Ehrenpreis des Deutschen Schauspielpreises für Christine Schorn

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wenn eine nicht profitorientierte Veranstaltung wie die Preisverleihung des Deutschen Schauspielpreises, der vom Bundesverband Schauspiel e.V. (BFFS) ins Leben gerufen und während der Berlinale 2012 zum ersten Mal verliehen wurde, es tut, dann ist das eher gut als schlecht und aller Ehren wert, zumal sie nur durch ein breites ehrenamtliches Engagement der Schauspieler, Freunde und Förderer möglich wird.

Sie alle und noch viel mehr schaffen es, dass laut Pressemitteilung der Steinbrenner-Müller-Kommunikation vom 2.8.2019 „die Schauspielerin Christine Schorn … bei der Verleihung des Deutschen Schauspielpreises 2019 am 13. September für ihr darstellerisches Schaffen den Ehrenpreis Lebenswerk“ erhält.

Nach Katharina Thalbach (2012), Götz George (2013), Senta Berger (2014), Rolf Hoppe (2015), Armin Mueller-Stahl (2016), Hanna Schygulla (2017) und Peter Simonischek (2018) ist Schorn die achte Person, die diesen Preis bekommt. Der Filmkritiker und Radiojournalist Knut Elstermann werde die Laudatio halten.

Der Vorstand des BFFS begründet seine Entscheidung wie folgt: „Christine Schorn berührt und bewegt durch ihre unverwechselbare Schauspielkunst – auf der Bühne wie vor der Kamera. Sie spielt leise das Laute und das Leise mit gleichermaßen kraftvoller Intensität. Sie dient ihren Figuren und der Geschichte, die erzählt werden soll. Und doch ist sie immer – unüberhörbar – Christine Schorn. Mit geschlossenen Augen ‚erkennt‘ man sie, wenn man ihre Stimme hört: gedehnte Hast, beiläufige Behäbigkeit, kunstvolle Alltäglichkeit, Mutter, Freundin, Geliebte, Biest und Bittende – erlebtes Leben. Sie ist uneitel und bringt, wenn es gestattet ist und der Wahrheitsfindung dient, ihre Figuren mit zielsicherer Ironie über die Ziellinie in die Welt. Scharfzüngig wie zu Beginn in ‚Das Leben ist nichts für Feiglinge‘, wickelt sie uns Zuschauer durch den hintergründig verborgenen Schmerz um den Finger, ach: um alle zehn Finger. Man kann und will nichts anderes tun als: sie zu lieben. Dank ihrer Kunst hat sie den für viele so schwierigen künstlerischen Spagat zwischen den doppeldeutschen Schauspieltraditionen scheinbar mühelos geschafft. Wenn es denn gelegentlich Mühe gemacht hätte, war diese nicht zu sehen und nicht zu hören.“




Rosaana Velasco führt. Nabu-Abstimmung unter 300+ Bildern für PlanetArt

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). PlanetArt soll beim Festival of Nature im Kühlhaus Berlin gezeigt werden. Vom 11.-21.9.2019. Dafür wird – ganz demokratisch – abgestimmt, welches Bild die Leute sehen wollen. Denn nicht alle Bilder, die eingereicht wurden zur Abstimmung, werden dort gezeigt werden können. Deshalb findet auf der Website des NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V. eine Abstimmung statt, an der jeder teilnehmen kann. Bis Ultimo 12 Uhr, das heißt bis zum letzten Tag des Monats, genau am 31. Juli 2019 am Mittag. In der Rubrik „Wir über uns“ erfahren wir auf der NABU-Website, dass der Bund nicht immer so hieß: „Der heutige NABU wurde 1899 von Lina Hähnle als „Bund für Vogelschutz“ gegründet. Damit ist der NABU der älteste und mit seinen mehr als 700.000 Mitgliedern und Förderern auch der mitgliederstärkste Umweltverband in Deutschland.“

Wow. Der älteste Umweltverband Deutschlands mit den meisten Mitgliedern, im 19. Jahrhundert von einer Frau gegründet. Lina Hähnle war also damals schon „engagiert“ und „vernünftig“, indem sie sich mit dem Herzen für Mensch und Tier und Pflanze einsetzte. Für die Natur, die damals noch nicht „Umwelt“ hieß. Eine mutige Frau, die das richtige tat.

