Eva, dein Ochse erwürgt sich! Kein Aprilscherz in Sibirien

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Das Buch "Bald nach Hause - Skoro domoi. Das Leben der Eva-Maria-Stege" Aufgezeichnet von Sigrid Moser. © 2018, BU/ Foto: Andreas Hagemoser

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ergreifend das Leben der Eva-Maria Stege, 1928 in Grochow, Kreis Oststernberg in der Provinz Brandenburg geboren. Stege flüchtete im Januar 1945 mit der Familie über die Oder und wurde im März ‘45 „in ein Straflager in Sibirien verschleppt, von wo sie erst 1949 zurückkehrte.“ Durchaus kein Aprilscherz.

Sigrid Moser (Jahrgang 1934) hatte ihr Leben aufgezeichnet. Der Text erschien mit einem Vorwort von Ruth Misselwitz, die im Sommer ‘91 schrieb: „Dieses Buch ist eine Mahnung gegen den Krieg“. Und:

„Eine Mahnung gegen die Ideologisierung von Menschenschicksalen, die die einen als schuldig, die anderen als unschuldig qualifiziert.“ Und:

„Eine Mahnung gegen das Desinteresse und die Gleichgültigkeit“.

Frau Misselwitz endet: „Am Ende ist es aber auch das Buch mit der weiblichen Handschrift“
(Aus dem dreiseitigen Vorwort, Seite 11).

Kein Aprilscherz – „Bald nach Hause, Skoro Domoi“

Das Aufbau-Taschenbuch heißt „Bald nach Hause, Skoro Domoi“ und erschien in erster Auflage 1991 im Aufbau-Taschenbuch-Verlag (AtV) in der Reihe „Texte zur Zeit“ (ISBN 3-7466-0066-9). Rotarmisten waren auf den kleinen Bauernhof im Märkischen gekommen. Das erinnert einen an viele Geschichten aus Ostpreußen, Pommern und Schlesien. Von Flüchtlingen und Schlimmerem.

Der Film „Über Leben in Demmin“, der just am 22. März ins Kino kam, erzählt von den 100fachen „prophylaktischen“ Selbstmorden vor und bei der Besetzung der vorpommerschen Hansestadt Demmin (heute Mecklenburg-Vorpommern).

Das Buch „Bald nach Hause“ enthält auch eine Mahnung, vermeintliche Aprilscherze ernstzunehmen. Eva-Maria Stege, die 21 war, als sie 1949 aus dem Lager freikam (und 17, als sie verschleppt wurde) berichtet Interessantes im Kapitel „Und dennoch: Leben“ (Seite 71). Es gibt in diesem Kapitel vier Unterabschnitte, ‚Kartoffelfracht und Kabeldraht‘, ‘Das gute Omen‘ und ‘April, April …“ (S. 81) und ‘Der „Hund“ und die Schafe‘. In dem nach dem vierten Monat benannten Abschnitt findet sich auf Seite 84 folgende Geschichte:

Und dennoch: Leben – im April

„Einmal, noch in den ersten Wochen im Kolchos, lenkte Eva bei der Frühjahrsbestellung einen Ochsenkarren aufs Feld. Es war der 1. April. Zum Mittagbrot fuhr sie zum Kolchos zurück. Sie war gerade beim Essen, als ein Mädchen in die Küche stürzte und schrie: „Eva, dein Ochse erwürgt sich!“ Die aß ruhig weiter und antwortete nur gelassen: „Denkste, April, April …“.

Hätten Sie das geglaubt? Noch dazu an diesem Datum?

„Als dann aber die nächsten mit derselben Nachricht ins Haus gelaufen kamen, wurde es ihr mulmig, und sie rannte hinaus.“

?

„Tatsächlich, der Ochse war am Verrecken.“ Kaum zu glauben, aber wahr.

Lasst den Ochsen leben

„Das an einem Mast festgebundene Tier hatte sich in seinem Kummetgeschirr verfangen und röchelte nur noch schwach. Evas Herz klopfte bis zum Halse vor Angst; wenn es starb, würde man sie der Sabotage bezichtigen.“

„Und dann …“ Ein Akt, der zeigt, dass man gemeinsam stark sein kann:
„Mit vereinten Kräften schoben die Mädchen den Wagen von hinten gegen den Ochsen, das Geschirr lockerte sich, Eva konnte es öffnen und ihn aus seiner tödlichen Falle befreien.“

Kein Aprilscherz, oder?

In der Fernsehsendung „Wer dreimal lügt“ wurden vor Jahren im öffentlich-rechtlichen Fernsehen (ARD oder ZDF) sechs Geschichten erzählt, die eine Hälfte wahr, die andere gut gelogen. Es war gar nicht so leicht, bis unmöglich, alle „Stories“ richtig einzuordnen.

Wenn jemand um Hilfe schreit, sollte man also erstmal hin. Auch im April.

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