Hart wie Mozart – Annotation zur Graphic Novel „Die Ursache“ von Thomas Bernhard, gezeichnet von Lukas Kummer

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Als ich Lukas Kummers Werk zum ersten Mal in die Hand nahm, blieb mir nur ein Wow!

Als Bernhardleser ist man naturgemäß skeptisch, wenn sich ein sogenannter Neuling das Werk des genialen Eigenbrötlers vornimmt. Zu groß ist die Furcht, dem Meister könnte dabei ein Zacken aus der Krone fallen.

Bernhardjünger, seid unbesorgt. Kummers Stift geht eine feinsinnige Symbiose mit den geheiligten Worten des Thomas B. ein. Tief tauchen wir mit ihm ein in die Abgründe der frühkindlichen Störungen des malträtierten Buben T.B. Der Erzieher und Vollnazi Grünkranz deformiert ihn physisch wie psychisch in der Geistesvernichtungsanstalt zu Salzburg, indes die Bombenteppiche die Mozartstadt zu vernichten drohen. Das 3. Reich säuft ab, doch die Qualen der Internatsinsassen ändern sich nicht. Dem Buben wird die Freude am Musizieren ausgetrieben, Grünkranz samt Frau verschwindet und wird durch eine ähnliche Figur ersetzt. Menschen, nein Kindervernichtung en gros! Kummers Salzburg ist grau, betoniert, eng und ohne Hoffnung. Seine Gesichter haben keine Augen und Erlösung gibt es nur im Grab. Ein Buch ohne Gnade, ein Buch am Abgrund der Stadt Salzburg, hart wie Mozart, weich wie ein Stück Taubenbrust in Biersoße, ein bedrückend schönes Buch!

Ein wunderbar belastendes Buch ganz im Sinne Thomas Bernhards.

Bibliographische Angaben

Thomas Bernhard (Autor), Lukas Kummer (Zeichner), Die Ursache, Eine Andeutung, Graphic Novel, 112 Seiten, Format: 170 x 240, Residenz-Verlag, Salzburg, 4.9.2018, ISBN: 3-701-71693-7, Preis: 22 EUR




Das bunte Haus und Bild zum Buch "Gehirngefühl.! - Kunst aus Gugging von 1970 bis zur Gegenwart" von Nina Ansperger und Johann Feilacher.

Ewigkeitendepolizisten müssen mich am Arsche lecken – Annotation zum Buch „Gehirngefühl – Kunst aus Gugging“ von Johann Feilacher und Nina Ansperger

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Große Kunst findet seit etwa 1970 in Gugging statt. Seit 1956 ließ der Psychiater Leo Navratil seine Patienten zeichnen. 1981 gründet er das Zentrum für Kunst- und Psychotherapie, eine Wohngemeinschaft im Wienerwald, in der sich psychiatrische Patienten künstlerisch betätigen.

Feilacher und Ansperger legen nun einen Katalog der wichtigsten Gugginger Künstler vor. Neben der Biografien der Künstler zeigt das schwergewichtige Buch mehr als dreihundert Kunstwerke aus fünf Jahrzehnten. Viele der Gugginger sind weltberühmt, allen voran August Walla und Oswald Tschirtner prägten die Geschichte der Art brut.

Im großzügig illustrierten Buch bekommen wir einen umfänglichen Eindruck des Gugginger Künstlerwirkens, die beiden Herausgeber begleiten uns auf unserem Weg der Erkenntnis mit feinen Texten, das Buch ist ein wahrer Augenschmaus und gehört in jede gut sortierte Bibliothek des Wahnsinns und der Kunst.

Bibliographische Angaben

Johann Feilacher und Nina Ansperger mit Gugging Museum (Herausgeber), Gehirngefühl.!, Kunst aus Gugging von 1970 bis zur Gegenwart, 386 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen, Format: 255 x 300 cm, Residenz Verlag, Salzburg, April 2018, ISBN: 3-70173-450-4, 35 EUR




Roberto Bolaño: Der Geist der Science-Fiction.

