Tziporela.

„Odd Birdz“ von der Comedy-Theatergruppe Tziporela aus Tel Aviv in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die bei immer mehr Leuten in immer weiteren Ländern der Welt bekannte Comedy-Theatergruppe Tziporela wird nach ihrem erfolgreichen Debüt 2015 am Broadway in New York mit ihrem Programm „Odd Birdz“ am 18., 19. und 22. April 2018 im Berliner Admiralspalast ihre Deutschlandpremiere feiern.

Das israelische Indie-Ensemble aus Tel Aviv wurde von neun Absolventen der renommierten Theaterschule Nissan Nativ gegründet und besteht seit über zehn Jahren. Wie gut sie mittlerweile sind, werden wir sehen. Und darüber berichten!




Barock am Main.

Trotz Gefährdung der Spielstätte und Fußball-WM – Barock am Main ungebrochen auf Erfolgskurs

Frankfurt am Main, Deutschland (Kulturexpresso). Kurze Zeit sah es düster aus um das nicht nur im Frankfurter Raum beliebte Theaterfestival Barock am Main, drohte doch erneut die Spielstätte in der Höchster Porzellanmanufaktur verlustig zu gehen, nachdem man bereits wegen umfangreicher Restaurierungsarbeiten den traditionellen Spielort Bolongaropalast vorübergehend aufgeben musste.

Spielort in Gefahr

Seit nun 10 Jahren bietet das Ensemble um Michael Quast tiefsinnige Unterhaltung in hessischer Mundart, zunächst nach Vorlagen von Moliere, im Vorjahr des Engländers Ben Jonson, congenial umgedichtet von Rainer Dachselt. Dieses Team stand und steht auch dieses Jahr bereit, als bekannt wurde, dass die traditionsreiche Höchster Porzellanmanufaktur vor der Insolvenz stehe und damit auch der gerade neu erarbeitete Spielort gefährdet war. Jetzt konnten der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann und Theaterprinzipial Quast Entwarnung geben: Die Manufaktur wird – unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Zukunft – in diesem Jahr als Spielort zur Verfügung stehen. Spätestens für die Saison 2020/21 ist der Rück-Umzug in den Bolongaropalast geplant, auch wenn dort noch nicht alle Arbeiten abgeschlossen sein sollten.

2018 – ein Jahr der Jubiläen

In diesem Jahr werden viele Jubiläen begangen: 50 Jahre die 68er, 100 Jahre deutsche Revolution, 200 Jahre Karl Marx. Barock am Main greift einen anderen, nicht weniger dramatischen Termin auf: 400 Jahre Ausbruch des 30jährigen Krieges.Und die literarische Vorlage ist diesmal deutsch: Ein Drama des Barockdichters Andreas Gryphius, nach einer Vorlage von Plautus, das ob der darin enthaltenen 85 Figuren als unspielbar gilt und daher von Dachselt auf das Format der „Barock-Truppe“ (mit den bewährten Kräften der Vorjahre) eingedampft werden musste und unter dem Titel „Horribilis von Huckevoll“ einen Aufschneider und Hochstapler präsentiert, der die Wirren des 30jährigen Krieges nutzen will, um seine eigene Situation zu sanieren.

Der aufschneiderische „Held“ als Archetyp

Horribilis von Huckevoll ist quasi eine theatergeschichtliche Figur, von Plautus über die Commedia del Arte (der Capitano) bis in die Neuzeit: Ein Maulheld und Hochstapler, der aber von sich selbst so überzeugt ist, dass er auch auf die Umwelt glaubwürdig wirkt. Und so kommt dieser Horribilis in das von Schweden und anderen feindlichen Mächten bedrohte Frankfurt des 30jährigen Krieges, verspricht Schutz und Abhilfe und ist doch nur darauf aus, in einen vermögenden Haushalt einzuheiraten. Madame Fischbein und Tochter fallen sofort darauf herein, doch Madame Knorz lässt sich nicht täuschen. Wird es ihr gelingen, den Maulhelden zu entlarven? Wer mehr erfahren will, muss also nach Höchst pilgern.

Die Aufführungstermine respektieren die Fußball-WM

Barock am Main fand traditionell im Juli/August statt. Die Premiere ist in diesem Jahr aber bereits am 30. Mai, weitere Termine ab 31. Mai bis 24. Juni. Damit werden risikoreiche Überschneidungen mit den Spielen der Fußball-WM vermieden, so dass kein Interessent in Gewissensnöte kommt. Eine rechtzeitige Reservierung der Karten ist daher – mangels Fußball-Konkurrenz – dringend geboten, denn schon jetzt ist die Hälfte der Karten verkauft.

Karten und Information unter www.barock.am-main.com




Florian Schröder

Kabarettist Florian Schroeder tourt mit seinem neuen Programm „Ausnahmezustand“ durch die Berliner Republik

Aschaffenburg, Deutschland (Kulturexpresso). Auf dem Weg über die Kleinkunstbühnen der Berlin Republik machte der Kabarettist Florian Schroeder vor kurzem Station im Stadttheater Aschaffenburg.

Vor ausverkauftem Haus gab es einen Rundumschlag über alle Aufreger der Nation. Schließlich ist Schröder Wahlberliner und daher besonders gut informiert.

