist ein Glanzlicht des Bücherherbstes und erfrischt das AufbauImprint Blumenbar aufs Schicklichste…. Sofort lesen!

Einzige Frage: Wann folgt der 2. Roman der Reihe?

Bibliographische Angaben

Seishi Yokomizo, Die rätselhaften Honjin-Morde, Kriminalroman, 206 Seiten, Übersetzerin: Ursula Gräfe, Sprache Deutsch, Bindung: fester Einband mit Klappen, Verlag: Blumenbar im Konzern Aufbau Verlage GmbH & Co. KG, Berlin, 1. Auflage, 6.9.2022, ISBN: 978-3-351-05109-9, Preis: 20 EUR (Deutschland)

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