Frau Luna

Frau Luna – eine glitzernde, schillernde Reise-Revue zum Mond im Tipi am Kanzlerinnenamt

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Überall glitzert es im Tipi am Kanzleramt wie Sternenstaub der Milchstraße und stimmt schon beim Entrée im sehr gut besuchten Haus ein auf die vergnügliche burlesk-phantastische Ausstattungsoperette Frau Luna des Komponisten Paul Lincke (Uraufführung 1899 im Berliner Apollo-Theater).

Der erste von 2 Akten entführt mit seiner gekonnt auf die damalige Zeit getrimmten Bühne und Akteuren in ein Berliner Arbeitermilieu („Berliner Etagenkolorit“), wo der Fliegerei- und Weltall-Begeisterte Mechaniker Fritz Steppke, dynamisch und ultrawitzig dargestellt von Benedikt Eichhorn (von Pigor & Eichhorn) ein Gefährt für eine Reise zum Mond gebastelt hat und mit seinen Freunden Schneider Lämmermeister (ebenfalls zum Brüllen komisch dargestellt von Thomas Pigor) und Steuerbeamter a.D. Pannecke (Max Gertsch) dorthin fliegen möchte. Er wohnt zur Untermiete bei der Witwe Pusebach (zum Schreien komisch präsentiert von Christoph Marti von „Die Geschwister Pfister“) in Berlin. Er ist verlobt mit der Pusebach-Nichte Marie (niedlich dargestellt und sehr gut gesungen von Sharon Brauner, Nichte von Arthur Brauner). Heimlich stehlen sich die Gefährten von Witwe und Nichte davon und das Mondgefährt steigt eines Nachts in den Berliner Himmel zum Mond.

Der Mond als Luna-Park mit ewiger Vergnüglichkeit. Theophil, Haushofmeister auf dem Mond (schillernd dargestellt von Tobias Bonn von „Die Geschwister Pfister) erzählt den Mondfeen (entzückende Ballettdamen, in wechselnden Kostümen je nach Situation die Szenerie begleitend) von seinem einmaligen Ausflug auf die Erde, wo er ein Stelldichein mit der Witwe Panneck hatte. Stella, Zofe von Frau Luna (Anna Mateur in Bestform, auch sehr gut singend!) hat ein Auge auf ihn – er will sie wegen „mangelnden Geldüberflusses“ heiraten.

Ein heiteres Treiben herrscht, dass die Glitzerbühne bebt: Venus (witziger Fausto Israel), Mars (Gert Thumser) und weitere illustre Gäste feiern die Feste, wie sie fallen. Prinz Sternschnuppe (Katharina Thalbach, brillant wie immer) macht Frau Luna (Cora Frost, ebenfalls herausragend) seit Jahrtausenden vergeblich den Hof und dieses Mal entflammt sie leider auch noch für Steppke. Alle geben sich amourösen Beliebigkeiten hin und ein Bäumchen-Wechsel-Dich Verwirrspiel beginnt: Pannecke, mit Witwe Pusebach verlobt, turtelt mit Frau Venus. Der Stella liebende Theophil leiht bei Prinz Sternschnuppe für die Rückkehr der Erdlinge das Sphärenmobil des Prinzen aus (süße Idee: ein Senioren-Elektromobil mit Glitzer), denn ihr Gefährt ist defekt. Nach vielen Tanzeinlagen, schönen Arien „Schlösser, die im Monde liegen“ (hinreißend Sharon Brauner) und bekannten Gassenhauern mit Publikums-Mitklatscheffekt wie der Marsch „Das macht die Berliner Luft, Luft, Luft“ und dem Duett „Schenk mir doch ein kleines bißchen Liebe“ ist das Happy-End perfekt. „Auf dem Mond wird auch nur mit Wasser gekocht“ erkennen die Erdlinge bevor sie in ihre Berliner Mansardenwohnung zurückreisen.

Alles in allem ein äußerst vergnüglicher Abend mit gekonnter Inszenierung mit einem die Turbulenzen bestens und beschwingt begleitenden Orchester.

Anmerkung

In einer vorherigen Fassung wurde berichtet, dass Sharon Brauner die Tochter von Arthur Brauner sei. Richtig ist, dass sie die Nichte ist. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.




Nach der Vorstellung: Tänzer des "Les Ballets Trockadero de Monte Carlo" aus New York bedanken sich beim Publikum

Da bleibt kein Auge trocken: die „Trocks“ im Admiralspalast in Berlin! Les Ballets Trockadero de Monte Carlo – für alle ein Spaß

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Quatsch Comedy-Club zu langweilig? Charlie Chaplin zu oft gesehen? Deutscher Humor zu trocken? Hier ein Tipp für alle: „Les Ballets Trockadero de Monte Carlo“ aus New York sind in Berlin im Admiralspalast Friedrichstraße 101 zu Gast.

Ballettfan oder nicht

Hier kommt jeder auf seine Kosten. Sogar die, die dem Tanz sonst kaum als Zuschauer begegnen. Das ist das Wunderbare: Bei der Berliner Premiere saßen eingefleischte Ballettliebhaber neben Laien, junge Leute mit kaum verfestigten Interessen zusammen mit allen darauffolgenden Generationen – und immer wieder ging ein befreiendes Lachen durch den Saal.

Die außergewöhnliche Ballettcompagnie „Les Ballets Trockadero de Monte Carlo“ bringt die großen Klassiker der Ballettgeschichte, darunter die Originalchoreografien der „Ballets Russes“ wie Tschaikowskis „Schwanensee“, ebenso vollendet wie originalgetreu auf die Bühne. Trotzdem hat man das Gefühl, das erste Mal wie im Zeitraffer das Ballett zu verstehen.

Der Humor

ist ein ständiger Begleiter der Vorführung, überrascht einen immer dann wieder, wenn man gerade in der Betrachtung der Tänzer versunken ist – oder ein Gag jagt den nächsten, bis man gerade noch einem Lachkrampf entkommt. Die Komik entsteht allerdings nur durch die bewusste Überzeichnung der kleinen Schwächen und Missgeschicke – und der „tieferliegenden Ungereimheiten des ‚seriösen‘ Tanzes“, wie es im Programm formuliert ist.