Der Abend begann mit der alten Frage: Was ist Gut und was ist Böse? Da muss auch auch die Weisheit von Mephisto herhalten, der immer das Böse will, aber das Gute schafft. Gleich wird auch das Publikum mit zu den Guten gezählt. Das liegt wohl daran, dass wir alle schlau, schön und links sind; dieses bleibt ohne Widerwort.

Aus seiner neuen Heimat Berlin berichtet Florian Schroeder vom unmöglichen Benehmen der Touristen aus den Vereinigten Staaten von Amerika, dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland oder Spanien, die sich dort wie die Axt im Walde aufführen, besonders wenn sie angetrunken sind.

Stets bekommen auch die Regierungspolitiker und die Opposition ihr Fett weg. Besonders Frau Merkel hat er ins Herz geschlossen.

Sein Privatleben wird sehr bunt vorgestellt. So lädt er angeblich bestimmte Leute ein, die eine bestimmte Macke mitbringen. So kann eine private Feier aus dem Ruder laufen.

Zwischen den Textteilen der Vorstellung laufen auf einer Videowand eine Vielzahl von Bildern ab, die analytisch kommentiert werden.

Für die Pause werden Notizkarten bereitgelegt und die Besucher zu ihrer Meinung befragt.

Nach der Auszeit bieten diese Mitteilungszettel ausreichend Stoff, das weitere Programm zu gestalten.

März 2018:

19.3. Berlin: Die große Radioeins-Satireshow (ausverkauft)
20.3. 23.30 Uhr SWR: Spätschicht (Wiederholung)
21.3. 00.00 Uhr RBB-Fernsehen: Die große Radioeins-Satireshow
21.3. Meerbusch 20 Uhr
22.3. Meerbusch 20 Uhr (ausverkauft)
23.3. Münster
27.3. Hamburg

April 2018:

13.4. 45479 Mülheim an der Ruhr 20 Uhr
14.4 Langenhagen 20 Uhr
18.4. 49393 Lohne 19.30 Uhr
19.4. 21244 Buchholz in der Nordheide (zwischen Lüneburg, Harburg und Tostedt), 20 Uhr
20.4. 23560 Lübeck 20 Uhr
21.4. Bremerhaven 20 Uhr (ausverkauft)
22.4. 24105 Kiel 19.30 Uhr
25.4. 97080 Würzburg, 20.15 Uhr
26.4. 75172 Pforzheim 20 Uhr
27.4. 63225 Langen 20 Uhr
28.4. 79098 Freiburg im Breisgau 19.30 Uhr
29.4. 78462 Konstanz 19 Uhr

Mai 2018

3.5. Luckenwalde 20 Uhr
5.5. 10623 Berlin 20 Uhr
6.5. 14776 Brandenburg 19.30 Uhr
12.5. Kaarst 20 Uhr
26.5. Mainz 20 Uhr
29.5. Korbach 20 Uhr

(Alle Angaben ohne Gewähr)




Larissa Offner.

Zwei Weltpremieren in einem. Das Theaterstück „Robar el dia“ mit einer Reimsensation

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Am Donnerstag wurde Weltpremiere gefeiert. Im ehemaligen Stummfilmkino Delphi der deutschen Dichterstadt. Sie zieht auch ausländische Dichter an. Das Theaterstück „Stehl‘ den Tag“ („Steal the Day“, Originaltitel „Robar el Día“), des mexikanischen Regisseurs Alfredo Félix-Diaz wurde auf spanisch vorgetragen, deutsch untertitelt. Am Freitag sah man es mit englischen Untertiteln, am Samstag wird es wieder mit deutschen Untertiteln gezeigt (20 Uhr). Warum zwei Weltpremieren?

Zwei Weltpremieren des Theaterstücks „Robar el dia“

Hauptdarstellerin Larissa Offner ist Brasilianerin und hat einen deutschen Opa. Gut und schön. Sie spielt Marie Vivier, eine moderne Penelope. Alles schön und gut. Die Schauspielerin besonders.

Doch wo außer der nachvollziehbaren – und für eine spanischsprachiges Stück durchaus bemerkenswerten – Weltpremiere eines guten Stücks Theater steckt hier das Besondere?
Was hier vorgeht, ist einzigartig. Es wurde bisher nicht erreicht. Jetzt ist es vollbracht. Auf englisch sagt man zurecht: unprecedented.

Fünf (5) Schauspieler spielen mit. Einer von ihnen, Jordi Robles in der Rolle des Pierre Vivier – Maries Ehemann, der aus der (französischen) Armee entlassen wurde – ist in seiner Rede recht frei. Das passt zur Rolle und hat, wie alles bei Félix-Diaz, seinen Grund.
Die anderen drei männlichen Darsteller tragen ihren anspruchsvollen Text wie bei Shakespeare vor: In Versen, aber nicht gereimt.

Bleibt die Frau auf der Bühne.