Gott Roberto Bolaño steigt im Juli 2018 zu uns hinab – Annotation zu seinem Buch „Der Geist der Science-Fiction“

Berlin, Deutschland (Kulturexresso). Wunder über Wunder, aus Zettelkästen, vergessenen Dateien und Verstecken aller Art zaubern sachkundige WühlerInnen und potente Spezialisten unerwartete Perlen des bolanoschen Schaffens an die Oberfläche.

Der Geist der Science-Fiction ist ein solches Kleinod, das man mit viel Wohlwollen Roman nennen kann. Ich würde es eher unter versprengte Schriften einordnen, aber das würde bestimmt die Verkaufschancen schmälern. Trotzdem bin ich dem Fischerverlag als ausgemachter Bolanofan dankbar, dass sie für mich immer wieder neue Facetten des Meisters auffächern.

Der Geist spielt in Mexiko, im universitärem Bereich. Ein Sack sympathischer Tunichtgute aus Chile feudelt sich die Nacht mit Diskussionen über die schönen Dinge des Lebens (Lyrik, Lyrik, Lyrik) um die Ohren. Dazwischen geigt uns ein fast stummer Kartoffelforscher eins. Es geht viel um junge Dichter und ihre Marotten, eher selten tauchen junge Dichterinnen auf. Manchmal fahren die Dichter mit einem Motorrad durch die Nacht, auf der Suche nach neuen Literaturzeitungen. Die Buben lassen sich im Rausch ihrer literarischen Träume treiben, der rote Faden trudelt vor sich hin, indes der eine Chilene Bettelbriefe an die CIA und diverse reiche Gringos versendet.

Im unbekümmerten Stilmix ist trotzdem Bolanos Handschrift zu erkennen, die knorken Dialoge lassen die Herzen der Fans hüpfen, ein leichter Sommercocktail, am Ende des Buchs beglücken uns Fanatiker einige Faksimileseiten, sehr nice!

Bibliographische Angaben

Roberto Bolaño, Der Geist der Science-Fiction, 256 Seiten, Verlag: S. Fischer, Frankfurt 2018, ISBN: 3-103-97359-4, Preis: 22 EUR, als E-Buch 18,99 EUR




Christ Wickham: Das Mittelalter.

Schwerblütige Eleganz – Annotation zum Buch „Das Mittelalter“ von Chris Wickham

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ein sattes Buch zum europäischen Mittelalter versüßt mir gegenwärtig die sommerliche Hitze. Der Engländer Chris Wickham ist Professor in Oxford und ein Meister der schönen Sätze.

Ja, es ist ein elegantes Buch; obwohl zwangsläufig viel Blut vergossen wird, schafft es Wickham, nicht nur durch die Fakten zu fesseln. Er gehört zu dieser coolen Generation Wissenschaftler, die ihren Leser lieben und alles daransetzen, uns intelligent zu unterhalten.

Das Wüten der Pest, der Fall von Byzanz, die größenwahnsinnigen Späße der großen Ritterorden, Wickham bleibt immer smoof am Thema und nimmt uns mit zum manchmal tödlichen Reigen der mittelalterlichen Großmächte.

Wir haben Teil an den sozialen und politischen Veränderungen in Europa, sind zu Gast bei Krönungsfeiern, Gemetzeln und unerklärlichen Visionen.

Wickham schlägt das Rad bis in unsere Gegenwart und liefert eine kundige Betrachtung der mittelalterlichen Weltordnung.

Bibliographische Angaben

Chris Wickham, Das Mittelalter, Europa von 500 bis 1500, 550 Seiten, farbiger Tafelteil, aus dem Englischen von Susanne Held (Originaltitel: Medieval Europe), gebunden mit Schutzumschlag, Verlag: Klett-Cotta, 1. Auflage, Stuttgart 2018, ISBN: 3-608-96208-6, Preis: 35 EUR




Alice Schmidt: Tagebühcer der Jahre 1948/49.

