Traut the Kraut – Bayerischer Filmpreis für „Trautmann“

München, Deutschland (Kulturexpresso). Am 25. Januar 2019 wurde zum 40. Mal der Bayerische Filmpreis in München verliehen. Der Produzentenpreis ging an Robert Marciniak für den den Film „Trautmann“ von Regisseur Marcus H. Rosenmüller.

Der Film handelt über den in Bremen geborenen Bernhard Carl „Bert“ Trautmann, der ein deutscher Fußballspieler war und zu seiner Zeit als einer der besten Torhüter der Welt galt.

„Trautmann ist der erste englischsprachige Film von Rosenmüller, der zusammen mit Nicholas Schofield auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet und in dem David Kross Bert Trautmann darstellt, der vor allem für Manchester City zwischen den Pfosten stand. Der in München gedreht Film, der seine Premiere am 1. Oktober 2018 auf dem Filmfestival in Zürich hatte, soll am 14. März 2019 in die Kinos der Bundesrepublik kommen.

Die Jury begründete ihre Entscheidung unter anderem mit den Worten: „Dem Produzenten der Lieblingsfilm und dem Regisseur Marcus H. Rosenmüller gelingt mit „Trautmann“ en kluger und emotionsgeladener Film, der alles mitbringt, was großes Kino braucht und weit mehr ist als ein Biopic eines Fußballers. Es ist ein Appell an das Menschliche in uns.“




Eine Ära endet – Dieter Kosslick zum letzten Mal Festivaldirektor der Berlinale

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Eine Ära endet. Die von Dieter Kosslick. 18 Jahre stand der gebürtige Pforzheimer dem größten deutschen Filmfestival als Direktor vor und geprägte seit dem 1. Mai 2001 die Berlinale genannten Internationalen Filmfestspiele Berlin.

Die 69. Berlinale wird seine letzte als Festivaldirektor sein. Der Mann mit dem schwarze Hut und roten Schal wird gewiss gefeiert und gewürdigt wie nie zuvor. In die Reihe der Rückblicke rückt auch das ZDF.

Der Dokumentarfilm „Die Ära Kosslick“, heißt es in einer ZDF-Pressemitteilung vom 28.1.2019, würde die Kosslick-Epoche „Revue passieren“ lassen. Die Filmemacher „begleiteten ihn bei den Vorbereitungen zur seiner letzten Berlinale, den 69. Internationalen Filmfestspielen Berlin, und gewährt so auch einen Einblick hinter die Kulissen des bedeutendsten deutschen Filmfestivals“.

Der Film von Nadia Nasser, Carola Wedel und Stephan Merseburger wird vom in ZDF am Donnerstag, den 7. Februar 2019, um 0.45 Uhr, und in 3-SAT am Samstag, 9. Februar 2019, 19.20 Uhr, gezeigt.




»Hallo. Hier Welle Erdball!« – Ein Vortrag über die »Schlesische Funkstunde« in Breslau

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Geschichte des Hörfunks ist lang, sehr lang, und sie ist eng mit der Entwicklung von Telegrafie und Telefon verbunden. Sie ist verknüpft mit der Entwicklung von Tonaufnahmegeräten, von Mikrofonen, von Geräten der Funktechnik für die Sendung und den Empfang. Edison und Tesla sind ebenso von Bedeutung wie Bell und Hertz, aber auch Marconi, Popov und Braun.

Musik wurde bereits im Krieg von 1914 bis 1918 dank Hans Bredow und Alexander Meißner übertragen, auch wenn die Deutschen in den Schützengräber der Hauptkampflinie noch selbst singen mussten. „Die erste Rundfunkübertragung eines Weihnachtskonzerts durch den Sender Königs Wusterhausen der Reichspost“, heißt es auf „Wikipedia“ und weiter: „ostbeamte spielten auf mitgebrachten Instrumenten, sangen Lieder und trugen Gedichte vor. Der Funkerberg gilt daher als die Geburtsstätte des öffentlichen Rundfunks in Deutschland.“ Nirgendwo entwickelte sich der Rund- und Hörfunk so rasant wie in deutschen Landen. Unter Bredow wurde das erste Sendernetz der Welt erschaffen. Ein Hauptsender wurde auch in Breslau errichtet. Zu diesem Zweck wurde die Die Schlesische Funkstunde A.G. gegründet, die am 26. Mai 1924 den Betrieb auf und ein Programm auf Mittelwelle ausstrahlte.