Larissa Offner spricht kein Spanisch – zum Glück

Alfredo Felix-Diaz.
Alfredo Felix-Diaz. © 2018, BU/ Foto: Andreas Hagemoser

Beim Interview mit dem Regisseur kurz nach der gerade gut über die Bühne gegangenen Premiere stolpere ich über einen Nebensatz. Nur eine kleine Bemerkung. „Schön, dass sie kein Spanisch kann.“ Das kam mir spanisch vor. „Denn ich habe die Silben gezählt.“
– „???“
Langsam kommt die Wahrheit ans Licht.
Die ganze Zeit weicht‘s Reimmaß nicht.
(Das waren jeweils 8 Silben mit einem annähernden zweisilbigen Endreim.)
Das Stück „Robar el Día“ dauert zwei Stunden plus eine Pause, im alten Delphi eine Viertelstunde.
Viele Minuten von den 120 spricht Marie alias Larissa. Durchgehend in Versen.
Eine Zeile ungereimt (die letzten zwei Silben von acht ohne „a“),
dann eine Zeile mit 8 Silben. (Sechs plus zwei mit a, davon die erste Silbe betont. Das wird im Spanischen mit einem Strich erreicht bzw. gekennzeichnet. Zum Beispiel das Wort „casa“. Es wird „cása“ geschrieben und vorn betont.)
Alfredo Félix-Diaz stellt heraus, dass ihr ganzer Text dadurch etwas Weibliches erhält.
Der größte Teil des von ihr auswendig Gelernten besteht aus immer 8 Silben pro Zeile.

Wenn sie singt, sind es je 6 Silben. DOCH DAS REIMSCHEMA ÄNDERT SICH NICHT!
Am Ende, wenn viele unerwartete Wendungen eintreten, gibt es viel zu sagen, und das passt in 11 Silben pro Zeile. DOCH DAS REIMSCHEMA ÄNDERT SICH NICHT!
DAS REIMSCHEMA ÄNDERT SICH ÜBERHAUPT NICHT! Es wird die ganze Zeit durchgehalten.

So etwas hat es noch nie gegeben.

Was? „Robar el Día“, „Stehl‘ den Tag“ („Steal the Day“), Theaterstück
3. und vorerst letzte Aufführung!

Wann? 17. März 2017, 20 Uhr

Wo? Ehemaliges Stummfilmkino Delphi
Gustav-Adolf-Straße 2 am Caligariplatz (in Sichtweise der „Brotfabrik)
Straßenbahn: Tram M2 (an der B2), Haltestelle Wisbyer Straße/ Prenzlauer Allee
Berlin. Die Haltestelle heißt offiziell: „Prenzlauer Allee/ Ostseestraße“ und wird von den Straßenbahnen der Linien 12, 50, M1, M2, M13 angefahren und den BVG-Bussen 156 und 158.

Eintritt 12 Euro

Man sitzt an Tischen, an denen getrunken (und gegessen?) werden darf. (Ähnlich wie im „Palazzo“-Zelt.)

Zwei Weltpremieren: Beispiel-Erläuterung Reimschema mit 8, 6 und 11 Silben

Im untergegangnen Lande:
Es erklingt El Condor Pasa
und der Chef trägt einen Orden,
dann gibt es Tabula Rasa.

(8silbig)

Echt ein Wunder ist es,
was Alfred vollbracht hat.
„Er heißt doch Alfredo!“
Doch das Maß sagt: Basta!

(6silbig)

Wer hat‘s jetzt kapiert wie‘s geht? Du da auch schon?

Wir zähl’n mit und freuen uns auf Kanada!

Dann kommt ein Satz mit egal was am Ende

Bis ein Finale schließt: Panamakanal!
(11silbig)




Theater.

Theater retten einmal anders. Benefizveranstaltung für Kreuzberger Bühne Theaterforum nach Einbruchdiebstahl und Raub

Berlin, Deutschland(Kulturexpresso). Man kennt das schon: Theater sterben oder es wird davon geredet. Es geht um staatliche Bühnen oder lang eingeführte private wie die Komödie am Kurfürstendamm und das ähnlich benannte Theater gleich nebenan, für die das Urteil: „Ab in den Keller!“ und „Aus zwei mach eins“ lautet. Doch das hier ist etwas neues: Das Theaterforum Kreuzberg ist durch Einbruchdiebstahl und Raub in der Existenz bedroht. Jetzt gilt es: Theaterforum retten!

Musik, Tanz und Schauspiel sollen das Theaterforum retten

Am Mittwoch, den 21. Februar um 20 Uhr wird es einen Abend mit Musik, Gesang, Tanz, Eurythmie, Jonglage, Artistik und – auch – Schauspiel geben.

Es moderiert: Anemone Poland.

Denn noch ist Polen nicht verloren, es wäre doch mehr als schade, wenn durch Verbrechen auch noch die Kulturlandschaft Standorte verlöre!

Gemeinsam das Theaterforum retten: Gut für Kreuzberg, gut für Berlin

Viele Künstlerfreunde treten auf als Akt der Solidarität. Schauspieler, Sänger, Musiker, Artisten und Tänzer!

Um zu zeigen, wie wichtig die Existenz des „kleinen, engagierten Theaters“ für das Publikum und die Künstler ist, nicht nur Schauspiel, Darsteller, sodern auch das ganze Drum und Dran mit Maske, Kostüm und Bühnenbild.

Eintritt auf Spendenbasis nach dem Motto pay what You Can ((Yes, I can; Yes, You can; Yes, we can!). Zu deutsch und berlinerisch: „Zahl‘, waste kannst.“

Schließlich ist das Ziel, das Theaterforum zu retten. Nicht Shakespeare, sondern Realität. Sein oder Nichtsein.