Abenteuerliches aus dem Hause Schmidt = Alice & Arno – Die „Tagebücher der Jahre 1948/49“ von Alice Schmidt

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Leser Arno Schmidts bewegten sich schon immer im Promillebereich. Zu schwer verständlich, unnahbar, zu wenig Kritik an den politischen Verhältnissen, zu weltabgewandt, unverständliche Sprache, Frauenfeind, sind nur einige der Bemerkungen, mit denen man sich als Arno Schmidt Fan herumschlagen muss. Ohne nun eines dieser Vorurteile zu beackern, möchte ich mich hiermit in aller Öffentlichkeit als verblendeter Arnofan outen.

Der herzensgute Suhrkampverlag wirft in schöner Regelmäßigkeit späte Perlen aus dem Hause Schmidt auf den kümmerlichen Markt der Schmidtfanatiker. Ein paar verpeilte Professoren, denen die Haare aus der Nase und den Ohren als Scheitel dienen, vielleicht noch 4-9 Nonnen, Dietmar Dath und ein paar Verwirrte, die es gern schön vertrackt haben, freuen sich dann über die neusten Elaborate.

Aktuell bekommen wir es mit den Tagebüchern von Schmidts Braut Alice zu tun. Als brave Schmidtergebene kümmerte sie sich Zeit ihres Lebens um Arno und dessen Werk. Insofern wundert es nicht, wenn auch in ihren Tagebüchern ihre schaffende Sorge nur um den teuren Gatten Arno kreist. Arno hat keinen Schnaps mehr, Arno wird vom bitterbösen Rowohltverlag geärgert, Arno hat keinen Bock jeden Tag selbstgesuchte Pilze zu vertilgen, ja, es ist kein Geld in der Kasse. Die füllt sich nur dann auf, wenn Alice mit den feinen Paketen aus den USA (von Arnos Schwester) auf den Schwarzmarkt geht. Ohne diese Geschäfte wären die Schmidts wahrscheinlich in den Jahren 1948/49 verhungert. Es blieben nur trocken Brot und Kohlsuppe satt. Die Kohlsuppe natürlich ohne Fett. Vielleicht ein Schlückchen Cointreau. Oder zwei.

1948 betrugen die literarischen Gesamteinnahmen Arnos gerade einmal 538 Mark, inklusive einer Fahrgeldrückerstattung von Rowohlt über 17,50 Mark. Bücher konnte man damit nicht kaufen, geschweige denn die lieben Kollegen zu treffen, um mit ihnen über den Zustand der deutschen Literatur zu beraten.

Diese schrecklichen Wahrheiten und noch viel mehr schildert Alice in ihren Tagebüchern. Wir dürfen noch viel erwarten, die Sammlung der Stiftung ist beträchtlich. Ganz besonders freue ich mich über eine kritische Ausgabe der Fernsehzeitungen der Schmidts, sie haben darin alle gesehen Sendungen markiert und mit wertvollen Randbemerkungen versehen. Ja, sie sind weitestgehend erhalten, Schmidts wussten frühzeitig, was sie der Nachwelt (Ich, ein paar verpeilte Professoren, denen die Haare aus der Nase und den Ohren als Scheitel dienen, vielleicht noch 4-9 Nonnen, Dietmar Dath und ein paar Verwirrte) schulden. Bis zur kritischen Ausgabe der kommentierten Fernsehzeitschriften ist es leider noch ein Stück. Bis dahin begnügen wir uns mit den mitteilungsdichten Tagebüchern (geschrieben mit selbst angerührter Tinte!) der Alice, die in ausreichender Zahl vorhanden sind. Natürlich sind diese (echt schmidtig!!!) mit diversen Kürzeln, Halbsätzen, unverständlichen Hieroglyphen und nur den beiden Schmidts begreiflichen Worten vollgepackt. Eine Lesewohltat! Ein paar Beispiele: A bedeutet Arno, manchmal auch Abend. Großes L bedeutet Liebe, im Sinne von: Heute gevögelt! Um euch nicht auf die Folter zu spannen: Gevögelt wurde bei den Schmidts ca. dreimal im Monat. Kleines l bedeutet lesen. Annähernd jeden Tag. Rob: robotta, familiensprachlich für Hausarbeit. Bobv: Im Nachbardorf Borg Buttermilch und Vollmilch holen. Wat: Wanderung um den Tisch, die Arno Schmidt bei Aufregung antrat.

