Vive La Grande Nation – Charles Gounods „Cinq-Mars“ erlebt eine fulminante Auferstehung in Leipzig

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"Der Rebell des Königs" in der Oper Leipzig am 09.05.2017. © Foto: Tom Schulze

Leipzig, Deutschland (Weltexpress). Uraufgeführt wurde ‚Cinq-Mars‘ am 5. April 1877 an der Opéra Comique in Paris, die Premiere war nicht sonderlich erfolgreich. Die Handlung spielt im 17. Jahrhundert, in den letzten Jahren der Regentschaft von Louis XIII, und es gab ihn wirklich, den Marquis de Cinq-Mars, der von Kardinal Richelieu an den Hof geholt wurde. Doch schon bald plant der Marquis ein Komplott gegen seinen Gönner. Im Mittelpunkt der Handlung steht seine unglückliche Liebe zu der Prinzessin Marie de Gonzague, der späteren polnischen Königin. Cinq-Mars‘ noble romantische Liebe bleibt unerfüllt, er beendet sein Leben auf dem Schafott. Das Libretto basiert auf dem berühmten Roman von Alfred de Vigny.

Gounod war ein Zeitgenosse Richard Wagners und er scheint zudem von Wagners Forderung nach einer prägnanten Sprachgestaltung beeinflusst zu sein, denn über weite Strecken ist das gesungene Wort höchst dominant, die Musik agiert dagegen wie ein Klangteppich für den Text, wenn auch in einer sehr gelungenen Symbiose. Dank Palazetto Bru Zane, einer Organisation, die sich die Förderung der romantischen Musik Frankreichs zum Ziel gesetzt hat, wurde ‚Cinq-Mars‘ (Deutscher Titel: ‚Der Rebell des Königs‘) neu entdeckt und erlebt nun an der Oper Leipzig – nach 140 Jahren – eine szenische Wiederauferstehung.

Den großen Erfolg beim Publikum hat man wohl so nicht ganz erwartet, traut man sich doch in deutschen Theatern nicht allzu oft mit Schönheit und Opulenz zu wuchern. Allerdings war es geanu der richtige Weg, um das vielleicht etwas karge Libretto zum Leben zu erwecken. Dem Regisseur Anthony Pilavachi und seinem Ausstatter Markus Meyer gelang der ‚große Wurf‘, der Geist der ‚Grande Nation‘ in der Zeit von König Louis XIII (1601-1641) wurde zur Realität in der Oper Leipzigs. Ein trotzig mutiger Rebell (Cinq-Mars), der todesmutig für eine freie Art zu leben kämpft, wenngleich sein Schicksal vom ersten Moment an ausweglos erscheint, wird als echter Held gezeigt, kein Hauch eines Antihelden beschattet hier das Wesen der Titelpartie. Auch die Kostüme von Markus Meyer kreieren ein grandioses Ambiente, das nie langweilig wirkt, sondern an die großen Gemälde dieser Epoche erinnert.

Anthony Pilavachi setzt Maßstäbe mit seiner einfühlsamen und detaillierten Personenregie, hier ist alles stimmig, der Zuschauer kann sich auf die Handlung einlassen. Dazu natürlich die fabelhafte Musik Gounods, die mit einer enormen Bandbreite fesselt, Drama, Romanze und Patriotismus gleichermaßen beinhaltet. Blendend musiziert wird das Ganze vom Gewandhausorchester mit David Reiland am Pult. Hervorragend auch der Chor der Oper Leipzig, ganz wunderbar einstudiert von Chordirektor Alessandro Zuppardo.

Gesang vom Feinsten

Dieser gelungene Opernabend wird getragen von Sängern, die alle souverän Spitzenleistungen zeigen. Da wäre zuerst einmal der Held der Titelpartie Mathias Vidal, der schon mit der konzertanten Aufführung 2015 in München auf sich aufmerksam gemacht hatte, als er ganz kurzfristig einspringen musste und so die Herzen des Publikums im Sturm eroberte, die inzwischen erschiene CD-Produktion belegt dieses aufs Schönste. Auch in Leipzig ist Mathias Vidal mit seinem warmen, schön timbrierten Tenor der ideale Titelheld, der zudem mit perfekter französischer Phrasierung bezaubert.

Sopranistin Fabienne Conrad als Prinzessin Marie de Gonzague gefällt mit leuchtenden Spitzentönen und einer intensiven Rollengestaltung, die sie als mutige Liebende zeigt. Jonathan Michie (de Thou) besitzt einen Samtbariton, zeigt große französische Gesangskultur, ebenso wie Mark Schnaible (Père Joseph), Sébastien Soules (Vicomte de Fontrailles). Nicht vergessen darf man den imposanten König Louis XIII, dem Randall Jakobsh seine mächtige Stimme leiht. Danae Kontora und Sandra Maxheimer – als Marion Delorme und Ninon de Lenclos – singen ebenfalls mit viel Schönklang in diesem hochkarätigen Team.
Diese Produktion sollte nach der Wiederaufnahme im Januar 2018 nicht im Fundus verschwinden, als ein Bestandteil im Repertoire wäre sie sicherlich weiterhin ein Erfolg.

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