Das Theaterforum schreibt dazu selbst: „Nach Einbruchdiebstahl und Raubüberfall ist die Existenz des tfk gefährdet. Aber von solchen Ereignissen wollen wir uns nicht unterkriegen lassen und machen weiter. Doch dazu braucht es Unterstützung. Der Erlös dieses Abends geht an das theaterforum kreuzberg e.V. Eintritt auf Spendenbasis nach dem Motto ‚pay what you can‘.“

Schreibweise und Adresse der Theaterforums Kreuzberg

Hinweis: Die künstlerische, wenn auch nicht dudendeutsch korrekte Eigenschreibweise des Theaterforum ist die Kleinschreibung. Deswegen theaterforum kreuzberg statt der richtigen Schreibweise Theaterforum Kreuzberg.

Die Frage, ob am Satzanfang kleingeschriebene Wörter großgeschrieben werden, kann bejaht werden.
Layouter und Onlinedesigner, wie es sich anhört sowieso halbe Engländer, sehen das anders und dadurch SEHEN wir das auch anders. Die Rechtschreibregeln haben nichtdestotrotz Bestand.

Der RBB – Rundfunk Berlin-Brandenburg, der mit Knut Elstermann auch am 21.2.2018 neben dem Cinemaxx 5 im 1. Stock wieder live von der Berlinale berichtet, nicht nur aus dem Wettbewerb, sondern auch aus den Sektionen Forum und Panorama – macht es auf seinen Websites normalerweise richtig: RBB wird großgeschrieben. „rbb“ in einer bestimmten Schrifttype, die das Loch des kleinen „b“ wie einen Bildschirm aussehen lässt, ist Design.
In einem Fließtext hingegen muss und soll richtig geschrieben werden. Für den ehemaligen Sender Freies Berlin (SFB) heißt das, mit Großbuchstaben.

Übrigens konfligieren Theaterrettung und Knut Elstermann hören nicht. Zum einen sind Radios mobil. Zum Zweiten beginnt die Sendung erst um 22 Uhr und läuft bis Mitternacht. Selbst Knut Elstermann live beim Senden sehen „geht sich also aus“. Wer bis zum feiernden Ende das Theaterforum retten will und in der Eisenbahnstraße bleiben, hat morgen wieder Gelegenheit, Herrn Elstermann unweit von der Kreuzberger Bezirksgrenze am Potsdamer Platz zu besuchen.

Bleibt zu hoffen, dass die Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale) durch ihr schillerndes Angebot an vielen Orten nicht verhindern, das ausreichend Besucher den Weg nach SO 36 finden.

Theaterforum Kreuzberg
Eisenbahnstraße 21
10997 Berlin
Tel: 612 88 880
E-Mail: info@tfk-berlin.de

Kartenreservierung
Telefon: 700 71 710
(oder online)
Preiskategorien: 5,- bis 18,- Euro
(übliche Ermäßigungen)

Freie Platzwahl

Spielplan & News kann man per E-Mail abonnieren

Verkehrsanbindung: U-Bahn Linie U 1, U-Bhf-Görlitzer Bhf. oder Schlesisches Tor

BVG: Bus 140, 265

http://www.tfk-berlin.de/




Die krasse Geschichte von Kris Kelvin oder Solaris in der Box

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). In der Box des Berliner DT finden am 2. März 2018 um 20 Uhr die Premiere der Produktion Solaris auf Basis des gleichnamigen Roman von Stanislaw Lem, Deutsch von Irmtraud Zimmermann-Göllheim, Fassung von András Dömötör und Meike Schmitz, statt.

Ob sich Regisseur András Dömötör an dem Stoff über den Planeten Solaris auch die Zähne ausbeißt, das können Besucher zudem in weiteren Vorstellungen, in denen Elias Arens, Esther Maria Hilsemer, Jeremy Mockridge und Timo Weisschnur auf der Bühne der Box stehen, sehen. Das aus dem Polnischen in viele Sprache übersetze Buch über einen wundersamen Ozean und exotische Materie wurde schon mehrfach verfilmt und oftmals auf die Bühne gebracht.

Angeblich soll Dömötör die Geschichte des Psychologen Kris Kelvin, der Solaris erforscht und erstmals selbst zur Raumstation reist, um dort nach dem Rechten zu sehen und „um die Arbeit voranzutreiben“, „als absurd-komischen Trip zwischen Realität und Fiktion inszenieren und sich der Frage nach den Grenzen menschlicher Erkenntnis widmen“.

Wir erinnern uns, dass Kris den Andeutungen der Besatzung über geheimnisvolle Gäste zunächst keinen Glauben schenkt, bis er plötzlich seiner längst verstorbenen Geliebten Harey gegenübersteht. Die Absurditäten werden immer pessimistischer als euphorischer und die Welten zwischen Wahn und Wirklichkeit immer schmaler. Selbst gute Gewissheiten stehen nach dem Auftauchen der Schönen auf wackeligen Beinen.

Wir dürfen gespannt sein, was daran komisch sein soll.




"Ich distanziere mich von allem" von und mit Kat Kaufmann.

„Ich distanziere mich von allem“ von und mit Kat Kaufmann

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Selten so gelacht. Der Theaterdiscounter in Berlin bringt am 21. und 22. Februar 2018 ab 20 Uhr ein Stück mit dem tollen Titel „Ich distanziere mich von allem“ von Kat Kaufmann.