Doch funktioniert seit seiner Gründung im New York des Jahres 1974 „Les Ballets Trockadero“ durch seine parodistische Form. Das führt dazu, dass der – teils übertriebene und ritualisierte – Ernst von Tanzvorstellungen in einer befreienden Weise transzendiert wird – bei technischer Perfektion und, wie gesagt, Originaltreue. Man vermutet, dass letztlich kein Stein auf dem anderen bleibt – doch Siegfried bleibt „Prince“ Siegfried, Schwanenkönigin Odette bleibt Odette und Benno und von Rothbart sind zur Stelle.

Die Trocks

Da wäre noch die Sache mit dem vorherrschenden Geschlecht der Tänzer, die zu verraten eigentlich keine Pflicht ist, die uns obliegt. Der Genuss der möglichen Entdeckung der Wahrheit bleibt so erhalten.

Es handelt sich zweifelsohne um ein herausragendes, klassisch ausgebildetes Ballettensemble.

Den „Primaballerinen“ des New Yorker Ensembles – salopp und amerikanisch-kurz die „Trocks“ – sind „die Herzen, die Bewunderung und das Amüsement des Publikums gewiss“, heißt es. Dem kann man aus eigener Erfahrung nur beipflichten.

Les Ballets Trockadero de Monte Carlo“ im Admiralspalast in Berlin-Mitte
Friedrichstraße 101, 10117 Berlin
U-, S- und Fern-Bahnhof Friedrichstraße
vom 9. bis 14. Januar 2018




Noch ist nicht Bloomsday – Ulysses von Sebastian Hartmann und nach James Joyce

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Noch ist nicht Bloomsday, aber am Freitag, den 19. Januar, um 19 Uhr im Deutschen Theater (DT) in Berlin die Premiere von Ulysses.

Sebastian Hartmann (Regie, Bühne) greift unter der Dramaturgie von Claus Caesar auf das Werk des Iren James Joyce von 1922 zurück, der sich an Homers Odyssee entlanghangelte, um die Irrungen und Wirrungen des Leopold Bloom durch das Dublin des 16. Juni 1904 zu schreiben.

Dazu teilt das DT mit, dass Joyce „umstandslos … Ebenen übereinander“ schichten würde. Er würde in seinem Jahrhundertbuch der Weltliteratur „zwischen verschiedensten Sprachregistern, Stilen und Diskursen, verstrickt das Zischen gebratener Nieren mit Shakespeare-Diskussionen mit dem Friedhof mit dem Bordell“ wechselt. Zitat: „Ein Jahrhunderttext, der die Figuren, von denen er spricht, erst hervorbringt, multiperspektivisch in sich gebrochen, und dadurch nicht nur erfahrbar macht, dass Sprache mehr ist als Abbildung und Information, sondern zugleich die Möglichkeitsbedingungen gegenwärtiger Subjektivität in den Blick bekommt.“

Offensichtlich darf man sich auf etas gefasst machen, dass bestimmt bis zum Bloomsday vorhält. Nix wie hin in Hartmanns Ulysses, in dem Edgar Eckert, Manuel Harder, Daniel Hoevels, Judith Hofmann, Benjamin Lillie, Ulrich Matthes, Bernd Moss, Linda Pöppel, Birgit Unterweger, Cordelia Wege und Almut Zilcher in Kostümen von Adriana Braga Peretzki spielen sollen, und dann scheiß auf den St. Patrick’s Day, aber voll!




Irish-Celtic-Show in Deutschland, Stepp-Tanz und traditionelle Live-Band mit irischer Musik

Temporäre Pubs im Admiralspalast und Deutschen Theater! „Urgemütliche Eckkneipen“ mit bester irischer Live-Musik – mit „Irish Celtic“ kommt ein hervorragendes Stepp-Ensemble nach München und Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Air Berlin hat dichtgemacht, dafür fliegt Easyjet ab heute von Berlin-Tegel. Der erste Flug geht nach München. Wer in einer der beiden Städte auf die Idee kommt, mal wieder die angenehme Atmosphäre des „großen Wohnzimmers“ eines echten irischen Pubs zu besuchen, braucht gar nicht erst in den Flieger zu steigen. Er findet bis zum 7. Januar täglich in Berlin und vom 3. bis 8. April in München vor der Haustür die perfekte Lösung: den Irish-Celtic-„Pub“. „Irish Celtic – Spirit of Ireland“ ist bester Stepp-Tanz mit einer traditionellen Live-Band und die einzige Tanzshow mit eigenem Irish Pub. Der Wirt des „Pubs“ führt durch den Abend, sucht eine Frau für seinen Sohn, dessen liebste Beschäftigung es ist, mit einem alten Besen zu tanzen.

Mythen und Geschichten, Feen und Elfen

Wirt Paddy lässt die irischen Mythen und Geschichten wiederaufleben, die sich in den Ritzen zwischen den Bohlen vorübergehend versteckt hielten. Er zaubert schönste irische Musik auf die Bühne, feenhafte Gestalten und elfengleiche, irreal wirkende Tänzerinnen in dünnen, wehenden Kostümchen. Träumerische Melodien erklingen, dann wieder handfeste, klassische Folksongs, zu denen man klatschen kann, abgelöst von stürmischen Tänzen.
Die betörende irische Gastfreundschaft wird erlebbar gemacht. Man befindet sich mitten auf dem Dorfplatz eines Marktfleckens, in den zu einer großen Hochzeit von weither die Menschen zusammengeströmt sind um zu feiern. Auch wer nüchtern bleibt, vergisst freudetrunken den Alltag.

Bei Irish Celtic sind die Boden-Dielen die Bretter, die die Welt bedeuten; ist der Tanz-Boden der Tatsachen der Startpunkt für Flüge in die Vergangenheit großer Dichter, für Traumreisen in die Mythologie und auf das Deck der Titanic. Die Musik entführt einen und die Tänzerinnen schweben mit.

Das Tanzensemble ist schlicht hervorragend. Großartige 16 Tänzer und Tänzerinnen. Doppelt so viel Frauen wie Männer und den Sohn des Wirts nicht zu vergessen – mit oder ohne Besen.