Über die „Schlesische Funkstunde“ wird Dr. Roswitha Schieb am Donnerstag, den 31. Januar 2019, 18 Uhr, in den Räumlichkeiten der Alexander-und-Renata-Camaro-Stiftung, Potsdamer Straße 98 A, 10785 Berlin, einen Vortrag mit dem Titel »Hallo. Hier Welle Erdball!« – Die »Schlesische Funkstunde« in Breslau als Avantgarde der Rundfunkgeschichte halten. In einer Pressemitteilung des Deutschen Kulturforums östliches Europa vom 25.1.2019 heißt es dazu: „Zwischen 1925 und 1933 avancierte die ‚Schlesische Funkstunde‘ in Breslau zu einer der innovativsten und kulturell anspruchsvollsten Sendungen in den Anfangsjahren des deutschen Rundfunks. Der engagierte Intendant Friedrich Bischoff holte ambitionierte Künstler wie den Komponisten Edmund Nick, Schriftsteller wie Erich Kästner und Klabund oder den Regisseur Max Ophüls an den Sender.

Der Vortrag möchte nicht nur die neuartigen, avantgardistischen Mittel der frühen Rundfunksendungen und Hörspiele darstellen, sondern sie auch durch das Einspielen von originalen Hörbeispielen verlebendigen.“




69. Berlinale: Panorama mit Programm und Parole – Ausbruch und Aufstehen?

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Panorama-Programm der 69. Berlinale sei „komplett“. Laut Berlinale-Pressemitteilung vom 21.1.2019 würden die Veranwortlichen „45 Filme unter der Beteiligung von 38 Ländern präsentieren“.

Weiter im Text: “ 34 Filme feiern ihre Weltpremiere. 19 der Filme sind Erstlingswerke. Unter den 45 Filmen sind 29 Spielfilme und 16 dokumentarische Formen. Das Panorama zeigt ein kontroverses, politisches und herausforderndes Programm.“

Dass die „Zeiten“ im Programm des Panorama 2019 auf „Ausbruch“ stünden, das wird behauptet. „In auffällig vielen Filmen versuchen Menschen, Systeme von Fremdbestimmung und Unterdrückung hinter sich zu lassen – mit unterschiedlichem Erfolg. Mal ist es die Familie, mal eine homophobe Kirchengemeinde oder ein kapitalistisches Sklavensystem, von dem es sich zu emanzipieren gilt. Oft ist es die eigene Community, aus der der Ausbruch am schwersten fällt. Immer geht es für die Menschen dabei um ein besseres, freieres Leben. Weitere Schwerpunkte des diesjährigen Programms liegen auf schonungslosen filmischen (Selbst-)Erkundungen und starken Künstler*innenporträts. „

Ob aus dem Ausbruch auch ein Aufstehen wird, wie Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine in wagen würden, das werden wir sehen. Und darüber berichten!




„Ein anarchistischer Bankier“ von Fernando Pessoa im Berliner Theaterdiscounter

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Sowohl der Dichter und Denker Fernando Pessoa als auch der Titel „Ein anarchistischer Bankier“ klingen vielversprechend und verlockend.