Da möchte man glatt mitmachen.

Und auch der Untertitel „Und jetzt gut‘ Nacht“ ist nicht von schlechten Eltern und bei Tagen wie diesen von der Hand zu weisen.

Worum es geht? Mehr wissen wir auch nicht, zitieren aber gerne wie folgt das, was wir und alle anderen auch auf der Heimatseite des Theaterdiscounters lesen können: „Kat Kaufmann, Kultautorin von Superposition, klickt sich mit ihrer neuesten Figur Alina durch das Leben und die Netzblase im Postfeminismus. Die Generation Y befragt ihre Whys, gefangen zwischen Selbstinszenierung, Kontrolle und Optimierungszwang. Als Youtuberin postet sie Schminktutorials, DIYs und Lifestyle-Ratgeber. Da ist alles dabei. Und ja, Mama, damit kann man jetzt Geld verdienen! Von zuhause und direkt am Computer. Immer auf Sendung: Selfies überall.

Gemeinsam mit Marie Bues vom Stuttgarter Theater RAMPE und Schauspielerin Rachel Behringer vom Theater Lübeck entwickelt Kat Kaufmann ein weibliches Solo über freies Denken jenseits von Normierungen und Geschlechter-zuschreibungen in einer von Algorithmen kontrollierten Welt. Erinnerungen an das Vertraute in der eigenen Vergangenheit schleichen sich in die befremdliche Gegenwart; Text, Bilder und Musik vermischen sich – innen und außen. Und immer habe ich diesen einen Traum, wie ich falle und falle, aus dem Fenster, und es ist verdammt weit und ich sehe mein Gesicht in der Kamera und ich lächle, und darüber steht: Alina war live.

Aha, Kat Kaufmann „klickt“ selbst.

Bei so viel wohlwollende Werbung muss ich mir das Stück von und mit Kat Kaufmann wohl in einer der beiden Nächte reinpfeifen.




Sayonara Tokyo: Tamagotshis, EDELWEISS im Wintergarten Berlin bis Februar 2018 Tokio

Sayonara, SAYONARA TOKYO! – Die Jubiläumsshow im Wintergarten Berlin hat einen zum ewigen Fan gemacht

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). 25 Jahre Wintergarten und die aufwendigste Show ever. Das Super-Highlight hat mich zum ewigen Fan des Berliner Wintergarten Varietés in der Potsdamer Straße gemacht. Alles auf einander abgestimmt – Speisekarten mit kleinen japanischen Fähnchen bei Gerichten von den fernöstlichen Inseln, Garderobieren in Kimonos – hier stimmte alles. Auch die Freundlichkeit im Wintergarten hat zugenommen, als würde der Stolz und die Freude über das Erreichte alle beflügeln. SAYONARA TOKYO – GEISHAS! TAMAGOTCHIS! EDELWEISS! begann ab dem 12. Juli mitten im schwierigen Sommerloch Berlin zu elektrisieren.

25. Geburtstag im Wintergarten Berlin

Am 25. September wurde dann der 25. Geburtstag gefeiert, wirklich gefeiert. Während junge Leute im Wortschatz das Feiern inhaltslos führen, sie treffen sich einfach am Nachmittag mit alkoholischen Getränken, wurde und wird im Wintergarten echt gefeiert und mit Grund. Kurz nach der Wiedervereinigung ging es los und es gab auch schon mal Zeiten, in denen das Lächeln der Angestellten ein gequältes war, der Saal halbleer und der Photograph, der anbietet, den schönen Abend für immer festzuhalten, ein bisschen traurig schien.

Alles vorbei, im Wintergarten ist der Raketenbooster gestartet, hier geht die Post ab und wird das Wichtigste erreicht: Wenn man dazu bereit ist, kann man ab Einlasszeit – BITTE nutzen und genießen Sie die bis zu anderthalb Stunden vor Beginn der Vorstellung! – in eine andere Welt eintauchen, besser als Wellness und Sauna zusammen. Die Show, das Dinner oder im 1. Stock die Snacks, dazu das straßenseitige Restaurant im oberen Bereich, es ist alles da, um das Herz zu erfreuen.

Die schönste Show seit langem – danke Wintergarten!

Sayonara Tokyo!, zu der wir jetzt Sayonara sagen mussten, war das schönste Showerlebnis der vergangenen fünf Jahre. Doch wir haben das untrügliche Gefühl, dass der Wintergarten mit dem Umbau, dem Jubiläum und den neuen Showerfolgen einen Quantensprung vollzogen hat, auf dem der weitere Weg beruht. Es gibt keinen Weg zurück in die Vergangenheit und das ist gut so.

Der Theatermacher, Bühnenbildner und Regisseur Stephan Prattes kreierte für den Wintergarten die „Theater-Varieté-Revue“ Sayonara Tokyo! Den Rahmen der Show bildeten drei singende Freundinnen, die einen nach Tokyo mitnahmen. Sie erkundeten das Land der aufgehenden Sonne, im Irrtum, alles schon zu kennen. Auf einer „Zeitreise durch die Geschichte, Kultur und Musik Japans entdecken sie ein anderes, exotisches und unbekanntes Gesicht dieser jahrtausendealten Kultur“, versprach die Homepage des Wintergartens in Berlin – und versprach nicht zu viel.
Weiter hieß es „Bei ihren Abenteuern in der Welt der Mangas tanzen sie durch Jahrzehnte japanisch-deutscher Popgeschichte und lassen sich verzaubern von der traditionellen und der modernen Kultur Nippons.“
Wie das vonstatten ging, versetzte einen immer wieder in Staunen und erzeugte sehr schnell gute Laune. Die Begeisterung des Publikums tat ein Übriges, einen mitzureißen.