Kauft euch dieses Kleinod der Schmidtforschung und genießt die willkommene Unterbrechung eures langweiligen Alltags!

Bibliographische Angaben

Alice Schmidt, Tagebücher der Jahre 1948/49, Eine Edition der Arno Schmidt Stiftung im Suhrkamp Verlag, 210 Seiten, Halbleinen, Suhrkamp Verlag, 1. Auflage, Berlin, März 2018, ISBN: 3-518-80420-9, Preise: 32 EUR (D), 32,90 EUR (A), 42,90 sFr




Uwe Schütte (Hrsg.): Mensch - Maschinen - Musik. Das Gesamtkunstwerk Kraftwerk.

Wir sind die Roboter – Zum Buch „Mensch – Maschinen – Musik. Das Gesamtkunstwerk Kraftwerk“ von Uwe Schütte

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Vom Bücherhimmel herab stieg Uwe Schütte mit einer munteren Schar und erklärt uns das Musik– und Kunstphänomen Kraftwerk.

Geboren im Kling-Klang Studio zu Düsseldorf, stehen Kraftwerk heute neben Goethe und Joseph Beys für deutschen Geist im kulturgeschichtlichem Raum.

In Mensch – Maschinen – Musik: Das Gesamtkunstwerk Kraftwerk wird diese Sphäre fachgerecht aufgeschüttelt. Für das Buch von Herausgeber Uwe Schütte schrieben Ulrich Adelt, Max Dax, Heinrich Deisl, Alexander Harden, Ralf Hütter, Marcus S. Kleiner, Alexander Kluge, Pavel Kracík, Alke Lorenzen, Stephen Mallinder, Didi Neidhart, Sean Nye, Christopher Petit, Melanie Schiller, Ingeborg Schober, Eckhard Schumacher, Uwe Schütte, Enno Stahl, Jost Uhrmacher, Johannes Ullmaier, Axel Winne und Olaf Zimmermann.

Ich bin kein großer Fachmann, mag aber Stücke wie Autobahn, Modell oder Roboter und flüchte vor der Tour de France.

Das ist nach der Lektüre nicht anders, doch die Auseinandersetzung mit den Düsseldorfern schließt naturgemäß andere Türchen ihres Werks auf und eröffnet damit neue, kleine und große Hörperspektiven.
Allein der Einfluss auf Elektromusik, Rap und Techno ist enorm, ganz zu schweigen von ihrem inszenatorischen Bühnendrang, der ganze Musikergenerationen beeinflusste. Wenn heute, statt der greisen Herren, Roboter auf der Bühne stehen, und das im Publikum keinen stört, dass man es nicht mit Live Musik im eigentlichen Sinn zu tun haben, ist das schon eine dolle Nummer. Also Hut ab vor Kraftwerk und diesem Buch, dieses sich feinsinnig am deutschen Kulturbrocken Kraftwerk abarbeitet.

Bibliographische Angaben

Uwe Schütte (Herausgeber), Mensch – Maschinen – Musik, Das Gesamtkunstwerk Kraftwerk, 368 Seiten, gebunden, Fadenheftung, Leseband, Format: 12,5 × 20,5 cm, C. W. Leske Verlag, 1. Auflage, Düsseldorf 2018, ISBN: 3-946595-01-4, Preise: 24,90 EUR (D), 25,60 EUR (A) und sFr 32 sFr (auch als E-Buch erhältlich)




"Warschauer Punk-Pakt" von Alexander Pehlemann.