In einer Pressemitteilung des Berliner Theaterdiscounters (21.1.2019) heißt es dazu lediglich: „Ein Bankier legt dem verwunderten Gast dar, warum er als überzeugter Anarchist gezwungen gewesen sei, zu Reichtum zu kommen. In diesem spannungsgeladenen Dialog enthüllen Ulrich Marx und Leopold von Verschuer den Zusammenhang von Anarchie und Kapital.“

Auf der Heimatseite unter theaderdiscounter.de finden wir schon mehr über dieses Stück von Ulrich Marx und Leopold von Verschuer und mit
Ulrich Marx und Leopold von Verschuer.

Wir sind gespannt und freuen uns auf die Premiere am 30. Januar 2019, 20 Uhr. Weitere Aufführungen: 1./2. Februar 2019, 20 Uhr, 9./10. April 2019, 20 Uhr.




„Meschugge oder was – Jude werden, Jude sein in Deutschland“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Darüber, dass „etwas 100 Menschen … jährlich in Deutschland zum Judentum“ konvertieren, informiert eine ZDF-Pressemitteilung vom 18.1.2019, in der es heißt, dass diese Konvertiten, die auch als Juden zweiter Klasse gelten, 613 Rechte und Pflichten einhalten müssten, „darunter Dinge wie am Wochenende kein Auto fahren oder Licht anschalten“.

Daraus ergeben sich beim ZDF offensichtlich Fragen: „Warum machen sie das in einer Zeit wieder zunehmenden Antisemitismus? Welche Mühen nehmen sie auf sich? Und wie leben und feiern die ’neuen Juden‘ in Deutschland und in Israel?“ Zunehmender Antisemitismus? Vielleicht sollte sich das ZDF mehr mit der illegalen Masseneinwanderung von Muselmanen beschäftigen. Warum machen die das?

Weiter im Text der Pressemitteilung: „Im hessischen Felsberg versucht eine kleine Gruppe von Juden und Konvertiten, gemeinsam wieder Fuß zu fassen. Sie möchten das jüdische Leben wieder erwecken. Unter ihnen ist auch Christian Lehmann, ein „Vaterjude“ wie Dmitrij Kapitelman. Wie in jeder jüdischen Gemeinde muss auch in Felsberg jede kleine Zusammenkunft von der Polizei geschützt werden. In Tel Aviv trifft Dmitrij Kapitelman den orthodoxen Juden Elyah Havemann, Sohn von Wolf Biermann.“ Doch der ist kein Jude in deutschen Landen. Havemann habe der Bundesrepublik Deutschland „den Rücken gekehrt, weil er sich ein Leben für sich und seine Kinder als Juden in Deutschland nicht mehr vorstellen“ könne, teilt das ZDF mit.

Wer das und anderes nicht nur lesen will, sondern hören und sehen, der schalte am Dienstag, den 22. Januar 2019, um 0.00 Uhr ein, wenn „im ZDF erstmals die Dokumentation ‚Meschugge oder was – Jude werden, Jude sein in Deutschland‘ zu sehen“ sein wird. „In der ZDFmediathek steht der Film von Dmitrij Kapitelman und Ralf Dörwang am 22. Januar 2019 bereits um 11.00 Uhr zur Verfügung.




Die Filme für den Wettbewerb der 69. Internationalen Filmfestspiele Berlin steht fest

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der Wettbewerb der Berlinale steht, die Filme stehen fest. Schon jetzt darf gesagt und geschrieben werden, dass diese Sektion der Filmfestspiele mal wieder echt international ist.

Die Liste der Produktions- und Koproduktionsländer ist lang. Aus Belgien, Brasilien, Dänemark, Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Israel, Italien, Kanada, Kroatien, Mazedonien, Mongolei, Niederlande, Norwegen, Republik Österreich, Polen, Schweden, Serbien, Slowenien, Spanien, Türkei, Ukraine, Vereinigte Staaten von Amerika, Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Nordirland sowie Volksrepublik China kommen die Produktionen.

