Schlabberwasser mit Schuppenwurz – Annotation zum Buch „Lanny“ von Max Porter

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"Lanny" von Max Porter. © Kein & Aber

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Nein, Schuppenwurz ist kein neuartiges Getränk aus der Homöopathieabteilung von ALDI-Nord, es ist echtes Schwurbelmännchen, erfunden vom Schwurbelliteraten Max Porter, den der Guardian (laut Pressespiegel des Verlags) für einen Autor hält, der „anders als alle anderen ist“.

Die aufmerksame Lektüre der frohen Werbebotschaften, die sein neues Buch „Lanny“ umranken, verrät außerdem, es würde gleichzeitig in achtzehn Ländern erscheinen. Wow, welche Wucht, das haut mich glatt zum zweiten Mal in meinen Lesesessel, in dem ich seit der Lektüre von Danny wie festgenagelt vegetiere.

Ist „Lannydas Buch zu einer gleichnamigen Krankheit? Jein. In „Lanny“ weiß Porter von einem Jungen=Lanny zu berichten, der „anders als alle anderen ist“. Na, sie wissen schon, eigenartig, merkwürdig, ein kleiner Psycho, salopp gedichtet. Und wegen dieses Lanny sind seine Eltern X und Y nach Bumms gezogen, einem Dorf bei London. Vati verdient sein Geld bei stinködem (und bestimmt menschenverachtendem) Finanzquatsch. Mutti schreibt grausige Krimis, mit denen sie gelangweilten Menschen das Leben zur Hölle macht (stundenweise ganz bestimmt). Natürlich streng über achtzehn und nix für Kinder, aber Kollege Lanny kommt allemal an den ganzen Lesemulm irgendwie ran.

Dann gibt es noch den ollen Peter, genannt Pete, einen gescheiterten Künstler (kommt immer gut), der auf dem Land ein wenig den Dorftrottel mimt, friedlich sein Eisen verbiegt und Kunst herstellt, die keiner braucht. Vielleicht ist er aber auch seiner Zeit voraus und sehr „anders als alle anderen“. Er wird der große Vertraute Lannys, weil die Eltern… na ja, Banker und Krimitusse.

Dann gibt es noch den schrecklichen Schuppenwurz, ein Fabelwesen (oder so ähnlich), der es mag, wenn Lannys Mutter einen Igel im Abfluss püriert und schon alles gesehen hat (Hexenverbrennungen etc.). Er existiert „anders als alle anderen“, meint Lannys schlaue Thrillermutti, weil wir ihn haben wollen. O Grusel.

Ja, diese Mixtur klingt wie eine Suppe aus allen mögliche Mainstreamfilmen von Shining über Teenage Werwolf bis zu Abenteuer im Zauberwald – und ist es leider auch. Sprachlich belanglos und zum umgangssprachlichen Gelaber neigend, dengelt uns das Druckwerk durch die 220 Seiten, wenn wir es nicht gehetzt ganz schnell in die Tonne (gelb) werfen.

Oder verstehe ich das Buch nicht, weil es „anders als alle anderen ist“? So verwunschen und märchenhaft, vom feinfühligstem und mutigstem Autor ganz Engelands erzählt?

Nein, es ist besinnlich, duselig und eine bewegende Warnung davor, zu welchem Quark Schreibkundige fähig sind.

Bibliographische Angaben

Max Porter, Lanny, aus dem Englischen von Uda Strätling und Matthias Göritz, 224 Seiten, Pappband, Format: 11,6 x 18,5 cm, Verlag: Kein & Aber, Zürich, 11.3.2019, ISBN: 3-0369-5793-7, Preis: 22 EUR

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