Jodeln lernen bei SAYONARA TOKYO

Was man schon immer über die Unterschiede zwischen dem Jodeln in Deutschland, Österreich und der Schweiz wissen wollte, brachte einem ausgerechnet ein Japaner bei. Die Olympischen Winterspiele in Sapporo 1972 sind eben etwas in Vergessenheit geraten, doch die nördliche der vier japanischen Hauptinseln sind für Schnee und Winter im Garten bekannt.

Ein Europarekord im Wintergarten

Last not least: Der Wintergarten Berlin verfügt über die schönsten Toiletten, nein Restrooms Europas, Deutschlands sowieso. Ein Herr, den wir dort sprechen konnten, während wir die Dekoration bestaunten, sagte, er besuche die Show „Sayonara Tokyo“ schon zum dritten Mal. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Mehr unter www.wintergarten-berlin.de im Weltnetz.




Premiere der Rocky Horror Show im Admiralspalast Berlin Friedrichstraße Janaur 2018

Eine eigene Welt. Heile Welt, Science Fiction? Rocky Horror Show ist vor allem Kult! Premiere mit Sky DuMont

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der Berliner Admiralspalast ist seit langem nicht mehr so erbebt. Lange waren die Schlangen am Einlass nicht so lang und die Saalreinigung hat meist auch weniger zu tun. Das Publikum ist vor Überraschungen nicht sicher. Dabei ist die Geschichte der Late Night Double Feature Picture Show bekannt. Sowas von bekannt, dass die meisten mitsingen können. Unzählige Ohrwürmer sind aus dem Musical hervorgegangen. Das alles und noch viel mehr ist Richard O‘Briens Rocky Horror Show. Eben noch in Oberhausen, seit dem 24. Januar in Berlin an der Friedrichstraße.

Vor allem Kult: Musical zum Mitmachen

Wir fragten die bekannte Kunst- und Filmkritikerin Lisa Streitfeld aus New York, wie und warum es wohl zu diesem Kultstatus gekommen sei. „Letztlich bleiben dabei Rätsel offen. Obwohl ich aus New York bin und die entsprechende Szene hauptsächlich an der Westküste residierte – in L.A. unter anderem – wird es wohl so gewesen sein, dass einige Dinge zusammenkamen. Es war die richtige Zeit und bekannte Namen aus der LGBT-Szene waren im Dunstkreis der Show dabei. Es war auch die Zeit des David Bowie.“
Bowie lebte unter anderem Ende der 70er Jahre in Berlin-Schöneberg.

Fest steht, dass dieses Musical wie kaum ein anderes Kult ist. Es sind auch regelrechte Rituale entstanden, die bis heute weiterleben. Teilweise werden sie dem unkundigen Publikum aber auch gern weitergereicht, um die Tradition aufrechtzuerhalten. Denn einen guten Teil der Attraktion der Rocky Horror Show machen der Kultstatus und die Mitmachrituale aus, die miteinanderzusammenhängen und sich Synergien liefern.

Die Rocky Horror Picture Show ist aus vielen, meist US-amerikanischen Spielfilmen bekannt. Während im Hintergrund Bilder an die Wand projiziert werden, spielen die Darsteller ihre Rollen, singen und warten fast darauf, dass an bestimmten Stellen bestimmte Einwürfe bzw. Aktionen erfolgen und die gute Laune und Begeisterung ausbricht.

Wenn zwischendurch der Vorhang fällt

Während der Vorhang unten ist, führt ein Erzähler durch die Geschichte. Auch dabei reagiert das Publikum.
An manchen Stellen wird hineingerufen „Boring“. Für diejenigen, die die Rocky Horror Show nicht kennen, unverständlich bis dreist. Selbst die der englischen Sprache kundigen Zuschauer schauen fasziniert zu. Hat man doch so etwas noch nie erlebt. Oder nicht auf diese Art. Mit der Freiheit, derartige Einwürfe zu machen, rechnet man vielleicht bei einer politischen Studentenveranstaltung an der Freien Universität Berlin. Wer könnte sich im Renaissance-Theater, in der Schaubühne oder Deutschen Oper so einen lauten, sogar wiederholten Einruf vorstellen?
Aber es ist – ähnlich wie beim Wrestling vielleicht – Teil des Spiels. Ohne die verbalen Angriffe auf den Erzähler würde dem Ganzen wohl etwas fehlen, würde es einfach zu glatt laufen.

Der Fanshop der Rocky Horror Show

Der Souvenirladen von Richard O‘Brien‘s Rocky Horror Show ist im Foyer aufgebaut. Gleich links, wenn man hereinkommt. Man erwartet Tassen, Aufkleber und allerlei bedruckten Firlefanz. (Mousepads sind irgendwie out, oder?!) Wir fragen an der Kasse, was denn am beliebtesten sei? „Die Mitmachtasche.“ Für zurzeit 10 Euro kann sie erworben werden und enthält alles, was das Fanherz begehrt, unter anderem Spielkarten und Reis. Vermutlich für die noch Unwissenden auch eine Anleitung, wie wann mit den Gegenständen zu verfahren ist.