Doch nur 17 der 23 ausgewählten Filme konkurrieren um den Goldenen und die Silbernen Bären. In der Pressemitteilung vom 17.1.2019 wird zudem darauf hingewiesen, dass „von den 17 Wettbewerbsbeiträgen … sieben Filme unter weiblicher und zehn unter männlicher Regie“ entstanden. Wie viele lispelnde Lesben mit Migrationshintergrund oder einäugige Schwule mit Hinkebein dabei sind, das wurde nicht mitgeteilt. Dafür aber

die Titel, die im Berlinale-Wettbewerb laufen

L’adieu à la nuit (Farewell to the Night) von André Téchiné (Frankreich / Deutschland) – Außer Konkurrenz
Amazing Grace realisiert von Alan Elliott (USA) – Dokumentarfilm, außer Konkurrenz 
Der Boden unter den Füßen von Marie Kreutzer (Österreich)
Di jiu tian chang (So Long, My Son) von Wang Xiaoshuai (Volksrepublik China)
Elisa y Marcela (Elisa & Marcela) von Isabel Coixet (Spanien)
Der Goldene Handschuh von Fatih Akin (Deutschland / Frankreich)
Gospod postoi, imeto i‘ e Petrunija (God Exists, Her Name is Petrunya) von Teona Strugar Mitevska (Mazedonien / Belgien / Slowenien / Kroatien / Frankreich)
Grâce à Dieu (By the Grace of God) von François Ozon (Frankreich)
Ich war zuhause, aber von Angela Schanelec (Deutschland / Serbien)
The Kindness of Strangers von Lone Scherfig (Dänemark / Kanada / Schweden / Frankreich) – Eröffnungsfilm
Kız Kardeşler (A Tale of Three Sisters) von Emin Alper (Türkei / Deutschland / Niederlande / Griechenland)
Marighella von Wagner Moura (Brasilien) – Außer Konkurrenz
Mr. Jones von Agnieszka Holland (Polen / Großbritannien / Ukraine)
Öndög von Wang Quan’an (Mongolei)
The Operative (Die Agentin) von Yuval Adler (Deutschland / Israel / Frankreich / USA) – Außer Konkurrenz
La paranza dei bambini (Piranhas) von Claudio Giovannesi (Italien)
Répertoire des villes disparues (Ghost Town Anthology) von Denis Côté (Kanada)
Synonymes (Synonyms) von Nadav Lapid (Frankreich / Deutschland)
Systemsprenger von Nora Fingscheidt (Deutschland)
Ut og stjæle hester (Out Stealing Horses) von Hans Petter Moland (Norwegen / Schweden / Dänemark)
Varda par Agnès (Varda by Agnès) von Agnès Varda (Frankreich) – Dokumentarfilm, außer Konkurrenz
Vice (Vice – der zweite Mann) von Adam McKay (USA) – Außer Konkurenz
Yi miao zhong (One Second) von Zhang Yimou (Volksrepublik China)




Perlen des Lokaljournalismus oder Picasso, „Meister des Exhibitionismus“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Heute entdeckten wir unter „Dressed like machines“ (14.1.2019) eine von einem Michel Reimon auf Twitter gezwitscherten Perle des Lokaljournalismus vom 13.1.2019.

Unter der Überschrift „Picasso Ausstellung“ heißt es: „Zwischen 2. April und 20. August können im Stadtmuseum Lindau 50 Werke des berühmten Meister des Exhibitionismus betrachtet werden.“

Da stecken mehr Fehler drin, als die Meldung Sätze hat.

Kommentiert wurde der Hinwies mit den Worten „so ein Ferkel“.

Dass die Meldung älter ist und die Ausstellung längst stattfand, das wird allerdings verschweigen.

Wir wollen jedoch nicht verschweigen, dass demnächst der junge Picasso mit seiner blauen und rosa Periode vom 3. Februar bis zum 26. Mai 2019 in der Fondation Beyeler in Zürick zu sehen sein wird. Viel Vergnügen.