Jeden Tag in die Kirche

Der Erzähler Jonathan Agar als Wirt „Paddy“ gibt Kunde von den keltischen Brüdern aus Schottland, mit denen man sich immer gut verstanden habe und wettert gegen die Engländer. Erst am Nikolaustag 1921 gewannen die Iren die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich.
Der Nationalfeiertag ist der 17. März, St. Patrick‘s Day. Doch ein Ire hat jeden Tag Grund zu feiern! Und er ist jeden Tag in seinem Wohnzimmer, dem Pub. Der Pub ist auch die Kirche und so gehen die Iren täglich hin.

Immer wieder zieht Agar alias Paddy über die Engländer her. Er darf das, denn er ist selber einer.
Der Mann am Klavier ruft nach einem Bier, Paddy lässt sich breitschlagen und gibt den fünf Musikern einen aus. Nicht ohne seinem Sohn einzuschärfen: „The small glasses!“

Die Band

Der Mann am Piano heißt Anthony Davis und ist der musikalische Direktor. Seit dem er 15 ist, brennt seine Leidenschaft für die irische Musik.

Der Solosänger an der Gitarre ist der Singer-Songwriter Daniel Byrne.

Ein Akkordeon darf nicht fehlen. Der Mann, der es spielt und auch die „Whistles“, heißt ebenfalls Daniel und mit Nachnamen – kein Witz! – McGuinness. Er hat gerade in Schottland sein Studium schottischer Musik abgeschlossen, gewann aber schon vor über einem Jahrzehnt die All-Ireland Championships. Bisher zweimal. Er spielte unter anderen 2012 bei den Olympischen Spielen in London.

Die Sängerin und Fiddle-Spielerin heißt Bernadette Kellermann und wohnt seit 2014 in Glasgow. Die gebürtige Deutsche komponiert und arbeitete im vergangenen Frühjahr bei den „Irish Celtic Generations“ mit.

Der Wind und die Musik Irlands

Der fünfte im Bunde – wie könnte es echt-irisch anders sein – ist der Dudelsackspieler.
Sein Name klingt wie die sturmumtosten Klippen Connemaras, wie die grünen Wiesen und die steinernen Wälle, hinter denen sich niedrige Bäume vor den starken Winden des offenen Atlantiks ducken. Er stammt aus den Nordwest-Highlands und vereint schottische Erziehung mit irischem Erbe. Saiteninstrumente sucht man in seinen Händen vergeblich.

So kräftig und ausdauernd wie der Wind, der je nach Richtung und Windstärke die unterschiedlichsten Klänge in den Lochs und Buchten erzeugt, gegen Felsen donnernd, Gischt verspritzend und über die Hügel pfeifend, bläst der Musiker diverse Pfeifen bzw. Pipes, Whistles und Flutes.
Sein Name – und das kann man sich ruhig auf der Zunge zergehen lassen – ist: Conal McDonagh.

„Irish Celtic – Spirit of Ireland“ im Admiralspalast in Berlin-Mitte
Friedrichstraße 101, 10117 Berlin
U-, S- und Fern-Bahnhof Friedrichstraße

Freitag, den 5. Januar 2018, 20 Uhr

Samstag, den 6. Januar 2018, 16 Uhr und 20 Uhr

Sonntag, den 7. Januar 2018, 14 Uhr und 18 Uhr

Eintrittskarten ab Euro 26,50

„Irish Celtic – Spirit of Ireland“

in München – Deutsches Theater vom Di., 3. bis So., 8. April 2018

www.irishceltic.de




Eine sensationelle Augenweide! Das kubanische ,Ballet Revolución‘ macht aus modernem Tanz, Ballett und Street Dance einen bildschönen, bewegten Mehrwert

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ballet Revolución sagt noch nicht alles, verweist aber auf die kubanische Herkunft des Ensembles und ihre Art, klassisches Ballett und modernen In- und Outdoor-Tanz zu revolutionieren, zu vermengen, zu verwirbeln wie die Tänzer auf der Bühne. Das Photographieren während der Vorstellung ist dem Publikum verboten. – Der Hinweis war vielleicht überflüssig, denn es gab so gut wie keinen Augenblick, an dem man ein scharfes Photo hätte festhalten können.

Die Tänzer gönnten sich kaum ein Atempause, höchstens, dass sich einige von ihnen auf der Hinter- und Seitenbühne befanden, während sich vorn im Scheinwerferlicht ihre Kollegen und Kolleginnen in immer neuen Kombinationen zusammenfanden und den Betrachter mit wechselnden Kostümen, legendären Moves und auch mal oben ohne überraschten: 12 Männer mit nacktem Oberkörper und natürlich „angetanzten“ Muskeln – unwiderstehlich.

Große Kraftakte im Stemmen ihrer Partnerinnen und Partner beim Paartanz und – ja, so muss man es beim Namen nennen, bei regelrechter Tanz-Artistik – gelangen en passant mit der Leichtigkeit eines Schwarms farbenfroher Schmetterlinge und der Geschmeidigkeit des Jaguars, der nach einem mächtigen Sprung lautlos aufsetzt, ohne dass man im Wasserglas ein Zittern verspürt.

Bunt begann es, die Tänzer unten schwarz gekleidet, um die Gruppe zu betonen, oben uni in verschiedenen kraftvollen, nicht grellen Farben, die die Individualität der Tänzer herausstellt.

Bei der neuen Show von ‚Ballet Revolución‘ kann sich kein Tänzer verstecken, einer ist besser als der andere, jeder hat seine Stärken und Besonderheiten.

In immer neuen Gruppen, sechs Paaren, Dreiergruppen oder in Dreiecksakrobatik drei Männer mit einer Frau; dazu das genannte Highlight mit einem runden Dutzend Männer ohne weibliche Begleitung.

Spitzentänzer, wohin man schaut, 18 an der Zahl, doppelt so viel Männer wie Frauen.

Musik!

Die Ballet-Revolución-Live-Band mit den Top-Hits von Justin Timberlake, Justin Bieber, Enrique Iglesias müsste man erwähnen. Darunter die Sängerin Janine Johnson, der sich nicht versteckende Schlagzeuger Rayhner Lasserie Chegoy und der Sänger Weston Foster. Bis heute im Ohr: Thommy Garcia Rojas‘ Trompetenklänge.

Die Band beginnt vor und nach der Pause mit dem belebenden Feuer eigener Stücke: „El Panadero“, „Mambo 100“ und „Trompeta“. Es folgen perfekt auf die Tänzer abgestimmte große und aktuelle Songs.