Wir erinnern uns an einen Anwerbeversuch während der Schulzeit. Ein Freund und Mitschüler wollte gern neue Mitglieder werben. Anreiz war die Vogelbeobachtung und der Zugang zu Orten, die sonst dem Normalsterblichen verwehrt sind: Vogelschutzinseln zum Beispiel. Nach einer Bedenkzeit entschieden wir uns dagegen. Zum einen liegt uns Vereinsmeierei nicht so sehr, zum anderen fehlte die Zeit. Aber der Begriff „Deutscher Bund für Vogelschutz“ mit seiner Abkürzung DBV hatte sich eingeprägt und als auf dem GreenMe-Filmfest ein Stand des NABU stand, fand man schnell heraus, dass durch die Umbenennung sich einiges geändert hat. Der NABU ist nicht nur gut zu Vögeln, sondern zu allen Tieren und der gesamten Natur.

NABU-Abstimmung für PlanetArt

Künstler bilden manchmal die Natur ab oder verweisen auf das Thema. Es kann eine gute Sache sein, Menschen, die quasi eine Galerie betreten, so zum Umdenken in Bezug auf die Natur zu bewegen. Im Netz findet man die digitalen Abbildungen von über 300 Bildern zum Natur-Sujet.

https://www.nabu.de/wir-ueber-uns/veranstaltungen/planet-art/26645.html

Welche Bilder wieviele Stimmen bekamen, steht hier:

https://www.nabu.de/wir-ueber-uns/veranstaltungen/planet-art/26558.html#rangliste

Die letzten Klicks,
die zählen und das Zünglein an der Waage sein können, werden heute
abgegeben. Die Betrachtung vieler Bilder ist ein Genuss. Um einen
guten Zweck geht es sowieso.

Noch haben Sie die
Wahl. Die meisten, die ihre Stimme abgaben, wählten den „Wal“
von Rosaana Velasco.

Aus bunten Kunststoffresten fügt sich ein Bild einer Fluke. Genial ist dieser Wal gerahmt, setzt sich aber außerhalb der Rahmens fort. Wal bleibt nicht im Rahmen. Der Boden der Galerie oder des Ausstellungsorts ist die Wasseroberfläche, unterhalb welcher der Wal unsichtbar wird.

Viele Wähler kennen
das Plakat, mit dem gegen Plastikmüll vorgegangen werden soll. Ein
Riesenfisch hat eine Menge Unrat im Maul. Er droht zu ersticken.
Viele Meeresbewohner tun das tatsächlich, andere, wie Schildkröten,
verheddern sich in losgerissenen Netzen und verenden qualvoll.

Dass das Siegerbild
dann im Kühlhaus gezeigt werden soll, ist Zufall und doch keiner.
Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht zuviel Kohlendioxid herausblasen.
Ein Kühlhaus erzeugt Wärme und Kälte. Global betrachtet ist ein
Hintersinn hineininterpretierbar. Doch nicht unbedingt gewollt,
sondern genauso zufällig wie „Tier“ und „Bar“ Teil dieses
langen Worts sind.




Wieder freie Fahrt nach Sylt. Einschränkungen an der Bahnstrecke beendet

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Freie Fahrt nach Sylt! Das nördlichste Urlaubparadies Deutschlands ist wieder erreichbar. Lange fuhr man mit der Bahn über Tønder und dann zu einem Küstenort mit Schleuse. Dort stieg man in ein Bäderschiff beziehungsweise eine Fähre nach Munkmarsch um. Das liegt etwas oberhalb des langen mittleren Landrückens Sylts, der über Keitum und Archsum weit nach Osten ragt. Die Zeit: Wir sprechen vom Deutschen Reich. In der Kaiserzeit. Als es noch kein Frauenwahlrecht gab. Es der Wirtschaft gutging. Deutschland hatte sogar Kolonien. Wir sagen das ganz wertfrei. Trotzdem reisten zu Zeiten, als viele nicht wussten, was eine Kokusnuss ist, eine Passionsfrucht oder eine Ananas, viele Deutsche nicht zu den Marianen, Neumecklenburg oder in Bismarckarchipel. Im Stillen Ozean, dem Pazifik. Sie reisten auch nicht nach Qingdao in China, das heute durch das Tsingtaobier bekannt ist. Oder nach Deutsch-Südwest.