Politik und Paraden, Party und Plebs im Revolutionswinter 1918/19

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Das Museum für Fotografie, das zu den Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz gehört, bietet seit dem 9. November 2018 und noch bis zum 3. März 2019 die Ausstellung „Berlin in der Revolution 1918/19 – Fotografie, Film, Unterhaltungskultur“ an.

Dazu heißt es beim Veranstalter, dass „als Reaktion auf das Ende des Krieges und ohne zunächst den Gefahren der Revolutionskämpfe Rechnung zu tragen, … im Winter und Frühjahr 1918/19 in Berlin eine beispiellose Vergnügungssucht“ geherrscht habe. Party war also angesagt und das auch beim Plebs.

Willy Römer Einzug der Jäger-Division, Vorbeimarsch der Garde-Jäger vor General Arnold Lequis, links der Pressefotograf Walter Gircke mit seiner Kamera, 10./11.12.1918 © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek – Photothek Willy Römer / Willy Römer

Allerdings marschierten jede Menge Soldaten, Rote und Rechte. Nicht nur Paraden wurden veranstaltet, auch Politik. Gustav Noske machte den Bluthund für die SPD und war für die KPD, die vom 30. Dezember 1918 bis zum 1. Januar 1919 in Berlin gegründet wurde, der Arbeiterverräter, doch für den Rest der Retter des Deutschen Reiches, weil er „der Anarchie mit Axtschlägen zu Leibe“ rückte. Jedenfalls formulierte dies Jacques Benoist-Mechin so und nicht anders in Anlehnung an Noskes teilweise Tätigkeit als Holarbeiter.

Zurück zur Party und dem Pressehinweis, dass „neben Opernhäusern und Sprechtheatern … die Berlinerinnen und Berliner die populäreren Operetten- und Revuetheater, die Kinos, aber auch Ballhäuser oder Kaschemmen“ requentierten. Vom Tanz auf dem Vulkan scheint die Rede und von „Revuen, die tagesaktuell auf Themen wie die Wohnungsnot und die Streiks reagierten. Die Misere der Kriegsinvaliden war gleichfalls ein Sujet der populären Musik. In dem Lied Bein ist Trumpf aus dem Jahr 1919 wird das Schicksal vieler kriegsversehrter Männer angesprochen: der Tanz mit dem Holzbein oder der Prothese im Getriebe eines sich immer weiter drehenden Weltgefüges.“

Iris Braun notiert in „Tip Berlin“ (28.11.2018): „Es war natürlich Harry Graf Kessler, der angesichts der Weihnachtseinkäufer auf der Friedrichstraße ein „und daneben liegen im Marstall die Toten“ in sein Tagebuch seufzte. Damit hatte der Kosmopolit unter den Zeitgenossen wie so oft recht: die Kämpfe um den Marstall am 24. Dezember 1918, zwischen Friedrich-Ebert-Sozialisten und Volksmarine-Soldaten, waren nur ein weiterer Beweis, dass alles gleichzeitig in der gleichen Stadt passierte. Nach und vor den Kämpfen wurde weitergearbeitet und weitergefeiert.“

Wohl wahr: „Lebbe geht weider“, um es mit Dragoslav Stepanović zu sagen.

Das alles sei auf Bilder der Ausstellung der Kunstbibliothek, gefördert vom Hauptstadtkulturfonds und den Kooperationspartnern bpk-Bildagentur und ullstein bild, zu sehen.

Museum für Fotografie

Jebensstr. 2, 10623 Berlin-Charlottenburg

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11 Uhr bis 19 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr




»Carl Melchior – Jüdischer Vorkämpfer eines europäischen Friedens« – Zur Eröffnung der Carl-Melchior-Ausstellung

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Von heute 100 Jahre zurückzublicken, das fällt leicht, weil wenigstens kein Überlebender einem als Zeitzeuge im Hier und Jetzt ins Wort fallen kann. Vielleicht sind in diesem Jahr deswegen Rückblicke auf längst Verstorbene statt auf Lebende angesagt.