„Freedom“ von George Michael in großen Lettern an der LED-Wand begleitet einen in die Pause in die Freiheit. Das jedoch nicht, ohne mit ,Coldplay‘ das Leben zu feiern: „Viva la Vida“.

Nach der Pause reißen die Höhepunkte nicht ab: Justin Bieber braucht sich nicht zu entschuldigen, James Browns „Man‘s World“ wird zeitgemäß und gendergerecht relativiert, Prince lässt Purple Rain regnen.

In gegenseitig überschäumender Begeisterung, die Publikum und Tänzer erfassen, werden mehrere Zugaben in einem Tempo angehängt, bei dem sogar die Beleuchter zum Schluss nicht mithalten können.

Rampenlicht hin oder her, diese Show gehört zu den ganz großen, und wer eher auf den Geschmack der Queen of England vertraut, sollte erst recht hingehen.

Das „Creative Team“ von Ballet revolución

An erster Stelle ist der Choreograph Roclan Gonzalez Chavez zu nennen, der, nicht verwunderlich, in Havanna die „Escuela National de Arte“ absolvierte. Vor circa 20 Jahren schloss er dort in den Fächern „Zeitgenössischer“ und „Folkloristischer Tanz“ ab. Er erhielt als Jahrgangseinziger ein Stipendium für ein Choreographiestudium, ein weiterführendes. Und wie ihn das weitergeführt hat – und vor allem sein Talent.

Gonzalez arbeitete fortan nicht nur mit den bekanntesten kubanischen Künstlern und Tanzgruppen zusammen, sondern auch mit dem weltbekannten „Cabaret Tropicana“.

Er ist für das kubanische Fernsehballett tätig, bei vielen Videoproduktionen, der „Cuba Disco“ und den „Cuban Music Awards“.

Jüngst tourte er mit den Shows „LADY SALSA“ und „THE KINGS OF SALSA“ durch vier Kontinente, unseren und Asien, Australien und Nordamerika. Er arbeitete in ganz Lateinamerika, also in Mexiko, Mittel- und Südamerika, erlernte Samba und Tango.

Er erschafft Synthesen aus Elementen vieler Völker und Zeiten.

Ballet revolución mit „Chiky“ und Cash

Der Choreograph Aaron Cash aus Brisbane, einst einer der „Tap Dogs“, hat schon eine große Fernsehkarriere, auf die er zurückschauen kann. Ein Highlight 2014 – die Jury-Mitgliedschaft bei “SO YOU THINK YOU CAN DANCE AUSTRALIA“ zusammen mit Paula Abdul.

Der musikalische Direktor der ,Ballet Revolución‘ ist Osmar „Chiky“ Salazar Hernandez. Nachdem er beim „Jojazz“ Cuban Jazz-Festival zum besten Bassisten gewählt wurde, ist er weltweit auf Tour, komponierte sogar eigene Stücke für „LADY SALSA“ und „THE KINGS OF SALSA“. Dort spielte er sie als Teil einer zehnköpfigen Band auch selbst. Er ist in einer Handvoll Genres unterwegs, stand an der Seite international bekannter Künstler und nahm 15 Alben auf.

Kostümdesigner Jorge Gonzalez (https://youtu.be/Fru5tvoqndw): während des Vietnamkriegs auf Kuba geboren, lange nach dem Prager Frühling in Preßburg (Bratislava) studiert, in Prag Modeluft geschnuppert. Als Model entdeckt. Stylist, Modechoreograph und Fashion-Show-Organisator. Nach dem Diplom in die Weltstadt Hamburg, wo Seeluft und Ozeandampfer Nachricht aus der Karibik über den wilden Atlantik bringen. Ab 2010 Catwalktrainer und Modelcoach bei GNT mit Heidi Klum; Publikumsliebling.

Tourorte der neuen Show des Ballet revolución

Zwischen Weihnachten und Silvester erbebte der Admiralspalast in der deutschen Hauptstadt.

2018 wird die ganze Bundesrepublik Deutschland bereist, auch Österreich und die Schweiz.

Heute und morgen in der Bielefelder Stadthalle, am 5. und 6. Januar im Festspielhaus in Baden-Baden, vom 9. bis 14. Januar im Musical-Theater in Basel.

Weiter geht‘s über Köln, Essen, Nürnberg, Bremen, Mannheim, Leipzig nach Zürich. Dann über Düsseldorf, Chemnitz, Frankfurt am Main in die österreichische Hauptstadt Wien.

Ende März von Dortmund in den April hinein nach Stuttgart und in Jorge Gonzalez‘ Heimat Hamburg. Den (vorläufigen?) Abschluss bildet vom 17. bis 22.4.2018 München (Circus Krone).

Dass der Berliner Admiralspalast nahe der Weidendammer Brücke ein Ort für internationale Ballettspitzenleistungen ist, wurde mit Ballet revolución erneut bewiesen. Weitere Beispiele für die Attraktivität des Spielorts an Spree und Friedrichstraße wie „Les Ballets Trockadero de Monte Carlo“ unter „Bühne“. Besagter Artikel heißt: „Da bleibt kein Auge trocken“.
kulturexpresso.de/da-bleibt-kein-auge-trocken-die-trocks-im-admiralspalast-in-berlin-les-ballets-trockadero-de-monte-carlo-fuer-alle-ein-spass/




Das Missverständnis von Albert Camus.

Absurditätärätätä – In den Kammerspielen lässt Jürgen Kruse „Das Missverständnis“ missverstehen

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Es gibt viel zu sehen auf der von Volker Hintermeier ausgestatteten Bühne zum Stück „Das Missverständnis“ von Jürgen Kruse. Schon beim Hereinkommen kann das Publikum hinter einem durchsichtigen Vorhang im Halbdunkel Unmengen von Gegenständen ausmachen. Die Flut der Dinge ist nicht aufzuhalten. Über den Köpfen der Zuschauenden ist eine rote Leine gespannt, an der eine Haarbürste, ein Topflappen und Babyspielzeug hängen.

