Südkreuz am Südstern oder Ein Stern ist aufgegangen. Nils Ben Brahims zweite Ausstellung

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Bild in der Ausstellung im Nachbarschaftshaus Urbanstraße 21 in Kreuzberg am M41er
"Südkreuz" (2018). Gemälde von Nils ben Brahim in seiner 2. Ausstellung "Remain in Light - entfremden, verdrängen, vergessen". © Foto/BU : Dirk Fithalm, 2018

Berlin-Kreuzberg, Deutschland (Kulturexpresso). Ein Stern ist aufgegangen, ist das zuviel gesagt? Wir werden sehen. In den sternenklaren Nächten nach der Zeitumstellung – der letzten oder vorletzten, wie man hört – sieht man die Sterne schön und klar. Endlich wieder fallender Regen wusch Stickoxide, Staub und Feinstaub fast sauberwaschend aus der Luft. Klare, kühle Luft, die alle Geräusche lauter durch die entlaubenden Bäume transportiert, lässt einen unwillkürlich nach oben schauen. Die jetzt längeren Nächte bieten immer mehr Gelegenheit dazu bis der Weihnachtsstern erscheint und die Dunkelheitsumkehr die Tage wieder länger und hoffentlich fröhlicher werden lässt. Wer nicht nur fernsehen will – und wer will das schon? – gehe doch in Nils Ben Brahims zweite Ausstellung ins Nachbarschaftsheim Urbanstraße.

Der Eintritt ist frei.

Nils Ben Brahims zweite Ausstellung hängt im Nachbarschaftsheim in der Urbanstraße 21

Der Künstler in seiner Ausstellung „Remain in Light“: Nils Ben Brahim. Im Raum „verdrängen“. © Foto/BU : Dirk Fithalm, 2018

Eröffnung: Gestern nacht, oder soll man sagen abend? Um 20 Uhr war es bereits mehrere Stunden dunkel. Um 20 Uhr in der Urbanstraße 21, das hatte ich mir leicht merken können. Um halb neun erreichten wir den Ausstellungsort, den wir noch nicht kannten. Ein schöne, alte, glücklicherweise nicht zerbombte Villa, in dem teils grünen, recht ruhigen Fast-Niemandsland zwischen laut-ratternder U1 im Norden und im Untergrund rumpelnder U7 im Süden, zwischen Hermannplatz im Osten und Blücherplatz mit der Bibliothek AGB im Westen.

Wer es nicht lassen kann zu „googlen“, wird doch bei den Landkarten der mepps vielleicht fündig. Je nach Verfügbarkeit von Geräten, je nach Akkuleistung, Stromanschluss und Schnelligkeit der durch den Dunst schwirrenden mobilen Daten.

Dort wird er vielleicht ein Foto finden. Es wurde (vor etwa 10 Jahren?) tagsüber aufgenommen. Zu einer ähnlichen Jahreszeit, als abgeworfenes Laub in den Gossen lag und Autos mit aufmontierten Kameras jede Straße jeder Stadt vermaßen. Ein kleiner Junge, den man vielleicht nicht gefragt hat, ob er auf dem Bild sein möchte, ist links im bild. blauer Hose, blaugestreiftes Oberteil, schwarzer Rucksack, junge, helle Haare. Weiter drei abgestellte Fahrräder und ein Schaukasten an der Straßenseite der Freitreppe. Aus Datenschutzgründen ist die Schrift über dem Schaukasten unkenntlich gemacht worden. Das Haus wird jedoch gezeigt. Ein großer Buchstabe am Ende ist noch zu sehen, es ist ein „V“. Vermuten lässt die der Name eines Vereins, der die beliebten Buchstaben anhängt, die zusammengeschrieben evangelisch bedeuten, durch Punkte getrennt jedoch Vereinsmeierei.

Die von Ost und West beziehungsweise von links und rechts zugängliche Treppe führt in ein gelbes Haus, dessen Tür geöffnet ist. Ein Transparent rechts verkündet mit interessanter Typologie: „Sommerfest 6. Juli“. Das Laub ist grüner als jetzt.

Nils Ben Brahims zweite Ausstellung: Umweltfreundlicher Weg ins Grüne

Jetzt wieder auf: „Nachbarschaftshaus Urbanstraße“ in der Urbanstraße 21. © Foto/BU : Dirk Fithalm, 2018

2018: Heute verdeckt ein Container den Blick aufs Haus, das obendrein eingerüstet ist. Am Geländer: „Wieder offen für alle. NHU“.