Die und deren Werk sollen weiter wirken. Auch in Berlin, so scheint es mir, wird gerne zurückgeblickt als vorausgeschaut. Das ist verständlich, denn die Aussichten sind schon gegenwärtig nicht gut. Das gilt bei der Muselmanisierung in deutschen Landen vor allem auch für Juden.

Das Jüdische Museum Berlin bläst für Donnerstag, den 17. Januar 2019, zur Intervention »Carl Melchior – Jüdischer Vorkämpfer eines europäischen Friedens«. Aus gegebenem Anlass wird Folgendes zur Person Carl Melchior mitgeteilt: „Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges setzte sich Carl Melchior (1871-1933) als Demokrat, Jurist und Bankier mit aller Macht für einen nachhaltigen Frieden ein. »Wir rufen mit der Intervention das Wirken Melchiors als Vorkämpfer eines europäischen Friedens in Erinnerung. Es ging 1918/19 ja eben nicht nur um revolutionäre, soziale Umbrüche. Die zentrale Forderung war die nach Frieden«, sagt Kurator Christoph Kreutzmüller vom Jüdischen Museum Berlin. In zwei Vitrinen im Eingangsbereich der W. Michael Blumenthal Akademie werden Melchiors Verdienste als Botschafter in Friedenssachen zwischen 1918 und 1933 erstmals mit Dokumenten, Fotografien sowie einem Film und einem 56-seitigen Booklet, herausgegeben von der Stiftung Warburg Archiv, für Besucher gewürdigt.“

Melchior scheint als „unermüdliche Diplomat“ gesehen zu werden. „Als Finanzexperte war Melchior schon bei den Waffenstillstandsverhandlungen in Compiègne beteiligt. Hier sorgte er im März 1919 für die Aufhebung der alliierten Blockade und die dringend notwendige Lebensmittelversorgung Deutschlands. Auch bei den Friedensverhandlungen in Versailles spielte Melchior als Hauptdelegierter des Deutschen Reichs eine Schlüsselrolle. Trotz des Scheiterns zeigen beispielsweise Korrespondenzen zwischen Paul Hindenburg und Carl Melchior, dass die Reichsregierung auf Melchiors Verhandlungsgeschick nicht verzichten konnte. Als »eine der sympathischsten Erscheinungen Nachkriegsdeutschlands« (Vossische Zeitung, 1930) genoss Melchior auch im Ausland Wertschätzung, wie sich an der Berufung zum Vorsitzenden des Finanzausschusses des Völkerbunds zeigte. 1930 trat er in das Direktorium der neu gegründeten Bank für internationalen Zahlungsausgleich in Basel ein. Der britische Ökonom John Maynard Keynes (1883-1946) setzte seinem Verhandlungspartner mit der Erinnerungsschrift »Freund und Feind« ein literarisches Denkmal.“

Weiter im Text: „Melchior stammte aus einer alten Altonaer Rabbinerfamilie und war Mitinhaber des Hamburger Bankhauses M. M. Warburg & Co. Zusammen mit Leo Baeck trat er Anfang 1933 für die Belange von Juden in Deutschland ein und wurde so Mitbegründer des »Zentralausschusses der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau«. Allerdings nur für kurze Zeit: Mit 62 Jahren starb er am 30. Dezember 1933.

Zur Eröffnung der Carl-Melchior-Ausstellung werde der Schauspieler Ulrich Matthes ab 19 Uhr „einen Überblick deutsch-jüdischer Positionen in Zeiten des Umbruchs und der Neuordnung – darunter die von Rosa Luxemburg, Gustav Landauer und Kurt Eisner“ geben. Anschließend werde er „aus Periodika, Reden, Flugblättern, Schriften und Korrespondenzen“ lesen. Zudem stelle „Kuratorin Dorothea Hauser von der Stiftung Warburg Archiv Carl Melchior in seiner Zeit vor“ in der W.-Michael-Blumenthal-Akademie, Klaus-Mangold-Auditorium.