Wenn Linda Pöppel den Vorhang beiseite schiebt, wird es auf der Bühne nicht viel heller, aber die Stimmung ist eher heimelig als düster, wie in einem voll gestellten Trödelladen. Zwischen Möbelstücken, Musikinstrumenten, einer Batterie Weinflaschen und zahlreichen größeren und kleinen Gegenständen steht in der Mitte ein Empfangstresen, hinter dem sich die Mutter (Barbara Schnitzler) räkelt.

Die Musicbox ganz hinten an der Wand funktioniert. Im Verlauf des Stücks werfen drei junge Leute dort Münzen ein, bringen sie zum Leuchten und Klingen und tanzen mit Albert-Camus-Masken zur Musik.

Regisseur Jürgen Kruse hat das karge Personal des Stücks ein bisschen aufgestockt. Anne Makosch, eine der jungen Frauen, erscheint auch als „Kommisarinerynis“, die beständig sehr konzentriert mit einem Besen Strohhalme hin und her kehrt. Einmal darf sie einen roten Farbfleck auf das Bettlaken sprühen, an dem Martha (Linda Pöppel) und ihr Bruder Jan (Manuel Harder) spielerisch zerren. Das gelbe Absperrband der Polizei vor der Bühne weist überdeutlich darauf hin, dass es sich hier um einen Tatort handelt.

Albert Camus fand den Stoff für sein Stück in einem Zeitungsartikel, in dem über einen Mord in einem tschechischen Dorf berichtet wurde. Die Geschichte ist absurd genug, um in Camus’ Weltbild zu passen: Ein Mann, in der Fremde reich geworden, kehrt nach zwanzig Jahren in sein ödes Heimatdorf zurück, wo seine Mutter und seine Schwester ein Gasthaus betreiben und wohlhabende Reisende ermorden und ausrauben. Die Frauen erkennen den Sohn und Bruder nicht, und er zögert den Augenblick hinaus, in dem er seine Identität preisgeben und Mutter und Schwester zu Wohlstand und Glück verhelfen will. Er zögert so lange, bis es zu spät ist.

2008 hat Gil Mehmert „Das Missverständnis“, ebenfalls in den Kammerspielen, mit sparsamen Mitteln sehr prägnant inszeniert. Auch in dieser Inszenierung war Jans Frau Maria, die erst ins Gasthaus kommen soll, wenn ihr Mann sich zu erkennen gegeben hat, wie eine Geistererscheinung an seiner Seite. Maria hat Angst um Jan, hat ihm von dem Versteckspiel abgeraten und ist in Gedanken bei ihm, von ihm unbemerkt, während das Publikum sie sieht.

Bei Jürgen Kruse scheint Jan seine Frau auch dann nicht zu bemerken, wenn sie real anwesend ist. Die AkteurInnen reden nicht miteinander. Meistens stehen sie an der Rampe und richten ihre Worte ans Publikum, dem sie vorrangig demonstrieren, was ein Missverständnis ist.

Das Wort Missverständnis kommt im Stück einmal vor, während es hier vielfach erscheint, oft zusammenhanglos und, eben missverständlich, mit verstellten Buchstaben. Auch andere Worte werden verdreht ohne dass dies zu bemerkenswerten Neuschöpfungen führt. Manchmal wird die Wortstellung in Sätzen so verändert, dass sich die Sprache wie deutsch von Ausländern anhört, und manchmal spricht die Mutter mit französischem Akzent. Manuel Harder flicht gelegentlich Schlagerzitate in seine Texte ein und bekam in der B-Premiere einen Lacher, weil er seine Frau als „Santa Maria, Insel, die aus Träumen geboren“, titulierte. Sonst wurde nicht gelacht, und zweimal verließen einige ZuschauerInnen den Saal. Manuel Harder sagt als Jan: „Diese Stunde ist nicht leicht“, und ein Zuschauer stimmte ihm lauthals zu.

Nicht nur eine, sondern knapp zwei Stunden dauert die Vorstellung, und die schleppen sich spannungslos dahin. Irgendwann taucht über der Bühne ein seltsames Gebilde auf, vielleicht einer der Planeten des kleinen Prinzen, senkt sich herab und entschwindet wieder.

Die Musik ist zusammengetrödelt wie das Bühnenbild. Neben französischen Chansons ein bisschen Wolf Biermann, „Mr. Tambourine Man“ auf deutsch, der rosarote Lampion von France Gall, und immer wieder fassen sich alle ganz plötzlich an den Händen und singen: „Fahrende Musikanten, das sind wir“. Dies ist einer der beiden Running Gags. Der andere ist der häufige Zwischenruf „Existenzialismus!“ von Jürgen Huth in der Rolle „der alte Knecht“, im Programmheft als „Alterstummerdienerknecht“ bezeichnet.

Bis auf Wort- und Satzverdrehungen und viele Wiederholungen ist an der Übersetzung von Guido G. Meister kaum etwas geändert. Jan kommt allerdings nicht nach zwanzig, sondern nach 19,99 Jahren nach Hause zurück.

Die SchauspielerInnen wechseln zwischen gekünstelter Sprechweise und Konversationston und haben, aufgrund der vielen Verfremdungseffekte, kaum Chancen, die von ihnen verkörperten Personen mehr als rudimentär zu skizzieren.

Trotzdem gelingt es Alexandra Finder, die wachsende Besorgnis von Maria und ihre Verzweiflung und ihr Entsetzen am Schluss ganz verhalten und anrührend zum Ausdruck zu bringen.

Auch Linda Pöppel setzt bemerkenswerte Akzente im Inszenierungschaos. Ihre Martha ist eine Kämpferin, überzeugt von ihrem Recht auf ein besseres Leben. Sie verschließt sich vor dem Mitleid mit ihren Opfern ebenso wie vor ihrer eigenen Verbitterung und setzt ihre Träume dagegen. Am Ende geht sie voller Zorn und Empörung in den Tod.

Diese schauspielerischen Leistungen vermögen jedoch den Abend nicht zu retten. Der Regisseur, der hier in seiner ganzen Allmacht präsent ist, serviert das Stück als einen Wust von Kleinteilen, die weder Sinn noch bedenkenswerten oder auch nur vergnüglichen Unsinn ergeben.

„Das Missverständnis“ von Albert Camus hatte am 3. Dezember Premiere in den Kammerspielen. Nächste Vorstellungen: 25.12.2017 sowie 03. und 13.01.2018.

