Nur das Beste. Das SEEFF eröffnete mit dem Siegerfilm des Vorjahres und zeigt je einen Film pro Land

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Harald Siebler, Direktor des SEEFF à Berlin. Gründer des Festivals ist Jordan Plevnes. © 2017, Foto: Andreas Hagemoser

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Komödie „All the Best“ von Snjezana Tribuson wurde bei der offiziellen Eröffnungsfeier des Südosteuropa-Filmfests SEEFF wiederaufgeführt. Ein Film, der zurecht gewonnen hat und das große Potential aufzeigt, das in diesem neuen Festival steckt. Einen Film mehr als „Around the World in 14 Films“ hat sich die 2. Ausgabe vorgenommen, mit „All the Best“ sind es 16.

„All the Best“

Viele Liebesgeschichten, die sich zufällig verknüpfen, bilden den Inhalt des auf jeden Fall äußerst sehenswerten kroatischen Films. Nach 2016 lief er vergangenen Donnerstag in der rumänischen Botschaft in Berlin vor geladenen Gästen bei der Eröffnung des South East European Film Festivals (SEEFF). Exzellenzen und junge Filmjournalisten, anwesende Schauspieler und Filmleute waren gleichermaßen begeistert.
Regisseurin und Drehbuchautorin Tribuson stand Rede und Antwort nicht auf der Bühne, sondern im Anschluss bei einem Glas Wasser. Sie entzerrte damit selbstlos den etwas voll geratenen Abend.

Snjezana Tribusons „Sve Najbolje“

Die Komödie ist ein schweres Fach, Snjezana Tribuson meistert es. Der gelungene Streifen mit reichlich Humor und Liebe zeigt auch die Einsamkeit einer Frau mittleren Alters und in welche Lagen sie sich bringt, weil sie das Alleinsein möglichst schnell beenden möchte.
Es ist keineswegs sicher, dass dieser Film in die deutschen und österreichischen Kinos kommt. Er allein hätte vielleicht schon 2016 die Existenzberechtigung des neuen Festivals sein können, das sogar an zwei Orten, in Berlin und Paris, osteuropäisches Filmschaffen präsentiert.

Geographisch eine sehr interessante Mischung. Während sich das eingesessene, in die Kulturbrauerei umgezogene Jahresend-Filmfest „Around the World in 14 Films“ die Freiheit nimmt, immer wieder Filme aus neuen Ländern auszuwählen stehen diese beim SEEFF fest.

Die beteiligten Territorien

Die 15 Länder umfassen natürlich den Balkan, Albanien und die fünf, nein sechs, nein inzwischen sieben Nachfolgestaatswesen des alten Jugoslawiens. Jugo-Slawien bedeutet übrigens nichts anderes als Südslawien (polnisch, tschechisch, slowakisch sind westslawische Sprachen).
Von Norden angefangen Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro, FYR Mazedonien und das nicht allgemein anerkannte Kosovo mit seinen Albanern.

Zwischensumme: 8. Wen erwartet man noch bei einer Südosteuropaveranstaltung? Bulgarien und Rumänien
vielleicht, die ans Schwarze Meer grenzen.
Die rumänischsprachige Moldau, als Strafe für das Verbündetsein mit dem Großdeutschen Reich an die Sowjetunion abgegeben wurde, Erdöl war im Spiel.

Das wären erst 11. Griechenland mit Mazedonien liegt natürlich auch im Südosten: 12. Etwas überraschend gehört die Türkei dazu, immerhin hat sie einen kleinen europäischen Teil nördlich des Bosporus (13). Eine weitere griechischsprachige Entität kommt hinzu: die Republik Zypern(14). Das nur von der Türkei anerkannte Nordzypern nimmt nicht teil.
Was fehlt? Zypern ist im Alphabet am Ende, in dieser Aufzählung ist es das Binnenland Ungarn mit der Puszta und der so ganz anderen Sprache. Für manche Osteuropa, für die Ungarn vielleicht Mitteleuropa, gehört es hier zum Kürzel „SO“. Früher gehörte es zu Österreich-Ungarn, aber weder die kurze Zeit zu Großdeutschland gehörende heutige Republik Österreich noch die aus der See- und Großmacht entstandene Tschechoslowakei mit ihren beiden Nachfolgestaaten sind beim SEEFF. Irgendwo muss man eben die Grenze(n) ziehen, auch wenn diese mitten durch die Exweltmacht, Donau- und Doppelmonarchie hindurchgeht. Die österreichische Flotte lag in der Adria, Rudolf Steiner wurde im späteren Jugoslawien geboren.
Auch der Schengenraum hat hier keine Relevanz.

Eine interessante Mischung

Insgesamt recht konsequent, geographisch kohärent und balkanmäßig zersplittert mit einer Vielzahl von Kulturen und (ehemaligen) Hochkulturen wie Griechenland, Byzanz; Kleinasien, Territorien, die zum Reiche Alexanders oder zum Osmanischen Reich gehörten.

Sehr verschiedene Sprachen und Alphabete

Spachlich sehr diversifiziert. Man hört in den Filmen türkisch und griechisch, die Sprache der Roma und Sinti, Exoten wie albanisch und sehr verschiedene Sprachen wie kroatisch, rumänisch und ungarisch.
Mehrere Alphabete werden verwendet, denken wir nur an das griechische in zwei Staaten und das kyrillische in Bulgarien und Serbien.
Ein Spannungsbogen, der vereinen kann.

Programm bis 28.5.

Die Filme sind bis Sonntag, den 28. Mai, in der Berlin zu sehen. Im Kino Babylon-Mitte am Rosa-Luxemburg-Platz unweit des Alexanderplatzes, in Originalsprache mit englischen Untertiteln.

Englisch ist auch die Festivalsprache, genau wie bei der Berlinale.

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