Eine fleißige Biene der Ostpunkforschung – Annotation zum Buch „Warschauer Punkpakt“ von Alexander Pehlemann

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso) Der Wahlleipziger Pehlemann wühlt sich seit Jahren durch die Historie des Punk. Dabei hat es ihm besonders der Osten angetan, auf zahlreichen Reisen knüpfte er fruchtbringende Kontakte, die nun im Buch „Warschauer Punkpakt: Punk im Ostblock 1977–1989“ mündeten.

Pehlemann fächert die Landkarte der einstigen Ostblockstatten vor uns auf und bietet zu diversen Themen lesenswerte Beiträge. Die stammen manchmal von ihm, dann wieder von versierten Hobbyforschern und einstigen Szenegrößen, die heute ein Leben im Verborgenen führen.

Gerade diese Beiträge sind in ihrer Verletzlichkeit voller Charme. Man spürt die Wunden unter dem Verband, die ein Leben im Sub-Ground mit sich bringt.

Das wohltuende Werk bietet Schwerpunktländer und Orte der Punkhistorie und glänzt mit jeweiligen Diskografien, daneben verweist es auf Fanzines und weiterführende Materialsammlungen. Eine schnieke Fotoauswahl rundet das Buch ab, dem ich eine Menge Leser wünsche.

Bibliographische Angaben

Alexander Pehlemann (Herausgeber), Warschauer Punkpakt: Punk im Ostblock 1977–1989, 320 Seiten, Verlag: Ventil, 1. Auflage, Mainz 2018, ISBN 3-95575-087-9, Preis: 25 EUR




Die Poesie des Fußballs. Buch.

Fußballsprache entschlüsselt! – Annotation zum Buch „Die Poesie des Fußballs“

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Liebe Expertinnen, im Sammelband „Die Poesie des Fußballs: Von Abwehrschlachten, Schönspielern und Tikitaka“ wird die Fußballsprache ein für allemal auf den Kopf gestellt, ordentlich durchgeschüttelt und dann im Würfelbecher vor euch ausgebreitet.

Wer endgültige Klärungen der schönsten und peinlichsten Floskeln vorgesetzt bekommen werden mag, ist bei diesem schickem Wer des Fußballsprechs richtig. Ein Sack voll Autoren und einige wenige Autorinnen schütteln ihre Wundertüte aus und klären Fachbegriffe wie: Ergebniskosmetik, Schönspier oder Pille. Ja, es ist alles Gold was glänzt. Nein, Geld macht auch keinen Fußballprofi glücklich.

Fein illustriert von Julian Hennemann ist dieses Poetenlexikon ein passendes Werk, um die Weltmeisterschaft noch besser zu genießen, bzw. zu ertragen.

Ran an die Buchläden, holt euch diese allwissende Kladde und lest euch glücklich!

Bibliographische Angaben

Stefan Krankenhagen und‎ Heiko Rothenpieler (Herausgeber), Die Poesie des Fußballs, Von Abwehrschlachten, Schönspielern und Tikitaka, Illustrator: Julian Hennemann,‎ 256 Seiten, Verlag: Blumenbar, Berlin 2018, ISBN: 3-351-05047-4, Preis: 20 EUR (D)




"Miakro" von Georg Klein.

Das schwarzhumorige Spitzenbuch eines genialen und romantischen Alleinreiters – Zum Roman „Miakro“ von Georg Klein

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wir ankern im „Mittleren Büro“. Tagsüber stehen die haarlosen Männer unter Nettlers Leitung an ihren Glasplatten, um die Gewissheit zu erschaffen. Eine Schleuse trennt die „Glasarbeiter“ von weiteren Räumen, die mitunter vom Volksleuten, Frauen, Kindern und alten Männern belebt werden. Regelmäßig rücken die Büromänner in die „Nährflure“ aus, die Nahrung und lebenswichtige Dinge spenden. Bei einer dieser Erkundungen geht der „kleine Wehler“ verloren, er wird quasi vom „Nährflur verschluckt“. Nettler und drei Glasarbeiter begeben sich auf die Suche nach Wehler. Er kann doch nicht einfach so verschwinden.