Anmerkung:

Der Beitrag von Hinrike Gronewold wurde im WELTEXPRESS am 20. Dezember 2017 erstveröffentlicht.




Weihnachten auf dem Balkon.

„Weihnachten auf dem Balkon“ in der Komödie am Kurfürstendamm

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Der ganz normale Weihnachtswahnsinn mit Lachmuskel-Aktivitäts-Garantie! Der französische junge Erfolgsautor Gilles Dyrek karikiert ein fröhliches Weihnachtsfest in Paris.

In jedem deutschen Haushalt dieser Zeit könnte es ähnlich ablaufen: der tolpatschige Ehemann Patrick (Tino Führer in einer Doppelrolle) lässt nicht nur die Weihnachtsgans und -ente, sondern gleich auch die Schokoladentorte auf den Boden fallen.

Seine ständig am Rande des Nervenzusammenbruchs agierende gestresste Ehefrau Eliane (Adisat Sementisch in einer Doppelrolle) hat’s nicht leicht. Die ewig herumkommandierende, meckernde Schwiegermutter ist zu Besuch (Dela Dabulamanzi) und lässt „die Puppen tanzen“.

Ihr zweiter Sohn Etienne (Harald Effenberg in einer Doppelrolle) ist ebenfalls zum Weihnachtsessen gekommen, telefoniert ständig mit seiner Geliebten auf dem Balkon. Der halbwüchsige Sohnemann Sébastien (Olivier Dupont in einer Doppelrolle) im Gruftie-Look lässt sein Frettchen auf dem Tisch des Hausens für Grausen sorgen.

In der Nachbarwohnung ist der „normale Weihnachtswahnsinn“ ebenfalls im vollen Gange: Die hochschwangere Anne-Cécile entbindet, ihre Schwägerin Marjorie „schleppt“ den dritten Freund namens Christophe in Folge an, der nicht Arzt ist, wie sie behauptet, sondern Metzger und bei der Geburt doch noch helfen kann, ihr Vater Jacques will unbedingt den Weihnachtsmann für die Kleinen spielen und darf nicht, springt in der Nachbarwohnung ein, weil Klein-Hubert sich nicht mehr beruhigen mag, bevor nicht der Weihnachtsmann auftaucht. Jaques, der ein Alkoholproblem hat, lässt sich dort mit Champagner „volllaufen“ und flirtet heftig und erfolgreich mit der Schwiegermutter.

Alles in allem wurden zwei Stunden mit Pause vergnüglicher, turbulenter Szenen mit sechs Schauspielern in zwölf Rollen auf zwei Balkonen in zwei Familien auf die Bühne gebracht.

Mit „Oh, Du fröhliche …“ beginnt die Komödie, mit „Stille Nacht, heilige Nacht“ endet das rasante, mit witzigen Dialogen gespickte Stück. Das Publikum singt das Weihnachtslied am Schluss mit, bevor nicht endender Applaus erschallt.




Elefantenwolke

Geheim! Die Fremde in Das Fremde in der Fremde – an einem unbekannten, brutal nebulösen Ort. Björn Zahns Stück mit Betty-Despoina Athanasiadou bringt die Message in die Botschaft

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Wir Journalisten sind gewohnt, Informationen zu überliefern. Bei einem Theaterstück Ort, Zeit und vielleicht noch den Eintrittspreis. Einen Preis, den man in diesem Fall gewiss zahlen muss, ist, selbst den Ort herauszufinden. Denn wir kennen ihn nicht. Nicht, dass wir ihn wüssten und verheimlichen – er ist tatsächlich geheim. Das Fremde: Ein Geheimtip, der seinen Namen verdient. Der Aufführungsort ist Berlin. Die Uhrzeit steht fest: 21 Uhr. Viel Spaß beim Suchen.

Berlin ist größer als ein Drittel Luxemburgs. Viermal so groß wie Malta, die Insel. Aussichtslos. Die Veranstaltung wird deshalb zweimal wiederholt, nach der Premiere am Samstag, 9. Dezember, am 15.12., Freitag, und am Donnerstag, den 21.12. Fände die Theateraufführung in Jübar, Hanum oder Oedeme statt, hätte man vielleicht eine Chance, den Ort zu finden und pünktlich zu kommen. Nicht so in der deutschen Hauptstadt. Da hilft es auch wenig, dass das „Theater in einer Berliner Botschaft“ ‚ist‘. Von den Kneipen, die sich „Botschaft“ nennen, einmal ganz zu schweigen. Fast in jeder Kirche wird die ‚Gute Nachricht‘ verkündet, Gotteshäuser sind Orte für Botschaften. Zählt die Vertretung der 1911 gegründeten Republik China, als Taiwan bekannt, dazu?
Ein Konsulat wird es wohl nicht sein, der Veranstaltungsort für das Event.

Und das Stück?

Nebulös

Wir wissen von dem Stück nicht mehr als der Leser. Mancher Leser durchbohrt vielleicht mit dem Laserstrahl der Kenntnis den Nebel des Unwissens.

Nebel

Das Theater heißt „Nebel brutal“. Brutal ist die schonungslose Wahrheit, die man manchmal nicht hören möchte, wie in den im August 2017 aufgeführten „Wirtuationen“, die gar nicht wirr erschrecken ließen wie der Löwe, Tiger oder Bär, die im klaren Wasser ihr Spiegelbild erblicken und es für einen Fremden halten.
„wir wissen das-
wir wissen, dass wir jetzt dran sind-wir waren zu lange nicht dran
allmählich müssen wir dran sein
und es wird bald sein
jetzt“.

Mit Verlaub, wem läuft da nicht ein Schauer den Rücken herunter?
Dem Ignoranten? Oder dem Schönfärber? Dem Ewiggestrigen? Dem Gläubigen, der um die Realität einen allzubrüchigen Kokon zu stricken versucht?