Das ist Geschichte – der Weg nach Sylt

Sondern nach Sylt. Durch den unseligen Ersten Weltkrieg – Kriege sollten verboten werden, und zwar umgehend! – gelangte Deutschland erst ins Hintertreffen und dann ganz nach unten, von den Millionen Toten ganz zu schweigen. Die Reisen der Deutschen blieben damals oft innerhalb des Reiches, und das nicht wegen der Kohlendioxidnebenwirkungen.

52 kleine und große Eskapaden von SANKT PETER-ORDING BIS SYLT, Buch von Elke Weiler. Der Titel sollte nicht missverstanden werden! Wenn hier SYLT großgedruckt ist, führt bei den ersten 20 Abstechern nur einer auf die Insel. © 2019, Foto/BU: Andreas Hagemoser

Nach Sylt wollte man auch nach 1918. Doch war der Weg über Tønder zwar nicht versperrt, führte aber bald übers Ausland, da der Ort im Norden Schleswigs liegt, der nach einer Volksabstimmung 2020 zu Dänemark geschlagen wurde.

Am 6. Juli jährte sich zum 99. Mal die Unterzeichnung des Übertragungsvertrages in Paris 1920. Schleswig wurde geteilt und ist es bis heute. Nur der Süden blieb beim Deutschen Reich. Das förderte den Bau eines Dammes nach Sylt, der als Hindenburgdamm bekannt wurde.

Munkmarsch ist seitdem aus dem Bewusstsein verschwunden. Früher war es das Tor zur Insel.

Sehr starke Brückenbeschädigung

Am 1. Juli 2019 beschädigte ein „zu hoch aufragender Lastenkran“ (bahn.de) eine Eisenbahnbrücke bei Langenhorn. Gemeint ist nicht das Hamburger Langenhorn, sondern der kleine Ort, der näher an der dänischen Grenze liegt; mit einem Bahnhof an der Marschbahn. Die Marschbahn ist eine Bahnstrecke, die in gebührendem Abstand mehr oder weniger entlang der Westküste Schleswig-Holsteins verläuft, der Nordseeküste. Auf der Marschbahnstrecke fahren heute IC und RE (Regionalexpresse).

Durch die Kollision stand etwa bis Dienstag, den 23. Juli nur noch die Strecke Bredstedt-Niebüll zweigleisig zur Verfügung.

Die durch den Unfall plötzlich nur noch eingleisig verlaufende Strecke führte zu einer Befahrbarkeit im Stundenabstand. Zwischen Husum und Niebüll. Der Fahrplan musste abrupt geändert werden.

Und das ausgerechnet mitten in der Ferienzeit. Schulferien hatte zum Beispiel das Land Berlin. Von dort aus verkehrt ein direkter Zug nach Sylt und zurück.

Freie Fahrt nach Sylt – seit dem 24. Juli wieder

Nun sind, rechtzeitig bevor die Hochsaison vorbei ist, die Einschränkungen aufgehoben. Seit Montagnachmittag 22.7. ist die Strecke wieder einschränkungslos befahrbar, meldete DB-Fernverkehr für die Intercitys. DB Regio Nord meldete, „unsere Züge“ „verkehren“ ab 24. Juli 2019 „wieder wie gewohnt“ (sic). Das betrifft die REs. Dem Ferienspaß steht von Bahnseite nichts mehr entgegen und Autofahrer haben eine Ausrede weniger.

Fahrplan-Nachwirkungen bis 26.7.2019

„Seit Montagnachmittag (22.7.2019) ist die Strecke zwischen Husum und Niebüll wieder ohne Einschränkungen befahrbar.“ Und: „Unsere IC-Züge verkehren wieder wie geplant von/nach Westerland/Sylt und Dagebüll Mole“, meldete die Deutsche Bahn AG aktualisiert am 23.Juli. Dabei war es wohl nicht möglich, sofort wieder nach Fahrplan zu fahren; denn es hieß weiter, das am Mittwoch, den 24. und Donnerstag, den 25. Juli 2019 abweichend von der Reiseauskunft ein anderer Fahrplan gilt. Dafür bat die Bahn ausdrücklich um Entschuldigung. Es betrifft die ICs 2374 und 2375 von Hamburg-Altona nach Westerland (Sylt) und zurück. Mit Unterwegshalten, wie es so schön heißt, Richtung Sylt in Itzehoe, Heide, Husum und Niebüll. Beziehungsweise umgekehrt.