Außerhalb des Nährflurs, also überhaupt nicht irgendwo drinnen, sehen sich der Hauptmann Blank und die Agentin Xazy einem „Unding“ gegenüber. Es frisst Land und Leute, es okkupiert feste Gebäude, verwirrt den Geist und nimmt der Blume den Glanz. Was gestern blau, ist heute weißlich, mausgrau. Ein rätselhafter Binnenwind zieht das heute über das morgen und macht aus dem gestern das jetzt. All diese Geschehnisse gehen mit großem Ernst vonstatten, und wenn sie Allegorien sind, dann nur dank unseres Verstandes. Was ist natürlich, was außen, was innen? Wozu geht der Mensch arbeiten? Warum folgen wir dem, der meint Antworten zu haben?

Das Äußere gegen das Innere und umgekehrt. Georg Klein nimmt sich eine Scheibe Käse, stellt sie in die Kammer, öffnet das Fenster und schaut, wie sich langsam Leben auf der Scheibe entwickelt. Er blickt wochenlang gebannt auf das Gewimmel und erledigt die Dinge des Lebens nebenher. Irgendwann ist es gut. Er verlässt den Käse in der Kammer mit dem Fenster. Und beginnt zu schreiben. Er nennt sein Buch Miakro. Drin steht, was er auf dieser Käsescheibe gesehen hat. Ist es vielleicht wie eine von uns allen gebilligte Botschaft, die uns bewährtes im neuen Aufzug sagt? Die Welt geht krachen und die Götter lachen. Georg Klein ist die deutsche Ausnahmeerscheinung. Er meistert Dampfhammer und Mäusebartharfe gleichermaßen.

Frei von den Erfordernissen des Marktes übertritt Klein lächelnd die Schwelle und wirbelt das, was viele von uns Kosmos nennen, auserlesen durcheinander.

Bibliographische Angaben

Georg Klein, Miakro, 336 Seiten, Rowohlt Verlag, Reinbek 2018, ISBN 3-4980-341-08, Preis: 24 Euro




Klaus N. Frick: Für immer Punk?

Punker sind Punker – Annotation zur Kurzgeschichten-Sammlung „Für immer Punk?“ von Klaus N. Frick

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Vergnüglich, schräg, ausgefallen sind nur einige Eigenschaftsworte, die das Werk des Dichters Klaus N. Frick beschreiben. Im Hautberuf Chefredakteur der „Perry Rhodan“ – Serie für Oldtimer der SF-Literatur, schreibt er seit den 80ern Punkgeschichten und beobachtet mit Liebe das Älterwerden der Protagonisten, zu denen nichts zuletzt er selbst gehört.

Punker sind Punker, da kannste nichts machen, wer einmal No Future gesagt hat, meint das bis zur Bahre so. Na ja, manchmal auch nicht, oder zumindest nur von nine to five.

Kauft euch das Buch, wenn ihr das nicht glaubt. Dazu vier Kästen Bier und schließt euch zwei Tage in eurem Partykeller ein!

Zur Person: Frick wurde 1963 geboren und ist dem kleinen Schwarzwalddorf Dietersweiler bei Freudenstadt ausgewachsen. Seit den 1980er Jahren brachte er Punk-Fanzines heraus. Nach dem Schulabbruch ging Frick zur Bundeswehr und arbeitete als Lokalreporter der Südwest-Presse. 1986 publizierte er erstmal das Punk-Fanzine ENDPUNKT und arbeitet in den Folgejahren in vielerlei Redakteurstätigkeiten. Er lebt in Karlsruhe.

Bibliographische Angaben

Klaus N. Frick, Für immer Punk? Eine Kurzgeschichten-Sammlung, 320 Seiten, Hirnkost Verlag, Berlin 2016, ISBN: 3-945398-44-9, Preis: 18 EUR