Der Reiz des Unbekannten

Die erste Zigarette wurde (genauso wenig wie die zweite, wenn sie denn folgte) nicht geraucht, weil sie schmeckte. Auch nicht wegen des unweigerlichen Hustens. Sie hatte soziale oder Entdeckungsgründe.
Drogen, Alkohol – in der Jugend vom Reiz des Neuen umgeben. Einem Nebel, den zu durchdringen man durchs „Ausprobieren“ hofft(e). Vergeblich. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Eyes Wide Shut

So eine Veranstaltung wie die Aufführung des Stückes „Das Fremde“ lässt sich nur noch vergleichen mit der Swingerparty aus „Eyes wide shut“. In dem Spielfilm ist das zentrale Ereignis eine geschlossene Veranstaltung an einem geheimen Ort, zu dem man Zutritt nur nach Einladung hätte, ohne eigentlich eine Einladungskarte vorzeigen zu können.

Heimlich muss sie stattfinden, da die sexuellen Ausschweifungen, denen maskierte Wohlhabende frönen, nicht in das moralische Bild der umgebenden Gesellschaft der USA passen. Die puritanisch-frigiden Sonntagsreden der Politiker und Moralapostel, die den Wert der Familie predigen, würden als Doppelmoral enttarnt, wenn die Öffentlichkeit von dem Event oder den aus dem Fernsehen bekannten Teilnehmern erführe.
„Geachtete Mitglieder der Gemeinde“ und „tragende Säulen der Gesellschaft“ würden mit Stumpf und Stiel ausgerottet, hinfortgejagt, geteert und gefedert, wenn ihr Treiben ans Licht käme.

Spannend

ist das Theaterstück also allemal. Selbst wenn gar nichts passierte. Selbst, wenn es nicht treffend „Das Fremde“ hieße.

Der erste Farbfilm, der erste 3D-Film, die erste Rundfunk-oder Fernsehübertragung wäre auch dann mit Spannung verfolgt worden, wenn sie Oma Krause beim Stricken oder die Bilder einer Verkehrsüberwachungskamera gezeigt hätten.

Der geheime Ort – nur ein Marketingtrick? Nun, niemand will Massen von Interessierten abweisen, seien es nun vor dem begrenzten Platz der Räumlichkeiten der Botschaften Lesothos, Monacos oder Bruneis oder vor den großzügigeren Palais der ehemaligen Besatzungsmächte.

Wir sind also doppelt und dreifach gespannt und haben selbst ob der Reservierungspflicht keine Teilnahmegarantie.

Das Fremde in und außerhalb der Dose

Yoko Tawada verfasste „Das Fremde in der Dose“. Die deutschschreibende Japanerin aus Hamburg verpackte es noch oder beschrieb das Eingedoste.
Bekanntes in der Dose wäre die Berliner Luft.

Nebel schwebt in der Luft und entzieht sich dem Zugriff fast wie die Wolken. Filmemacher wie Hitchcock oder einige Japaner wussten das in Farbe und Schwarzweiß zu nutzen.

Das Theaterplakat zeigt einen Menschen (eine Figur?) unter einer pelzigen, flocatiähnlichen (furry) Maske. Ein gute Verbildlichung des Fremden.

Fremd ist das, was wir noch nicht kennen. Es gibt Menschen, darunter Politiker, die fahren jedes Jahr an denselben Ort in Urlaub. Dieser war ihnen beim ersten Mal fremd.

Lernen wir jemanden kennen, wandelt sich der Fremde automatisch in einen Bekannten.

Das Unbekannte, das wir entdecken, wir zwangsläufig bekannt.

Kolumbus entdeckte Amerika. Die Wikinger und Indianer (First Nations) kannten es, nannten es Schildkröteninsel.
Die Europäer bemühten Amerigo Vespucci zur Benennung, einen Europäer. Unter dem Namen ‚Amerika‘ ist es heute auch dort bekannt.

Philip Reis erfand das Telefon, Konrad Zuse den Computer.
Vielleicht benutzten Außerirdische, uns Fremde, die anderen bekannt sein mögen, nach ähnlichen Prinzipien funktionierende Geräte schon lange.

Das Fremde ist nur so lange fremd, wie wir es nicht kennengelernt haben. Die Fremde ist nur so lange fremd, wie wir sie nicht kennengelernt haben.

Das Fremde.
Ein theatrales Mixtape von Björn Zahn. Eine Nebel-brutal-Produktion.
(Erläuterung ‚Mixtape‘ für Einheimische, denen die englische Sprache oder der Begriff fremd ist: Das Mixtape ist ein Begriff aus der Zeit, als Compact-Cassetten alternativlos waren oder nur vom überlegenen Tonband ersetzt werden konnten (oder, von den wenigen, die sie selber pressen konnten, von Schallplatten). Das unbespielte, „leere“ Band – Tape – wurde dann zum Mixtape, wenn man nach eigenem Gusto dort etwas aufnahm, mehr als ein, zwei Stücke – Quellen konnten Radio und Schallplatte sein.)

9., 15. & 21.12.2017 jeweils um 21 Uhr. Theater in einer Berliner Botschaft. GEHEIMER ORT. Begrenzte Teilnehmerzahl.
Nur mit Reservierung.
(Anmeldung und Infos zur Location unter nebelbrutal@gmail.com)
Darsteller: Betty-Despoina Athanasiadou, Marc C. Behrens, Lena Milde, Simon Mayer, Björn Zahn, Celina Basra und Till-Jan Meinen.

Regie/ Kostüm/ Konzept: Björn Zahn
(Mit Unterstützung des Theaterhauses Mitte.)

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“Heisenberg” am Renaissance-Theater Berlin – Über eine romantische und kafkaeske Komödie um Quantenphysik und Liebe

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Ein Stück, wo man unvermittelt laut loslachen muss, ob der bizarren, im Stakkato explodierenden Äußerungen der ca. 40-jährigen, teil sehr ordinären, sich ständig in Lügen neu erfindenden Georgie (meisterhaft gespielt von Susanna Simon), stets aus dem Zusammenhang gerissene, direkte Fragen, Antworten, Attacken („Du fetter alter Sack!“) an und auf ihren 33 Jahre älteren Partner, den Metzger Alex (brilliant dargestellt von Walter Kreye). Eineinhalb Stunden inszenieren die beiden ihr Kennen- und sich Liebenlernen auf einer minimalistischen Bühne, ausgestattet mit einer verschiebbaren treppenähnlichen Konstruktion, die alles darstellen kann: Bahnhof, wo sie sich zuerst kennenlernten, Riesenbett auf dem sie sich lieben, Restaurant, wohin Alex Georgie ausführt oder einen Naturpark in den USA, wohin die beiden sich begeben auf der vergeblichen Suche nach Georgies Sohn – oder doch zu sich selbst?