Ab Freitag, den 26. Juli sind diese Intercityzüge wieder im Netz abrufbar: www.bahn.de/reiseauskunft.

Gedächtnisstützen

Wer sich die Zwischenhalte zwischen Hamburg und Westerland nicht merken kann, sie sind von Hamburg an alphabetisch sortiert. Nur Itzehoe ragt heraus.

Der Zug fährt von

Hamburg-Altona erstmal nach Itzehoe (Eselsbrücke I sieht aus wie = 1, erstmal ..), weiter geht es alphabetisch

Heide,

Husum,

Niebüll,

Westerland.

Wer sich nicht merken kann, wo Westen ist, könnte sich Hamburg – Westerland merken: Das Land um Westerland liegt westlich der Hansestadt.

Und die Moral von der Geschicht‘? Kran flachhalten!

Sonst wird der Lastenkran zu einer Last.

Herausragend ist halt nicht immer gut.




„Flügelschlag“ ist das Kennerspiel des Jahres 2019 in Deutschland – „Carpe Diem“ und „Detective“ zählen zu den Nominierten

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Seit 1979, als zum ersten Mal das Spiel „Hase und Igel“ von David Parlett aus dem Verlag Ravensburger gewann, wird in Deutschland der Spielepreis vergeben. Seit dem Jahr, als Tom Felber Vorsitzender des eingetragenen Vereins Spiel des Jahres wurde, das war 2011, gibt es auch noch den Preis für das „Kennerspiel des Jahres“.

Kennerspiele seien laut Udo Bartsch für diejenigen gedacht, „die mit dem Spiel des Jahres groß geworden und über die Preisträger intensiver ins Hobby Spiel eingestiegen sind, aber weiterhin auf die Orientierung und Verlässlichkeit der Marke Spiel des Jahres bauen möchten“. Mit anderen Worten: „Spiel des Jahres“ ist für Anfänger, die selten spielen, „Kennerspiel des Jahres“ ist für Fortgeschrittene, die häufiger spielen.

Gegen eine solche Unterscheidung nach einem Vergleich spricht genau so wenig wie gegen eine Unterscheidung nach dem Alter der Spieler, auch wenn nach Søren Kierkegaard „das Vergleichen … das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit“ sei.

Die mehrköpfige Jury unter Harald Schrapers, die aus Spielejournalisten und -kritikern besteht, verglich einen Haufen Spiele, unterschied und stellte fest, dass unter den Nominierten eines das bessere Spiel war. Die Jury entschied sich für „ein ornithologisches Optimierspiel für zwei bis fünf Spieler ab zwölf Jahren namens „Flügelschlag“ der Autorin Elizabeth Hargrave aus dem Verlag Feuerland (Eppstein-Bremthal)“.

In einer Pressemitteilung vom 22.7.2019 heißt es dazu: „Mehr als 900 Vogelarten leben in Nordamerika, knapp ein Fünftel davon lässt Autorin Elizabeth Hargrave in ihrem Optimierspiel „Flügelschlag“ flattern – vom Amerikanischen Schlangenhalsvogel bis zum Zwergsultanshuhn. Wer einen Vogel anlockt, spielt die entsprechende Karte in einen für das Tier artgerechten Lebensraum aus. An jedes Gebiet ist dabei eine der Basisaktionen des Spiels gekoppelt, welche mit jedem neuen Vogel aufgewertet wird. Wer bringt beispielsweise die Eier-Maschinerie ins Laufen? Zudem tritt jeder in wechselnden Kategorien mit den Mitspielern in Konkurrenz: Wer zählt die meisten Vögel, die in Bruthöhlen nisten? Wer hat die meisten Vögel im Grasland? An dem elegant und detailverliebt gestalteten „Flügelschlag“ werden nicht nur Vogelliebhaber ihre Freude haben.“

Auch die Begründung der Jury wird mitgeteilt: „Brettspiele und Vogelkunde – also doppelt unsexy und angestaubt? Mitnichten! ‚Flügelschlag‘ präsentiert sich nicht mit zerzaustem Federkleid, sondern ist frisch und en vogue. Thematisch liebevoll und redaktionell sorgsam feingeschliffen: Hier hat Autorin Elizabeth Hargrave ein nahezu makelloses Gesamtkunstwerk geschaffen. Eingängige Spielmechanismen, ein schnörkelloser Ablauf und eine hohe Taktung wichtiger Entscheidungen machen ‚Flügelschlag‘ zu einem wahren Überflieger.“

Das kling wie so oft bei einem Lob nicht schlecht. Ob diese Lorbeeren für das Spiel auch aus unserer Sicht berechtigt sind, das werden wir sehen, denn „der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen ist derselbe Unterschied wie zwischen dem Blitz und einem Glühwürmchen“, wie schon Albert Einstein zu sagen wusste.