Sky Du Mont

Cayetano Neven du Mont, besser bekannt als Sky du Mont, mimt dabei an den ersten Tagen den Erzähler. Er ist ein Spross der Verlegerfamilie DuMont.

Die Einwürfe aus dem Publikum – werfen ist für diesen Abend ein charakteristisches Wort – sieht Du Mont gelassen. Ruhig wie ein Berg sieht er von der Bühne auf das Publikum herab, ohne herablassend zu wirken. Er ist souverän, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Mit seinen 70 Jahren, die man ihm nicht ansieht, schmettert er die Angriffe locker zurück. Fast prallen sie an ihm ab wie an dem Schutzschild des Raumschiffs „Enterprise“.

Ruft jemand „boring!“, reagiert er manchmal gar nicht. Dann wieder sagt er: „Könnt ihr kein deutsch? Sagt es doch einmal auf deutsch!“ Viele Rufer sind irritiert, trauen sich nicht. Vielleicht sind sie auch nur Nachplapperer, die tatsächlich die deutsche Bedeutung des Wortes nicht kennen. Dann erklingt ein zaghaftes „langweilig“. DuMont kontert: „Sonst fällt euch nichts ein?“

Nicht verhindern kann er, dass er manchmal in seinem Redefluss gebremst wird. Dann spielt er seine Trümpfe aus: „Ich bleibe hier solange stehen, bis ich fertig bin. Ohne mich geht der rote Lappen nicht hoch!“
Gemeint: der repräsentative, Respekt verbreitende und altehrwürdige Vorhang des Admiralspalastes.

Ein anderes Mal sagt er: „Ich werde wenigstens bezahlt!“

Gegen Ende spaziert er auch als Teil des Geschehens beziehungsweise unbeteiligter Beobachter über die Bühne.

Seit 2011 übernimmt DuMont, dessen Stimme auch in Kinotrailern zu hören ist, immer wieder mal die Sprecherrolle in diesem Musical.

Die Band

ist eine Rockband voller Begeisterung. Ganz zum Schluss sieht man, dass sie nicht im Orchestergraben sitzt – schließlich sind wir nicht in der Deutschen Oper an der Bismarckstraße – sondern über dem Geschehen steht und sitzt. Das halbe Dutzend Musiker ist auch präsentabel angezogen, obwohl sie die meiste Zeit unsichtbar bleiben, dafür umso hörbarer. Für zartbesaitete Gemüter gilt: Ohrstöpsel für die lauten Stellen mitbringen.
Für alle anderen gilt: Vorher nach Reisresten, einer angefangenen Rolle Toilettenpapier oder unvollständigen Spielkartensets Ausschau halten – zumindest diese gibt es häufig. Einzelne Spielkarten kann man auch sonst nirgends benutzen.

Besser als Hertha BSC – Entschuldigung, Fans der alten Dame!

Bei jedem großen Fußballspiel gibt es Rituale. Gesänge, Schals, La Ola – Die Welle. Genauso zusammenschweißend erscheinen die Rituale, die sich im Laufe der Zeit um die Rocky Horror Show gebildet haben.
Hier wäre ein interessantes Studienfeld für Soziologen und Psychologen zu beackern. Auch die Gruppentheorie und Le Bons „Psychologie der Massen“ könnten angewendet werden. Gustave Le Bon schrieb sein Werk „Psychologie des foules“ bereits 1895. Wörtlich auch: ‚Psychologie der Menschenmengen‘. Englischer Buchtitel: „The Crowd: A Study of the Popular Mind“.-

Anschrift: Admiralspalast, Friedrichstraße 101, 10117 Berlin
Eingang ebenerdig im Hof

Besetzung der Rocky Horror Show in Berlin

Die Besetzungsliste vom 24. Januar (Premierentag) im Admiralspalast:

Die Band auf der Galerie

Musical Director & Keyboards: Jeff Frohner,
Keyboards/ Keyboard: Martin Morgenstern
Drums/ Schlagzeug: Hardy Fischötter
Bass: Robert Lindemann
Guitar/ Gitarre: Michel Santunione,
Sax (ophon): Matthias Jahner

Auf der Bühne („Cast“)

Frank‘n‘furter: Gary Tushaw,
Janet: Sophie Isaacs,
Brad: Felix Mosse,
Riff Raff: Stuart Matthew Price,
Magerita: Jenny Perry,
Columbia: Holly Atterton,
Rocky: Ryan Goscinski,
Eddie/ Dr. Scott: Daniel Fletcher.

Erzähler: Sky Du Mont*

Phantoms: Sarah Wilkie, Aaron Kavanagh, Paul Knights, Christopher Parkinson

Gastspiel in Berlin bis 10. Februar 2018 mit wechselnden Erzählern:

* bis Montag, den 28.1.: Sky Du Mont

30.1. bis 4.2.(Di.-So.): Dominic Boeer

6.2. bis 10.2. (Di.-So.): Martin Semmelrogge

Die Erstaufführung fand am 16. Juni 1973 am „The Royal Court Theatre Upstairs“ in der englischen Hauptstadt statt.