In den Szenenwechseln mit verdunkelter Bühne, wo im Hintergrund in einem Permanentfilm eine äußerst stark frequentierte Londoner Straße mit geschäftig daherlaufenden Menschen gezeigt wird, wird das 68er-Publikum (und ältere) mit Liedern von John Lennon und Beatles-Songs beglückt.

Wieso heißt das Stück Heisenberg? Und wieso Heisenberg? Werner Karl Heisenberg war ein deutscher Kernphysiker und Nobelpreisträger, der zu den bedeutendsten Physikern des 20. Jahrhunderts zählt. Die Heisenbergsche Unschärferelation oder Unbestimmtheitsrelation (seltener auch Unschärfeprinzip) ist die Aussage der Quantenphysik, dass zwei komplementäre Eigenschaften eines Teilchens nicht gleichzeitig beliebig genau bestimmbar sind. (Quelle: Wikipedia)

Eineinhalb Stunden konzentriertes, bravouröses Spiel der beiden Darsteller – es ist sicher eine Herausforderung, diese Beckett-ähnlichen Texte lernen und abrufen zu können! Das Publikum gouttiert dies mit großem Beifall und Bravo-Rufen. Autor Simon Stephens hierzu: „Die Idee, dass ein Teilchen sich unvorhersehbar verhält und dass man das vorhergesehene Verhalten des Teilchens nicht wirklich beobachten kann, hat mich gefesselt. Ich hatte das Gefühl, dass darin vielfältige Metaphern für das Leben, das Theater und die Musik enthalten sind.“

Ironischerweise passt das Stück auch noch nur zu gut in unsere heutige Zeit, wo ein kleiner dicker Koreaner und ein missratener Abkömmling eines in die USA ausgewanderten Deutschen die Welt mit der Atombombe zerstören wollen: Der US-amerikanischer Historiker Thomas Powers porträtierte Heisenberg als Held des Widerstands (Heisenbergs Krieg, 1993); er habe trotz Kenntnis der richtigen Werte die kritische Masse unerreichbar hoch erscheinen lassen. Für Paul L. Rose dagegen war Heisenberg ein unfähiger Nazi, der die Bombe entwickeln wollte, allerdings scheiterte (Heisenberg und das Atombombenprojekt der Nazis, 2001). (Quelle: Zeit.de/Wissen)

Wieder einmal hat Intendant Horst Filohn ein zielsicheres, „goldenes“ Händchen bewiesen beim Griff nach diesem preisgekrönten Autorenstück.

Ein Stück, welches anregt und das begeisterte Publikum beim Verlassen des mit wunderschönen Art-Deco-Holztäfelungen bestückten Theaters in Danach-Gespräche bei einem Glas Wein entlässt.




Das Gespenst von Canterville

Garantiert gruselfrei oder Ein Familienmusical mit Geist – „Das Gespenst von Canterville“ im Theater am Kurfürstendamm in Berlin

Berlin, Deutschland (Kulturexpresso). Eine witzige, ausgezeichnete Musical-Adaptation vom berühmten Roman „The Ghost of Canterville“ von Oscar Wilde wird auf der Ku’dammbühne namens Theater am Kurfürstendamm für Groß und Klein gesungen und getanzt.

Der amerikanische Botschafter Hiram B. Otis kauft das altehrwürdige Schloss Canterville trotz zahlreicher Warnungen, dass es dort spukt. Kurz nach dem Einzug geht es auch schon los: Ein Poltergeist macht sich bemerkbar. Doch die pragmatischen Amerikaner lassen sich nicht aus dem Konzept bringen. Leider lässt sich auch Sir Simon (ein besonders unangenehmer Vorfahre der Cantervilles) nicht so schnell von seinem Vorhaben abbringen, die neuen Besitzer mal gehörig zu erschrecken. Aber egal, was er sich auch einfallen lässt, immer wieder prallt sein Spuk an der fröhlichen Familie ab. Bis schließlich die Tochter Virginia auf das verzweifelte und selbst schon völlig verängstigte Gespenst trifft und sich seiner annimmt.

Die Puppenspieler Andreas Pfaffenberg spielt und singt herrlich gleichzeitig den Butler und die Haushälterin, die als witzige 1 Meter große Handpuppe für Stimmung sorgt. Musicaldarstellerin Henriette Schreiner singt und tanzt in Dreifachrolle einmal die Tochter des amerikanischen Diplomatenpaars und auch spielt sie einen der Rabauken-Zwillingsbrüder – auch als 1 m große Handpuppe. Genauso der 20-jährige Joshua Edelsbacher, der den jungen Duke spielt und auch einen der Handpuppenzwillinge, die ständig Schabernack und Unsinn treiben. Am schwersten hat es das Schlossgepenst, Sir Simon de Canterville (Mathias Kusche), der sich ständig behaupten muss.

So kommuniziert er mit den Kleinen im Publikum, die auch rege mitgehen und auf seine Fragen ins Publikum, wie er sich vor den Zwillingen retten soll, aufgeregt mit hellen Kinderstimmchen aus dem Off antworten. Die ganz Kleinen fürchten sich stellenweise dann doch ein wenig, aber gleich geht das muntere Treiben auf der Bühne weiter. Ein 5-jähriges Mädchen kommt freiwillig auf die Bühne und gibt dem Geist Tipps, wie es am besten Menschen erschrecken kann. Zur Belohnung erhält sie einen blinkenden Zauberweihnachtsstab mit Stern. Auch der zwölfjährige Benjamin sitzt in einer Reihe gleichaltriger und verlässt den Saal mit einem Song des Musicals auf den Lippen. Das Publikum muss nämlich auch den Refrain mitsingen: „Du bist das Gespenst von Canterville und wir hören Dir gerne zu.“

Ein wundervolles Musical mit vielen hübschen Songs und witzigen Gespenstertanzszenen, erfrischend und lustig, für Groß und Klein und garantiert gruselfrei ab einem Alter von vier Jahren.

Die Premiere fand am 18. November 2017 statt. Das Stück wird im Theater am Kurfürstendamm noch bis 27. Dezember 2017 gespielt.