Die beiden anderen Spiele, die nominiert waren, sind „Carpe Diem“ von Stefan Feld aus dem Verlag: alea/Ravensburger und „Detective“ von Ignacy Trzewiczek, Przemysław Rymer und Jakub Łapot aus dem Verlag Portal Games.

Anmerkung:

Siehe den Beitrag Genieße den Tag und spiele „Carpe Diem“ von Stefan Feld von Kerstin-Bettina Kaiser.

Der Beitrag von Ingeborg Iltis wurde unter dem Titel „Lorbeeren für einen Flügelschlag von Elizabeth Hargrave – Das Kennerspiel des Jahres 2019 in Deutschland“ am 23.7.2019 im WELTEXPRESS erstveröffentlicht.




„Just One“ von Bruno Sautter und Ludovic Roudy ist das Spiel des Jahres 2019 in Deutschland

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Am Ende kann es nur einen geben. So sind die Regeln beim Spiel des Jahres auch in diesem Jahr. Zu den ungeschriebenen Regeln scheint jedoch zu gehören, dass in deutschen Landen englische Titel auch bei Spielen sein müssen, damit Autoren und Verlage gewinnen können.

Richtig, letztes Jahr mit „Azul“ ein portugiesischer Titel, doch das war die Ausnahme. Davor gewannen Spiel, die „Kingdomino“ (2017), „Codenames“ (2016), „Colt Express“ (2015) und „Camel Up“ (2014) heießen. Auch ältere Gewinner wie „Dominion“ (2009) oder „Kingdom Builder“ (2012) tragen englische Namen. Als eine echte Ausnahme gilt das Spiel „Thurn und Taxis“ (2006).

Zum Gewinner des weltweit wichtigsten Preises für analoge Gesellschaftsspiele mit dem englischen Titel „Just One“ kommt noch erschwerend hinzu, dass die Autoren des Spiels keine Deutschen sind, sondern Franzosen.

Doch weder Titel noch Autoren sollten ein Grund für die zehnköpfige Jury sein, ein Spiel zu besser oder schlechter zu bewerten, oder? Deswegen heißt es im Newsletter 4/2019 vom 22.7.2019 zur heutigen Verleihung in Berlin auch, dass „Just One“ … insbesondere durch seine Einfachheit genial“ sei. „Es sticht dadurch hervor, dass es einen ungemeinen Sog entwickelt: Wer es in der Öffentlichkeit spielt, wird schnell Schaulustige anziehen, die am liebsten gleich mitspielen wollen. Und das machen diese dann oft auch, denn die Einstiegshürde ist so niedrig, dass jeder sie problemlos überwinden kann. Ein Geistesblitz kommunikativer Spielfreude, der in jeder Runde einschlägt und einen bleibenden Eindruck hinterlässt.“

Mit niedriger Einstiegshürde und „herrlich simpel“ könnte auch ein Spiel für Doofe gemeint sein, die in der wirklichen und virtuellen Welt auch „Schaulustige“ anziehen, muss es aber nicht. In „Spiegel-Online“ (22.7.2019) firmiert „Just One“ als „Partyspiel“. Na denn Prost!

Kritiker meinen, man bräuchte für das Spiel nur einen Zettel und einen Stift und das würde es in jeder Kneipe zum Anschreiben und Aufschreiben geben. Wohl wahr! Im Handel soll der „Just one“ genannte Kram allerdings 25 Euro kosten.

Darüber werden Roudy und Sautter, die für die Entwicklung des Spiels angeblich „nur wenige Monate“ gebraucht haben, sich wohl selbst schief und krumm lachen. Beid entwickelten bisher Spiele für fortgeschrittenere und anspruchsvollere Spieler und sollen dafür „Jahre für die Entwicklung dieser Spiele benötigten“ haben, worauf in „Frankfurter Allgemeine“ (22.7.2019) hingewiesen wird. Blöd geht halt bedeutend schneller.