Don Giovanni

Dunkel war’s! – Don Giovanni an der wiedereröffneten Staatsoper Berlin Unter den Linden – Dramma giocoso in zwei Akten von Wolfgang Amadeus Mozart

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Die Handlung des Stücks Don Giovanni aus der Feder von Wolfgang Amadeus Mozart nach einem Libretto von Lorenzo Da Ponte ist schnell erzählt: Wundervolle Arien begleiten einen sexsüchtigen Maniac, der sein scham- und charakterloses Sexsucht-Unwesen bis zum Mord betreibt. Ein vollkommen enthemmter Don Giovanni demütigt alle Betroffenen (insbesondere die Damenwelt) bis aufs Blut und letztendlich wird der Wüstling vom Jenseits mit dem Tod bestraft.

Die Staatskapelle Berlin unter der musikalischen Leitung von Allessandro de Marchi und Sänger*innen wie Christopher Maltmann (Don Giovanni), Donna Anna (Maria Bengtsson), Paolo Fanale (Don Ottavio), Donna Elvira (Dorothea Röschmann), Leporello (Mikhail Petrenko), Zerlina (Anna Prohaska) bieten einen hochkarätigen Musikgenuss und lassen die erstklassige Akustik im Saal zur Geltung kommen.

Inzenierung von Claus Guth: Über Geschmack lässt sich streiten oder doch nicht? Es wurde in der Inszenierung an allem gespart: Strom, da kaum Licht auf der Bühne, Bühnenkosten, da 3 Stunden ständig ein dunkler Wald sich um die eigenen Achse drehte (für die Bekämpfung des Klimawandels ist Stromsparen ja angesagt!) und auch die Kostüme waren eine Enttäuschung („Gammlerlook – dunkel, versteht sich! – second hand vom Flohmarkt gekauft?). Man hat in Berlin schon kreativere, espritvollere Bühneninszenierungen gesehen, wenn schon provoziert oder etwas unterstrichen werden soll! Es stand zwar Mozart drauf – es war optisch jedoch kein Mozart drin!

„Dramma giocoso“ heißt eigentlich „lustiges Drama“. Hier zeigte sich jedoch ein „Dramma depressiva“. Giocosa wurde jedoch durch das ständige Dusterdunkel konterkariert, dass sich durch das depressive Bühnenbild auf Mozarts fröhliche Musik wie „The Fog“ legte und in keinster Weise Mozarts fröhlicher Musik gerecht wurde, insbesondere durch mangelnde Ästhetik! So war es z.B. irritierend und vom Hochgenuss des Gesanges ablenkend, wenn von einer besonders exquisiten Weinsorte gesungen wurde, die man trank – mit einer Bierdose in der Hand! Schade! Erhellend war es auch nicht, aus diesem Dusterdunkelwald auf einmal mit Autoscheinwerfern von einem im Wald auftauchenden Autoo geblendet zu werden, die ins Publikum gerichtet waren! Ging es darum, dass das Publikum möglichst wenig von den Protagonisten sehen sollte, die kaum ausgeleuchtet waren auf dieser ewig dunklen Bühne – durch Blendung sieht man erst recht nichts, abgesehen davon, dass es sehr unangenehm ist! (Sonnenbrille nicht vergessen!)

Als der fröhliche lebenslustige Mensch, wie Mozart geschildert und in Filmen dargestellt wird, wäre er sicher damit auch nicht einverstanden gewesen!

In jedem Fall hat die düster-dunkle Bühneninszenierung den herausragenden Musikgenuss erheblich gemindert. Was will uns der Künstler damit sagen, dass sich auf der neuen, teuren Drehbühne über die 3:15 Stunden (mit Pause) ständig der Schwarzwald um die eigene Achse zu drehen scheint: Riesige Nadelbäume ragen in den Bühnenhimmel – im Dunkeln! Geht es um „die dunkle Seite der Macht“ oder einen Seitenhieb auf „Dunkel-Deutschland“ bzw. „Dunkel-Österreich“ – die Inszenierung wurde aus der Geburtsstadt Mozart’s Salzburg importiert. Ist der allgegenwärtige Esprit Mozarts vielleicht mit der kaum noch scheinenden Wintersonne perdu gegangen – alles dunkel oder was? Vielleicht war es auch nur gut gemeint mit den Großstädtern, die zu wenig Natur zu Gesicht bekommen? Saurer Regen, Klimawandel? Nichts gegen Nadelwälder, aber auf der Bühne im Dunkeln nicht sehr witzig! Genug spekuliert – über Geschmack lässt sich streiten!

Schade, ein witziges, kreatives, von Esprit flirrendes Bühnenbild hätte der wundervollen gesanglichen, unter die Haut gehenden Gesangsdarbietung aller Künstler*nnen noch mehr Glanz verleihen können. Viel Zwischenapplaus und frenetischer Schlussapplaus zollte den Sänger*innen und dem Orchester Applaus.

Zur renovierten Staatsoper Unter den Linden

Rein optisch hat sich an der „Staatsoper Berlin Unter den Linden“ durch die Jahre dauernden Renovierungsarbeiten kaum etwas verändert im Zuschauerraum. Die Sitze sind bequemer geworden, die Akustik sowieso. Der neue „Apollosaal“, der auch für die Pause genutzt werden kann, betört durch seine Kristalllüster und Dekors.