Die zwei Schaukästen gibt es noch. Die Aufschrift lautet: „Nachbarschaftshaus Urbanstraße“. Ohne e.V. Dafür mit „NHU“. Nicht hier unterstellen? Nieten, Herren, Untertanen? Neue Heimat umsonst?
Niemand hat Unkenntnis. Noble Herren unken. Niemandsland hiesigen Ursprungs. Nicht helfen, unabhängig machen!
Neues Haus ursprünglich. Nur Häuser überleben.

Wai (Was auch immer). Parkplätze gab es im Sommer vor ein paar Jahren ausreichend. Dieselfahrverbote drohen. Autofahrer mögen also bitte Navi oder Stadtplan konsultieren, BVG-Benutzern helfen wir auf die Sprünge, damit sie nicht nur Kohlendioxid vermeiden, sondern sogar Handystrom sparen können.

Startpunkt Südstern …

Südstern bezeichnet dreierlei: Eine Kirche, eine Straße beziehungsweise einen Platz, in den sternförmig 7 Straßen münden und einen U-Bahnhof der U7 mit einem teilverglasten, oberirdischen Eingangsgebäude. Große Straßen kommen hier zusammen. Die Bergmannstraße vom Marheinickeplatz und Mehringdamm, die Gneisenaustraße, die Blücher- und: die Lilienthalstraße (nicht nur der Flughafen Tegel ist nach Otto, dem Flieger benannt) und am schönsten natürlich: die Hasenheide mit Denkmal für Turnvater Jahn.

… und dann nach Norden

Das Nordende der Fontanepromenade an der Urbanstraße. Wer es bis hierhin geschafft hat, ist am Ziel: Links auf der Ecke steht die Villa des Nachbarschaftshauses. © Foto/BU : Dirk Fithalm, 2018

Wer den U-Bahnhof verlässt, sollte sich nördlich wenden, aber bitte nicht die Hauptstraße kreuzen oder dazu sich verleiten lassen, die belebte Körtestraße entlangzugehen. Wer das trotzdem tat, bitte links in die Freiligrath.

Der kürzeste Weg in Nils Ben Brahims zweite Ausstellung führt durch die Fontanepromenade in ihrer ganzen Länge. Sie geht auf Höhe der Kirche nach Norden vom Südstern weg. Ein Nordstrahl sozusagen. Eine ruhige Straße mit einem Mittelstreifen samt Kinderspielplatz.

Ein Dichtertreffen

Zwischen Südstern und Urbanstraße: Zwei Dichter treffen sich an der Straßenecke. © Foto/BU : Dirk Fithalm, 2018

An der ersten Ecke ist man geneigt zu vermuten, dass hier die Straßennamen alphabetisch sortiert sind, Fontane Ecke Freiligrath. Sie kennen letzteren nicht? Ein Dichter namens Ferdinand. Er hat die kürzere Straße abbekommen, schließlich beschäftigte sich der andere nicht nur mit der Streusandbüchse Mark Brandenburg, in der Berlin liegt, sondern ist auch ein Multitalent. Fontane war Dichter und Schriftsteller. Dafür erhielt er zwei Richtungsfahrbahnen und als Bonus den Mittelstreifen für Flanierende.

Am anderen Ende das Haus links ist unser Ziel. Hier erwarten sie Bilder mit Elementen der Verfremdung und Übermalung. Öl, Acryl, Kohle. Der passende Untertitel: Entfremden, verdrängen, vergessen. Der Haupttitel ist natürlich auf englisch, denn wir sind ja in Berlin: Remain in the Light. Vielleicht ein frommer Wunsch für die Karriere des Künstlers? Ein Wunsch an uns alle? Oder eine gutgemeinte Warnung, sich mit der Dunkelheit nicht einzulassen?

Bilden Sie sich selbst ein Urteil.

Nils Ben Brahims zweite Ausstellung: Nachbarschaftshaus Urbanstraße, Urbanstraße 21, 10969 Berlin
Bis 2019.
Bus M41, U-Bahn U7 „Südstern“ + 550 Meter Fußweg durch die Nordsüdstraße „Fontanepromenade“

Unter die Oberfläche: „Cishuman“, erste Ausstellung von Nils Ben Brahim

www.nilsbenbrahim.com

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