Auf den Plätzen landeten die nominierten Spiele „L.a.m.a.“, ein Kartenspiel der Autorenlegende Reiner Knizia aus dem Verlag Amigo, und „Werwörter“, ein Ratespiel von Ted Alspach aus dem Verlag Ravensburger. Zugegebenermaßen lassen sich „L.a.m.a.“ und „Werwörter“ auch recht schnell verstehen und erklären. Daher stellt sich die Frage, ob das Niveau im Allgemeinen sinkt, also bei der Jury und den Autoren.




In Berlin auf der Museumsinsel soll am Freitag die teuerste Garderobe der Welt eröffnet werden

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Fünf Museen auf einer Insel, da muss ein Eingang reichen. Mit der Insel ist die Berliner Museumsinsel gemeint und der Eingang trägt den Namen James-Simon-Galerie. Der soll weniger Galerie als vielmehr Garderobe sein, Laden und auch sonstigen Ringelpietz mit Anfassen sowie Kaffee mit Kuchen bieten.

Einen deutschen Architekten fanden die Verantwortlichen wohl zu doof. Das Geld für einen Eingang bekam größtenteils David Chipperfield, also ein Brite. Das passt, wurde doch auch die Museumsinsel wie Berlin auch von Briten bombardiert.

Viel Rückschau auch bei der Namensgebung. Mit James Simon (geboren 1851, gestorben 1932) wurde ein Jude gefunden. Immerhin einer, der Geld für Kultur auch in Berlin gab. So ist das, wer viel Geld hat, der kann viel Geld geben.

Womit wir beim Thema wären, die Garderobe, die nach den mehrfach überarbeiteten Entwürfen des Briten gebaut wurde, dürfte nicht nur eine schmale sein, das Grundstück hat die Form eines schmalen Handtuchs, sondern auch die teuerste der Welt. Die neue Garderobe befindet sich an einem Graben, genauer: am Kupfergraben. In den hätte man die Millionen gleich versenken können und mit dem Rest etwas Billigeres und Besseres bauen können, das auch funktioniert.

Immerhin ist das, was 1997 begann, und ab 2009 gebaut wurde, 2019 endlich fertig geworden. So ist das in Merkel-Deutschland. Alles müssen scheinbar Ausländer bauen, alles wird offensichtlich teurer, alles taugt nichts.

Zum Taugenichts-Teil schrieb Bernhard Schulz im „Tagesspiegel“ (2.1.2018): „Denn unter funktionalen Gesichtspunkten kann einem schon ein wenig bange werden. Es geht über die Freitreppe hinauf, daneben aber auch auf Straßenniveau geradeaus; es geht im Gebäude nach unten und nach oben, es gibt Kassen oben und Garderobe unten, die Sonderausstellung seitlich und das Auditorium ganz nahe am Eingang Bodestraße, aber von dort nicht unmittelbar zugänglich.




Augsburger Wasserglanz oder das Augsburger Wassermanagement-System ist Weltkulturerbe

Augsburg, Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Heute wurde die Stadt Augsburg für ihr Wassermanagement-System ausgezeichnet. Das gilt jetzt dank der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur als Weltkulturerbe.

Verantwortliche der Stadt Augsburg scheinen sich ebenfalls zur freuen. Per Pressemitteilung (6.7.2019) wurde mitgeteilt, dass „das UNESCO-Welterbekomitee in Baku/Aserbeidschan heute“ auf seiner 43. Sitzung „‚Das Augsburger Wassermanagment-System‘ die exklusive Auszeichnung als UNESCO-Welterbe zugesprochen“ habe. So exklusiv ist das nicht mehr, denn immer mehr Titel werden vergeben. Allein im Bundesland Bayern ist die Zahl der Welterbestätten auf acht gewachsen.

Das Augsburger Wassersystem mit dem hinteren und mittleren Lech. © Stadt Augsburg, Foto: Ruth Ploessel

Immerhin heißt es bei „Spiegel-Online“, dass „das historische Wassersystem … einst von den Römern gegründet wurde. Auf der Heimatseite wassersystem-augsburg.de heißt es heute im Weltnetz: „Augsburgs einzigartiges Wassermanagement-System ist lückenlos über acht Jahrhunderte in Augsburg erlebbar. Kanäle, Kraftwerke, Denkmäler und Brunnen – am 20.07.2019 feiern wir diese besondere Wassertradition. Über das ganze Stadtgebiet verteilt finden Attraktionen und Aktionen statt, die zum Staunen und Mitmachen einladen.“

Gute Feier und vor allem viel Wissenswertes über Augsburg in Geschichte und Gegenwart.




