Mut zur Dunkelheit – Zum Buch „Internalized Kami“ von Thomas Bergner

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Thomas Bergner: Internalized Kami.
"Internalized Kami" ist ein Bildband von Thomas Bergner. © Kerber

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Mit gewagt und gekonnt will ich wohlwollend das jüngst im Kerber-Verlag erschienene Buch „Internalized Kami“ von Thomas Bergner beschreiben, um mögliche Lesern und vor allem Betrachtern von 35 Bildern, auf den wenig bis beinahe nichts zu erkennen ist, zu bewegen, wenigstens einen Blick zu wagen.

Ein Bild aus dem Bildband "Internalized Kami" von Thomas Bergner.
„Dead Tree“ ist ein Bild aus dem Bildband „Internalized Kami“ von Thomas Bergner. © Thomas Bergner

Gewagt scheint mir jeglicher Versuch, Dunkelheit zu fotografieren, denn im Grunde fotografiern alle Fotografen Licht und wenige Gute unter ihnen kennen sich mit Belichtungen aus. Keine Frage: Die Belichtungszeit ist neben der Blende das wesentliche Gestaltungselement in der Fotografie. Blende und Zeit wollen gemessen oder aus Erfahrung klug geworden Pi mal Daumen vorgenommen werden. Lassen wir alles Technische, mit dem sich ein Fotograf befassen sollte, schließlich kommt es auf die Wirkung an.

Die Fotografien von Thomas Bergner würden sich laut Jonathan Baumgärtner „in erster Linie auf die verschiedenen Bereiche zwischen Himmel und Erde, auf den Blick zum Horizont, dem sich ein Begehren auflöst“, beziehen und wir sehen Gras, Büschel und Bäume, viel Dunst und Nebel, mal einen Mast. Das ist alles. Was das mit dem Titel des vorgelegten Werkes und also Kami zu tun hat? Das wissen wir auch nicht. Auf den ersten Blick ist weder Bergner Japaner noch sind seine Bilder japanisch. Baumgärtner hilft dem geneigten Betrachter: „Kami entstammen als spirituelles Konzept der japanischen Praxis des Shintoismus. Diese lassen sich im animistischen Sinne als Naturgeister verstehen, spirituelle entitäten, die jedoch keine Gottheiten nach westlichem Verständnis darstellen, sondern vielmehr den Geist eines Ortes, Naturschauspiels, eines Ereignisses oder Zeitraumes verkörpern – was jedoch nicht bedeutet, dass sie nicht wie Gottheiten verehrt werden können.“ (S. 5)

"Untitled Nightshot" ist ein Bild aus dem Bildband "Internalized Kami" von Thomas Bergner.
„Untitled Nightshot“ ist ein Bild aus dem Bildband „Internalized Kami“ von Thomas Bergner. © Thomas Bergner

Und, schlauer? Da soll etwas sein in den dunklen Bildern, aber was zur Hölle taucht vor dem Himmel auf?! Bergners Bilder scheinen durchaus abstrakt, also ohne wesentlichen Bezug zur Wirklichkeit, die abgebildet wird, obwohl sie irgendwo im Nirgendwo fotografiert wurden. Sie haben etwas, jedenfalls die auf ein Objekt ausgerichteten, aber erklären kann ich das nicht. Und worüber ich nicht reden kann, werde ich schweigen.

Übrigens ist es genau das „Gefühl“, dass mich beim Betrachten des einen oder anderen Bildes beschleicht. Ruhe, Stille, wild assoziere ich Begriffe wie Einsamkeit und Enthaltsamkeit, das Nichts fängt an zu nichten, und über die Dämmerung und Dunkelheit, die ich sehe, schleicht sich Müdigkeit ein. Genug zu dieser in der Bundesrepublik Deutschland gedruckten und von der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, dem Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst sowie der LfA Föderbank Bayern geförderten Publikation, die anlässlich des Debütantenpreises für Absolventen der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg erschien, geschrieben. Sie sehen bitte selbst.

Bibliographische Angaben

Thomas Bergner (Herausgeber), Internalized Kami, mit Texten von Jonathan Baumgärtner, Prof. Dr. Lars Blunck, Sprachen: Deutsch und English, Format: 20,00 x 25,00 cm, ca. 150 Seiten, Hardcover, gebunden, Verlag: Kerber, 1. Auflage, Bielefeld, Berlin 2018, ISBN: 978-3-7356-4024-6, Preis: 40,00 EUR

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