Franco Ambrosetti ehrt mit seinem Preis Anna Känzig und Heiri Känzig

St. Moritz, Schweiz (Kulturexpresso). Franco Ambrosetti hat einen Preis gestiftet, der mit 10.000 SFr. dotiert ist. Damit will er Schweizer Musiker ehren, die sich um den Jahh in der Schweizer Eidgenossenschaft verdient gemacht haben, heißt es in einer Pressemitteilung von Cubus Music vom 2.7.2019.

Franco Ambrosetti. © Foto: John Abbott

Am 30.7. werde Ambrosetti werde am 30. Juli den diesjährigen Preis persönlich an „Känzig & Känzig“ übergeben, die mit ihrem Album „Sound and Fury“ … auf dem sechsten Platz der Schweizer Charts landeten.

Anna Känzig habe sich für „Känzig & Känzig“ mit ihrem Onkel Heiri Känzig zusammengetan. Der sei „international“ einer der „führenden Jazzbassisten“. Zitat: „Was Känzig und Känzig miteinander verbindet, ist ihr offener musikalischer Horizont. Für ihr erstes gemeinsames Projekt haben sie sich als Inspirationsquelle das ‚Great American Songbook‘ ausgesucht.“

Reinhören!

Und vorbeischauen bei dieser Veranstaltung des diesjährigen Festival da Jazz St. Moritz. Ort: Hotel Walther, Via Maistra 215, Pontresina. Zeit: 30.7.2019, Beginn: 16 Uhr, Konzert 17 Uhr.




Bigband mit Vokalensemble oder „Klingende Utopien – 100 Jahre Bauhaus“ in einer Hand voll Städten

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Heute geht die Reise los, die Musiker von Tel Aviv über Berlin, New York und Rochester nach Chicago führt.

Laut Pressemitteilung des Deutschen Musikrates vom 27.6.2019 bildet „das Bundesjazzorchester gemeinsam mit Studenten des Center for Jazz Studies am Israel Conservatory of Music Tel Aviv … eine … deutsch-israelische Bigband mit Vokalensemble“, die „das Stummfilmprogramm „Klingende Utopien – 100 Jahre Bauhaus“ in den genannten Städten bietet.

„Klingende Utopien – 100 Jahre Bauhaus“ genießen am:




Das „Tal der Wikinger“ von Wilfried und Marie Fort ist Kinderspiel des Jahres 2019

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Zum Kinderspiel des Jahres 2019 wurde das „Tal der Wikinger“ von Wilfried und Marie Fort (HABA) gewählt.

Ob das Spiel „Tal der Wikinger“ auch „ein aufregender Beutezug“ ist, „bei dem man mit Geschick einfach drauflosspielen kann“, wie es in einer Pressemitteilung von Spiel des Jahres e.V. vom 24.6.2019 heißt, das wollen wir selber sehen und werden beizeiten über die „taktischen Überlegungen beim Positionskampf auf dem Steg“ berichten und was das mit zwei bis vier Kindern im Alter ab sechs Jahren macht.

Die Entscheidung begründete die Jury, zu der Stefanie Marckwadt und Christoph Schlewinski gehören) wie folgt: „Losspielen will jeder – allein wegen des bildhübschen Materials kann jeder. Loskegeln kann auch jeder. Da fliegen die Fässer, da ist die Freude groß. Die Finessen lernt man hier quasi Knall auf Fall. Und wenn es mal danebengeht, steigert das nicht den Frust, sondern nur noch den Ehrgeiz für eine weitere Partie. Wie das Autorenpaar Fort im ‚Tal der Wikinger‘ zugleich Geschick und taktisches Denken herausfordert, ist in seiner Mischung so einzig- wie neuartig.“

Nominiert waren zudem von 125 Spielen, die insgesamt getestet wurden, die Spiele „Fabulantica“ von Marco Teubner (Pegasus-Spiele) und „Go Gecko Go!“ von Jürgen Adams (Zoch).